Kutane Leishmaniose: Foto: Public Health Image Library (PHIL) – Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention (Center for Disease Control, CDC)

Leishmaniose

Leishmaniose ist eine Krankheit, die sich auf verschiedene Weise äußern kann – von einem relativ milden Verlauf bis zu einer schweren, lebensgefährlichen Erkrankung. Weltweit kostet diese Krankheit jährlich 70.000 Menschen ihr Leben.

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Was ist Leishmaniose?

Die Krankheit wird durch Protozoen, einzellige Organismen, verursacht. Das Leishmania-Protozoon ist davon abhängig, sich in einer fremden Zelle einzunisten – d. h. es handelt sich bei ihm um einen Parasiten. Die Krankheit ist eine Zoonose, d. h. eine Tierkrankheit, die auf Menschen übertragen werden kann. Sie wird durch den Stich der Sandmücke/Sandfliege von Tieren auf Menschen übertragen. Die Sandmücke beißt u. a. Hunde und Nager, über die der Infektionserreger später auf den Menschen übertragen wird. Die sogenannte viszerale Leishmaniose (Kala-Azar, „Schwarzes Fieber”) kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Die Krankheit kann sich auf unterschiedliche Weise äußern, von Hautwunden, die spontan heilen, zu einer schweren, lebensgefährlichen Erkrankung der inneren Organe (viszerale Leishmaniose). Verschiedene Arten dominieren in verschiedenen Regionen der Welt.

Vier verschiedene Syndrome treten auf:

  • Viszerale Leishmaniose (Kala-Azar) – viszeral bedeutet in den inneren Organen
  • Kutane Leishmaniose (in der Haut, als einzelne Wunde)
  • Diffuse kutane Leishmaniose (verbreitet sich über große Teile des Körpers auf der Haut)
  • Mukokutane Leishmaniose (auf der Haut sowie auf der Schleimhaut)

Prävalenz

Die Prävalenz der Krankheit wird weltweit auf etwa 12 Millionen Personen geschätzt. Jedes Jahr sterben etwa 70.000 Menschen an Leishmaniose. Jährlich gibt es etwa 2 Millionen neue Krankheitsfälle, und die Inzidenz steigt.

Eine Erfassung und Dokumentation von in Deutschland diagnostizierten Leishmaniose-Fällen am Institut für Tropenmedizin in Berlin ergab für 2012 insgesamt 18 Fallmeldungen (15 Fälle kutaner Leishmaniose, 3 Fälle viszeraler Leishmaniose). Unter den kutanen Leishmaniose-Fällen wurden 7 Infektionen in Europa erworben (Mallorca, Türkei, Zypern, Italien), 7 Infektionen in Süd- und Mittelamerika (Bolivien 3, Costa Rica 3, Peru 1) und 1 Infektion in Namibia. Die 3 viszeralen Leishmaniosen wurden aus Bulgarien, Spanien (bei bekannter HIV-Koinfektion) und dem Iran importiert

Die Krankheit ist in tropischen und gemäßigten Zonen weit verbreitet: in Nordafrika, im Mittleren Osten, außerdem in Teilen Europas und Mittel- und Südamerikas. Ca. 90 % der Fälle von kutaner Leishmaniose treten in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Saudi-Arabien, Algerien, Iran, Brasilien und Peru auf. Ca. 90 % der Fälle von viszeraler Leishmaniose treten in Indien, Bangladesch, Nepal, Sudan und Brasilien auf.

Ursache

Die Krankheit wird durch eine Infektion mit einem Protozoon verursacht. Es handelt sich um eine Zoonose, die durch den Biss der Sandmücke übertragen wird. Menschen sind Zufallswirte. Zwischenwirte sind u. a. Nager und Hunde. Die viszerale Leishmaniose (Kala-Azar, „Schwarzes Fieber”) wird auch von Mensch zu Mensch übertragen. Die Anfälligkeit für die Krankheit hängt sowohl bei den Protozoen als auch bei den Menschen von erblichen Faktoren ab.

Die Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Infizierung und Ausbruch der Erkrankung) kann Wochen bis Monate dauern, und der beschriebene Krankheitsverlauf kann sehr langwierig sein. Leishmaniose kann in Form einer „schlafenden” (latenten) Infektion auftreten, die bei einer eventuellen Immunschwäche, z. B. bei HIV-AIDS-Patienten, zu einem viel späteren Zeitpunkt ausbricht.

Symptome

Viszerale Leishmaniose Die Inkubationszeit beträgt meistens 4–6 Monate (von 10 Tagen bis 2 Jahren). Es treten oft zweimal täglich Fieberschübe sowie allmählich erhebliche Allgemeinsymptome auf. An der Bissstelle kann ein Knötchen entstehen, bevor die betroffenen Patienten erkranken. Ohne Behandlung kann der Tod nach 1–2 Jahren eintreten, oft auf der Basis einer weiteren, komplizierenden Infektion.

Kutane Leishmaniose Hautveränderungen treten zwei Wochen oder bis zu mehreren Monaten nach dem Biss der Sandmücke auf. Allgemeinsymptome gibt es selten, aber leichtes, kurz anhaltendes Fieber ist möglich. Die Hautverletzungen heilen oft spontan, was Monate oder bis zu 1–3 Jahre dauern kann.

Diffuse kutane Leishmaniose Führt zu nicht-ulzerativen Hautläsionen (keine Geschwüre), die Aussatz (Lepra) ähneln und am ganzen Körper auftreten können.

Mukokutane Leishmaniose Zunächst entstehen Hautveränderungen an den Hautstellen, die den Mücken ausgesetzt waren. Verletzungen an der Nasen- oder Mundschleimhaut können gleichzeitig mit den Hautveränderungen entstehen, aber sie können auch erst Monate oder Jahre nach den Hautläsionen auftreten. Die Schleimhaut im vorderen Teil der Nasenscheidewand wird oft zuerst angegriffen.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage der Anamnese und etwaiger Hautveränderungen, Lymphknotenvergrößerungen und einer vergrößerten Leber und Milz gestellt. Eine sichere Diagnose wird durch eine mikroskopische Untersuchung von Gewebe oder Gewebeflüssigkeiten gestellt. Eine Blutuntersuchung kann die Diagnose bestätigen.

Behandlung

Die Behandlung ist anspruchsvoll und erfordert Arzneimittel, die den Körper belasten können. Bei viszeraler Leishmaniose wird die Einweisung in ein Krankenhaus empfohlen.

Impfstoffe gegen viszerale Leishmaniose befinden sich gegenwärtig in Entwicklung, aber noch ist kein wirksamer Impfstoff gefunden worden. Experimente im Sudan mit einem 2-Dosen-Impfstoff in Kombination mit einer BCG-Impfung (Bacillus Calmette Guérin) zeigten keine Schutzwirkung.

Prognose

Bei viszeraler Leishmaniose (Kala-Azar) kann die Letalität bis zu 90 % betragen, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung lässt sich die Letalität auf 2–5 % der erkrankten Patienten reduzieren.

Bei viszeraler Leishmaniose gibt es teilweise Rückfälle, am häufigsten im Laufe der ersten 6 Monate nach Behandlungsende (bis zu 10 % in Indien und 30 % in Kenia).

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leishmaniose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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