Echinokokkose

Der Echinococcus granulosus, auch Hundebandwurm genannt, ist ein kleiner Bandwurm, der insbesondere im Nahen Osten vorkommt und von Hunden auf Menschen übertragen wird. Eine weitere Variante ist der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), der in Deutschland heimisch ist und zu einer gefährlichen Erkrankung führen kann.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Echinokokkose ist eine durch Parasiten der Gattung Echinococcus hervorgerufene Infektionskrankheit. Echinococcus ist ein kleiner, nur wenige Millimeter langer Wurm. Zwar gibt es mehrere Unterarten dieses Wurms, aber es sind insbesondere zwei bestimmte Arten, die Erkrankungen beim Menschen verursachen können: der Hundebandwurm (E. granulosus) und der Fuchsbandwurm (E. multilocularis). Besonders die letztgenannte Art kann beim Menschen gefährliche Erkrankungen verursachen.

Der Hundebandwurm ist in Deutschland nicht heimisch. Er kommt vor allem im Nahen Osten, im Nordosten Griechenlands oder auf dem Balkan vor. In Gebieten, wo Schafzucht betrieben wird und die Schlachtabfälle an Hunde verfüttert werden, ist das Risiko einer Ansteckung besonders groß.
In Deutschland tritt die Krankheit kaum noch als einheimische Infektion auf. Die meisten Betroffenen sind Migranten. Es sind aber auch Infektionen durch importierte Hunde möglich.
Die Echinokokkose ist in Deutschland meldepflichtig. 2014 wurden 63 Erkrankungsfälle an zystischer Echinokokkose (E. granulosus) in Deutschland gemeldet.

Infektion und Lebenszyklus des Bandwurms

Der Hauptwirt für Echinokokken sind Wildtiere. Sie können diese Parasiten im Darm tragen, ohne selbst krank zu werden. Der Bandwurm setzt sich an der Darmwand fest, um zu verhindern, dass er mit dem Kot ausgeschieden wird. Reife Würmer legen Eier. Die Eier setzen sich nicht fest, sondern werden mit dem Kot ausgeschieden. Die Larven können erst schlüpfen, wenn sie in einen neuen Wirt gelangen. Dies kann beispielsweise dann geschehen, wenn andere Tiere Gras, Beeren oder Pilze fressen, die durch den Kot des Hauptwirts verunreinigt sind. Den neuen Wirt bezeichnet man als Zwischenwirt. Dabei kann es sich auch um Nutztiere wie Schafe handeln. Im Darm des Zwischenwirts schlüpfen die Echinococcus-Larven. Von dort aus fressen sie sich durch die Darmwand und folgen anschließend dem Blutstrom, bis sie ein Organ finden, wo sie sich niederlassen, in der Regel die Leber. In diesem Stadium unterscheiden sich die beiden Varianten (Hunde- und Fuchsbandwurm) leicht voneinander. Daher werden die Krankheitsverläufe im Folgenden einzeln beschrieben. Die Larven müssen zurück in einen neuen Hauptwirt gelangen, damit sie sich zu geschlechtsreifen Bandwürmern entwickeln können. Dies geschieht, wenn der Hauptwirt (Raubtiere) den Zwischenwirt frisst (s. Abbildung).

Hundebandwurm

Der Hundebandwurm verursacht eine weniger ernsthafte Erkrankung als der Fuchsbandwurm. Die Ansteckung erfolgt meist durch infizierte Hunde, die die Eier in ihrem Fell tragen oder mit dem Kot ausscheiden. Dabei werden die Hunde durch verunreinigte Nahrung angesteckt, wie z.B durch infizierte Schlachtabfälle vom Schaf.

Die meisten infizierten Menschen merken vermutlich nicht einmal, dass sie den Erreger in sich tragen. Gelangt der Parasit in den Körper, setzt er sich fast immer in der Leber fest, wo er eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase (Zyste) bildet. In der Regel breitet sich die Infektion nicht auf andere Organe aus, sondern wird vom körpereigenen Immunsystem abgewehrt. Bei einer Immunschwäche kann es jedoch dem Bandwurm gelingen, eine symptomatische Erkrankung zu verursachen. Trägt man die Larven in sich und entwickelt Symptome, kann dies zu Beschwerden wie allgemeinem Unwohlsein oder in Ausnahmefällen zu Gelbsucht führen. Nach der Leber ist die Lunge der zweithäufigste Ort, an dem sich die Larven niederlassen, dabei treten oft asthmaähnliche Symptome beim Erkrankten auf. Theoretisch kann sich der Bandwurm in jedem Organ niederlassen, je nach befallenem Organ zeigen sich bei der infizierten Person bestimmte Symptome.

