Erkältung

Erkältungen sind eine häufige und meist harmlose Viruserkrankung. Die meisten von uns haben mindestens zwei Erkältungen pro Jahr, Kinder noch öfter. Die Beschwerden können durch Schonung, Hausmittel und einige Arzneistoffe gelindert werden. Die Einnahme von Antibiotika hilft nicht und kann im Gegenteil Schaden anrichten.

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Was ist eine Erkältung?

Erkältungen sind häufig. Erwachsene haben ein- bis zweimal pro Jahr, Kinder sieben- bis neunmal pro Jahr eine Erkältung. Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren sind besonders häufig von Erkältungen betroffen.

Die Erkrankung wird durch Viren verursacht und ist in aller Regel harmlos. Sie betrifft hauptsächlich die Schleimhäute von Nase, Mund und Rachen. Diese sind verdickt, gerötet und sondern mehr Sekret ab als üblich.

Eine Erkältung beginnt mit Halsschmerzen, Müdigkeit und leichtem Fieber. Im Laufe der Erkrankung treten eine verstopfte Nase, Schnupfen und Husten auf. Nach durchschnittlich 7 Tagen klingen die Symptome ab. Bei Kindern kann eine Erkältung auch länger dauern.

Erkältungen sind eine häufige Ursache für Arztbesuche. Sie können mit starken Beschwerden verbunden sein und eine Krankschreibung rechtfertigen. Dennoch handelt es sich um eine harmlose Erkrankung, die von selbst ausheilt. Durch Schonung, Hausmittel und bestimmte Arzneistoffe können die Symptome gelindert werden. Antibiotika, die gegen Bakterien gerichtet sind, sind nutzlos bei der durch Viren bedingten Erkältung.

Ursachen

Das häufigste ursächliche Virus bei Erkältungen ist das Rhinovirus. Daneben können viele weitere Viren eine Erkältungskrankheit auslösen. Es gibt insgesamt so viele verschiedene Unterformen dieser Viren, dass unser Immunsystem keine dauerhafte Abwehr entwickeln kann. Daher erkranken wir unser ganzes Leben hindurch an Erkältungen.

Wer sich ansteckt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit krank. Zwei von drei Infizierten entwickeln die typischen Symptome. Entgegen häufiger Annahmen erfolgt die Ansteckung weniger über Tröpfchen beim Niesen oder Husten, sondern meist durch Händekontakt mit erkälteten Personen und anschließender Übertragung auf die Schleimhäute von Mund und Nase. Nach 2 bis 4 Tagen zeigen sich im Erkrankungsfall die Symptome.

Bekannte und häufige Faktoren, die Menschen anfällig machen für eine Erkältung, sind physische und psychische Belastungen sowie zu wenig Schlaf (unter 6 Stunden pro Nacht). Kinder in großen Einrichtungen wie Kindergärten erkranken ebenfalls häufiger. Auch Menschen mit einer Immunschwäche sind anfälliger für Erkältungen.

Symptome

Eine Erkältung kündigt sich meist an mit Halsschmerzen, Müdigkeit und leichtem Fieber (bis ca. 38,5 °C). Erwachsene haben aber nur selten Fieber im Zusammenhang mit einer Erkältung, Kinder bis 1 Jahr entwickeln hingegen häufig bei einer Erkältung hohes Fieber. Die frühen Symptome verschwinden innerhalb weniger Tage. 24 bis 48 Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome kommt es zu einer verstopften und laufenden Nase und zu Husten. Daher ist der „Schnupfen" auch ein gebräuchlicher Name für die Erkältung. Auch wenn das Nasensekret mit der Zeit dicker und eitrig wird, ist das kein Hinweis auf eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Kinder entwickeln manchmal Ohrenschmerzen. Am 3. bis 5. Tag sind die Symptome auf ihrem Höhepunkt, dann kommt es zur Abheilung. Nach insgesamt 7 Tagen sind die meisten Erkältungen überstanden. Kinder können länger von den Erkältungssymptomen betroffen sein. Im Volksmund sagt man ziemlich treffend über die Erkältung: Drei Tage kommt sie, drei bleibt sie, drei geht sie.

Diagnose

Die Diagnose einer Erkältung stützt sich auf die typischen Symptome und den Krankheitsverlauf des Patienten oder der Patientin. Wahrscheinlich leuchtet die Ärztin in den Rachen und sieht die gerötete Rachenschleimhaut. Bei Husten wird sie die Lunge abhören. Die Untersuchung des Kindes schließt eine Untersuchung der Ohren mit ein. Weitere diagnostische Mittel, wie Blutuntersuchungen oder ein Rachenabstrich, sind nur in seltenen Ausnahmefällen nötig.

