Häufigkeit der Anorexie (Magersucht)

Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 1,1 % der Frauen und 0,3 % der Männer unter Magersucht.

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Was ist Anorexie (Magersucht)?

Bei der Anorexie (Magersucht) handelt es sich um eine Essstörung, die zu den psychischen Erkrankungen gezählt wird. Die Anorexie ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten Gewichtsverlust charakterisiert. Die Betroffenen nehmen sich selbst als übergewichtig wahr, obwohl das Körpergewicht normal oder geringer ist, als für das Alter, das Geschlecht und den Entwicklungsstand mindestens zu erwarten wäre. Es besteht eine intensive Angst davor, zuzunehmen. Um weiter an Gewicht zu verlieren, unterziehen sich die Betroffenen extremen gewichtsreduzierenden Maßnahmen: Sie schränken ihre Nahrungsaufnahme ein, treiben übermäßig viel Sport, Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme oder verwenden Medikamente zur Gewichtsreduktion. Diese Maßnahmen werden oft auch kombiniert eingesetzt. Die Erkrankung kann teils schwerwiegende körperliche Probleme nach sich ziehen. Bei betroffenen Mädchen oder Frauen bleibt durch den veränderten Hormonstoffwechsel oft die Regelblutung aus (Amenorrhö). Oft hat die Erkrankung einen langwierigen (chronischen) Verlauf. Rückfälle sind möglich.

Betroffenen Patienten mangelt es oft an Einsicht, den Ernst der Lage zu erkennen. Zuzugeben, dass ein Problem besteht, ist der erste und schwierigste Schritt heraus aus der Magersucht.

Häufigkeit

Anorexie tritt deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland leiden 1,1 % der Frauen und 0,3 % der Männer unter Magersucht.

Durchschnittlich erkranken pro Jahr etwa 19/100.000 Frauen und 2/100.000 Männern. Vor dem Alter von 7–8 Jahren ist die Anorexie selten, ab dem Alter von 10 Jahren nimmt die Häufigkeit zu. Am häufigsten sind Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren betroffen. Mehr als 90 % der Patienten sind junge Frauen.

Leichtere Fälle der Erkrankung werden oft nicht registriert, sodass wahrscheinlich eine große Dunkelziffer besteht. Laut einer Studie nimmt nur einer von drei an Anorexie erkrankten Personen ärztliche Hilfe in Anspruch. Viele Betroffene bleiben demnach mit ihrer Erkrankung alleine.

Risikofaktoren

Die Erkrankung tritt am häufigsten im Teenager-Alter auf, wenn die Jugendlichen starke körperliche Veränderungenerleben und mit neue Herausforderungen konfrontiert sind. Möglicherweise sind also Ängste im Rahmen der körperlichen Veränderung während des Erwachsenwerdens an der Entwicklung einer Magersucht beteiligt. Die Zunahme an Körperfett und die körperlichen Veränderungen im Teenager-Alter (die bei Mädchen sehr ausgeprägt sind) können dazu führen, dass die Jugendlichen sich wegen ihres Körpergewichts sorgen und das Bedürfnis verspüren, das Gewicht zu kontrollieren. Viele Betroffene haben vor Beginn der Erkrankung eine Phase mit mehr oder weniger starkem Übergewicht durchlaufen. Durchgeführte Diäten werden dann nicht mehr gestoppt, obwohl das Normalgewicht erreicht wurde.

Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Anorexie zu erkranken, beispielsweise:

  • Weiblich zu sein: Die meisten Anorexie-Patienten sind Mädchen oder Frauen.
  • An psychischen Störungen wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen zu leiden. Auch Suchterkrankungen liegen bei Patienten mit Magersucht häufiger vor.
  • Ein gesellschaftliches Umfeld, das das Körperideal extrem schlanker Menschen betont, erhöht wahrscheinlich das Risiko magersüchtig zu werden.
  • Einen Beruf oder ein Hobby auszuüben, das einem das Gefühl vermittelt, dünn sein zu müssen. Models, Balletttänzer und Profisportler bestimmter Sportarten stehen oft unter Druck, ihr Körpergewicht möglichst niedrig zu halten.
  • Ein geringes Selbstwertgefühl zu haben. Gedanken wie „Ich bin ein Niemand“ oder „Ich kann nichts“ erhöhen das Risiko, an Anorexie zu erkranken. Dies kann z. B. durch Mobbing bedingt sein.
  • Sich zu wünschen, perfekt zu sein und keine Abweichungen des Ideals zu akzeptieren. Manche Betroffenen haben das Gefühl, dass die Liebe oder Anerkennung von Familie und Freunden nur durch hohe Leistungen gewonnen werden kann.
  • Schwierigkeiten im Ausdrücken (negativer) Gefühle zu haben.
  • Ein Mensch mit stark ausgeprägtem Konkurrenzdenken und hoch gesteckten Zielen zu sein. Viele Menschen mit Magersucht zeigen zwanghafte Züge oder neigen zu Perfektionismus – das kann sich z. B. in sehr intensivem Training äußern.
  • Wer enge Verwandte hat, die an einer Essstörung bzw. an Magersucht oder auch an psychischen Krankheiten wie einer Depression leiden, für den besteht ein höheres Risiko, an Magersucht zu erkranken. Kommunikations- und Interaktionsprobleme in der Familie kommen bei Betroffenen gehäuft vor.
  • Auch Traumatisierungen, wie Misshandlung oder sexueller Missbrauch, können die Entwicklung einer Anorexie begünstigen.
  • Dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, wird daran deutlich, dass eineiige Zwillinge häufiger an Magersucht leiden als zweieiige.
  • Hat die Magersucht erst einmal eingesetzt, kommt es zu verschiedenen Veränderungen des Hormonhaushalts und des Hirnstoffwechsels in Bereichen, die für die Regulierung von Hunger-/Sättigungsgefühlen relevant sind. Dies begünstigt einen Teufelskreis, die Nahrungsaufnahme weiter einzuschränken.

Weitere Informationen

Andere Essstörungen

Hilfsangebote und weitere Informationsquellen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Anorexia nervosa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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