Tuberkulose, Untersuchungen

Es gibt mehrere Gründe, Tuberkulose diagnostisch auszuschließen, zum Beispiel bei typischen Symptomen, nach Kontakt mit Tuberkulosekranken oder nach Aufenthalt in einem Land mit hoher Infektionsrate. Je nach Anlass und An- oder Abwesenheit von Krankheitszeichen werden eine Blutuntersuchung, Röntgenaufnahmen oder Laboruntersuchungen des Hustenauswurfs durchgeführt. Das Anlegen einer Bakterienkultur aus dem Auswurfsekret ist auch wichtig, um Resistenzen gegen Antibiotika festzustellen und die Therapie zu planen.

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Eine wichtige Unterscheidung bei einer Infektion mit dem Tuberkelbakterium ist die zwischen einer latenten und einer aktiven Infektion. Die meisten Menschen, die sich bei einer Patientin oder einem Patienten mit offener Lungentuberkulose anstecken, merken wenig von dieser Infektion. Bei mehr als 90 % verbleibt die Infektion ein Leben lang in diesem schlummernden Zustand. Jederzeit kann der Erreger jedoch reaktivieren und sich in der Lunge oder in anderen Organen vermehren. Dies geschieht insbesondere, wenn der gesundheitliche Zustand geschwächt ist, eine chronische Krankheit wie z. B. Diabetes vorliegt, Medikamente genommen werden, die das Immunsystem schwächen, oder einfach im Alter. Eine Untersuchung auf eine Tuberkuloseinfektion ist nicht erst sinnvoll, wenn Beschwerden auftreten wie Husten, Auswurf, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. In bestimmten Fällen sollten diagnostische Tests auch bei Menschen ohne Symptome durchgeführt werden. Wenn dann eine latente Infektion festgestellt wird, sollten therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. 

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Obwohl Tuberkulose in Deutschland selten ist, werden einige Menschen auch ohne Anzeichen einer Tuberkulose auf eine latente Infektion getestet. Diese Routineuntersuchungen sind verpflichtend für Menschen, die in bestimmte Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte für Menschen ohne festen Wohnsitz, Einrichtungen für Geflüchtete, Asylsuchende und Spätaussiedler oder Justizvollzugsanstalten aufgenommen werden.

In folgenden Fällen wird eine Untersuchung auf Tuberkulose empfohlen:

  • Patienten vor Organtransplantation oder vor einer Behandlung mit immunsupprimierenden Medikamenten (z. B. TNF-Alpha-Hemmer), da hierdurch das Risiko der Reaktivierung einer latenten Tuberkuloseinfektion erhöht ist
  • Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegebereich, Lehrkräfte oder Personen in der Kinderbetreuung, die sich in den letzten 3 Jahren länger als 3 Monate in einem Land mit hoher Tuberkuloserate aufgehalten haben (z. B. Indien, China, Afrika, ehemalige Sowjetunion)
  • Personen, die aus Hochrisikoländern zugewandert sind.

Vor Aufnahme einer Tätigkeit im Gesundheitsbereich verlangen bestimmte Länder (z. B. USA) einen Tuberkulose-Test.

Einen anderen Anlass für einen Tuberkuloseausschluss stellen Kontakte mit Infizierten dar. Das Ziel ist, die Infektionsquelle ausfindig zu machen und eine weitere Verbreitung der Tuberkulose zu verhindern.

Auch Personen mit Hinweisen auf eine offene Tuberkuloseinfektion, z. B. typische Symptome einer Lungentuberkulose mit seit mehreren Wochen bestehendem Husten mit Auswurf, Fieber, vermehrtem nächtlichen Schwitzen und einem deutlichen Gewichtsverlust, sollen untersucht werden.

Jeder Untersuchung geht ein ausführliches Anamnesegespräch voraus, in dem mögliche Ansteckungsquellen besprochen werden. Auch eine körperliche Untersuchung mit Fokus auf der Lunge ist unabdingbar. 

Die dann folgenden technischen Untersuchungsmethoden unterscheiden sich teilweise je nachdem, ob eine latente Infektion ohne Symptome oder eine offene, aktive Tuberkulose ausgeschlossen werden soll. In beiden Fällen sind die Untersuchungen schmerzlos und führen schnell zu einem Ergebnis. 