Behandlung

Eine Erkältung ist eine Erkrankung, die von selbst wieder abklingt und die nicht ursächlich behandelt werden kann oder muss. Es gibt keine wirksamen Medikamente gegen die Erkältungsviren selbst. Wirksame Mittel und Maßnahmen lindern aber die mit einer Erkältung verbundenen Symptome.

Die Kosten von Erkältungsmedikamenten werden ab dem 12. Lebensjahr von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen.

Übersicht über das große Angebot an Erkältungsmedikamenten

In der Apotheke werden viele verschiedene Präparate gegen Erkältungen rezeptfrei verkauft. Die am häufigsten verwendeten freiverkäuflichen Medikamente sind abschwellende Nasentropfen, husten- und schleimlösende Medikamente und schmerzstillende, fiebersenkende Mittel.

Nicht alle angepriesenen Mittel sind wirklich hilfreich. Im Folgenden sind die wichtigsten Erkältungsmedikamente auf dem Markt dargestellt. Von nicht wirksamen oder sogar schädlichen Mitteln wird abgeraten. Zu den sehr wenigen wirklich wirksamen Medikamenten werden Empfehlungen abgegeben. Außerdem finden Sie hier Informationen zu sinnvollen und hilfreichen Hausmitteln:

Was können Sie selbst tun bei einer Erkältung?

  • Trinkmenge: Zwar gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit von vermehrter Flüssigkeitsaufnahme, die meisten Menschen empfinden es aber als angenehm, insbesondere warmen Tee.
  • Warm halten, Stress vermeiden.
  • Ruhen Sie sich aus, wenn Ihnen das guttut. Unterbrechen oder reduzieren Sie anstrengende Tätigkeiten und sportliche Betätigungen. Eine kurzzeitige Krankschreibung kann manchmal sinnvoll sein.
  • Bei einer verstopften Nase hilft es manchmal, nachts ein zusätzliches Kissen unter den Kopf zu legen.

Antibiotika

  • Antibiotika sind für die Behandlung von Erkältungen ungeeignet und sollen nicht eingenommen werden.
  • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren, die Erkältungen verursachen. Die Einnahme von Antibiotika ist also bei Erkältungen völlig wirkungslos.
  • Im Gegenteil, Antibiotika können hier sogar unnötigen Schaden anrichten: Obwohl sie gegen die Erkältung nicht wirksam sind, können sie Nebenwirkungen verursachen, zum Beispiel Durchfälle bis hin zu schweren Darmentzündungen.
  • Der unbedachte Gebrauch von Antibiotika führt auch zu einer wachsenden Zahl an Bakterien, die resistent sind gegenüber Antibiotika. Resistente Bakterien können beim Menschen schwere Infektionen hervorrufen, die schwierig oder gar nicht zu behandeln sind.
  • Sie führen außerdem zu unnötigen Ausgaben im Gesundheitssystem, die an anderer Stelle sinnvoller investiert wären. 

Hausmittel

  • Für das Inhalieren mit heißem Wasserdampf gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für einen Nutzen. Wenn Sie aber damit gute Erfahrungen gemacht haben, dann inhalieren Sie.
    • Falls Sie ein Inhaliergerät zur Verfügung haben, ist die Inhalation mit Kochsalzlösung aus der Apotheke sinnvoll.
    • Sollten Sie kein Inhaliergerät zur Verfügung haben, können Sie auch über einem Topf mit nicht mehr kochendem Wasser mit einem Handtuch über dem Kopf inhalieren.
  • Da Vitamin C eventuell die Symptome und die Dauer einer Erkältung verringert, kann (heißer) Zitronensaft o. Ä. versucht werden.
  • Nasendusche/Spülungen mit Salzlösungen: Wissenschaftlich ist kein eindeutiger Nutzen belegt. Manche empfinden aber Nasenspülungen mit Hilfe einer Nasendusche aus der Apotheke als hilfreich.
  • Kindern hilft eventuell Honig gegen Husten und unruhigen Schlaf. Anwendung mehr als 30 Minuten vor dem Schlafengehen. Dosierung: 2–5 Jahre ½ Teelöffel, 6–11 Jahre 1 Teelöffel, 12–18 Jahre 2 Teelöffel.