Fuchsbandwurm

Der Fuchsbandwurm ist in Deutschland, in Ostfrankreich, der Schweiz und Österreich heimisch. Als Endwirt gilt der Fuchs, der den Waldboden, Pilze und Waldbeeren durch seinen infizierten Kot verunreinigen kann. Der Fuchsbandwurm ist für den Menschen deutlich gefährlicher, da der Wurm sich im ganzen Körper ausbreiten kann und metastasenähnliche Ausbreitungsmuster aufweist. Dadurch werden die Organe in ihrer Funktion gestört. Unbehandelt kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm zum Tode führen. Bei einer Behandlung des Parasiten zeigt sich aber eine deutliche Verbesserung der Patienten. In den 1970er-Jahren lag die durchschnittliche Überlebensrate in Europa bei drei Jahren, für 2005 wurde sie auf 20 Jahre geschätzt. Wird die Krankheit rechtzeitig behandelt, überleben die allermeisten Menschen. Die Eier des Fuchsbandwurms sind nicht wärmeresistent. Bei 70 °C sterben die Eier ab und sind nicht mehr infektiös. Deshalb gilt es gesammelte Beeren und Pilze immer zu erhitzen und nach Spaziergängen im Wald mit Bodenkontakt sich gründlich die Hände zu waschen.

Behandlung

Eine Infektion mit dem Hundebandwurm bedarf oft keiner Behandlung. Viele Menschen tragen die Infektion in sich, ohne dass der Bandwurm die Lebensqualität oder die Lebenserwartung beeinträchtigt. Oft wird erst bei einer Autopsie erkannt, dass sich der Parasit im Körper befand. Es ist aber auch möglich, erst nach 50 Jahren der Infektion Symptome zu entwickeln. Wenn Sie zum ersten Mal Symptome einer Infektion entwickeln, sollten Sie sich unbedingt behandeln lassen.

Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm muss immer so schnell wie möglich behandelt werden, um die Ausbreitung des Parasiten zu verhindern.

Bei einer Behandlung werden die durch die Echinokokken hervorgerufenen Zysten / Geschwulste entfernt. In der Regel geschieht dies durch einen chirurgischen Eingriff und durch Medikamente. In einigen Fällen ist eine Operation nicht zu empfehlen, hier sollte man sich auf eine medikamentöse Behandlung beschränken. Eine medikamentöse Behandlung bremst zwar die Krankheit, sie reicht aber nicht aus, um die Infektion ganz zu beseitigen.

Vorbeugung

Gute Hygiene ist wie immer der beste Schutz vor einer Infektion. Besondere Empfehlungen für Gebiete mit hoher Ansteckungsgefahr sind:

  • Wasser aus Bächen und Seen abkochen
  • immer Schutzhandschuhe bei Kontakt mit Füchsen und mit jeglichen toten Tieren tragen
  • Hände nach einem Kontakt mit Fuchs, Hund (und Hundegeschirr) oder Katze waschen
  • Pilze blanchieren und Beeren gut waschen oder abkochen.
  • Hände vor Mahlzeiten und nach dem Aufenthalt in Wäldern waschen.

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Echinokokkose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Moro PL, Weller PF. Treatment of echinococcosis. UpToDate. Topic last updated: Jul 2015. UpToDate
  2. Vuitton DA. Medscape reference: Echinococcosis. Updated Jan 05. 2010. emedicine.medscape.com
  3. Robert Koch-Institut Berlin, Ratgeber für Ärzte, Echinokokkose, 2005 (Zugriff 11.12.2015) www.rki.de
  4. Robert Koch-Institut Berlin, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2014, Echinokokkose (Zugriff 11.12.2015) www.rki.de
  5. Eckert J, Gemmell MA, Meslin F-X, and Pawłowski ZS, WHO/OIE Manual on Echinococcosis in Humans and Animals: A Public Health Problem of Global Concern. World Health Organisation/World Organisation for Animal Health. 2001.
  6. Brunetti E, Kern P, and Vuitton DA, Expert consensus for the diagnosis and treatment of cystic and alveolar echinococcosis in humans. Acta Trop. 2010; 114(1): 1-16. PubMed
  7. Craig PS, McManus DP, Lightowlers MW et al. Prevention and control of cystic echinococcosis. Lancet Infect Dis 2007; 6: 285-94. PubMed
  8. Junghanss T, da Silva AM, Horton J, Chiodini PL, and Brunetti E, Clinical management of cystic echinococcosis: state of the art, problems, and perspectives. Am J Trop Med Hyg. 2008; 79(3): 301-11. PubMed
  9. Nasseri-Moghaddam S, Abrishami A, Taefi A, Malekzadeh R. Percutaneous needle aspiration, injection, and re-aspiration with or without benzimidazole coverage for uncomplicated hepatic hydatid cysts. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 1. Art. No.: CD003623. DOI: 10.1002/14651858.CD003623.pub3 DOI