FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine zum Teil schwer verlaufende Virusinfektion des Gehirns und des Rückenmarks, die durch Zecken übertragen wird. In Süddeutschland und anderen Risikogebieten tragen besonders viele Zecken das Virus in sich. Hier wird eine FSME-Impfung empfohlen.

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Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Infektion des Gehirns und des Rückenmarks (zentrales Nervensystem). An FSME erkrankte Menschen können Fieber und grippeähnliche Symptome sowie eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung entwickeln mit zum Teil schwerem Verlauf. FSME wird durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Dieselbe Zeckenart ist auch Überträger des Bakteriums, das die Borreliose verursacht. Im Gegensatz zur Borreliose sind Antibiotika gegen das FSME-Virus wirkungslos. Nur eine Impfung bietet sicheren Schutz vor einer FSME-Infektion.

Die FSME-Erkrankung kommt in weiten Teilen Europas, einschließlich Deutschland, und in einigen nordasiatischen Ländern vor. Risikogebiete in Deutschland (Stand 2020) sind Baden-Württemberg (mit wenigen Ausnahmen), Bayern (mit wenigen Ausnahmen), der Süden von Hessen und Thüringen, Teile von Sachsen sowie einzelne Kreise in Mittelhessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf), Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld), Saarland (Landkreis Saar-Pfalz-Kreis) und Niedersachsen (Landkreis Emsland).

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 444 FSME-Fälle gemeldet. Erwachsene sind häufiger und schwerer betroffen als Kinder, Männer häufiger als Frauen.

Die Überträger: Zecken

Die für die Übertragung des FSME-Virus verantwortliche Zeckenart ist der gemeine Holzbock. In bestimmten Teilen Deutschlands (s. o.) tragen besonders viele Zecken das Virus in sich, ungefähr jede 50. Zecke. Besonders im Süden Deutschlands sind Zecken auch häufig Überträger der Borreliose.

Innerhalb der ersten Stunden, nachdem die Zecke zugestochen hat, kommt es zur Übertragung des Virus auf den Menschen. Eine frühe und regelrechte Entfernung der Zecke ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich, FSME-Kranke sind daher nicht ansteckend.

Das FSME-Virus kann sich ab einer Temperatur von etwa 5 °C vermehren. Daher finden Infektionen mit FSME hauptsächlich von März bis Oktober statt, mit einem Gipfel zwischen Juni und Juli. Doch die Bezeichnung „Frühsommer“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich auch in milden Wintern durch Zeckenstiche infizieren kann.

Zecken kommen nur in Lagen bis 1.500 Meter über dem Meeresspiegel vor. Klassische Lebensräume für Zecken sind lichte Wälder, Waldränder, hohes Gras und Büsche. Auch Parks und Gärten in der Stadt gehören dazu. Zecken halten sich in der Nähe des Bodens auf. Beim Vorbeistreifen bleiben sie am Menschen hängen und suchen sich dann eine Körperstelle.

Krankheitssymptome und -verlauf

Die Erkrankung verläuft sehr unterschiedlich, von milde bis schwer mit evtl. bleibenden neurologischen Schäden.

Im Erkrankungsfall dauert es ungefähr 10 Tage, bis sich die ersten Symptome nach dem Zeckenstich zeigen, in Ausnahmen kann die Krankheit aber auch schon nach 5 Tagen oder erst nach 4 Wochen ausbrechen.

FSME wird üblicherweise in zwei Phasen unterteilt. Während der 1. Phase, die etwa eine Woche anhält, treten Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelschmerzen auf. Die Symptome ähneln einer Grippe. Dann tritt eine Besserung ein, die bei vielen Patienten (70 %) zu einer vollständigen Genesung führt.

