Schistosomiasis (Bilharziose)

Schistosomiasis (Bilharziose) ist eine Infektion mit tropischen Parasiten der Gattung Schistosoma (Pärchenegel), die in Süßwassergewässern vieler tropischer Länder vorkommen.

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Was ist Schistosomiasis?

Schistosoma sind Parasiten, genauer gesagt Pärchenegel, die für ihre Vermehrung bestimmte Schnecken in tropischem Süßwasser benötigen und deren Larven (Zerkarien) im Wasser die Haut des Menschen durchdringen und diesen dadurch infizieren können. Im Wesentlichen wird die Erkrankung durch drei Arten von Pärchenegeln hervorgerufen: Schistosoma mansoni, haematobium und japonicum. Symptome und Anzeichen für die Erkrankung zeigen sich vor allem in Harnwegen und Darm, es können aber auch Milz, Leber und Gehirn betroffen sein.

Schistosomiasis stellt ein bedeutendes globales Problem dar. Weltweit sind etwa 200 Millionen Menschen infiziert, d. h. sie sind Träger einer Infektion. Schistosomiasis hat schwerwiegende Folgen für jährlich 20 Millionen Menschen mit bis zu 200.000 Todesfällen. Die Infektion tritt am häufigsten in der Altersgruppe 8–19 Jahre auf.

S. mansoni führt hauptsächlich zu Schistosomiasis im Darm. Dieser Parasit kommt in ganz Afrika, auf der arabischen Halbinsel, in Südamerika (Brasilien, Venezuela, Surinam) und in der Karibik vor. S. haematobium führt hauptsächlich zu Schistosomiasis in der Harnblase. Er kommt im gesamten Mittleren Osten und in Afrika vor. S. japonicum verursacht insbesondere Schistosomiasis im Darm. Er ist in China, auf den Philippinen und in gewissem Teilen Indonesiens zu finden.

Ursachen

S. mansoni und haematobium haben ihr Hauptreservoir beim Menschen, S. japonicum bei andernen Säugetieren. Erwachsene Schistosomen sind weiße oder graue Würmer, 7–20 mm lang und mit einem zylindrischen Körper, die über zwei Saugnäpfe, einen an jedem Ende, verfügen. Schistosomen ernähren sich vom Blut, ihre Abfallprodukte werden in das Blut des Wirts abgegeben. Erwachsene Würmer leben in kleinen Blutgefäßen im Darm (S. mansoni und japonicum) oder in der Blase (S. haematobium).

 

Ansteckungsgefahr der Schistosomiasis
Ansteckungsgefahr der Schistosomiasis

Lebenszyklus im Menschen

Die mit dem Stuhl oder Harn des Endwirts ins Wasser gelangten Eier enthalten eine Larvenform, die schlüpft und aktiv in den ersten Zwischenwirt (in der Regel eine Posthornschnecke) eindringt. Nach 4–6 Wochen haben sich infektionsfähige Larven (Zerkarien) entwickelt, die die Schnecken verlassen und zurück ins Wasser gelangen, wo sie bis zu 72 Stunden überleben können. Die Ausscheidung der Zerkarien findet hauptsächlich am Tage statt. Eine Schnecke kann über mehrere Monate täglich Tausende von Zerkarien ausscheiden.

Menschen, die sich im Wasser aufhalten, werden über die Haut oder die Schleimhäute infiziert, da die Zerkarien diese durchdringen können. Nach ihrem Eindringen gelangen die Larven mit dem Strom des Bluts und über die Lunge weiter in die Leber, wo sich die Zerkarien zu Schistosomenlarven entwickeln. Nach 4–6 Wochen paaren sich die erwachsenen Würmer und siedeln sich in kleinen Blutgefäßen der Blasen- oder Darmwand an, wo die Weibchen Eier legen. Die Weibchen produzieren täglich Hunderte bis Tausende von Eiern. Beim Ablegen der Eier gelangen einige von ihnen in den Darm oder die Harnblase und über den Stuhl oder Urin nach außen. Dort sind sie bis zu 7 Tage lebensfähig. Andere Eier verbleiben in den Gefäßgeflechten von Darm oder Blase. Eier können auch über den Blutkreislauf in Leber, Lunge und andere Gewebe gelangen.

Die durchschnittliche Lebensdauer der Würmer liegt bei 3–5 Jahren, sie kann aber bis zu 30 Jahre erreichen.

