FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine zum Teil schwer verlaufende Virusinfektion des Gehirns und des Rückenmarks, die durch Zecken übertragen wird. In Süddeutschland und anderen Risikogebieten tragen besonders viele Zecken das Virus in sich. Hier wird eine FSME-Impfung empfohlen.

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Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Infektion des Gehirns und des Rückenmarks (zentrales Nervensystem). An FSME erkrankte Menschen können Fieber und grippeähnliche Symptome sowie eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung entwickeln mit zum Teil schwerem Verlauf. FSME wird durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Dieselbe Zeckenart ist auch Überträger des Bakteriums, das die Borreliose verursacht. Im Gegensatz zur Borreliose sind Antibiotika gegen das FSME-Virus wirkungslos. Nur eine Impfung bietet sicheren Schutz vor einer FSME-Infektion.

Im Jahr 2013 verursachte das FSME-Virus in Deutschland 420 Erkrankungsfälle, 2014 wurden 265 Erkrankungen gemeldet.

Die Überträger: Zecken

Die für die Übertragung verantwortliche Zeckenart ist der gemeine Holzbock. In bestimmten Teilen Deutschlands tragen besonders viele Zecken das Virus in sich, ungefähr jede 50. Zecke. Bekannte Risikogebiete sind Baden-Württemberg, Bayern, das südlichen Hessen, Thüringen sowie einzelne Landkreise in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Sachsen. Im Süden Deutschlands sind Zecken auch häufig Überträger der Borreliose.

Innerhalb der ersten Stunden, nachdem die Zecke zugestochen hat, kommt es zur Übertragung des Virus auf den Menschen. Eine frühe und regelrechte Entfernung der Zecke ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich, FSME-Kranke sind daher nicht ansteckend.

Das FSME-Virus überlebt ab einer Temperatur von etwa 5 °C. Daher finden Infektionen mit FSME hauptächlich von März bis November statt. Doch die Bezeichnung „Frühsommer" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich auch in milden Wintern durch Zeckenstiche infizieren kann.

Zecken halten sich im Gestrüpp und Unterholz auf. Beim Vorbeistreifen bleiben sie am Menschen hängen und suchen sich dann eine Körperstelle.

Zecken kommen nur in Lagen bis 1500 Meter über dem Meeresspiegel vor.

Krankheitssymptome und -verlauf

Ungefähr jeder Dritte, der von einer Zecke mit FSME-Virus gestochen wurde, erkrankt an FSME. Die Erkrankung verläuft sehr unterschiedlich, von milde bis schwer mit bleibenden neurologischen Schäden.

Im Erkrankungsfall dauert es meist 1–2 Wochen, bis sich die ersten Symptome nach dem Zeckenbiss zeigen, in Ausnahmen kann die Krankheit aber auch schon nach 2 Tagen oder erst nach einem Monat ausbrechen.

FSME wird üblicherweise in zwei Phasen unterteilt. Während der ersten Phase, die etwa eine Woche anhält, treten Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen auf. Die Symptome ähneln einer Grippe. Dann tritt eine Besserung auf, die bei den meisten Patienten zu einer vollständigen Genesung führt (3 von 4 Patienten).

Bei jedem 4. Erkrankten geht jedoch die Krankheit nach etwa einer fieberfreien Woche in die zweite, unter Umständen gefährliche Phase über. Jetzt verursacht das Virus eine Entzündung von Hirnhäuten, Hirnmasse oder Rückenmark. Die typischen Krankheitszeichen sind Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Erbrechen, Persönlichkeitsveränderungen, Koordinationsstörungen und manchmal Muskelschwächen. Es können auch Sprech- und Schluckstörungen sowie Doppelsehen auftreten. Je älter der Patient, desto schwerer wiegen die Symptome, Kinder überstehen die Infektion von Gehirn und Rückenmark meist schneller und besser.

Wie schwer die zweite Phase der FSME-Infektion verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Gehirn und Rückenmark brauchen aber nicht selten 1 Jahr und länger, um sich komplett zu erholen. In dieser Zeit können Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein. Manche Patienten behalten gewisse Symptome ihr Leben lang zurück, zum Beispiel eine Muskelschwäche, psychische Veränderungen oder kognitive Einschränkungen. Bei ca. 1% der Patienten, die eine FSME-Infektion von Gehirn oder Rückenmark erleiden, führt die Erkrankung zum Tode.

Sie haben einen Zeckenstich – was tun?

Es ist wichtig, vorhandene Zecken schnell von Haut oder Kleidung zu entfernen. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollten vor allem Kinder gründlich nach Zecken abgesucht werden. So entfernen Sie eine Zecke richtig und sicher (weitere Informationen finden Sie im Artikel Zeckenstich):

  • Es sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden. Wenn aber die Mundwerkzeuge der Zecke stecken bleiben, können Sie sie in der Haut belassen. Sie sind ohne Bedeutung und werden wie andere Fremdkörper in der Haut abgestoßen.
  • Zecken werden mit einer Pinzette, einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument oder – wenn kein Instrument zur Hand ist – mit den Fingernägeln nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) gegriffen und langsam und gerade, ohne zu drehen, aus der Haut gezogen.
  • Auf keinen Fall darf die Zecke vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden.
  • Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde erforderlich. Passende Sprays finden Sie in der Apotheke.

Da unter Umständen eine Tetanus-Impfung erforderlich ist, sollten Sie spätestens nach Entfernen der Zecke Ihren Hausarzt kontaktieren.