Untersuchungen bei einer aktiven Tuberkulose

Bei der Untersuchung hört der Arzt die Lunge ab. Auch das Gewicht und bestimmte Blutwerte werden erfasst.

Die Diagnose einer aktiven Lungentuberkulose wird anhand eines Nachweises von Tuberkelbakterien im Auswurfsekret und durch eine Röntgenaufnahme der Lunge gestellt.

Der Hustenauswurf wird mehrfach untersucht: In machen Fällen werden die Bakterien unter dem Mikroskop sichtbar, zuverlässiger und für die Antibiotika-Resistenzbestimmung wichtig ist aber das Kultivieren der Tuberkelbakterien, schließlich kann noch das Erbgut der Bakterien bestimmt werden. 

Wenn die Bakterien sich nicht im Auswurfsekret nachweisen lassen, kann auch eine Spiegelung der Luftröhrenäste (Bronchoskopie) durchgeführt werden. Der so gewonnene Bronchialschleim wird anschließend untersucht.

Das Röntgenbild liefert typische Zeichen einer Tuberkuloseinfektion, z. B. Höhlen (sogenannte Kavernen), vergrößerte Lymphknoten, Schatten im oberen Lungenlappen.

Für seltene Organmanifestationen wie z. B. eine Tuberkulose der Lymphknoten, Knochen und Gelenke oder der Harnwege können Gewebeproben erforderlich werden.

Die Untersuchungen dienen nicht nur der Feststellung einer Erkrankung, sondern auch der zielgenauen Therapieplanung. Insbesondere bei den auf dem Vormarsch befindlichen Tuberkelstämmen mit mehrfachen Resistenzen muss in Spezialzentren mithilfe moderner Labormethoden eine passgenaue Therapie geschneidert werden.

Untersuchungen bei einer latenten Infektion

Sowohl die oben genannten Routineuntersuchungen als auch die diagnostischen Maßnahmen bei Personen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind, beruhen hauptsächlich auf einem Bluttest und/oder einer Röntgenaufnahme.

Der IGRA-Bluttest (Interferon-gamma Release Assay) dient zum Nachweis einer Tuberkuloseinfektion. Er kann sowohl eine aktive als auch eine latente Tuberkulose anzeigen. Der Bluttest ist zuverlässiger und auch viel schneller als der Hauttest, der früher durchgeführt wurde. Mit diesem Bluttest kann auch zwischen einer Reaktion aufgrund einer Impfung gegen Tuberkulose und der Reaktion aufgrund einer Infektion mit Tuberkuloseerregern unterschieden werden. 

Bei Kindern und Jugendlichen wird weiterhin der Tuberkulin-Hauttest eingesetzt. 

Wenn Sie einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren, z. B. dadurch, dass bei einem Familienmitglied eine aktive Lungentuberkulose nachgewiesen wurde, müssen mindestens 8 Wochen vergehen, bevor Sie sich mit Sicherheit auf ein negatives Testergebnis verlassen können. Daher wird der Test zwei Mal durchgeführt, direkt nach Kontakt und 8 bis 10 Wochen später erneut. Wenn beide Tests negativ ausfallen, lässt sich mit großer Sicherheit ausschließen, dass eine Infektion vorliegt.

Diagnostik bei Kindern

Die Diagnose Tuberkulose ist bei Kindern schwerer zu stellen als bei Erwachsenen. Sie zeigen seltener die typischen Symptome und Beschwerdebilder der Krankheit, sondern haben unspezifische Beschwerden wie Fieber, Husten, Atemnot und Unwohlsein. Gleichzeitig kommen schwere Tuberkulose-Verläufe bei ihnen häufiger vor.  

Bei Kindern unter 5 Jahren wird der Tuberkulin-Hauttest durchgeführt. Im Alter von 5–15 Jahren kann ein Hauttest oder ein IGRA-Bluttest angewendet werden.

Kinder unter 2 Jahren, die Kontakt zu erkrankten Personen hatten, werden direkt in Fachabteilungen überwiesen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tuberkulose (TB). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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