Latente Tuberkulose

In einer frühen Phase der Infektion führen die Tuberkulosebakterien zu einer begrenzten Entzündungsreaktion im Körper. Normalerweise behält die Immunabwehr des Körpers die Kontrolle über den Angriff der Bakterien und sorgt für eine Einkapselung der Erreger, die jedoch in solchen Kapseln viele Jahrzehnte lang überleben können. Dieser Zustand wird als latente Tuberkulose bezeichnet.

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Fakten

  • In einer frühen Phase der Infektion führen die Tuberkulosebakterien zu einer Immunreaktion im Körper.
  • Bei frisch Infizierten zeigen sich normalerweise keine Symptome, und es besteht auch keine Ansteckungsgefahr für andere.
  • In den meisten Fällen behält die Immunabwehr des Körpers die Kontrolle über den Angriff der Bakterien und sorgt für eine Einkapselung der Erreger, die jedoch in solchen Kapseln viele Jahrzehnte lang überleben können. Dieser Zustand wird als latente Tuberkulose bezeichnet.
  • Bis zu 10 % der Personen mit latenter Tuberkulose entwickeln im Laufe ihres Lebens eine aktive Tuberkulose.
  • Eine vorbeugende Therapie der latenten Tuberkulose wird frisch infizierten oder dem Erreger ausgesetzten Kindern, Patienten mit Immunschwäche (z. B. HIV) und Patienten, die vor einer Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems stehen, empfohlen.

Wie entsteht Tuberkulose?

Lunge und Bronchien – Normalzustand

Wenn die Tuberkuloseerreger über die Atemwege in den Körper gelangen, kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die sich später zu sogenannten Tuberkeln (knötchenförmigen Gewebeveränderungen) entwickelt, in denen der Körper die Bakterien einkapselt. Diese Knötchen und die zugehörigen tuberkuloseinfizierten Lymphknoten in der Brust bilden den sogenannten Primärkomplex. Diese frische Infektion verläuft häufig symptomlos und die Infizierten sind nicht ansteckend. Nur 5–10 % der Infizierten erkranken an einer aktiven Tuberkulose, ca. die Hälfte im Laufe der ersten 2 Jahre, die andere Hälfte später. Die Bakterien können über die Blutbahn in andere Gewebe und Organe im Körper sowie zu anderen Orten innerhalb der Lunge gelangen und sich dort weiter vermehren. Eine aktive Tuberkulose entsteht meistens in der Lunge. Erst dann ist die Erkrankung ansteckend. 

Die Bakterien können aber auch jahrzehntelang eingekapselt im Körper überleben. Dieser Zustand wird als latente Tuberkulose bezeichnet. In dieser Phase „schlummern“ die Bakterien und vermehren sich nicht.

Was ist eine latente Tuberkulose?

Bei einer latenten Tuberkulose liegt zwar eine Infektion mit dem Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis vor, es zeigen sich aber keine Symptome einer aktiven Tuberkulose. Personen mit latenter Tuberkulose sind auch nicht ansteckend. Es besteht aber immer die Gefahr, dass die Erkrankung in eine aktive Tuberkulose übergeht. Wenn die Immunabwehr des Körpers geschwächt ist, steigt das Risiko, dass sich aus einer latenten Infektion eine aktive Tuberkulose entwickelt. Aufgrund dieses Risikos ist es wichtig, auch die latente Tuberkulose zu behandeln.

Das Risiko des Übergangs aus einer latenten Infektion in eine aktive Tuberkulose liegt über das gesamte Leben hin gesehen bei ca. 10 %.

Risikofaktoren für die Infektion und den Übergang zur aktiven Tuberkulose

Personengruppen mit erhöhtem Risiko für eine Infektion sind Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, Menschen, die aus Regionen stammen, in denen die Tuberkulose häufig vorkommt, und enge Kontaktpersonen von Menschen, die bekanntermaßen oder vermutlich an Tuberkulose erkrankt sind.

Die Ansteckungswahrscheinlichkeit hängt dabei von der Menge der übertragenen Bakterien, der Dauer des Kontakts mit einer an Tuberkulose erkrankten Person und dem eigenen Gesundheitszustand ab.