Krankheitsverlauf

Es gibt 2 Arten der Erkrankung: Zum einen kann sich eine vorübergehende Entzündung der Haut entwickeln, die sich durch juckende geschwollene Stellen (Quaddeln), kleine Bläschen oder punktförmige Blutungen zeigt. Diese sog. Badedermatitis heilt meist innerhalb von etwa 5 Tagen wieder ab. Überträger dieser Schistosomen sind Wildvögel; die entstehende Infektion verursacht keine Erkrankung innerer Organe.

Anders verhält es sich mit der systemischen (also die inneren Organe betreffenden) Form: Die Beschwerden werden dabei hauptsächlich dadurch verursacht, dass der Körper mit Antikörperbildung und Entzündung reagiert, um die Eiablage der Schistosomen einzugrenzen und zu bekämpfen. Die Symptome und Gewebeschäden hängen von der Intensität der Infektion ab (Wurmbefall und Anzahl Eier), von erblichen Faktoren beim Patienten, von der Stelle der Eiablage, von anderen vorliegenden Krankheiten (Hepatitis B) und der Dauer der Infektion ab.

Bei der Darm-Schistosomiasis kann es zu einer Darmentzündung, zu Schleimhautwucherungen und Polypenbildung insbesondere in Dickdarm und Enddarm kommen. Eier, die sich in der Leber ansammeln, können eine Lebervergrößerung und später eine Leberzirrhose verursachen. Schistosomiasis der Harnblase kann ebenfalls Entzündungen, Geschwüre und Polypen in der Blasenwand verursachen, aber auch Harnleiter, Prostata und Uterus können befallen werden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann es zu Narbenbildungen kommen, die die Harnwege verengen und die Nierenfunktion schädigen.

Symptome

Nicht alle infizierten Personen entwickeln Symptome. Schätzungsweise kommt es bei 50–60 % zu symptomatischen Infektionen und bei 5–10 % zu fortgeschrittenen Organschäden. Bei Kindern kann eine Schistosomiasis-Infektion zu schlechtem Ernährungszustand und Wachstumsverzögerung führen.

Kurz nachdem die Larven in die Haut eingedrungen sind, kann ein nesselsuchtartiger Hautausschlag auftreten, der mit Juckreiz verbunden ist. Dies kann bis zu fünf Tage anhalten und sich als eine milde Form der sog. Enten-Bilharziose äußern (Badedermatitis, wie oben erwähnt). Die auch in Deutschland vorkommende Enten-Bilharziose wird von mit Schistosomen befallenen Wasservögeln verursacht, die nicht vom Körper aufgenommen werden oder im Menschen heranwachsen können.

Akute Schistosomiasis (Katayama-Fieber)

Diese systemische Erkrankung tritt meist 2–7 Wochen nach der Infizierung auf. Die Krankheit beginnt plötzlich und äußert sich durch Fieber, Unwohlsein, Nesselsucht, Lymphknotenschwellungen, Durchfall (kann blutig sein), Muskelschmerzen und trockenen Husten. Bei den meisten tritt eine spontane Heilung nach 2–10 Wochen ein, einige aber entwickeln eine dauerhafte und schwere Erkrankung mit Gewichtsverlust, Atemnot, Durchfall, diffusen Bauchschmerzen, einer vergrößerten Leber und Milz und ausgedehntem Hautausschlag. Katayama-Fieber tritt eher bei Touristen, Reisenden und anderen auf, die dem Risiko einer Ansteckung vorübergehend ausgesetzt sind. Die meisten Fälle unter Touristen wurden in Afrika südlich der Sahara (z. B. am Malawi-See, am Victoriasee, am Voltasee und am Sambesi- und Nigerdelta) sowie von einigen Binnenseen in Südafrika und Flüssen in China gemeldet. Eine Ansteckung geschieht beim Baden, Schnorcheln, Wasserski und Rafting. Die Beschwerden sind Folge der immunologischen Reaktion auf die Eier der Parasiten.

Chronische Bilharziose

Diese Phase beginnt 6 Monate bis zu mehreren Jahren nach der Erstansteckung. Sie wird ebenfalls nicht durch die erwachsenen Würmer verursacht, sondern durch die Reaktion des Immunsystems auf die Anhäufung von Eiern in den Geweben von Blase und Darm, seltener in der Leber, Milz, Lunge oder des zentralen Nervensystems. Die Eier bzw. die entsprechenden Immunreaktionen verursachen eine chronische Entzündung, die im Laufe der Zeit zu beträchtlichen Narbenbildungen im Gewebe führen kann.

