Cholera wird meist durch verunreinigtes Wasser übertragen.

Cholera

Cholera ist eine bakterielle Erkrankung, die mit schwerem Durchfall einhergehen kann. Die Krankheit wird meist durch verunreinigtes Wasser übertragen; dabei kann es in Gegenden mit schlechten hygienischen Verhältnissen schnell zu Epidemien kommen.

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Was ist Cholera?

Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Zwei Serogruppen (O1 und O139) sind dafür bekannt, die Krankheit zu verursachen. Die Serogruppe 01 des Bakteriums wird in zwei Typen unterteilt: klassischer Typ und El-Tor.

Viele Betroffene entwickeln milde Beschwerden mit vorübergehendem leichten Durchfall. Eine schwere Erkrankung wird durch plötzlich einsetzende, schwere und wässrige Durchfälle gekennzeichnet; das Durchfallvolumen kann bis zu 1 Liter pro Stunde umfassen. Der Stuhl ist grau und trübe („Reiswasserstuhl”) und ohne Stuhlgeruch, Blut oder Eiter. Es kann schnell zu einem Flüssigkeitsmangel, niedrigem Blutdruck und Kreislaufversagen kommen.

Cholera verursacht häufig Epidemien, vor allem in Südasien (Ganges-Delta-Region) und dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum bei schlechten hygienischen Verhältnissen aufhalten. Epidemien treten besonders häufig nach Naturkatastrophen oder während Hungersnöten und Kriegen, z. B. in Flüchtlingslagern auf. In Gebieten, in denen Cholera ständig weit verbreitet ist,  treten die meisten Neuerkrankungen bei Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren auf. In anderen Gebieten sind alle Altersgruppen betroffen. Die WHO schätzt, dass jedes Jahr 1,4 bis 4,3 Millionen Menschen von Cholera betroffen sind, von denen 28.000 bis 142.000 sterben.

Cholera ist stark saisonabhängig. In Bangladesch, wo die Krankheit andauernd gehäuft auftritt, gibt es zwei Hauptrisikozeiten pro Jahr, die der heißen Jahreszeit vor und nach dem Monsun entsprechen.

Ursache

Cholera wird meist durch verunreinigtes Wasser übertragen; dabei kann es schnell zu großen Epidemien kommen. Das Krankheitsbild wird durch ein vom Bakterium gebildetes Toxin (Gift) verursacht, das die Zellen in der Schleimhaut des Dünndarms befällt. Als Folge der Wirkung des Toxins scheidet der Darm große Mengen von Wasser und Salzen aus. Dies verursacht starke wässrige Durchfälle von bis zu 15 Litern pro Tag. Der ausgeprägte Flüssigkeitsverlust kann zum Tod führen.

Cholera kann auch über Lebensmittel  übertragen werden, die mit kontaminiertem Wasser behandelt wurden. Bei der fäkal-oralen Ansteckung werden Keime aus dem Stuhl eines Erkrankten über den Mund aufgenommen. In Industrieländern wird die Infektion oft durch Nahrungsmittel übertragen, während in Entwicklungsländern der häufigste Übertragungsweg verunreinigtes Wasser ist.

Die Inkubationszeit, d. h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Auftreten der Symptome, beträgt meist zwei Stunden bis fünf Tage.

Diagnostik

Während Epidemien wird die Diagnose auf Grundlage der typischen Krankengeschichte des Patienten gestellt. Die Bakterien können auch in Stuhlproben oder in Erbrochenem nachgewiesen werden.

Der Schweregrad hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere von der örtlichen Immunität in der Darmschleimhaut, von der Menge der Bakterien, die aufgenommen wurden, von der Wirksamkeit der Säurebarriere des Magens und von der Blutgruppe des Patienten. Aus bisher nicht bekannten Gründen weisen Patienten mit der Blutgruppe 0 ein höheres Risiko für eine Cholera-Erkrankung durch Ansteckung mit dem El-Tor-Bakterium auf.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, einen schweren Flüssigkeitsverlust durch die Durchfälle zu verhindern. Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die Zufuhr von Flüssigkeit, zuerst intravenös (in die Vene), wenn der Patient erheblich ausgetrocknet (dehydriert) ist, anschließend wird die Flüssigkeit als Getränk verabreicht. Personen, die an einer milden Form der Erkrankung leiden, können mit einer Flüssigkeitszufuhr in Form von Getränken behandelt werden.

Sobald die Patienten essen können, d. h. wenn das Erbrechen nachgelassen hat, können sie feste Nahrung zu sich nehmen. Säuglinge und Kleinkinder, die noch gestillt werden, können auch während der Erkrankung weiterhin gestillt werden.

Antibiotika können die Durchfallphase bei den am schwersten Erkrankten verkürzen. Patienten mit milden Symptomen benötigen keine Antibiotika. Dies gilt auch für Personen, die nur Kontakt zu einem Cholera-Patienten hatten. Antibiotika sollten nicht präventiv verabreicht werden.

Präventive Maßnahmen

Trinkwasserhygiene ist am wichtigsten. Wenn Sie beabsichtigen, sich in Gebieten mit Cholera-Epidemie aufzuhalten, ist es wichtig, das verwendete Wasser zu kochen oder mit Chlor zu behandeln. Essen Sie keine Schalentiere oder Salate. Waschen Sie Obst und Gemüse mit desinfiziertem Wasser. Baden Sie nur in Schwimmbecken mit chlorbehandeltem Wasser.

Die Impfung wird nur in Ausnahmesituationen empfohlen, z.B. Epidemien. Der Totimpfstoff, der in Deutschland zugelassen ist, schützt zu 50 bis 60% während der ersten zwei Jahre nach der Impfung. Soll der Impfschutz länger anhalten, wird eine weitere Impfung nach zwei Jahren empfohlen. Der Impfstoff wird als zweimalige Schluckimpfung bei Erwachsenen und dreimalige Schluckimpfung bei Kindern verabreicht. Für Kinder unter zwei Jahren ist der Impfstoff nicht zugelassen. 

Prognose

In vielen Fällen verläuft Cholera harmlos. In schweren Fällen, die von einem starken Flüssigkeitsverlust geprägt sind, ist die Sterblichkeit ohne Behandlung hoch. Mit der richtigen Flüssigkeitszufuhr ist die Prognose sehr gut mit einer Überlebensrate von beinahe 100%. Dies hängt aber davon ab, ob die Behandlung früh genug begonnen wurde.

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Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Lara-Marie Reißmann, Dr. med., Ärztin und Journalistin, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Cholera. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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