Kokzidioidomykose

Die Kokzidioidomykose ist eine Infektion, die durch das Einatmen von Sporen von Coccidioides immitis, einem Pilz, verursacht wird. Der Erreger kommt vor allem in Trockengebieten im Südwesten der USA und in Ländern Südamerikas vor.

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Kokzidioidomykose

Die Kokzidioidomykose ist eine Infektion, die durch das Einatmen von Sporen von Coccidioides immitis verursacht wird. Es handelt sich dabei um einen Pilz, der in Trockengebieten im Südwesten der USA, vor allem in Zentral-Kalifornien, Arizona, Teilen von Texas und Mexiko auftritt. Darüber hinaus tritt Kokzidioidomykose auch in Mittel- und Südamerika auf. Die Infektion wird auch als „Talfieber“ oder „Wüstenfieber" bezeichnet und äußert sich in den meisten Fällen wie eine Erkältung/Grippe. In Deutschland tritt diese Infektion sehr selten auf.

Coccidioides immitis
Coccidioides immitis (Centers for Disease Control and Prevention, USA)

Jährlich werden in den USA 25.000 Ansteckungsfälle gemeldet, davon ca. 75 mit tödlichem Ausgang. Studien zeigen, dass etwa 50–60 % der Infizierten keine Beschwerden haben, die Infektion also unbemerkt verläuft. Etwa 40 % zeigen erkältungs- oder grippeähnliche Symptome, die in der Regel ohne Behandlung wieder abklingen. Etwa 10 % entwickeln eine schwere Lungenerkrankung. Bei einem geringen Prozentsatz kommt es zu einem heftigen Krankheitsausbruch, bei dem mehrere Organe im Körper angegriffen werden, meist mit Beeinträchtigung der Haut, Knochen und des zentralen Nervensystems. Weniger als 1 % erleiden eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die mit schweren Symptomen und erhöhter Sterblichkeit verbunden ist, und die ohne Behandlung in der Regel tödlich verläuft. 

Ursachen

Die Infektion wird durch das Einatmen der Sporen des Pilzes Coccidioides immitis verursacht. Der Pilz gedeiht im Boden, aber unter trockenen Bedingungen können die Sporen in die Luft gewirbelt und auch von dort aus übertragen werden. Von der eigentlichen Infektion bis zum Ausbruch von Symptomen vergehen in der Regel 1–4 Wochen. Die Erkrankung kann im Körper entweder lokal auf die Lunge begrenzt sein oder sich über das Blut auf andere Organe ausweiten.

Risikofaktoren für Komplikationen sind: Alter (Kleinkinder und ältere Menschen), Immunschwäche (z. B. HIV, Krebs, immunsuppressive Therapien) und eine Schwangerschaft im dritten Trimester. Personen indianischer, asiatischer oder afroamerikanischer Herkunft sind vergleichsweise häufig von dieser Infektion betroffen.

Symptome

Die Krankheitsanzeichen und -symptome hängen davon ab, welche Organe betroffen sind. Nur etwa 40 % der Infizierten weisen Symptome auf. Möglich sind: Husten (auch blutig), Schmerzen beim tiefen Einatmen, Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Schwäche. Zudem können ein Hautausschlag (ähnlich eines Erythema nodosum), Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Bei mehr als 1 % der Betroffenen kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis); Hinweise darauf sind vor allem Nackenschmerzen und -steifigkeit, Kopfschmerzen.

Diagnostik

Bei einer Blutuntersuchung deuten eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), ein erhöhter CRP-Wert sowie erhöhte Werte der weißen Blutkörperchen auf eine Infektionskrankheit. Bei akutem Krankheitsverdacht kann ein Bluttest (serologischer Test) auf Antikörper gegen den Pilz durchgeführt werden. Spezielle Antikörper zeigen die Reaktionen des Immunsystems auf den Pilz an; so lässt sich die Diagnose genauer stellen. Ausgehustetes Sputum oder eine Liquorprobe können zur Laboruntersuchung eingeschickt werden, wo eine Kultur angelegt wird um den Pilz nachweisen zu können. Aber Vorsicht: Andere Personen können sich anstecken, wenn sie aus dem Sputum freigesetzte Pilzsporen einatmen. 

Eine Röntgenuntersuchung der Lunge kann unterschiedliche typische Veränderungen im Krankheitsverlauf aufzeigen und wird üblicherweise durchgeführt. Bei Anzeichen für eine schwere Infektion im Bereich der Knochen und Gelenke wird möglicherweise eine Szintigrafie zum genauen Nachweis empfohlen. Bei Anzeichen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, um die Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen. Bei einer möglicherweise erforderlichen Untersuchung des Gehirns zeigt die Magnetresonanztomografie (MRT) im Vergleich zur Computertomografie (CT) mögliche Veränderungen noch genauer auf.

Therapie

Eine leichter Infektionsverlauf erfordert im Allgemeinen keine Therapie. Eine moderate Infektion kann mit gegen Pilze wirksame Medikamente (Antimykotika) in Tablettenform behandelt werden (z. B. Itraconazol). Mittelschwere bis schwere Infektionen können eine Therapie mit Amphotericin erfordern, dann ist in der Regel eine Gabe als Infusion direkt in Blut (intravenös) notwendig.

Auch wenn nur leichte Beschwerden bestehen, wird der Arzt eine Therapie mit Antimykotika empfehlen, wenn der Patient an anderen Krankheiten, vor allem Immundefekten leidet oder wenn die Beschwerden nach 2 Monaten noch nicht abgeklungen sind. Die Antimykotika-Therapie sollte über mehrere Monate andauern, Ihr Arzt wird Sie entsprechend beraten. 

Ein chirurgischer Eingriff kann in einigen Fällen, beispielsweise bei Knochenbefall oder lange anhaltendem blutigem Auswurf erforderlich sein. Im Fall eine Hirnhautentzündung kann es nötig werden, (vorübergehend) einen künstlichen Ablauf für den Liquor zu legen, einen sehr dünnen Schlauch (Shunt). Es gibt keine Möglichkeit, einer Infektion vorzubeugen. Impfstoffe werden aktuell getestet.

Prognose

Bei unkompliziertem Krankheitsverlauf ist die Prognose gut. Nach Abklingen der Infektion haben Patienten lebenslange Immunität gegenüber Neuinfektionen. Liegt jedoch eine Immunschwäche zugrunde, kann die Infektion auch nach einer ersten Heilung nochmals auftreten.

Bei kompliziertem Verlauf und/oder umfassender Symptomatik ist, in Abhängigkeit von den in Mitleidenschaft gezogenen Organen, eine schwere Erkrankung möglich.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kokzidioidomykose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Altmeyer P. Online Enzyklopädie Dermatologie. Coccidioidomycose. Zugriff 01.02.2019 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  2. Robert Koch-Institut Berlin. Infektionskrankheiten: Mykosen. Ratgeber/Merkblatt: Kokzidioidomykose. Stand 2015. (Zugriff 01.02.2019) www.rki.de
  3. Rieke B., Küpper T., et al. Moderne Reisemedizin: Handbuch für Ärzte, Apotheker und Reisende S. 224ff. Stuttgart: Gentner, 2010.
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  5. Hoffmeister B. Suttorp N. Kokzidioidomykose. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage 2016 Thieme-Verlag S.1630ff.
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