Shigellose (Bakterielle Ruhr)

Die Shigellose ist eine Durchfallerkrankung, die durch Shigella-Bakterien ausgelöst wird. In Deutschland kommt sie selten vor und verläuft in den meisten Fällen milde. Infektionen ereignen sich häufig auf Reisen in warme Regionen. Durch einen vorsichtigen Umgang insbesondere mit Speisen in diesen Ländern kann das Infektionsrisiko minimiert werden. Die Shigellose hat ein hohes Ansteckungspotenzial, vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen. Antibiotika verkürzen die Krankheitsdauer und dämmen das Ausbreitungsrisiko ein.

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Was ist Shigellose?

Die Shigellose (Synonyme: Bakterielle Ruhr, Shigellen-Dysenterie) ist eine Durchfallerkrankung, die durch Shigella-Bakterien ausgelöst wird. Sie ist sehr ansteckend, kommt aber in Deutschland insgesamt selten vor. Jährlich werden ungefähr 300-1000 Erkrankungsfälle in Deutschland gezählt. Große Verbreitung, vor allem unter Kindern, hat die Infektionserkrankung in ärmeren Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen. Weltweit erkranken jedes Jahr 200 Millionen Menschen an der Shigellose.

Der Verlauf einer Shigellose variiert sehr stark. In unseren Breitengraden führt sie meist zu milden Symptomen mit wässrigem Durchfall, begleitet von Fieber und Bauchkrämpfen. In wenigen Fällen treten blutige Durchfälle auf. Schwere Verläufe mit Komplikationen zum Beispiel an der Niere kommen nur in den Tropen vor.

Ungefähr die Hälfte der Erkrankungsfälle in Deutschland geht auf eine Infektion bei Reisen in Länder wie Ägypten, Indien, Marokko, Tunesien und der Türkei zurück. Bestimmte hygienische Vorkehrungen auf Reisen helfen, das Infektionsrisiko zu minimieren.

Die Shigellose wird mit Antibiotika behandelt. Das verkürzt die Krankheitsdauer und reduziert das Risiko einer Ausbreitung.

Ursache und Übertragungsweg

Shigellose wird durch eine Infektion mit Bakterien der Shigella-Familie ausgelöst. Es gibt vier Unterarten: S. dysenteriae, S. boydii,, S. flexneri, S. sonnei. Sigella dysenteriae löst die schwersten Symptome aus, ist aber ausschließlich in den Tropen beheimatet. Shigella flexneri und sonnei führen zu milderen Symptome. Sie sind für 90% der Erkrankungen in Deutschland verantwortlich.

Die Bakterien greifen hauptsächlich den Dickdarm an. Sie verursachen eine Entzündung der Darmschleimhaut. Diese reagiert ähnlich wie eine bei einer Erkältung entzündete Nasenschleimhaut: Es wird vermehrt Sekret und Schleim abgesondert, manchmal mischt sich Blut darunter. Shigella dysenteriae, die aggressivste Unterart des Bakteriums, bildet zusätzlich ein Toxin, das ein schweres Krankheitsbild im ganzen Organismus auslösen kann.

An Shigellose erkrankte Patienten scheiden die Bakterien 1-4 Wochen lang mit dem Stuhl aus, in wenigen Fällen länger. Schon eine geringe Menge von Shigella-Bakterien löst eine Infektion aus. Die Ansteckung erfolgt fäkal-oral. Dabei werden mit dem Stuhl ausgeschiedene Bakterien über den Mund aufgenommen. In Deutschland geschieht die Übertragung meist direkt von Mensch zu Mensch, zum Beispiel bei schlechter Handhygiene nach dem Toilettengang oder vor der Zubereitung von Speisen. In ärmeren Ländern sind oft verunreinigtes Trinkwasser, ungewaschene Lebensmittel und selbst Badewasser eine Ansteckungsquelle.

Aufgrund des hohen Ansteckungsrisikos und der zum Teil lang andauernden Infektiösität von erkrankten Patienten kann sich eine Infektion insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen und über Großküchen rasch ausbreiten. Das deutsche Infektionsschutzgesetz macht strenge Vorgaben für erkrankte Kinder, die im Kindergarten oder bei einer Tagesmutter sind, sowie für Mitarbeiter in Lebensmittelbetrieben, die möglicher- oder nachgewiesenermaßen eine Shigellose haben.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Symptome einer Shigellose beginnen stets abrupt. Frühestens 12 Stunden und nicht länger als 4 Tage nach der Infektion setzen wässrige Durchfälle ein, zwei bis zehn am Tag. Begleitet sind sie von meist eher milden Bauchschmerzen und leichtem Fieber. Bei den in Deutschland seltenen Fällen von Infektionen mit Shigella boydii oder dysenteriae sind die Bauchkrämpfe ausgeprägter, das Fieber höher und nach ein bis zwei Tagen wird der Durchfall blutig und die Durchfallfrequenz nimmt zu. Im Schnitt halten die Beschwerden einer Shigellose 7 Tage an.

Vor allem Kinder und ältere Patienten können aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes über den Darm eine Austrocknung und einen Mangel an Salz und anderen Mineralstoffen erleiden. Betroffene haben Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche und wirken eventuell verwirrt und desorientiert.

