Culex salinarius

Japanische Enzephalitis

Die japanische Enzephalitis ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion, die eine schwere Gehirnentzündung (Enzephalitis) verursachen kann. Die Krankheit kommt in mehreren Ländern Südostasiens vor.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist die japanische Enzephalitis?

Die japanische Enzephalitis ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion. Sie kann in manchen Fällen zu einer schweren Gehirnentzündung (Enzephalitis) führen. Die Japan-Enzephalitis ist in Asien weit verbreitet. Hauptsächlich betroffene Länder sind Indien, Pakistan, Nepal, Myanmar, Thailand, Kambodscha, Indonesien, Malaysia, China, Japan und Korea. Die Krankheit tritt in tropischen und subtropischen Gebieten auf, vor allem in ländlichen Gebieten in der Nähe von Reisfeldern und in wasser- und sumpfreichen Gebieten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die Zahl der Neuerkrankten pro Jahr bei ca. 69.000 Fällen liegt, von denen 10.000 Patient*innen sterben. Immer wieder kommt es auch zu regional auftretenden Ausbrüchen. Die meisten der Patient*innen sind Kinder. Erwachsene, die in den betroffenen Gebieten aufgewachsen sind, sind gegen das Virus oft immun. Personen, die in endemische Gebiete reisen, können in allen Altersstufen erkranken. Allerdings erkranken nur 1–5 von 1 Million Tourist*innen, die in betroffene Gebiete reisen.

Ansteckung

Das Virus wird durch verschiedene Moskitos der Gattung Culex (Culex tritaeniorhynchus, Reisfeldmücke) übertragen. Es befällt Schweine und Wasservögel. Das Virus wird durch Mückenstiche auf Menschen übertragen. Die hauptsächliche Übertragungszeit sind die warmen Jahreszeiten, besonders in den Regenperioden und Erntezeiten in den Reisanbaugebieten.

Die Krankheit wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Symptome

Die meisten infizierten Patient*innen haben keine bis kaum Symptome. Manchmal entwickeln sich grippeähnliche Reaktionen. Bei etwa 0,1–1 % der Infizierten kommt es jedoch zu einer schweren Enzephalitis mit einer Sterblichkeit von bis zu 50 %. Die Symptome der Enzephalitis sind FieberKopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Nackensteifigkeit, Zuckungen, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit.

Zusätzlich zur hohen Sterblichkeit tragen 30–50 % der Patient*innen mit einer japanischen Enzephalitis Schädigungen nach einer Infektion davon.

Diagnostik

Eine Diagnose wird vermutet bei entsprechender Symptomatik und einem Aufenthalt in gefährdeten Gebieten. Die Diagnose wird durch den Nachweis von Antikörpern aus Blut oder Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit gestellt.

Wie vermeiden Sie eine Infektion?

Das Infektionsrisiko lässt sich erheblich reduzieren, indem Sie sich vor Mückenstichen schützen. In Gebieten, in denen die Japan-Enzephalitis endemisch ist, sollten Sie bei einem Aufenthalt im Freien die Haut mit Socken, langen Hosen und langärmeligen Kleidungsstücken abdecken. Darüber hinaus sollten Sie Insektenabwehrmittel auf die Haut auftragen.

Moskitonetze sollten mit Insektiziden imprägniert sein, die sowohl Mücken als auch andere Insekten fernhalten. Am besten sind Sie in Innenräumen bei gleichzeitiger Verwendung von Moskitonetzen um das Bett und Moskitonetzen in Türen und Fenstern geschützt.

Es gibt einen wirksamen Impfstoff gegen die japanische Enzephalitis (siehe Abschnitt Impfung).

Behandlung

Es gibt keine spezifische Behandlung gegen die Japan-Enzephalitis. Da die Krankheit durch ein Virus verursacht wird, wirken Antibiotika nicht. Die Behandlung beruht darauf, den Körper maximal zu unterstützen und Komplikationen zu verhindern. Bei einer Enzephalitis ist es sehr wichtig, schnell in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden.

Impfung

Eine Impfung wird Personen empfohlen, die sich länger als 4 Wochen während der Krankheitssaison in infektionsgefährdeten Gebieten aufhalten werden.

Erwachsene werden mit zwei Dosen im Abstand von 1 Woche geimpft. Die zweite Dosis sollte ca. 1 Woche vor der Abreise verabreicht werden, teilweise wegen der Nebenwirkungen, teilweise um zu gewährleisten, dass die Patient*innen bereits bei der Ankunft geschützt sind. Sollte ein lang andauernder Schutz benötigt werden, wird nach 12–24 Monaten eine dritte Impfdosis empfohlen.

Kinder bis zu 3 Jahren erhalten eine reduzierte Impfdosis, ansonsten gelten die gleichen Regeln wie für Erwachsene. Der Impfstoff ist für Kinder ab zwei Monaten genehmigt.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Japanische Enzephalitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert Koch Institut (RKI). Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung zur Impfung gegen Japanische Enzephalitis bei Reisen in Endemiegebiete und für Laborpersonal in Epidemiologisches Bulletin 18/2020, 30. April 2020. www.rki.de
  2. World Health Organization (WHO). Fact Sheet: Japanese encephalitis. Stand 9. Mai 2019. abgerufen am 21.05.2020. www.who.int
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Virale Meningoenzephalitis. AWMF-Leitlinie Nr. 030-100. Stand 2018. www.awmf.org
  4. Turtle L, Solomon T. Japanese encephalitis - the prospects for new treatments. Nat Rev Neurol. 2018;14(5):298‐313. doi:10.1038/nrneurol.2018.30 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Solomon T. Control of Japanese encephalitis - within our grasp?. N Engl J Med 2006; 355: 869-71. PubMed
  6. Buhl MS, Black FT, Andersen PL et al. Fatal Japanese encephalitis in a Danish tourist visiting Bali for 12 days. Scand J Infect Dis 1996; 28: 189. PubMed
  7. Ostlund MR, Kan B, Karlsson M, Vene S. Japanese encephalitis in a Swedish tourist after travelling to Java and Bali. Scand J Infect Dis 2004; 36: 512-3. PubMed
  8. Centers for Disease Control and Prevention. Japanese encephalitis in a US traveler returning from Thailand, 2004. Morb Mortal Wkly Rep 2005; 54: 123-5. PubMed
  9. Solomon T, Thao TT, Lewthwaite P, et al. A cohort study to assess the new WHO Japanese encephalitis surveillance standards. Bull World Health Organ 2008; 86:178. PubMed
  10. Solomon T, Dung NM, Wills B, et al. Interferon alfa-2a in Japanese encephalitis: a randomised double-blind placebo-controlled trial. Lancet 2003; 361: 821-6. PubMed
  11. Shlim DR, Solomon T. Japanese encephalitis vaccine for travelers: exploring the limits of risk. Clin Infect Dis 2002; 35: 183-8. PubMed