Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit)

Die afrikanische Trypanosomiasis wird durch eine Infektion mit dem Parasiten Trypanosoma brucei verursacht, der durch den Biss der Tsetsefliege übertragen wird. Die Erkrankung hat ihren Namen aufgrund des Dämmerzustandes in dem sich der Patient im Endstadium der Infektion befindet.

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Geografische Risikogebiete

In den letzten Jahren wurden mehrere Fälle afrikanischer Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) bei Touristen gemeldet, die sich im Nordosten Tansanias aufgehalten hatten. Alle erkrankten Touristen hatten entweder den Serengeti- oder den Tarangire-Nationalpark besucht. Die Gesundheitsbehörden in Tansania haben Touristen bislang nicht ausdrücklich vor dem Risiko einer Trypanosomiasis-Erkrankung bei einem Besuch in den Nationalparks im Nordosten Tansanias gewarnt. Laut einem Tierarzt vom Serengeti-Forschungszentrum gebe es keine offiziellen Berichte über die Prävalenz der Trypanosomiasis in Tansania. Eine amtliche Statistik aus dem Jahr 1998 meldet ca. 200 Fälle bei Tansaniern. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich viel höher.

Es scheint, als gäbe es eine ständig steigende Anzahl von Tsetsefliegen in der Serengeti. Etwa 10 % der Tsetsefliegen sind vermutlich Träger des Trypanosoma brucei, des Parasiten, der die afrikanische Trypanosomiasis verursacht. Die meisten Arten der Tsetsefliegen führen jedoch weder bei Menschen noch bei Tieren zu einer Erkrankung.

Zwei verschiedene Formen der Trypanosomiasis

Die Trypanosomiasis rhodesiensis (ostafrikanische Form) wird durch den Trypanosoma brucei rhodesiense verursacht und tritt in Ostafrika (insbesondere in Äthiopien und im Sudan) auf. In Tansania kommt diese Form am häufigsten im Gebiet zwischen dem Victoriasee und dem Kilimandscharo vor. Die zweite, westafrikanische Form ist die Trypanosomiasis gambiensis. Sie wird durch den Trypanosoma brucei gambiense verursacht und tritt in West- und Zentralafrika auf. Beide Formen der Trypanosomiasis sind gefährlich und können zum Tod führen, wenn sie nicht behandelt werden.

Die Inkubationszeit einer Infektion mit dem T. rhodesiense beträgt zwischen drei Tagen und einigen Wochen, und der Krankheitsverlauf ist von kurzer Dauer und intensiv. Die Erkrankung verursacht zuerst Infektionen in den inneren Organen und greift zum Schluss das Zentralnervensystem und das Gehirn an. In diesem Stadium können Patienten schläfrig und apathisch sein und ohne Behandlung schließlich das Bewusstsein verlieren. Die Erkrankung wird am einfachsten behandelt, bevor sie das zentrale Nervensystem und das Gehirn infiziert hat.

Eine Infektion mit dem T. gambiense hat eine längere Inkubationszeit (von Monaten bis Jahren) und hat einen langsameren, eher chronischen Verlauf. Die meisten Personen verbinden die afrikanische Trypanosomiasis mit dieser Form, die nach vielen Jahren zu starker Erschöpfung und Koma führt. Die Patienten sterben schließlich, am häufigsten an einer Lungenentzündung.

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Lebenszyklus der Trypanosoma brucei: Zwei Varianten dieser Parasiten befallen den Menschen. Trypanosoma brucei rhodesiense (ostafrikanische Schlafkrankheit) und Trypanosoma brucei gambiense (westafrikanische Schlafkrankheit).

Häufigkeit

Die afrikanische Trypanosomiasis tritt endemisch in 36 Ländern südlich der Sahara auf, vor allem in ländlichen Gebieten. Ca. 60 Millionen Menschen in diesen Gebieten sind gefährdet. Die Inzidenz in Afrika wird auf ca. 7.000 (im Jahr 2011) geschätzt. Glücklicherweise ist die Tendenz in den letzten Jahren stark rückläufig.

Die humane afrikanische Trypanosomiasis tritt zwischen dem 20. nördlichen und dem 20. südlichen Breitengrad auf. Es kann zu Epidemien kommen, wenn der Kontakt zwischen Fliegen und Menschen zunimmt, oder wenn durch die Migration von infektiösen Fliegen oder Parasitenträgern sehr virulente Trypanosomen-Stämme in einem von Tsetsefliegen bewohnten Gebiet eingeführt werden. In West- und Zentralafrika leben Fliegen der Glossina palpalis-Gruppe. Hier ist das Infektionsrisiko in den Gegenden am größten, wo der Wald bis an die Ufer der Flüsse und Bäche reicht. In diesen Gegenden tritt die Trypanosomiasis gambiensis auf. In Gebieten, wo Fliegen der Glossina morsitans-Gruppe leben, wie in Ostafrika, tritt die Trypanosomiasis rhodesiensis auf. Die Krankheit tritt am häufigsten in der Trockensavanne rund um den Victoriasee auf.