Diagnose

Eine Shigellose wird anhand der typischen Symptome sowie einer Stuhlprobe diagnostiziert. Andere hauptsächlich infektiöse Ursachen von Durchfallerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Wichtig ist die Angabe einer kürzlich zurückliegenden Reise vor allem in warme und tropische Länder.

Bei Durchfallerkrankungen, die mit Fieber, starken Bauchkrämpfen, blutigem Stuhl oder starkem Krankheitsgefühl verbunden sind, sollte der Hausarzt kontaktiert werden. Er wird neben der Anamnese und der Stuhlprobe eine körperliche Untersuchung durchführen, unter anderem, um eine behandlungsbedürftige Austrocknung und andere Komplikationen zu identifizieren.

Nur in schweren Ausnahmefällen ist bei einer Shigellose die Einweisung ins Krankenhaus notwendig.

Therapie

Eine antibiotische Therapie der Shigellose ist wichtig, um die Krankheitsdauer zu verkürzen und um zu verhindern, dass sich die stark ansteckende Krankheit weiter ausbreitet. Eine Laboruntersuchung der Bakterien im Stuhl entscheidet darüber, welches Antibiotikum sie am wirksamsten bekämpft.

Bei allen Durchfallerkrankungen ist ein Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes wichtig. Ihre Ärztin wird darüber hinaus entscheiden, ob ein kontrollierter Flüssigkeitsersatz erforderlich ist, bei sehr geschwächten Patienten und Patientinnen sowie bei kleinen Kindern und älteren Erkrankten eventuell über die Vene.

Abzuraten ist von Durchfallmitteln wie Imodium®, insbesondere bei blutigen Durchfällen. Sie hemmen die Darmaktivität. Das reduziert zwar die Stuhlfrequenz, erschwert aber gleichfalls die Beseitigung der Bakterien, die die Ursache des Durchfalls sind.

Das können Sie selbst tun

Um eine Austrocknung sowie den Verlust von Mineralstoffen abzuwenden, ist eine ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit essenziell. Kinder bis zehn Jahre sollten nach jedem Stuhlgang mit Durchfall ungefähr ein Glas Wasser oder Saft trinken, Erwachsene mehr. Nicht geeignet sind Sportgetränke, sie können dem Körper Flüssigkeit entziehen. Bei Anzeichen einer Austrocknung soll der Hausarzt aufgesucht werden. Erwachsene können zusätzlich eine an Mineralstoffen reichhaltige Lösung selbst ansetzen: 1/2 TL (2,5 ml) Salz und 6 TL (30 ml) Zucker auf 1 Liter Wasser oder Tee.

So beugen Sie einer Ansteckung vor

Es gibt keinen Impfstoff. Alle vorbeugenden Maßnahmen beziehen sich daher auf umsichtiges Verhalten.

Bei Reisen in Länder mit schlechten hygienischen Verhältnissen gilt zur Vermeidung von Infektionen durch verunreinigtes Wasser oder ungekochte Speisen die Regel: „Peel it, boil it, cook it or forget it" – zu Deutsch „Schäl' es, brat' es, koch es oder vergiss es".

Trinken Sie in warmen und tropischen Ländern außerdem nur Wasser, das in Flaschen verkauft wird, kein Leitungswasser.

Weiterhin ist grundsätzlich eine konsequente Händehygiene wichtig: Waschen Sie sich die Hände, nachdem Sie auf der Toilette waren, sowie vor der Speisezubereitung und den Mahlzeiten.

Wenn Sie an einer Durchfallerkrankung wie der Shigellose erkrankt sind, müssen Sie umso sorgfältiger darauf achten, Ihre Hände nach dem Toilettengang und vor dem Zubereiten von Speisen zu waschen.

Prognose

Die in Deutschland verbreiteten Fälle von Shigellose heilen meist nach im Schnitt sieben Tagen ohne Komplikationen aus. Die in den Tropen ansässige Form hingegen ist für die Menschen dort bedrohlich – unbehandelt verstirbt jeder fünfte Patient.

3-10% der Patienten mit Shigellose entwickeln kurz nach der Durchfallerkrankung Gelenkbeschwerden. Meist sind Knie-, Fuß-, Schulter-, Ellenbogen- oder Handgelenk überwärmt, geschwollen und schmerzhaft. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich mit Schmerzmitteln. Die Gelenkentzündungen bilden sich in aller Regel nach einigen Monaten wieder zurück.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Shigellen-Infektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple.AWMF-Leitlinie Nr. 021-024. Stand 2015. www.awmf.org
  2. Robert-Koch-Institut. Shigellose. RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2007. www.rki.de
  3. Kotloff KL, Winickoff JP, Ivanoff B, et al. Global burden of Shigella infections: implications for vaccine development and implementation of control strategies. Bull World Health Organ 1999;77:651-666. PubMed
  4. Robert-Koch-Institut. Shigellose. In: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch für 2014. www.rki.de
  5. Schroeder GN, Hilbi H. Molecular pathogenesis of Shigella spp.: controlling host cell signaling, invasion, and death by type III secretion. Clin Microbiol Rev 2008;21:134-156. PubMed
  6. Keshav S, Barnabas A. Shigella infection. BestPractice, last updated Jan 08, 2013. bestpractice.bmj.com
  7. Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF. Proben zur mikrobiologischen Infektionsdiagnostik: Gewinnung, Lagerung und Transport. AWMF-Leitlinie Nr. 029-018. Stand 2014. www.awmf.org