Die medikamentöse Behandlung von Erwachsenen mit ADHS

Die Anwendung zentral stimulierender Arzneimittel kann ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von ADHS bei Kindern und jungen Erwachsenen sein. Doch wie steht es um das Wissen über die Anwendung solcher Medikamente bei über 18-jährigen ADHS-Patienten?

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Die hyperkinetische Störung oder ADHS ist eine durch motorische Hyperaktivität, Impulsivität und Störungen des Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsvermögens gekennzeichnete Erkrankung.

Die Prävalenz von ADHS wird auf 3–5 % der Kinder im Schulalter geschätzt. Etwa die Hälfte wird bis ins Erwachsenenalter hinein anhaltende Probleme haben.

Die medikamentöse Therapie Erwachsener

Bei Kindern und Jugendlichen zählt die Behandlung mit zentral stimulierenden Medikamenten oder Psychostimulanzien zur medikamentösen Standardtherapie. Es wird diskutiert, ob Erwachsenen (über 18 Jahre) dieselbe Therapie angeboten werden sollte. Eine experimentelle Behandlung mit zentral stimulierenden Medikamenten bei Erwachsenen mit ADHS findet seit 1997 statt.

Der Behandlungsbeginn mit zentral stimulierenden Medikamenten sollte durch einen Facharzt oder Allgemeinmediziner in enger Zusammenarbeit mit einem Hausarzt geschehen. 

Zentral stimulierende Arzneimittel

Es ist erwiesen, dass die Behandlung mit zentral stimulierenden Medikamenten Aggressionen und widriges Verhalten reduzieren und die schulischen Leistungen verbessern kann. Medikamente können viele Symptome von ADHS lindern, doch heilen können sie die Krankheit nicht. Die Behandlung verursacht auch kein erhöhtes Risiko für späteren Drogenmissbrauch, kann bei richtiger Anwendung hingegen das Missbrauchsrisiko verringern – so die nationalen vom Helsedirektoratet ausgearbeiteten Leitlinien.

Ein Resümee der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Kunnskapssenteret zeigt, dass viele Erwachsene mit ADHS gut auf eine Behandlung mit Methylphenidat (MPH) ansprechen – den am häufigsten verwendeten Wirkstoff in der Behandlung von ADHS. In Norwegen ist MPH besser bekannt unter den Handelsnamen Ritalin ®, Equasym ® und Concerta ®. Andere zentral stimulierende Wirkstoffe können Dextroamphetamin, racemisches Amphetamin und Atomoxetin sein.

ADHS bei Erwachsenen

Bei den meisten Menschen mit ADHS tritt eine altersbedingte Reifung ein, weshalb die Zahl der Patienten, die alle Kriterien der ADHS erfüllen, mit dem Alter abnimmt. Einige werden aber weiterhin fortdauernde Beschwerden haben. Erwachsene, die nicht länger alle Kriterien der entsprechenden Diagnose erfüllen, können nach wie vor zahlreiche Beschwerden haben.

Die Kernsymptome wie Konzentrationsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität sind am charakteristischsten bei Kindern. Hyperaktivität lässt in der Jugend gewöhnlich nach, doch können Probleme mit der Organisation des Alltags auftreten, oft in Verbindung mit Aufgaben für die Schule. Diese Tendenz setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Vor allem Konzentrationsschwierigkeiten aber auch Impulsivität treten bei Erwachsenen ADHS-Patienten häufig viel stärker in Erscheinung als Rastlosigkeit und Hyperaktivität.

Heute herrscht internationaler Konsens darüber, dass die Störung bei etwa 2/3 der Kinder mit der entsprechenden Diagnose bestehen bleibt.

Diagnose von ADHS bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen können mehrere jedoch nicht immer sämtliche ADHS-Symptome auftreten, damit alle Kriterien für die Diagnose erfüllt sind. Das ärztliche Personal diagnostiziert daher einen Residualzustand. Wenn in der Kindheit keine Diagnose gestellt wurde, muss innerhalb eines vertretbaren Rahmens dokumentiert werden, dass Symptome oder Probleme bestehen, die mit ADHS in der Kindheit in Verbindung stehen können.

Es kann verschiedene Gründe geben, weshalb Erwachsene eine diagnostische Beurteilung bekommen sollten.

  • Sehr viele derjenigen, bei denen die Diagnose in der Kindheit gestellt wurde, werden auch nach ihrem 18. Lebensjahr noch Behinderungen haben.
  • In vielen Fällen sollte eine diagnostische Einschätzung der Eltern von Kindern vorgenommen werden, die die Diagnose erhalten haben.
  • Auch kann eine diagnostische Klärung wünschenswert sein im Zusammenhang mit der Behandlung von Drogenabhängigkeit oder psychischer Erkrankungen.
  • Erwachsene können auch selbst Symptome erkannt haben.

Weiterführende Informationen

Quellen

Referenzen

  1. Veileder for diagnostisering og behandling av AD/HD. Diagnostikk og behandling av hyperkinetisk forstyrrelse/attention deficit hyperactivity disorder (AD/HD) hos barn, ungdom og voksne. Oslo: Sosial- og helsedirektoratet, 2005. Rapportnr. IS-1244. www.helsedirektoratet.no
  2. Myhre KI. Behandling med sentralstimulerende medikamenter av ADHD hos voksne. Kunnskapssenteret; 2005. ISBN 82-8121-039-7. www.kunnskapssentret.no
  3. Rekvirering av sentralstimulerende midler for ADHD. Sosial- og helsedirektoratet, 2005. www.helsedirektoratet.no
  4. Forskrift om narkotika. Www.lovdata.no lovdata.no