Rationale Antibiotikatherapie in der Hausarztpraxis

Allgemeines zur Antibiotikatherapie

pfeil_7x12.png siehe Tabelle: Rationale Antibiotikatherapie in der Hausarztpraxis: Therapie der Wahl laut aktueller AWMF-Leitlinien

  • In diesem Kapitel werden häufige, typischerweise in der Hausarztpraxis behandelte, Infektionen und ihre leitliniengerechte orale antibiotische Therapie dargestellt.
  • Spezifische Infektionskrankheiten oder solche, die in der Regel eine Diagnostik und Therapie beim Spezialisten erforderlich machen, werden in den jeweiligen Krankheitsartikeln gesondert beschrieben.
  • Grundsätzlich ist der Einsatz von Antibiotika mit dem Risiko leichter (z. B. antibiotikaassoziierte Diarrhö) und/oder schwerer Nebenwirkungen (z. B. Clostridium-difficile-Kolitis) und der Zunahme von Antibiotika-Resistenzen verbunden.
  • Antibiotika sollten nur bei klarer Indikation (nicht bei banalen Infekten oder „Erkältung“) und am besten entsprechend aktueller Leitlinienempfehlungen verordnet werden.
    • Auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) rät im Rahmen ihrer Initiative Klug Entscheiden von einer Antibiotikagabe bei akuten Infekten der oberen Atemwege inklusive der akuten Bronchitis ebenso ab, wie von der Stellung der Indikation für eine Antibiotikatherapie allein aufgrund eines erhöhten CRP oder OCT.
  • Der Gebrauch von oralen Cephalosporinen und Fluorchinolonen ist in Deutschland immer noch weit verbreitet, obwohl
    • aufgrund der schlechten Bioverfügbarkeit von Oralcephalosporinen diese in fast keiner aktuellen Leitlinie mehr als Therapie der 1. Wahl empfohlen sind (Ausnahme: Rhinosinusitis).
    • diese beiden Substanzklassen mit einem besonders hohen Risiko für eine Clostridium-difficile-Kolitis einhergehen.
  • Nach dem Rote-Hand-Brief mit Hinweis auf ein erhöhtes Risiko von Aortendissektionen und -aneurysmen unter der Einnahme von Fluorchinolonen durch die AkdÄ im Oktober 2018, gibt es im November 2018 eine Information des BfArM zu schweren und langanhaltenden Nebenwirkungen von Fluorchinolonen an Muskeln, Gelenken und Nervensystem und zu folgenden Empfehlungen der Europäischen-Arzneimittelagentur (im April 2019 noch einmal ein ergänzender Rote-Hand-Brief):1
    • keine Anwendung von Fluorchinolonen bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen, die nicht schwerwiegend sind oder nicht bakteriell bedingt.
    • keine Verschreibung bei nicht schweren oder selbstlimitierenden Infektionen, wie Pharyngitis, Tonsillitis, akute Bronchitis
    • nicht bei leichten bis mittelschwerden Infektionen, wie unkomplizierte Zystitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis und einer COPD, akuter bakterieller Rhinosinusitis oder akuter Otitis.
    • keine Anwendung von Fluorchinolonen zur Vorbeugung von Reisediarrhö oder von rezidivierenden unteren Harnwegsinfektionen
    • keine Anwendung von Fluorchinolonen als Mittel der 1. Wahl zur Behandlung leichter und mittelschwerer Infektionen
    • Keine Anwendung von Fluorchinolonen bei Patienten, bei denen schon einmal schwere Nebenwirkungen von Chinolonen oder Fluorchinolonen aufgetreten sind.
    • besonders hohes Risiko für Sehnenschäden bei älteren Patienten, Nierenfunktionsstörung, nach solider Organtransplantation oder unter Kortikoidtherapie
      • keine gleichzeitige Behandlung mit Fluorchinolonen und Kortikosteroiden
  • Das Risiko einer Clostridium-difficile-Kolitis ist besonders hoch bei Clindamycin, Fluorchinolonen, Cephalosporinen, Breitbandpenicillinen und Clarithromycin und nicht bis gering erhöht bei Tetrazyklinen, Makroliden, Sulfonamiden oder Aminoglykosiden.
  • Die folgenden Therapieempfehlungen zu den einzelnen Krankheitsbildern orientieren sich an den jeweiligen aktuellen Leitlinien.