Tungiasis

Tungiasis ist eine Hautkrankheit, die durch den Sandfloh Tunga penetrans verursacht wird. Der Sandfloh beißt sich an der Haut fest und bohrt sich dann in die Haut ein (Infestation).

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Was ist Tungiasis?

Tungiasis ist eine Hautkrankheit, die durch den Sandfloh Tunga penetrans verursacht wird. Der Sandfloh beißt sich an der Haut fest und bohrt sich dann in die Haut ein (Infestation). Der Sandfloh kommt nicht in Deutschland sowie Europa vor. Daher tritt die Erkrankung in Deutschland meist nur bei Patienten auf, die von Reisen aus den Endemiegebieten zurückkehren.

Der Sandfloh T. penetrans kommt in Lateinamerika (von Mexiko bis in das nördliche Argentinien), in der Karibik, in Afrika südlich der Sahara sowie in Indien und Pakistan. Insgesamt sind ca. 88 Länder betroffen. Seine Verbreitung beträgt dort zwischen 21–83 % und ist somit keine Seltenheit.

Ursache

Der Sandfloh ist 1 mm lang und kann 20 cm vertikal springen. Sandflöhe gedeihen im warmen Sandboden, wo die Eier ausgebrütet werden und sich die Flöhe entwickeln und paaren. Nach der Paarung sucht das schwangere Flohweibchen einen warmblütigen Wirt und beginnt hier eine Entwicklung, die fünf Stadien umfasst.

Menschen infizieren sich vor allem, wenn sie dort barfuß gehen, wo sich Sandflöhe aufhalten. Der weibliche Sandfloh bohrt sich durch die Haut, am häufigsten an einer dünnen Hautstelle wie zwischen den Zehen oder unter den Zehennägeln. Die Betroffenen spüren das Eindringen nur selten, aber es kann ein kleiner roter Fleck zu sehen sein. Der Floh saugt Blut aus dem oberflächlichen Teil der Haut, und die Entwicklung der Eizelle beginnt. Der Bauchumfang des Flohs nimmt zu. Das wird nun als ein juckendes, schmerzhaftes Knötchen mit einem zentral platzierten schwarzen Fleck bemerkt, der unterschiedlich schwer entzündet ist. Nach ca. vier Tagen erreicht der Parasit seine maximale Größe. Der Fleck ähnelt einer weißen Perle und hat eine zentrale Öffnung, die vom Enddarm/Geschlechtsorgan des Sandflohs ausgeht und von der der Sandfloh seine Eier und Exkremente in die Umgebung ausscheidet. Drei bis vier Wochen nach dem Befall stirbt der Floh und wird abgestoßen. Der Fleck wird meistens von einem dunklen Schorf bedeckt. Anschließend heilt die Wunde und hinterlässt eine Narbe auf der Haut.

Diagnostik

Der Patient spürt einen Fleck oder eine Beule in der Haut des Fußes oder des Unterschenkels. Eier und bräunliche Exkrementstreifen, die sich um die zentrale Öffnung herum befinden, bestätigen die Diagnose. Es sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

Aus dem Ausland zurückkehrende Personen stellen sich selten mit mehr als einem  Knötchen vor, und die Erkrankung heilt oft spontan aus. In endemischen Gebieten werden jedoch massive und invalidisierende Infestationen mit bis zu 145 Knötchen gesehen, die oft von Komplikationen in Form von Nagelerkrankungen, Deformation oder Amputation der Zehen sowie Gangstörungen begleitet sind.

Behandlung

Die Behandlung besteht in der vollständigen Entfernung des Sandflohs.

Wenn das Risiko einer solchen Infestation in Ihrer Umgebung hoch ist, sollten Sie Flohbissen vorbeugen, indem Sie geschlossene Schuhe tragen und Insektenabwehrmittel benutzen.

Prognose

Bei den meisten Auslandsreisenden ist dies eine vorübergehende Infektion, die etwas Unbehagen verursacht. Es kann vorkommen, dass Bakterien in die Bissstelle eindringen und eine örtliche Infektion verursachen, die sich mit antibiotischer Salbe behandeln lässt.

Weitere Informationen

  • Tungiasis – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tungiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Franck S, Wilcke T, Feldmeier H. Tungiasis bei Tropenreisenden – eine kritische Bestandsaufnahme. Dtsch Arztebl 2003; 100(26). www.aerzteblatt.de
  2. Cestari TF, Pessato S, Ramos-e-Silva. Tungiasis and myiasis. Clin Dermatol 2007; 25: 158-64. PubMed
  3. Heukelbach J. Tungiasis. Orphanet. Stand 2014. www.orpha.net
  4. Smith DS. Tungiasis. Medscape. October 2015. emedicine.medscape.com
  5. Feldmeier H, Eisele M, Saboia-Moura RC et al. Severe tungiasis in underprivileged communities: case series from Brazil. Emerg Infect Dis 2003; 9: 949-55. PubMed
  6. Feldmeier H, Heukelbach J, Eisele M et al. Bacterial superinfection in human tungiasis. Trop Med Int Health 2002; 7: 559-64. PubMed