Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononukleose)

Das Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononukleose) ist eine Erkrankung, die durch Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) entsteht. Die meisten Erwachsenen haben bereits eine Infektion mit dem EBV-Virus durchlebt, jedoch kommt es nicht immer zur manifesten Erkrankung. Typische Symptome sind Halsschmerzen, hohes Fieber und geschwollene Lymphknoten am Hals. Die Erkrankung geht üblicherweise innerhalb weniger Wochen von allein vorüber.

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Fakten zum Pfeiffer-Drüsenfieber

  • Das Pfeiffer-Drüsenfieber (auch Mononukleose genannt) ist eine Erkrankung durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV).
  • Die Krankheit tritt meist im Alter von 14 bis 20 Jahren auf, kommt aber auch bei jüngeren Kindern und Erwachsenen vor.
  • Der Großteil der Bevölkerung hat eine Infektion mit EBV durchgemacht, jedoch kommt es nicht bei allen zur manifesten Erkrankung.
  • Die typischen Symptome des Pfeiffer-Drüsenfiebers sind Halsschmerzen, hohes Fieber und geschwollene Lymphknoten am Hals. Die Krankheit kann seltener zu Hautausschlag, geschwollenen Augenlidern, Übelkeit und Vergrößerung von Leber und Milz führen.
  • Es gibt keine direkte Therapie oder einen Impfstoff gegen das Virus. Die Behandlung zielt auf die Linderung der Symptome ab. Ansonsten sollten die Betroffenen ruhen und viel trinken.
  • Die Symptome gehen meistens nach wenigen Wochen vorüber, ein generelles Krankheitsgefühl kann aber manchmal noch lange bestehen bleiben.

Was ist das Pfeiffer-Drüsenfieber?

Das Pfeiffer-Drüsenfieber, auch Pfeiffersches Drüsenfieber oder Mononukleose genannt, ist eine Erkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) aus der Familie der Herpesviren verursacht wird. Nicht jeder, der sich mit dem Virus ansteckt, wird jedoch tatsächlich krank. Man geht davon aus, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung als Kind eine EBV-Infektion durchlebt hat, ohne Krankheitssymptome zu entwickeln. Die Erkrankung wird auch als Kusskrankheit bezeichnet, weil das Virus durch Speichel übertragen wird. 

Kommt es im Rahmen der ersten Ansteckung mit EBV zu einem Pfeiffer-Drüsenfieber, äußert sich dies typischerweise in starken Halsschmerzen, hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Als frühe Anzeichen der Krankheit können Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Meist verschwinden die Beschwerden im Laufe weniger Wochen, allerdings kann es manchmal mehrere Monate dauern, bis man sich wieder vollkommen gesund fühlt.

Häufigkeit

Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus ist sehr häufig und fast die gesamte erwachsene Bevölkerung hat sich in ihrem Leben mit dem Virus angesteckt. Durch eine Untersuchung auf Antikörper gegen das Virus lässt sich nachweisen, ob ein Mensch bereits in Kontakt mit dem Virus gekommen ist. Diese Antikörper finden sich bei 90–95 % der Bevölkerung.

Zu einer manifesten Erkrankung mit den typischen Beschwerden des Pfeiffer-Drüsenfiebers kommt es jedoch nur selten. Häufig verläuft eine Infektion ohne Symptome, also asymptomatisch. Die Erkrankung scheint insbesondere in der Altersgruppe der 14- bis 20-Jährigen auf. In diesem Alter entwickelt etwa jeder Dritte, der sich mit dem Virus in Kontakt ansteckt, ein manifestes Pfeiffer-Drüsenfieber. Insgesamt geht man davon aus, dass die Erkrankung mit einer Häufigkeit von 6–8 pro 1.000 Personen im Jahr auftritt. Das Geschlecht und die Jahreszeit scheinen keine Rolle zu spielen.

Ursache

Das Pfeiffer-Drüsenfieber wird durch das Epstein-Barr-Virus aus der Familie der Herpesviren verursacht. Die Ansteckung geschieht durch Übertragung mit dem Speichel, daher wird die Erkrankung auch Kusskrankheit genannt. Das Virus breitet sich dann im Körper aus und befällt insbesondere das Lymphgewebe. Durch die Infektion vergrößern sich vor allem die Gaumenmandeln und die Lymphknoten im Hals, was zu den typischen Beschwerden führt. Auch Leber und Milz können von der Infektion betroffen und vergrößert sein.

Die Inkubationszeit, d. h. die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Krankheitssymptomen liegt bei etwa 2–7 Wochen. Da die Erkrankung nicht besonders ansteckend ist und die Viren nach durchgemachter Erkrankung noch viele Jahre weitergegeben werden können, ist es oftmals jedoch nicht ganz klar, wann sich der Betroffene angesteckt hat. Da das Virus nach der Erkrankung noch lange übertragen werden kann, können auch gesunde Personen andere anstecken.

