Babesiose

Babesiose ist eine so genannte Zoonose – eine Tierkrankheit, die auf Menschen übertragbar ist. Zecken, die als Zwischenwirt fungieren, können Babesiose auf Menschen übertragen. Die Erkrankung ist in Deutschland sehr selten.

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Was ist eine Babesiose?

Eine Babesiose ist eine Zoonose, die durch eine Infektion mit dem Malaria-ähnlichen Parasiten Babesia ausgelöst wird. Als Zoonose bezeichnete man eine Tierkrankheit, die auf Menschen übertragbar ist. Zecken fungieren als Vektor, also als Zwischenwirt, der die Krankheit vom Tier auf den Menschen überträgt. Die Infektion kann jedoch in seltenen Fällen auch durch Bluttransfusionen übertragen werden. Es besteht sonst kein Übertragungsweg von Mensch zu Mensch. Die Parasiten dringen in die roten Blutkörperchen ein und können sie zerstören. Die Infektion kann grippeähnliche Symptome hervorrufen.

Babesiose tritt in Deutschland sehr selten auf. In den Vereinigten Staaten werden regelmäßig Ausbrüche der Krankheit gemeldet. Zwischen 2005 und 2007 wurden im Bundesstaat New York 600 Fälle gemeldet.

Ursachen

Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Zecken, die zuvor Kontakt zu Babesia-infizierten Tieren hatten, z. B. Rindern oder Nagetieren. Es besteht keine Ansteckung von Mensch zu Mensch, außer durch Bluttransfusionen. Die meisten Fälle von Babesiose treten bei Menschen auf, die ein geschwächtes Immunsystem haben, oder bei denen die Milz entfernt wurde.

Symptome

Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt in der Regel 1–4 Wochen, kann aber auch länger dauern. Neben Verläufen, bei denen es zu keinen oder geringen Beschwerden kommt, gibt es schwere Verläufe mit einer starken Gesundheitsbeeinträchtigung. Die Krankheit verursacht Malaria-ähnliche Symptome: Schüttelfrost, hohes Fieber, Muskelschmerzen und Blutarmut (hämolytische Anämie). Bei einer Infektion mit geringen Mengen von Parasiten können die Symptome leichter sein und einer Grippe ähneln. Die schwersten Symptome treten bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem auf.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Die Parasiten können meist unter dem Mikroskop erkannt werden. Da die Erreger sich in den roten Blutkörperchen fortpflanzen und diese zerstören können, kann es zu einer Anämie (Blutarmut) kommen. Dies kann durch eine Erniedrigung des roten Blutfarbstoffs oder die Veränderung anderer Blutwerte auffallen. Zum Erregernachweis gibt es auch speziellere Untersuchungen (z. B. PCR-Untersuchungen).

Therapie

Besteht der Verdacht auf die Erkrankung, erfolgt eine Krankenhauseinweisung. Die Babesiose wird mit einer Kombination aus Antimalariamitteln und Antibiotika behandelt. In schweren Fällen wird evtl. ein Blutaustausch durchgeführt, z. B. wenn eine hohe Parasitenzahl im Blut vorliegt oder der Patient keine Milz mehr besitzt.

Vorbeugung

Bei Aufenthalten in Bereichen, in denen Zecken vorkommen, sollte die Haut mit langen Hosen oder Stiefeln abgedeckt sein. Mückenspray für Haut und Kleidung verringert die Anzahl von Zecken, die sich festsaugen. Vorbeugend gegen Zeckenbisse wirken auch Insektenschutzmittel auf der Kleidung, wie z. B. Permethrin. Wenn sich eine Zecke festbeißt, sollte sie schnellstmöglich – am besten innerhalb von 24 Stunden – von der Haut entfernt werden. Dabei wird die Zecke mit den Fingern oder einer Pinzette vorsichtig herausgezogen.

Verlauf und Prognose

Die Krankheit dauert in der Regel 1–2 Wochen. Es kann jedoch anschließend zu einer über Monate anhaltenden Müdigkeit kommen. Bei ca. der Hälfte der infizierten Kinder und 1/4 der infizierten Erwachsenen treten keine Symptome auf. 

Die Prognose ist in der Regel gut. Die Krankheit kann allerdings für Menschen gefährlich werden, die ein geschwächtes Immunsystem haben, oder bei denen die Milz entfernt wurde. Komplikationen sind u. a. Lungen-, Leber-, Herz- oder Nierenschäden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Babesiose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gubernot DM, Lucey CT, Lee KC, et al. Babesia infection through blood transfusions: reports received by the US Food and Drug Administration, 1997–2007. Clin Infect Dis 2009; 48: 25-30. PubMed
  2. Herwaldt BL, Linden JV, Bosserman E, et al. Transfusion-associated babesiosis in the United States: A description of cases. Ann Intern Med 2011. www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Robert Koch-Institut. Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten: Babesiose (Piroplasmose, Pseudoküstenfieber), Stand 2011. www.rki.de
  4. Vannier E, Krause PJ. Human babesiosis. N Engl J Med 2012; 366: 2397-407. New England Journal of Medicine
  5. Gelfand JA, Vannier E. Clinical manifestations, diagnosis, treatment, and prevention of babesiosis. UpToDate, last updated Dec 17, 2014. UpToDate