Bei der Darm-Bilharziose können Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen und Blut im Stuhl auftreten. Die Harnblasen-Schistosomiasis äußert sich durch vermehrten Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Harn. Sind Eileiter oder andere Genitalorgane betroffen, kann die Vernarbung zu ungewollter Kinderlosigkeit wegen verschlossener Eileiter führen.

Entzündungsprozesse in der Leber führen zur Lebervergrößerung und Leberfibrose, solche in der Lunge zur Lungenfibrose. Durch die Vernarbung des Organs bei Fibrose kommt es zur Funktionsbeeinträchtigung. Die Schädigung kann auch die Hirnhaut oder das Nervensystem betreffen. 

Diagnostik

Eine Anamnese kann den Verdacht auf eine Erkrankung geben, wenn die betreffende Person mit den typischen Symptomen sich vor Kurzem in tropischen Gebieten aufgehalten hat und in Kontakt mit Süßwasser gekommen ist. Der Nachweis der charakteristischen Eier im Stuhl, Urin oder in Gewebeproben aus der Schleimhaut des Enddarms oder der Blase bestätigt die Diagnose. Es kann daher sinnvoll sein, eine Rektoskopie (Darmspiegelung) und/oder eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) durchzuführen. Blutuntersuchungen sind hilfreich, um ggf. spezielle Antikörper gegen Schistosoma nachzuweisen, insbesondere in Fällen, in denen keine Eier gefunden werden.

Lässt sich eine Infektion mit Schistosoma nachweisen, werden zusätzlich in einer Blutuntersuchung verschiedene andere Parameter bestimmt, z. B. um die Funktion von Leber, Nieren und Blutkörperchen zu beurteilen. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane wird oft durchgeführt.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Larven/Würmer zu entfernen. Eine medikamentöse Therapie ist einfach, effektiv und hat wenige Nebenwirkungen. Das Präparat der Wahl ist Praziquantel, das in Tablettenform über 3 Tage gegeben wird. Kontrollstudien haben gezeigt, dass nach 6 Monaten bei 95–100 % der Behandelten eine Heilung erzielt wurde. Liegt eine akute Erkrankung vor, ist eine rein symptomatische (also den Beschwerden entsprechende) Therapie in einem spezialisierten Zentrum für Tropenmedizin angezeigt, da Praziquantel hier nicht wirksam ist. Diese Krankheit heilt in der Regel von selbst nach 2–10 Wochen wieder aus.

Haben sich nach einer (unbehandelten) chronischen Infektion infolge der Entzündungsprozesse Schädigungen in Leber, Darm oder anderen Organen entwickelt, ist möglicherweise eine chirurgische Behandlung angezeigt. Dazu gehört z. B. die Entfernung von Darmpolypen oder die Eröffnung vernarbter Eileiter oder Harnleiter.

Für Reisende, die sich längere Zeit in den entsprechenden tropischen Ländern aufgehalten oder auch Kontakt mit Süßwasser hatten, wird empfohlen, sich 3 Monate nach der Rückkehr vorsorglich mittels einer Blutuntersuchung auf Schistosoma testen zu lassen, auch wenn keine Beschwerden bestehen.

Vorbeugend ist es zu empfehlen, in den betroffenen Ländern nicht barfuß in Seen oder Flüsse zu gehen bzw. den Süßwasserkontakt zu vermeiden oder zumindest Gummistiefel oder Ähnliches zu tragen, wenn man sich im Wasser aufhalten muss.

Prognose

Die akute Erkrankung heilt bei den meisten ohne Folgen aus, nur manchmal kommt es zu Komplikationen.

Schwer von der chronischen Form betroffene Kinder können im Wachstum gehemmt werden. Unbehandelt kann die Erkrankung zu schweren und lebensbedrohlichen Komplikationen führen, vor allem in Darmtrakt, in Harnwegen und Leber. 

Bei einer Behandlung ist die Prognose gut für früh erkannte Infektionen ansonster gesunder Patienten. Bei fortgeschrittener Erkrankung und spätem Therapiebeginn, bei der die Organe in hohem Maße betroffen sind, oder wenn zusätzlich bereits Organkrankheiten (Hepatitis, Lungenkrankheiten) vorlagen, ist die Prognose selbst mit Behandlung oft nicht so gut, weil sich bleibende Funktionsstörungen der Organe entwickeln können.

Kontrolluntersuchungen von Stuhl oder Urin werden nach 6, 12 und 24 Monaten nach der Behandlung empfohlen. Falls weiterhin Parasiteneier nachweisbar sind, wird die Medikamentengabe wiederholt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schistosomiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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