Malaria, Infektionsschutz

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Was ist Malaria?

Malaria ist eine tropische Infektionskrankheit, die von einzelligen Parasiten verursacht wird. Die Erkrankung wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen. Die Malariamücke selbst infiziert sich, indem sie Blut aufsaugt, das unreife Formen des Parasiten enthält. Der Parasit reift in der Mücke bis zu dem Stadium heran, das für den Menschen ansteckend ist, und wird über einen Mückenstich auf den Menschen übertragen.

Es gibt fünf verschiedene Arten des Parasiten: Plasmodium falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae und P. knowlesi. Plasmodium falciparum ist die häufigste und auch gefährlichste Variante, die die Malaria tropica auslöst.

Anopheles-Mücke bei der Blutmahlzeit.
Anopheles-Mücke bei der Blutmahlzeit (Foto: James Gathany, PHIL – CDC)

Symptome einer Malaria-Infektion sind v. a. Fieberschübe, die in einigen Fällen auch periodisch auftreten können.

Siehe auch den Übersichtsartikel Malaria.

Wo kann ich mich mit Malaria anstecken?

Malaria tritt in den meisten tropischen Ländern gehäuft auf, so etwa in Teilen von Mexiko, Haiti, der Dominikanischen Republik, Zentralamerika, Südamerika, dem tropischen Afrika sowie in einigen Regionen des Nahen Ostens, auf dem indischen Subkontinent und in Südostasien. Das Risiko einer Ansteckung mit Malaria kann in einzelnen Ländern, in einzelnen Regionen innerhalb eines Landes oder auch je nach Jahreszeit (z. B. Regenzeit) unterschiedlich hoch sein. Bei der Ausarbeitung der Schutzempfehlungen wird das Risiko einer Ansteckung mit Malaria gegenüber dem Risiko von Nebenwirkungen abgewogen, die bei einer vorbeugenden Behandlung mit Medikamenten (medikamentöse Prophylaxe) auftreten können. Grundsätzlich ist das Risiko von Arzneimittelnebenwirkungen zu Beginn der Behandlung am höchsten, während das Risiko einer Ansteckung mit Malaria mit der Dauer des Aufenthalts in einem Malariagebiet zunimmt. Bei manchen Ländern hängt es deshalb auch von der Länge des Aufenthalts in dem Malariagebiet ab, ob eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen wird oder nicht.

Abgesehen von einigen Regionen ganz im Süden gilt das gesamte Afrika südlich der Sahara als Hochrisikogebiet für schwere Malaria-Infektionen. Daher sollten alle Personen, die in dieses Gebiet reisen, sowohl Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen ergreifen, als auch eine medikamentöse Prophylaxe durchführen. Bei besonderen Personengruppen, die sich in entlegenen Malariagebieten ohne medizinische Versorgung aufhalten, kann es in manchen Fällen empfehlenswert sein, die Reisenden zusätzlich mit Stand-by-Medikamenten zur Selbstbehandlung auszustatten. Da plötzlich einsetzendes Fieber auch andere Ursachen haben kann, ersetzt die Selbstmedikation jedoch nicht eine anschließende Untersuchung und Abklärung der Symptome durch medizinisches Personal.

Vorbeugende Behandlung

Vor der Abreise

  • Falls Sie eine Reise planen, sollten Sie sich frühzeitig informieren, welche Impfungen und Medikamente Sie in der jeweiligen Region benötigen.
    • Vereinbaren Sie rechtzeitig einen Termin. Die Wartezeit kann in der Hochsaison lang sein.
  • Zur medikamentösen Prophylaxe stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Lassen Sie sich Dosierung und Art der Einnahme von Ihrem Arzt erklären.
  • Falls für die Region, die Sie bereisen möchten, eine vorbeugende Behandlung gegen Malaria empfohlen wird, soll die Einnahme bis zu 1 Woche vor der Abreise begonnen und während des gesamten Aufenthalts fortgesetzt werden. Zudem sollen die Medikamente auch nach dem Verlassen des Malariagebiets noch 1–4 weitere Wochen angewendet werden.
  • Schwangere Frauen sollten nicht in malariagefährdete Regionen reisen. Eine Ansteckung hat ernste Folgen sowohl für das Ungeborene als auch für die Mutter.
    • Schwangere dürfen zudem nicht alle Medikamente anwenden, die zur Vorbeugung gegen Malaria zum Einsatz kommen.
  • Einige Medikamente zur Malaria-Prophylaxe können auch in der Stillzeit eingenommen werden. Das gestillte Kind wird dadurch jedoch nicht vor einer Ansteckung mit Malaria geschützt.

Nach der Ankunft

  • Das Ansteckungsrisiko ist zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang am höchsten. In dieser Zeit sollten Sie Ihren Körper mit langer, heller Kleidung schützen und auf den Bereichen, die nicht die gesamte Zeit bedeckt sind, zusätzlich alle 2–4 Stunden ein Mückenspray anwenden.
    • Das Mückenschutzmittel sollte Diethyltoluamid (DEET) oder Icaridin enthalten.
    • Die Kleidung kann zusätzlich mit dem Insektengift Permethrin imprägniert werden.
  • Untersuchen Sie die Unterkunft bzw. den Übernachtungsort auf Mücken.
  • Über dem Schlafplatz wird ein Moskitonetz empfohlen. Sie sollten das Moskitonetz zusätzlich imprägnieren. Am häufigsten wird dazu der Wirkstoff Permethrin benutzt.
  • Hotelzimmer mit Klimaanlage sind meist frei von Mücken. Sie sollten aber dennoch Sicherheitsvorkehrungen treffen. Untersuchen Sie das Zimmer auf Mücken.
  • Schließen Sie die Fenster und Türen, bevor Sie abends das Licht im Zimmer einschalten.
  • Denken Sie daran, dass auch eine vorbeugende Behandlung keinen vollständigen Schutz bietet.

Wie sicher ist die Behandlung?

  • Medikamente zur Malaria-Prophylaxe bieten keinen absoluten Schutz gegen eine Infektion. Sie dienen in erster Linie der Vermeidung von schweren Verläufen und Todesfällen.
  • Sie sollten sich, auch wenn Sie Medikamente zur Vorbeugung einnehmen, vor Mückenstichen schützen.
  • Falls Sie während Ihrer Reise oder in den 3 Monaten danach Fieber bekommen, sollten Sie so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen und Ihre Beschwerden abklären lassen. In diesem Fall soll eine Malaria-Infektion ausgeschlossen werden.
    • Gleichzeitig ist es gut zu wissen, dass bei einem Fieber, das in den ersten 7 Tagen eines Aufenthalts in einem Malariagebiet auftritt, Malaria als Ursache unwahrscheinlich ist.
  • Falls Sie in eine entlegene Region reisen, in der Sie keinen raschen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, ist es möglich, Stand-by-Medikamenten zur Selbstbehandlung zu erhalten, die Sie im Fall einer Ansteckung einnehmen können.
  • In den ersten Monaten nach der Reise ist es wichtig, bei Arztbesuchen darauf hinzuweisen, dass Sie sich in einem Malariagebiet aufgehalten haben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Malaria. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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