Bei ca. 30 % der Erkrankten geht jedoch die Krankheit nach einigen fieberfreien Tagen in die 2., unter Umständen gefährliche Phase über. Jetzt verursacht das Virus eine Entzündung von Hirnhäuten, Hirnmasse oder Rückenmark. Die typischen Krankheitszeichen sind Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Koordinationsstörungen, Muskellähmungen und Krampfanfälle. Es können auch Sprech- und Schluckstörungen sowie Hörstörungen auftreten. Je älter die Patienten sind, desto schwerer wiegen die Symptome, Kinder überstehen die Infektion von Gehirn und Rückenmark meist schneller und besser.

Wie schwer die 2. Phase der FSME-Infektion verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Gehirn und Rückenmark brauchen aber nicht selten 1 Jahr und länger, um sich komplett zu erholen. In dieser Zeit können Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich sein. Manche Patienten behalten gewisse Symptome ihr Leben lang zurück, z. B. eine Muskelschwäche, psychische Veränderungen oder kognitive Einschränkungen. Bei ca. 1 % der Patienten, die eine FSME-Infektion von Gehirn oder Rückenmark erleiden, führt die Erkrankung zum Tode.

Sie haben einen Zeckenstich – was tun?

Es ist wichtig, vorhandene Zecken schnell von Haut oder Kleidung zu entfernen. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollten vor allem Kinder gründlich nach Zecken abgesucht werden. So entfernen Sie eine Zecke richtig und sicher (weitere Informationen finden Sie im Artikel Zeckenstich):

  • Es sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden. Wenn aber die Mundwerkzeuge der Zecke stecken bleiben, können Sie sie in der Haut belassen. Sie sind ohne Bedeutung und werden wie andere Fremdkörper in der Haut abgestoßen.
  • Zecken werden mit einer Pinzette, einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument oder – wenn kein Instrument zur Hand ist – mit den Fingernägeln nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) gegriffen und langsam und gerade, ohne zu drehen, aus der Haut gezogen.
  • Auf keinen Fall darf die Zecke vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden.
  • Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde erforderlich. Passende Sprays finden Sie in der Apotheke.

Da unter Umständen eine Tetanus-Impfung erforderlich ist, sollten Sie spätestens nach Entfernen der Zecke Ihre Hausarztpraxis kontaktieren.

Suchen Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt auf jeden Fall auf, sobald Sie Fieber und grippeähnliche Symptome (Hinweis auf FSME) bzw. eine sich ausbreitende Rötung an der Zeckenstichstelle (Hinweis auf Borreliose) feststellen. Das ärztliche Vorgehen bei Verdacht auf Borreliose können Sie im Artikel Borreliose nach Zeckenstich nachlesen.

Besteht der Verdacht auf FSME, werden Sie ins Krankenhaus eingewiesen, eventuell wird Ihnen zuvor Blut abgenommen. Bei einer Infektion können Antikörper gegen FSME im Blut nachgewiesen werden. Im Krankenhaus erfolgen weitere Untersuchungen, wie Blutuntersuchungen, Magnetresonanztomografie und Hirnwasseruntersuchungen (Lumbalpunktion).

Therapie

Es gibt keine spezielle Behandlung der FSME. Da die Krankheit durch ein Virus verursacht wird, sind Antibiotika unwirksam. Die Behandlung zielt deshalb darauf ab, schwerwiegende Schäden des Körpers zu verhindern.

Einige Symptome wie Kopfschmerzen können medikamentös behandelt werden. Meist heilt die Infektion von selbst aus. Eine Krankenhausbehandlung kann aber notwendig werden. Während der manchmal langwierigen Rehabilitation erfolgen krankengymnastische, ergotherapeutische und logopädische Behandlungsmaßnahmen.