Nach einer durchgemachten Erkrankung verbleibt das Virus bei den meisten Erwachsenen für den Rest ihres Lebens in einer speziellen Zelle des Immunsystems. Dies ist zunächst ähnlich wie bei dem Herpes-simplex-Virus oder dem Varizella-zoster-Virus, jedoch kommt es bei EBV nahezu nie zu einem Wiederauftreten mit erneuter Erkrankung.

Symptome

Ein Pfeiffer-Drüsenfieber verläuft in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Halsschmerzen, hohem Fieber und geschwollenen Lymphknoten am Hals. Als Begleitsymptome treten häufig Abgeschlagenheit, generelle Müdigkeit und Kopfschmerzen auf. Nicht selten kommt es im Rahmen der Erkrankung zu einer Vergrößerung von Leber und Milz, was zu einem Druckschmerz im Oberbauch und Übelkeit führen kann.

In wenigen Fällen treten im Rahmen der Erkrankung geschwollene Augenlider oder ein Hautausschlag auf, der jedoch nur vorübergehend ist. Wird während eines Pfeiffer-Drüsenfiebers Penicillin verabreicht, kommt es jedoch bei fast allen Betroffenen zu einem juckenden Hautausschlag, der nicht mit einer Penicillin-Allergie verwechselt werden sollte.

Diagnostik

Die typischen Symptome des Pfeiffer-Drüsenfiebers treten vor allem bei der ersten Ansteckung im Jugendalter auf. Die Diagnose wird anhand der geschilderten Beschwerden, den Ergebnissen der ärztlichen Untersuchung und bestimmten Laboruntersuchungen zum Nachweis des Epstein-Barr-Virus gestellt. Gelegentlich wird die Untersuchung durch Tests auf Streptokokken ergänzt, da sich eine Mandelentzündung durch Streptokokken ähnlich äußern kann.

Bei der Untersuchung des Rachens sind meistens große und entzündete Gaumenmandeln, oft mit weißlichem Belag, zu sehen. Die Lymphknoten am Hals sind geschwollen. Die Leber ist gelegentlich schmerzempfindlich und vergrößert. Sowohl die Leber als auch die Milz können im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung betrachtet und ausgemessen werden.

Um die Diagnose zu sichern, werden verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt. Es steht ein immunologischer Schnelltest zur Verfügung, bei der die Antikörper gegen das Virus gemessen werden. Genauer als der Schnelltest ist eine umfassendere Untersuchung, bei der Antikörper gegen verschiedene Teile des Virus untersucht werden. Mit dieser Untersuchung lassen sich auch eine frische von einer durchgemachten Infektion unterscheiden. Der direkte Nachweis von Virusbestandteilen kann in manchen Fällen zusätzlich Aufschluss bringen.

In der Blutuntersuchung findet sich bei einem Pfeiffer-Drüsenfieber häufig eine erhöhte Zahl an speziellen weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten. Zusätzlich kann ein Ausstrich eines Bluttropfens unter dem Mikroskop untersucht werden, um die Zellen zu betrachten.

Therapie

Es gibt kein Medikament, das direkt gegen das Pfeiffer-Drüsenfieber wirkt. Die Behandlung erfolgt daher symptomatisch, d. h. die Beschwerden lindernd. Dafür können Medikamente, wie z. B. Ibuprofen eingesetzt werden, die das Fieber senken und die Schmerzen reduzieren. Solange die Leber durch die Krankheit geschädigt ist, sollte kein Alkohol getrunken werden. Von körperlicher Aktivität wird in den ersten 3 Wochen abgeraten, danach sollten die Aktivitäten von dem Befinden des Betroffenen abhängig gemacht werden. Anstrengende physische Aktivitäten sollten vermieden werden, wenn man sich nicht fit fühlt oder die Leber und Milz noch vergrößert sind. Bei ausgeprägter Erschöpfung kann Bettruhe notwendig sein.

Bestimmte Antibiotika, wie z. B. Amoxicillin sollten bei einem Pfeiffer-Drüsenfieber nicht gegeben werden, da es zu einem juckenden Hautausschlag (Arzneimittelexanthem) kommen kann.

Verlauf

Die Halsbeschwerden bessern sich meist nach einer Woche und sind normalerweise mit dem Fieber nach etwa zwei Wochen verschwunden. Die Schwellung der Lymphknoten kann einige Wochen anhalten. Die meisten Betroffenen fühlen sich nach drei bis vier Wochen besser und können wieder zur Schule oder Arbeit gehen. Bei einigen Betroffenen bleiben Müdigkeit und Abgeschlagenheit über längere Zeit hinweg bestehen.

Eine gefürchtete, aber extrem seltene Komplikation bei Pfeiffer-Drüsenfieber ist ein Milzriss. Aus diesem Grund sollte man nicht zu intensiv Sport betreiben, bevor man wieder richtig gesund ist.

Weitere Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mononukleose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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