West-Nil-Fieber

Infektion durch das West-Nil-Virus, welches über Mückenstiche übertragen wird. Die meisten Patienten (99 %), die sich mit dieser Krankheit infizieren, haben keine oder nur milde Symptome, in seltenen Fällen kann der Krankheitsverlauf allerdings schwerwiegend sein.

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Was ist die West-Nil-Virusinfektion?

Die West-Nil-Virusinfektion ist eine Viruserkrankung, die in erster Linie im Mittleren Osten, in Asien und in Afrika auftritt. Seit 1999 hat sich die Krankheit auch in den USA und in Kanada ausgebreitet, und es gab in Europa mehrere Epidemien.

Größere Ausbrüche entwickelten sich in Rumänien im Jahr 1996, in der Tschechischen Republik im Jahr 1997 und in Russland im Jahr 2010, sowie in Nordgriechenland im Sommer 2010 mit 262 Fällen. 2015 wurden in den EU-Staaten 108 Fälle gemeldet, in den Nachbarstaaten 193 Fälle.

In den USA wird geschätzt, dass es bereits mehr als 3 Millionen Infizierte gab. Mehr als 700.000 Betroffene entwickelten Krankheitssymptome, und von 1999–2012 entwickelten mehr als 16.000 Patienten eine schwere Hirnentzündung (Enzephalitis). Auch im karibischen Raum wurde in letzter Zeit WN-Fieber beobachtet (u. a. auf Kuba, in der Dominikanischen Republik).

Die Infektion ist oft mild und harmlos. Es wird geschätzt, dass etwa 75 % der Infizierten keine Krankheitssymptome entwickeln. Bei ca. 25 % treten influenzaähnliche Beschwerden auf, die ein paar Tage anhalten.

Bei weniger als 1 % verursacht die Krankheit eine schwere Hirnentzündung – Enzephalitis oder Meningitis. Die Symptome sind starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Zuckungen und Krämpfe, Nackensteifigkeit und Bewusstlosigkeit. Bei älteren Personen oder Personen, die aufgrund anderer Krankheiten ein geschwächtes Immunsystem haben, besteht die größte Gefahr, diese schwere Form der Erkrankung zu entwickeln.

Infektion

Die West-Nil-Virusinfektion vermehrt sich vor allem bei Wildvögeln. Mücken, die infizierte Vögel stechen, können das Virus auf den Menschen übertragen. Menschen werden nicht direkt von Vögeln oder anderen Tieren infiziert, und es gibt auch keine Übertragung von Mensch zu Mensch. Die Vermehrung des Virus in Mücken ist temperaturabhängig. Mit einer Einschleppung von WN-Fieber nach Deutschland (u. a. durch Zugvögel) muss gerechnet werden, es sind bereits vereinzelte nach Deutschland importierte Fälle bekannt geworden.

Präventive Maßnahmen

Wenn Sie sich in Gebieten aufhalten, in denen die West-Nil-Virusinfektion endemisch ist, ist die wichtigste Schutzmaßnahme, die Sie ergreifen können der Schutz vor Mückenstichen.

Die Mückenarten, die das Virus übertragen, sind in der Dämmerung und bei Sonnenaufgang am aktivsten, aber sie sind auch nachts aktiv. Wenn Sie sich nach Sonnenuntergang im Freien aufhalten, sollten Sie die Haut mit Socken, langen Hosen und langärmeligen Kleidungsstücken abdecken. Die Kleidung sollte nicht weiß sein oder leuchtende Farben haben, da Mücken davon angezogen werden.

Darüber hinaus sollten Sie Insektenabwehrmittel auf der Haut verwenden, die Diethyltoluamid (DEET) oder ein gleichwertiges Mittel enthalten. Am besten sind Sie nach Sonnenuntergang in Innenräumen bei gleichzeitiger Verwendung von Moskitonetzen um das Bett und Moskitonetzen vor den Türen und Fenstern geschützt.

Diagnostik

Nur bei einem schweren Krankheitsverlauf wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, der die Krankheit nachweist. Dies geschieht durch Blutuntersuchungen und durch eine Untersuchung des Gehirnwassers (Liquor cerebrospinalis).

Behandlung

Die meisten erholen sich ohne jegliche Behandlung.

In schweren Fällen von Enzephalitis oder Meningitis wird eine rasche Einweisung in ein Krankenhaus empfohlen. Es gibt allerdings keine Behandlung, die das Virus töten kann. Die Behandlung beruht daher auf die Symptomlinderung, bis der Körper selber in der Lage ist, die Infektion zu überwinden.

Prognose

Die überwiegende Mehrheit (99 %) wird völlig gesund. Bei einer geringen Anzahl von Patienten führt die Krankheit zu Enzephalitis, die im Extremfall zum Tod führen kann. Insbesondere bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Immunschwächeerkrankungen besteht ein erhöhtes Komplikationsrisiko. In den USA wurde beobachtet, dass mehr als die Hälfte derjenigen Patienten, die die schwere Form überlebt haben, noch Jahre nach der Genesung an Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen oder Gleichgewichtsproblemen litten.

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel West-Nil-Fieber. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert-Koch-Institut. West-Nil-Fieber im Überblick. Stand 27.9.2019 www.rki.de
  2. European Centre for Disease Prevention and Control. West Nile fever maps. Zugriff 10.10.2019 ecdc.europa.eu
  3. Frank, C. Stark, K.; Wilking, H. Risiko autochthoner Infektionen: West-Nil-Virus in einheimischen Vögeln nachgewiesen. Dtsch Arztebl 2018; 115(41) www.aerzteblatt.de
  4. Wilking H, Offergeld R, Lachmann R. Erster in Deutschland durch Stechmücken übertragener Fall einer WestNil-Virus-Infektion. Epid Bull 2019;40:415 – 416 www.rki.de
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