Drakunkulose

Die Drakunkulose (auch Guineawurm-Erkrankung) ist eine seltene Infektionskrankheit, die durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen wird und zu Hautgeschwüren führt.

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Was ist eine Drakunkulose?

Der Dracunculus medinensis ist ein Fadenwurm. Früher war dieser Parasit weitverbreitet, doch heutzutage gilt er als fast ausgerottet. Nur noch in vereinzelten afrikanischen Ländern, wurden in den vergangenen Jahren einige wenige Infektionen verzeichnet.

Der Fadenwurm sondert im Wasser große Mengen an Larven ab, die mikroskopisch kleine Schalentiere im Süßwasser infizieren. Wenn die Schalentiere verschluckt werden, lösen sie sich auf und geben die Larven im menschlichen Magen-Darm-Trakt frei. Die Larven können durch die Darmwand dringen und sich im Körper ausbreiten, wo sie bis zu einem Jahr lang reifen und sich zu Würmern entwickeln. Befruchtete weibliche Würmer wandern in die Unterhaut und erreichen schließlich die Hautoberfläche. Es bildet sich eine sehr schmerzhafte Wunde, aus der ein 70 bis 130 cm langer Wurm austreten kann.

Der Prozess der Reifung ist schmerzfrei und der Betroffene leidet meist unter keinen Symptomen. Erst wenn der Wurm die Haut erreicht hat, kann es zu leichten Temperaturanstiegen kommen. Die Hautwunde selbst ist äußert schmerzhaft. 

Ausbreitung

Vor einiger Zeit war die Drakunkulose in vielen afrikanischen Ländern sehr verbreitet. Die Inzidenz ist jedoch stark rückläufig, und die Hoffnung besteht, den Parasiten in den nächsten Jahren auszurotten.

Bis zum Jahr 1985 gab es etwa 3,5 Millionen neue Fälle pro Jahr. Im Jahr 2014 lag die Inzidenz bei ca. 126 neuen Fällen. Diese waren verteilt auf die Länder Tschad, Äthiopien, Südsudan und Mali. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet aktiv mit anderen internationalen Zentren zusammen, um die Drakunkulose zu eliminieren. 

Symptome

Menschen werden durch die Einnahme von Trinkwasser infiziert, das mit Larven des Parasiten verunreinigt ist. Es kann aber oft ein Jahr dauern, bevor die Larven sich zu Würmern entwickelt haben und die Würmer an die Hautoberfläche gelangen. Während sich der Wurm im Körper des Patienten entwickelt, haben die meisten Betroffenen keinerlei Symptome. Wenn die Larven gegen die Haut stoßen, bildet sich eine Pustel, die schließlich zu einer sehr schmerzhaften Wunde wird, aus der der weiße, spaghettiartige Wurm erscheint. 

Behandlung

Es gibt keine wirksame Behandlung und kein Medikament gegen den Guineawurm. Wenn er in den Körper gelangt ist, wächst er dort auch heran und verschafft sich seinen Ausweg durch die menschliche Haut. Sobald der Wurm aus der Wunde austritt, kann man in vorsichtig Tag für Tag um einige Zentimer herausziehen. Bei einer Gesamtlänge von bis zu 130 cm, kann es sich dabei um Wochen handeln. Wichtig ist eine gute Wundpflege, um Folgeinfektionen zu vermeiden. Der Verlauf ist in den meisten Fällen gut. Allerdings kann es jederzeit zu einer erneuten Infektion kommen, wenn man wieder mit verunreinigtem Trinkwasser in Kontakt kommt.

Die wirksamste Maßnahme gegen die Erkrankung ist die Prävention. Das Baden in Seen, die von dem Parasiten befallen sein könnten, sollte dringlichst unterlassen werden. Auch sollte Wasser aus sicheren Quellen getrunken werden. Es wird auch die Anwendung von speziellen Filtern empfohlen.

Patienten mit einer Drakunkulose sollten Wasser meiden, damit der austretende Wurm, bei Wasserkontakt nicht seine Larven abgeben kann. Dadurch kann man den Kreislauf unterbrechen. Durch viele solcher Maßnahmen ist es den verantwortlichen Zentren gelungen, die Krankheit in den vergangenen Jahre einzudämmen und fast auszurotten.

 Weitere Informationen

Literatur

  1. The Carter Center; Pressemeldung 2014: 148 Cases of Guinea Worm Disease Remain Worldwide www.cartercenter.org

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Drakunkulose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. WHO. Dracunculiasis, Stand 2015.  who