Alternative Medizin

  • Sonnenhut (Echinacea): keine wissenschaftlich gesicherte Wirksamkeit bei der Erkältungsbehandlung
  • Salben mit Kampfer, Menthol, Eukalyptusöl: Kinder können von der Anwendung einer derartigen Salbe auf der Brust profitieren. Husten, Schnupfen und Schlaf werden darunter besser.
  • Mischpäparate aus Pflanzenextrakten zum Einnehmen aus der Apotheke haben keine Wirkung bei Erkältung.
  • Pelargonium sidoides zum Einnehmen hilft möglicherweise gegen die Symptome von Erkältungen, kann aber in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen an der Leber verursachen.
  • Homöopathische Medikamente (als Nasenspray oder zum Einnehmen) haben bei Erkältung keine wissenschaftlich gesicherte Wirksamkeit.
  • Die Wirkung von Kapseln mit Myrtol ist bei Erkältungen nicht untersucht. Sie können eventuell Symptome von Nasennebenhöhlenentzündungen und Bronchitis lindern.

Arzneimittel

  • Schmerzmittel wie Paracetamol 500 mg bis zu 3 x tgl. oder Ibuprofen 400 mg bis zu 3 x tgl. können zur Reduktion von Schmerzen und Fieber eingesetzt werden.
  • Abschwellende Nasensprays/Sprays mit Kochsalzlösung lindern kurzfristig Atemprobleme und bessern den nächtlichen Schlaf. Ob sie auch das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung verringern können, ist nicht nachgewiesen.
  • Zink: Zu Zinkpräparaten kann nicht geraten werden, da die geeignete Dosis unbekannt ist.
  • Hustensäfte gegen trockenen Husten helfen weder Kindern noch Erwachsenen.
  • Schleimlöser (ACC, Ambroxol) haben keinen nachgewiesenen Effekt, aber in seltenen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen. Sie sollten bei Erkältungen nicht angewendet werden.
  • Hustenstiller helfen ebenfalls nicht gegen Erkältungen und sollen nur in Ausnahmefällen (bei stark gestörtem Nachtschlaf) verordnet werden.
  • Kombinationspräparate aus Antihistaminika, Schmerz- und abschwellenden Mitteln oder auch mit Vitamin C scheinen bei Erwachsenen und älteren Kindern eine gewisse Linderung zu bieten. Der Effekt ist aber sehr gering. Eine Einnahme kann nicht empfohlen werden.

Kann einer Erkältung vorgebeugt werden?

Erkältungen lassen sich nicht ganz vermeiden. Einzelne Maßnahmen können aber die Häufigkeit und/oder Stärke der Symptome eventuell reduzieren:

  • Wichtigste vorbeugende Maßnahme: häufiges Händewaschen mit Seife, insbesondere nach der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Toiletten oder anderer Einrichtungen; grundsätzlich bei jedem Nachhausekommen
  • Probiotika (Lactobacillus, Bifidobacterium o. Ä. in Joghurt oder Nahrungsergänzungsmitteln): Können die Immunabwehr von Kindern und jungen Erwachsenen stärken und die Anzahl und Dauer der Infekte reduzieren. Die wissenschaftlichen Daten hierzu sind aber von geringer Qualität.
  • Vitamin C hat für die Vorbeugung keinen nachgewiesenen Nutzen, kann aber für Sportler oder vor größeren körperlichen Belastungen hilfreich sein.
  • Sonnenhut (Echinacea): Geringe vorbeugende Wirkung; keine allgemeine Empfehlung zur Einnahme, aber für Personen, die damit gute Erfahrungen gemacht haben, kann eine Einnahme zur Vorbeugung sinnvoll sein.
  • Vitamin D: Kein nachgewiesener Nutzen.
  • Impfung: nicht möglich aufgrund der großen Vielfalt an ursächlichen Viren

Kindergarten/Tagesbetreuung

Kinder im Kindergarten/in der Tagesbetreuung müssen nicht zu Hause bleiben, sofern kein Fieber oder ein geschwächter Allgemeinzustand vorliegen.

Verlauf und Komplikationen

Die überwiegende Mehrheit der Patienten übersteht Erkältungen problemlos, ohne dass es zu Komplikationen kommt. Die meisten Erkältungsfälle sind binnen 7 Tage vorüber, der Husten bleibt manchmal mehrere Wochen bestehen. In Ausnahmefällen kann eine Erkältung eine Mandelentzündung, NasennebenhöhlenentzündungMittelohrentzündung oder Lungenentzündung nach sich ziehen. Bei Kindern unter 2 Jahren ist die akute Bronchiolitis eine gefürchtete Komplikationen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht. Bei Komplikationen, das heißt bei Beschwerden, die über die üblichen Erkältungssymptome hinausgehen, ist ein Besuch bei der Hausärztin geboten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Erkältungskrankheit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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