Schistosomiasis (Bilharziose)

Schistosomiasis (Bilharziose) ist eine Infektion der Blutgefäße mit tropischen Parasiten der Gattung Schistosoma (Pärchenegel), die in Süßwassergewässern vorkommen.

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Was ist Schistosomiasis?

Im Wesentlichen wird die Erkrankung durch drei Arten von Blutegeln hervorgerufen: Schistosoma mansoni, haematobium und japonicum. Symptome und Anzeichen für die Erkrankung zeigen sich vor allem in Harnwegen und Darm, es können aber auch Milz und Gehirn betroffen sein.

Schistosomiasis stellt ein bedeutendes globales Problem dar. Weltweit sind etwa 250 Millionen Menschen infiziert, d. h. sind Träger einer Infektion. Schistosomiasis hat schwerwiegende Folgen für jährlich 20 Millionen Menschen mit bis zu 200.000 Todesfällen. Im Jahr 2012 wurden ca. 28 Millionen Menschen behandelt. Die Infektion tritt am häufigsten in der Altersgruppe 8–15 Jahre auf.

S. mansoni führt hauptsächlich zu Schistosomiasis im Darm. Dieser Parasit kommt in ganz Afrika, auf der arabischen Halbinsel, in Südamerika (Brasilien, Venezuela, Surinam) und in der Karibik (einschließlich Puerto Rico, aber nicht Kuba) vor. S. haematobium führt hauptsächlich zu Schistosomiasis in der Harnblase. Er kommt im gesamten Mittleren Osten und in Afrika vor. S. japonicum verursacht insbesondere Schistosomiasis im Darm. Er ist in China, auf den Philippinen und in gewissem Teilen Indonesiens zu finden.

Ursachen

S. mansoni und haematobium haben ihr Hauptreservoir beim Menschen, S japonicum bei andernen Säugetieren. Erwachsene Schistosomen sind weiße oder graue Würmer, 7–20 mm lang und mit einem zylindrischen Körper, die über zwei Saugnäpfe, einen an jedem Ende, verfügen. Schistosomen ernähren sich vom Blut, ihre Abfallprodukte werden in das Blut des Wirtes abgegeben. Erwachsene Würmer leben in kleinen Blutgefäßen im Darm (S. mansoni und japonicum) oder in der Blase (S. haematobium).

Lebenszyklus im Menschen

Ansteckungsgefahr der Schistosomiasis
Ansteckungsgefahr der Schistosomiasis

Die mit dem Stuhl oder Harn des Endwirtes ins Wasser gelangten Eier enthalten eine Larvenform, welche schlüpft und aktiv in den ersten Zwischenwirt (in der Regel eine Posthornschnecke) eindringt. Nach 4–6 Wochen haben sich infektionsfähige Larven (Zerkarien) entwickelt, die die Schnecken verlassen und zurück ins Wasser gelangen, wo sie bis zu 72 Stunden überleben können. Die Ausscheidung der Zerkarien findet hauptsächlich am Tage statt. Eine Schnecke kann über mehrere Monate täglich Tausende von Zerkarien ausscheiden.

Menschen, die sich im Wasser aufhalten, werden über die Haut oder die Schleimhäute infiziert. Nach ihrem Eindringen gelangen die Larven mit dem Strom des Blutes und über die Lunge weiter in die Leber, wo sich die Zerkarien zu Schistosomenlarven entwickeln. Nach 4–6 Wochen paaren sich die erwachsenen Würmer und siedeln sich in kleinen Blutgefäßen der Blasen- oder Darmwand an, wo die Weibchen Eier legen. Die Weibchen produzieren täglich Hunderte bis Tausende von Eiern. Beim Ablegen der Eier gelangen einige von ihnen in den Darm oder die Harnblase und über den Stuhl oder Urin nach draußen. Dort sind sie bis zu sieben Tage lebensfähig. Andere Eier verbleiben in den Gefäßgeflechten von Darm oder Blase. Eier können auch über den Blutkreislauf in Leber, Lunge und andere Gewebe gelangen.

Die durchschnittliche Lebensdauer der Würmer liegt bei 3–5 Jahren, sie kann aber bis zu 30 Jahre erreichen.

Krankheitsverlauf

Eine Erkrankung wird hauptsächlich dadurch verursacht, dass der Körper mit Antikörperbildung und Entzündung reagiert, um die Eiablage einzugrenzen und zu bekämpfen. Die Symptome und Gewebeschäden hängen von der Intensität der Infektion ab (Wurmbefall und Anzahl Eier), von erbliche Faktoren beim Wirt, von der Stelle der Eiablage, von andere Krankheiten (Hepatitis B) und der Dauer der Infektion ab.

Bei der Darm-Schistosomiasis kann es zu einer Darmentzündung, zu Schleimhautwucherungen und Polypenbildung insbesondere in Dickdarm und Enddarm kommen. Eier, die sich in der Leber ansammeln, können eine Lebervergrößerung und später eine Leberzirrhose verursachen.

