Reye-Syndrom

Die Behandlung kindlicher viraler Infekte mit Acetylsalicylsäure wird als Ursache für das Auftreten des Reye-Syndroms angesehen.

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Was ist das Reye-Syndrom?

Diese sehr seltene, doch schwere Erkrankung kann ausgelöst werden, wenn ein an einer Virusinfektion und Fieber erkranktes Kind mit Acetylsalicylsäure (ASS) behandelt wird, beispielsweise mit Aspirin. Typischerweise erkranken die Patienten kurz nach überstandener Virusinfektion erneut: mit Bewusstseinsstörungen, später mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit. In vielen Fällen führt die Erkrankung zum Tod. Magenschmerzen und Erbrechen sind ebenfalls üblich. Die Symptome sind auf schwere Entzündungen in Gehirn und Leber zurückzuführen.

Aus diesem Grund wird vor der Verwendung von Acetylsalicylsäure bei Kindern mit Fieber gewarnt.

Ursache

Forscher vermuten, dass eine Fehlfunktion des Immunsystems dafür verantwortlich ist, dass eine im Grunde harmlose Infektion so dramatisch verlaufen kann. Die Krankheit wurde 1963 erstmals beschrieben. Zu dieser Zeit wurde Acetylsalicylsäure zur Behandlung fiebriger Kinder verwendet. Obwohl weniger als ein Promille der Kinder von dieser Komplikation betroffen waren, konnte man schließlich einen Zusammenhang nachweisen, vor allem zwischen Windpocken und Acetylsalicylsäure. Später wurde das gleiche Syndrom auch im Anschluss an Grippe- und eine Reihe anderer Virenerkrankungen der Atemwege beobachtet. Nachdem dies bekannt geworden war, gingen die Krankheitsfälle schnell auf nahezu null zurück. Im Jahr 1980 zählte man mehr als 500 Fälle des Reye-Syndroms in den USA, in den 1990er-Jahren sank diese Zahl auf null bis einen Fall im Jahr.

Therapie

In der Praxis gilt diese Krankheit als ausgerottet. Es wird empfohlen Virusinfektionen mit Fieber bei Kindern bis zum 18. LJ nicht mit ASS zu behandeln. Bei möglichen Fällen dieser Krankheit ist eine Intensivbehandlung im Krankenhaus erforderlich.

Der Erkrankung kann wirksam vorgebeugt werden, indem Paracetamol gegeben wird, wenn ein Kind mit einem fiebersenkenden Mittel behandelt werden muss. Auch bei Verwendung von Ibuprofen kommt es erfahrungsgemäß nicht zum Reye-Syndrom.

Autoren

  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Reye-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053/009. 2014. www.awmf.org
  2. Weiner DL, Bechtel KA. Reye syndrome. Medscape. April 2015. emedicine.medscape.com
  3. Casteels-Van Daele M, Van Gett C, Wouters C, Eggermont E. Reye syndrome revisited: a descriptive term covering a group of heterogeneous disorders. Eur J Pediatr 2000; 159: 641-8. PubMed
  4. Schrör K. Aspirin and Reye syndrome: a review of the evidence. Paediatr Drugs 2007; 9: 195-204. PubMed
  5. Belay ED, Bresee JS, Holman RC, et al. Reye's syndrome in the United States from 1981 through 1997. N Engl J Med 1999 May 6; 340(18): 1377-82. pmid:10228187 PubMed
  6. Gesellschaft für Neuropädiatrie. Akute Bewusstseinsstörung jeneits der Neugeborenenperiode. AWMF-Leitlinie Nr. 022/016. 2013. www.awmf.org
  7. Goldman RD, Ko K, et al. Antipyretic efficacy and safety of ibuprofen and acetaminophen in children. Ann Pharmacother 2004; 38: 146-50. PubMed