Das Risiko des Übergangs aus einer latenten Infektion in eine aktive Tuberkulose ist in den ersten beiden Jahren nach der Infektion am höchsten, in denen ca. 2,5–5 % der Infizierten eine aktive Tuberkulose entwickeln. Dieses Risiko ist bei Kleinkindern, Menschen mit HIV, Diabetes oder anderen chronischen Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, Personen, die Immunsuppressiva einnehmen, Schwangeren, Alkohol- und Drogenabhängigen oder unterernährten Menschen höher.

Symptome

Im Zustand einer latenten Tuberkulose zeigen sich keine Symptome oder deutliche Anzeichen einer Erkrankung. Die aktive Tuberkulose tritt am häufigsten als Lungentuberkulose in Erscheininug. Typische Symptome sind Husten über mehr als 3 Wochen, im weiteren Verlauf mit Auswurf, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands.

Die Infektion kann 6–8 Wochen nach der Ansteckung mit Tuberkulosetests nachgewiesen werden.

Diagnostik

In Deutschland werden die Kontaktpersonen von Tuberkulosepatienten untersucht, um die weitere Ausbreitung der Tuberkulose zu verhindern. 

Bei Routineuntersuchungen (Screening) werden bestimmte Personengruppen auch ohne Anzeichen einer Tuberkulose auf eine latente Infektion getestet. Diese Untersuchungen sind verpflichtend für Menschen, die in bestimmte Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte für Menschen ohne festen Wohnsitz, Einrichtungen für Geflüchtete, Asylsuchende und Spätaussiedler oder Justizvollzugsanstalten aufgenommen werden. Zudem wird Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, die z. B. längere Zeit in Ländern mit hoher Tuberkuloserate verbracht haben oder die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, eine Untersuchung auf Tuberkulose empfohlen.

Eine latente Tuberkulose kann mit dem IGRA-Bluttest oder dem Tuberkulin-Hauttest nachgewiesen werden. Der Hauttest wird heute nur noch bei Kindern und Jugendlichen angewendet.

Therapie

Untersuchungen auf eine latente Tuberkulose haben zum Ziel, Patienten zu finden, die von einer Behandlung profitieren. Risikogruppen sind:

  • Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko einer frischen Infektion besteht
  • Patienten in einem Gesundheitszustand, der ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer aktiven Tuberkulose mit sich bringt.

Eine vorbeugende Antibiotikatherapie soll ruhende Tuberkuloseerreger beseitigen, um ein Ausbrechen der Krankheit zu einem späteren Zeitpunkt zu verhindern. Empfohlen wird die Therapie in jedem Fall folgenden Personengruppen, bei denen eine latente Infektion mit Tuberkulosebakterien festgestellt wurde:

  • Personen mit engem Kontakt zu einem an Lungentuberkulose Erkrankten
  • Patienten mit einer HIV-Infektion
  • bei Vorliegen anderer Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z. B. Diabetes, dialysepflichtige Niereninsuffizienz, Krebserkrankungen)
  • Personen mit immunsupprimierender Behandlung (z. B. nach Organtransplantation oder Patienten mit einer Rheuma-Erkrankung, die bestimmte Medikamente wie TNF-Alpha-Hemmer bekommen)
  • Personen aus Hochrisikoländern.

Auch bei Schwangeren sollte bei einer kurz zurückliegenden Tuberkulose-Infektion eine präventive Behandlung erwogen werden. Im Kindes- und Jugendalter wird die Behandlung einer latenten Tuberkulose generell empfohlen.

Ob bei einer latenten Tuberkulose eine vorbeugende Therapie durchgeführt werden soll oder nicht, entscheidet Ihr Arzt.

Es gibt verschiedene Behandlungsschemata, die sich in Dauer und Einnahme der Medikamente unterscheiden. Meistens werden die Antibiotika Rifampicin und Isoniazid täglich über einen Zeitraum von 3–4 Monaten eingenommen. Eine Behandlung mit nur einem Antibiotikum über einen längeren Zeitraum (bis 9 Monate) ist ebenfalls möglich.

Eine behandlungsbedürftige Tuberkulose ist gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die Krankenkassen erstatten alle Kosten für Untersuchung, Therapie und Kontrolle. Dies gilt auch für Untersuchungen im Rahmen einer Nachverfolgung des Infektionswegs. Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten für Tuberkulosemedikamente, sowohl bei der Behandlung einer aktiven Tuberkulose als auch bei einer vorbeugenden Therapie.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tuberkulose (TB). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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