Schistosomiasis der Harnblase kann ebenfalls Entzündungen, Geschwüre und Polypen in der Blasenwand verursachen, aber auch Harnleiter, Prostata und Uterus können befallen werden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann es zu Narbenbildungen kommen, die die Harnwege verengen und die Nierenfunktion schädigen.

Symptome

Nicht alle infizierten Personen entwickeln Symptome. Schätzungsweise kommt es bei 50–60 % zu symptomatischen Infektionen und bei 5–10 % zu fortgeschrittenen Organschäden. Bei Kindern kann eine Schistosomiasisinfektion zu schlechtem Ernährungszustand und Wachstumsverzögerung führen.

Kurz nachdem die Larven in die Haut eingedrungen sind, kann ein nesselsuchtartiger Hautausschlag auftreten, der mit Juckreiz verbunden ist. Dies kann bis zu fünf Tage anhalten und sich als eine milde Form der sogenannten Enten-Bilharziose äußern. Die auch in Deutschland vorkommende Enten-Bilharziose wird von mit Schistosomen befallenen Wasservögeln verursacht, die nicht vom Körper aufgenommen werden oder im Menschen heranwachsen können.

Akute Schistosomiasis (Katayama-Fieber)

Diese zweite Phase tritt 2–7 Wochen nach der Infizierung auf. Die Krankheit beginnt plötzlich und äußert sich durch Fieber, Unwohlsein, Nesselsucht, Durchfall (kann blutig sein), Muskelschmerzen und trockenen Husten. Bei den meisten tritt eine spontane Heilung nach 2–10 Wochen ein, einige aber entwickeln eine dauerhafte und schwerer Erkrankung mit Gewichtsverlust, Atemnot, Durchfall, diffusen Bauchschmerzen, einer vergrößerten Leber und Milz und ausgedehntem Hautausschlag. Katayama-Fieber ist unter Touristen, Reisenden und anderen, die dem Risiko einer Ansteckung vorübergehend ausgesetzt sind, gewöhnlich. Die meisten Fälle unter Touristen wurden in Afrika südlich der Sahara (z. B. am Malawi-See, am Victoriasee, am Voltasee und am Sambesi- und Nigerdelta) sowie von einigen Binnenseen in Südafrika und Flüssen in China gemeldet. Eine Ansteckung geschieht beim Baden, Schnorcheln, Wasserski und Rafting.

Chronische Bilharziose

Diese Phase beginnt sechs Monate bis zu mehreren Jahren nach der Erstansteckung. Sie wird nicht durch die erwachsenen Würmer verursacht, sondern auf die Anhäufung von Eiern in den Geweben von Blase und Darm, seltener in der Leber, Milz, Lunge oder des zentralen Nervensystems, zurückgeführt. Die Eier verursachen eine chronische Entzündung, die im Laufe der Zeit zu beträchtlichen Narbenbildungen im Gewebe führen kann.

Bei der Darm-Bilharziose können Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen und Blut im Stuhl auftreten. Die Harnblasen-Schistosomiasis äußert sich durch vermehrten Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Harn.

Diagnostik

Eine Anamnese kann den Verdacht auf eine Erkrankung geben, wenn die betreffende Person sich vor kurzem in tropischen Gebieten aufgehalten hat und in Kontakt mit Süßwasser gekommen ist. Nachweis der charakteristischen Eier im Stuhl, Urin oder in Gewebeproben aus der Schleimhaut (Krankengeschichte) des Enddarms oder der Blase bestätigt die Diagnose. Es kann daher sinnvoll sein, eine Rektoskopie und/oder eine Zystoskopie durchzuführen. Blutuntersuchungen können in Fällen, in denen keine Eier gefunden werden, angezeigt sein.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Larven / Würmer zu entfernen. Eine medikamentöse Therapie ist einfach, effektiv und hat wenige Nebenwirkungen. Das Präparat der Wahl ist Praziquantel, das in Tablettenform in einer Einmaldosis zweimal innerhalb weniger Stunden gegeben wird. Die Behandlung wird nach sechs Wochen wiederholt. Kontrollstudien haben gezeigt, dass nach sechs Monaten bei 95–100 % der Behandelten eine Heilung erzielt wurde.

Prognose

Schwer betroffene Kinder können im Wachstum gehemmt werden. Unbehandelt kann die Erkrankung zu schweren und lebensbedrohlichen Komplikationen führen, vor allem in Darmtrakt, in Harnwegen und Leber.

Bei einer Behandlung ist die Prognose gut für früh erkannten und leichten Infektionen. Bei fortgeschrittener Erkrankung, bei der die Organe in hohem Maße betroffen sind, ist die Prognose selbst mit Behandlung schlecht.

Kontrolluntersuchungen von Stuhl oder Urin werden alle drei Monate bis ein Jahr nach der Behandlung empfohlen.

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schistosomiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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