Tuberkulose, Risikofaktoren

Bei den meisten Personen, die sich mit Tuberkulose infizieren, bricht die Krankheit nicht aus. Bei einem geschwächten Immunsystem, einer HIV-Infektion, bei einem schlechten Allgemeinzustand oder bei Drogenmissbrauch besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

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Risikofaktoren für eine Ansteckung

Grundsätzlich kann jeder Mensch an Tuberkulose erkranken. Die Tuberkuloseerreger (Mycobacterium tuberculosis) werden über Tröpcheninfektion verbreitet. Das Risiko einer Ansteckung wird beeinflusst durch:

  • hohe Anzahl der Bakterien, die in die Raumluft ausgeatmet oder ausgehustet werden
  • hohe Konzentration der Tuberkuloseerreger in der Luft, abhängig von der Größe und Durchlüftung des Raums
  • Dauer des Kontakts mit Tuberkulosebakterien
  • Zustand des Immunsystems.

Nach einer Infektion entwickelt sich zunächst ein sogenannter Primärkomplex, der weitere Verlauf ist unterschiedlich. Es entsteht:

  • eine latente tuberkulöse Infektion bei ca. 90 % der Infizierten
  • eine spätere Tuberkuloseerkrankung bei ca. 5–10 % der Infizierten
  • eine progrediente Tuberkulose, also eine Tuberkuloseerkrankung im ersten Jahr nach der Ansteckung
  • eine reaktivierte Tuberkulose mehr als ein Jahr nach der Ansteckung.

Risikofaktoren für eine Erkrankung

Bis zu 10 % der infizierten Personen entwickeln eine tuberkulöse Erkrankung. Das Erkrankungsrisiko ist innerhalb von 2 Jahren nach der Infektion am höchsten.

Geschwächtes Immunsystem

Ein gesundes Immunsystem kann die Tuberkuloseerreger normalerweise mithilfe von Abwehrzellen (Makrophagen) einschließen. Wenn aber die Widerstandsfähigkeit aus irgendeinem Grund herabgesetzt ist, funktioniert die Abwehr gegen die Bakterien nicht so gut.

Das Immunsystem kann aus mehreren Gründen geschwächt sein. Wenn Sie eine Krankheit wie HIV/AIDS, Diabetes, Niereninsuffizienz oder eine chronische Lungenerkrankung (Silikose) haben oder mit Kortison, TNF-Alpha-Hemmern oder Chemotherapeutika behandelt werden, kann die Abwehrkraft des Körpers herabgesetzt sein. 

Enger Kontakt mit infektiösen Tuberkuloseerkrankten

Häufig muss langer Kontakt mit einer Person mit unbehandelter, aktiver Tuberkulose bestehen, bevor man sich selbst infiziert. Die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken ist bei Familienmitgliedern, engen Mitbewohnern, Freunden oder Arbeitskollegen am höchsten.

Geografische Verteilung

Menschen aus Regionen, in denen die Tuberkulose weit verbreitet ist – insbesondere aus Afrika, Asien und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion – haben ein höheres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken.

Alter

Ältere Personen haben ein höheres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, weil das Immunsystem durch den normalen Alterungsprozess oder Krankheiten geschwächt werden kann. Sie sind zudem in einer Zeit aufgewachsen, in der Tuberkulose noch viel stärker verbreitet war, und können daher häufiger als Jüngere eine „schlummernde“ latente tuberkulöse Infektion haben. Außerdem ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie sich in Pflegeheimen anstecken.

Kleinkinder haben ein höheres Risiko, innerhalb des ersten Jahrs nach der Ansteckung eine Tuberkuloseerkrankung zu entwickeln.

Drogenmissbrauch

Lang anhaltender Drogen- oder Alkoholmissbrauch schwächt die Immunabwehr und erhöht die Anfälligkeit für Tuberkulose.

Armut

Armut und Unterernährung erhöhen das Tuberkuloserisiko. Auch Obdachlosigkeit und eine unzureichende Gesundheitsversorgung sind Risikofaktoren für die Erkrankung.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist das Risiko erhöht, dass sich aus einer latenten Infektion eine aktive Tuberkulose entwickelt.

Pflegepersonal

Regelmäßiger Kontakt mit Erkrankten erhöht das Risiko einer Infektion mit Tuberkuloseerregern. Mit einem Mundschutz und durch häufiges Händewaschen verringert sich das Risiko. 

Auslandsreisen

Bei eine längeren Reise oder einem Umzug in Risikoländer ist die Gefahr höher, Tuberkuloseerregern ausgesetzt zu werden.

Latente versus aktive Infektion

Erhöhtes Infektionsrisiko

  • Personen, die einen engen Kontakt zu Menschen mit infektiöser Tuberkulose haben.
  • Personen, die aus stark tuberkulosebetroffenen Regionen stammen wie Asien, Afrika, Osteuropa.
  • Personen mit unzureichendem Zugang zur Gesundheitsversorgung
  • Drogenabhängige, die intravenös spritzen.
  • Personen, die eng beieinander wohnen, z. B. in Pflegeeinrichtungen.
  • Personen, die an ihrem Arbeitsplatz Tuberkuloseerregern ausgesetzt sind.

Erhöhtes Risiko für eine aktive Tuberkulose

  • Personen mit HIV-Infektion
  • Personen mit anderen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, z. B. Diabetes.
  • Personen, die sich in den letzten zwei Jahren mit Tuberkulose infiziert haben.
  • Kleinkinder, die sich mit Tuberkulosebakterien angesteckt haben.
  • Schwangere
  • Personen, die Immunsuppressiva einnehmen.
  • Alkohol- und Drogenabhängige

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tuberkulose (TB). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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