Ca. 95 % der Fälle werden durch Trypanosoma brucei gambiense verursacht. In den letzten Jahren sind ca. 70 % der Fälle aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet worden.

Wilde Tiere, vor allem Buschböcke, Antilopen und afrikanische Rinder, sind die Hauptreservoire des T. rhodesiense. Menschen, Rinder und Schweine sind die Hauptreservoire des T. gambiense.

Symptome

Der Biss einer Tsetsefliege ist schmerzhaft und kann ein paar Tage lang örtliche Schwellungen und Juckreiz verursachen. Wenn eine Trypanosomen-Infektion entsteht, kann die Bissstelle weiter anschwellen und einen Abszess (Schanker) bilden. Dies geschieht innerhalb weniger Tage. Andere frühe Symptome können Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, vergrößerte und empfindliche Lymphknoten (vor allem im Nacken) und Blutarmut (Anämie) sein. Die Symptome ähneln im Anfangsstadium einer Malaria-Infektion. Im späteren Verlauf werden die inneren Organe angegriffen und zum Schluss das zentrale Nervensystem. Durch eine Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks (Enzephalomyelitis) kann es zu einem veränderten Schlafverhalten, neurologischen Auffälligkeiten und schlussendlich zum Koma kommen. 

Diagnostik

Die Diagnose wird durch den Nachweis von Trypanosomen im Blut, in der Lymphe und in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gestellt. Der Parasit kann nachgewiesen werden, indem der gleiche Test durchgeführt wird, der auch bei Verdacht auf Malaria durchgeführt wird. Oft wird empfohlen, mehrere Blutuntersuchungen durchzuführen, um eine absolut sichere Diagnose zu stellen. Nur wenige Krankenhäuser und Kliniken in Ostafrika können die afrikanische Trypanosomiasis durch eine Blutuntersuchung diagnostizieren.

Behandlung

Für die Behandlung der durch den T. rhodesiense verursachten afrikanischen Trypanosomiasis werden Suramin-Arzneimittel verwendet. Bei einer Infektion mit dem T. gambiense wird Pentamidin verwendet. Da diese Medikamente nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden, wird immer eine Probenahme des Liquor cerebrospinalis empfohlen, um auszuschließen, dass die Infektion bereits in das Zentralnervensystem und in das Gehirn gelangt ist. Wenn die Infektion bereits den Liquor cerebrospinalis erreicht hat, werden die Patienten mit einer Nirfurtimox-Eflornithin-Kombinationstherapie (NECT) behandelt. Die Heilungsrate liegt bei dieser Behandlung bei 97 %. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit der afrikanischen Trypanosomiasis bei 100 %.

Touristen, die mit der afrikanischen Trypanosomiasis diagnostiziert werden, sollten ein Krankenhaus aufsuchen, das auf die Behandlung von tropischen Infektionskrankheiten spezialisiert ist.

Prävention 

Der einzige wirksame Schutz vor der der afrikanischen Trypanosomiasis ist das Vermeiden von Stichen. Tsetsefliegen verstecken sich oft in dunklem Gehölz wie in Akazienbüschen und -bäumen, um dort Schatten zu finden. Sie sind ungefähr doppelt so groß wie eine Stubenfliege und sind tagaktiv. Sie fliegen in Schwärmen und verfolgen oft große, sich bewegende Objekte (z. B. Büffel, Antilopen oder Autos). Halten Sie daher Ihre Autofenster während einer Fahrt durch Gebiete, in denen die Fliegen vorkommen, geschlossen. Tsetsefliegen werden von dunklen Farben (vor allem dunkelblau) angezogen und beißen leicht durch dünne Kleidungsstücke. Denken Sie daran, dass der Biss der Tsetsefliege stark genug ist, um durch Büffelhaut beißen zu können! Touristen sollten daher Kleidung tragen, die hell ist und aus einem schweren Stoff angefertigt wurde, vorzugsweise Khakistoff, und am besten zwei Paar Socken. Tragen Sie Kleidung, die Ihren ganzen Körper bedeckt.  Die Erkenntnis, dass Tsetsefliegen von der Farbe Blau angezogen werden, wird verwendet, um Fliegen in Fallen aus blau-schwarzem, mit DDT oder einem anderen Insektizid imprägnierten Stoff zu fangen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trypanosomiasis (Schlafkrankheit). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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