So beugen Sie der Krankheit sinnvoll vor

Wie beschrieben ist es wichtig, vorhandene Zecken an Köper und Haut zu finden und schnell zu entfernen. Dies dient vor allem der Vorbeugung von Borreliose. Maßnahmen, mit denen Sie sich vor Zeckenstichen schützen (weitere Informationen finden Sie im Artikel So beugen Sie Zeckenstichen vor):

  • Lange, helle Hosen und Socken tragen, die Fußknöchel bedecken.
  • Bleiben Sie auf Wegen und Pfaden und meiden Sie hohes Gras und Gestrüpp.
  • Suchen Sie sich und Ihr Kind am ganzen Körper nach Zecken ab, wenn Sie in der Natur waren. Es empfiehlt sich, nach einem Aufenthalt im Freien zu duschen.
  • Verwenden Sie insektenabweisende Mittel, z. B. mit dem Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid), auf Haut und Kleidung. Die Anwendung muss nach wenigen Stunden aufgefrischt werden.
  • In FSME-Risikogebieten ist davon abzuraten, nichtpasteurisierte Milch und Milchprodukte aus der Region zu verzehren. In Einzelfällen wurden Infektionen mit FSME auf diesem Weg beschrieben.
  • Wenn Sie in einem FSME-Risikogebiet leben (s. o.) oder ein solches bereisen, wird eine FSME-Impfung empfohlen, v. a. wenn Sie in Beruf oder Freizeit mit Zecken in Kontakt kommen können.

FSME-Schutzimpfung

Es gibt sehr sichere Impfstoffe gegen FSME. Eine vollständige Impfung baut in über 98 % der Fälle eine sichere Abwehr gegen das Virus auf. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung Erwachsenen und Kindern, die sich wiederholt in FSME-Risikogebieten aufhalten, und Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (Forstarbeiter, in der Landwirtschaft arbeitende Personen und Laborpersonal). Informieren Sie sich auch über die FSME-Impfung für Reisen außerhalb von Deutschland.

FSME-Impfstoffe für Kinder sind ab dem Alter von 1 Jahr zugelassen. Bei Kleinkindern zwischen 1 und 3 Jahren können etwas häufiger als in höherem Lebensalter Fieberreaktionen als Nebenwirkung der Impfung auftreten. In dieser Altersgruppe soll daher besonders sorgfältig abgewogen werden, ob eine Impfung sinnvoll ist.

Für einen kompletten Impfschutz sind 3 Impfdosen erforderlich. Die erste Auffrischimpfung wird nach 3 Jahren, weitere Auffrischimpfungen werden in Abständen von 3 (Personen über 50 Jahre) oder spätestens 5 Jahren (Personen unter 50 Jahren) empfohlen. Aber auch wenn der empfohlene Abstand überschritten wird, reicht eine Auffrischimpfung aus.

Die Impfung ist im Allgemeinen gut verträglich. Sie wird in den Muskel verabreicht und kann wie alle intramuskulären Impfungen zu muskelkaterähnlichen Schmerzen sowie einer lokalen Rötung und Schwellung führen. Insbesondere nach der ersten Impfdosis kann es gelegentlich zu Unwohlsein und erhöhter Temperatur wie bei einer leichten Grippe kommen. Impfkomplikationen, die über diese milden Impfreaktionen hinausgehen, kommen äußerst selten vor.

Eine Impfung direkt nach einem bereits erfolgten Zeckenstich kann einer möglichen Infektion nicht vorbeugen und wird daher nicht empfohlen. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dorit Abiry, Doktorandin am Insitut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de www.dguv.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). AWMF-Leitlinie Nr. 030-035, Klasse S1, Stand 2020. www.awmf.org
  3. Robert-Koch-Institut: FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2020). Epid Bull 2020;8:3-19. www.rki.de
  4. Beauté J, Spiteri G, Warns-Petit E, Zeller H. Tick-borne encephalitis in Europe, 2012 to 2016. Euro Surveill. 2018;23(45):1800201. doi:10.2807/1560-7917.ES.2018.23.45.1800201 www.eurosurveillance.org
  5. Robert-Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung - Welche Nebenwirkungen sind bei einer Impfung gegen FSME zu erwarten? Online-Ressource; Stand 29.01.2018. www.rki.de
  6. Robert-Koch-Institut. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand 2018. www.rki.de www.rki.de
  7. Robert Koch Institut, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut – 2019/2020, Epidemiologisches Bulletin August 2019; 34: 313-364 doi:10.25646/6233.2 www.rki.de