Suchen Sie ihren Hausarzt auf jeden Fall auf, sobald Sie Fieber und grippeähnliche Symptome (Hinweis auf FSME) bzw. eine sich ausbreitende Rötung an der Zeckenbissstelle (Hinweis auf Borreliose) feststellen.

Das Vorgehen Ihres Hausarztes bei Verdacht auf Borreliose können Sie im Artikel Borreliose nach Zeckenstich nachlesen. Besteht der Verdacht auf FSME, wird Ihr Hausarzt Sie ins Krankenhaus überweisen und Ihnen eventuell zuvor Blut abnehmen. Im Krankenhaus werden weitere Untersuchungen folgen, wie Blutuntersuchungen, Magnetresonanztomographie und Hinrwasseruntersuchungen.

Therapie

Es gibt keine spezielle Behandlung der FSME. Da die Krankheit durch ein Virus verursacht wird, sind Antibiotika unwirksam. Die Behandlung zielt deshalb darauf ab, schwerwiegende Schäden des Körpers zu verhindern. Einige Symptome wie Kopfschmerzen können medikamentös behandelt werden. Meist heilt die Infektion von selbst aus. Eine Krankenhausbehandlung kann aber notwendig werden. Während der manchmal langwierigen Rehabilitation erfolgen krankengymnastische, ergotherapeutische und logopädische Behandlungsmaßnahmen.

So beugen Sie der Krankheit sinnvoll vor

Wie beschrieben ist es wichtig, vorhandene Zecken an Köper und Haut zu finden und schnell zu entfernen. Maßnahmen, mit denen Sie sich vor Zeckenstichen schützen (weitere Informationen finden Sie im Artikel So beugen Sie Zeckenstichen vor):

  • Lange Hosen und Socken tragen, die Fußknöchel bedecken.
  • Bleiben Sie auf Wegen und Pfaden und meiden Sie hohes Gras und Gestrüpp.
  • Suchen Sie sich und Ihr Kind am ganzen Körper nach Zecken ab, wenn Sie in der Natur waren. Es empfiehlt sich, nach einem Aufenthalt im Freien zu duschen.
  • Verwenden Sie insektenabweisende Mittel mit dem Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid) auf Haut und Kleidung. Die Anwendung muss nach wenigen Stunden aufgefrischt werden.
  • In FSME-Risikogebieten ist davon abzuraten, nichtpasteurisierte Milch und Milchprodukte aus der Region zu verzehren. In Einzelfällen wurden Infektionen mit FSME auf diesem Weg beschrieben.
  • Wenn Sie in einem FSME-Risikogebiet leben (vor allem Baden-Württemberg, Bayern, das südlichen Hessen, Thüringen) oder ein solches wiederholt bereisen, ist eine FSME-Impfung dringend empfohlen.

FSME-Impfung

Es gibt sehr sichere Impfstoffe gegen FSME. Eine vollständige Impfung baut in über 98 % der Fälle eine sichere Abwehr gegen das Virus auf. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung Erwachsenen und Kindern über 3 Jahre, die sich wiederholt in FSME-Risikogebieten aufhalten, und Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (Forstarbeiter, in der Landwirtschaft arbeitende Personen und Laborpersonal). Informieren Sie sich auch über die FSME-Impfung für Reisen außerhalb von Deutschland. Bei Kleinkindern zwischen 1 und 3 Jahre können etwas häufiger als in höherem Lebensalter Fieberreaktionen als Nebenwirkung der Impfung auftreten. In dieser Altersgruppe soll daher besonders sorgfältig abgewogen werden, ob eine Impfung sinnvoll ist.

Für einen kompletten Impfschutz sind 3 Impfdosen erforderlich. Die erste Auffrischimpfung wird nach 3 Jahren, weitere Auffrischimpfungen werden in Abständen von 3 (Personen über 50 Jahre) oder spätestens 5 Jahren (Personen unter 50 Jahre) empfohlen.

Die Impfung ist im Allgemeinen gut verträglich. Sie wird in den Muskel verabreicht und kann wie alle intramuskulären Impfungen zu muskelkaterähnlichen Schmerzen sowie einer lokalen Rötung und Schwellung führen. Insbesondere nach der ersten Impfdosis kann es gelegentlich zu Unwohlsein wie bei einer leichten Grippe kommen. Impfkomplikationen, die über diese milden Impfreaktionen hinausgehen, kommen äußerst selten vor: Ungefähr 1,5 von 1.000.000 Geimpften erkrankt am Nervensystem.

Es ist nicht möglich, nach einem erfolgten Zeckenstich gegen FSME zu impfen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Dorit Abiry, Doktorandin am Insitut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Kaiser R. Tick-borne encephalitis. Infect Dis Clin North Am 2008; 22:561. PubMed
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). AWMF-Leitlinie Nr. 030-035. Stand 2016. www.awmf.org
  3. Robert-Koch-Institut. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2015. www.rki.de
  4. Robert-Koch-Institut: FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: April 2018). Bewertung des örtlichen Erkrankungsrisikos. Epid Bull 2018;17:161-73 DOI 10.17886/EpiBull-2018-022 www.rki.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Virale Meningoenzephalitis. AWMF-Leitlinie Nr. 030-100. Stand 2014. www.awmf.org
  6. Robert-Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung - Welche Nebenwirkungen sind bei einer Impfung gegen FSME zu erwarten? Online-Ressource; Stand 29.01.2018, letzter Zugriff 13.02.2018. www.rki.de