Die Prognose bei Bulimie

Bei vielen Patienten mit Bulimie tritt eine Besserung der Beschwerden oder eine vollständige Genesung ein, in einigen Fällen sogar ohne Therapie. Selbst wenn Betroffene nicht vollständig genesen, kann ihnen die Therapie dabei helfen, eine bessere Kontrolle über ihre Symptome zu gewinnen.

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Die Essstörung Bulimie geht mit regelmäßigen Essanfällen mit Verzehr enorm großer Mengen an Nahrungsmitteln einher, die anschließend häufig erbrochen werden. Andere Methoden, die Aufnahme dieser großen Nahrungsmengen „rückgängig" zu machen, sind die Einnahme von Abführmitteln, extremer Sport oder intensive Diäten. Diese Essstörung führt zu ungesundem Essverhalten, häufig zu Gewichtsschwankungen und Stoffwechselstörungen. Falls eine Person bereits seit längerer Zeit an Bulimie leidet, kann dies zu organischen Schäden führen. Patienten sollten also über die langfristigen Folgen dieser Erkrankung informiert sein. Im Folgenden werden mögliche organische Folgeschäden aufgelistet:

  • Erbrechen kann eine Dehydratation (Austrocknung) des Körpers bewirken und das Risiko für die Entstehung von Nierensteinen erhöhen. Das Erbrechen kann außerdem die chemische Zusammensetzung des Bluts beeinträchtigen, was langfsritig oder auch akut Funktionsstörungen von Nieren, Muskeln und Herz (z.B. Herzrhythmusstörungen) zur Folge haben kann.
  • Eine mangelnde Kalziumzufuhr in dem Alter, in dem Kalkreserven im Knochen aufgebaut werden sollten, erhöht das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt an Osteoporose zu erkranken.
  • Häufiges Erbrechen kann außerdem den Magen, die Speiseröhre und die Zähne schädigen.
  • Die unregelmäßige Ernährung und/oder der Gebrauch von Abführmitteln kann zu schweren Verdauungsproblemen mit Vertsopfung und Bauchschmerzen führen.
  • Frauen, die viele Jahre an Bulimie gelitten haben, haben möglicherweise Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass die Menstruation ausbleibt oder Veränderungen an den Eierstöcken auftreten.

Diese Beschwerden können auftreten, wenn die Bulimie-Erkrankung bereits lange besteht oder die Betroffenen mehrmals täglich erbrechen. Es lässt sich jedoch kaum vorhersagen, bei welchem Patienten sich nach welcher Krankheitsdauer solche Beschwerden einstellen; die individuellen Verläufe und Reaktionen des Körpers sind recht unterschiedlich.

Selbst wenn die Bulimie intermittierend auftritt, kann sie Beschwerden verursachen. Der Zahnschmelz kann aufgrund des Magensäuregehalts des Erbrochenen angegriffen sein.

Meist gute Prognose mit Therapie

Bulimie ist selbst dann, wenn sie bereits längere Zeit besteht, therapierbar. Hilfreich ist es jedoch, sich möglichst früh nach Auftreten der Symptome bzw. in jungem Alter behandeln zu lassen. Um eine Therapie einzuleiten und zu genesen, ist es notwendig, dass die Betroffenen mit einem Arzt oder Psychotherapeuten über die Probleme ausführlich sprechen. Einzugestehen, dass man ein Problem hat, ist für die meisten Bulimie-Patienten der schwierigste Schritt. Es lohnt sich jedoch.

Eine erst kurzzeitig bestehende Erkrankung, erstmaliges Auftreten der Beschwerden in einem frühen Lebensalter, eine intakte Familie, in der es keinen Alkoholmissbrauch gibt, sind mit einer guten Prognose assoziiert. Gleichzeitiger Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Suizidversuche, anhaltende Depressionen, Übergewicht vor dem Einsetzen der Bulimie, Adipositas bei den Eltern und Persönlichkeitsstörungen (Angststörungen, Depression, Sucht) sind im Allgemeinen mit einer schlechteren Prognose assoziiert.

Viele Patienten sind zwar trotz ihrer Krankheit im Berufsleben, in der Schule oder im Studium erfolgreich. Dennoch bestimmen die Probleme der Bulimie meist sehr stark die Lebensqualität und den Alltag. In einem ersten Schritt auf dem Weg zur Heilung sollten Betroffene einen Termin beim Hausarzt vereinbaren. Falls er sie nicht behandeln kann, erhalten sie eine Überweisung zum Spezialisten. Zu bedenken sind folgende Punkte:

  • Viele Patienten, die sich einer Therapie unterziehen, erleben eine Verbesserung ihrer Beschwerden und genesen häufig sogar vollständig.
  • Selbst wenn die Bulimie nicht vollständig abklingt, ermöglicht eine Therapie den Betroffenen häufig, die Kontrolle über ihre Symptome zu gewinnen. Wenn die Patienten seltener Essanfälle erleiden und erbrechen, nehmen Wohlbefinden zu und Schamgefühle ab.
  • Die Therapie kann Betroffene dabei unterstützen, sich in ihrem Körper wohler zu fühlen, anstatt ständig darum kämpfen zu müssen, weiter an Gewicht zu verlieren.
  • Wichtig ist Geduld: Bei den meisten Therapieansätzen vergehen Wochen oder Monate, bis erste Erfolge zu verzeichnen sind.

Prognose ohne Therapie

Bei einigen Patienten bessern sich die Beschwerden auch ohne Therapie. Es ist möglich, dass sich die Beschwerden bessern, dies kann jedoch viele Jahre in Anspruch nehmen. Es ist jedoch bekannt, dass bei einem frühzeitigen Therapiebeginn innerhalb von 1–2 Jahren nach dem Auftreten der Symptome, die Chancen auf eine Genesung erhöht sind.

Ergebnisse von Verlaufsstudien

Laut einer Studie waren 10 Jahre nach der Bulimie-Diagnose die Hälfte der berücksichtigten Frauen genesen und symptomfrei. 30–40 % der übrigen Patientinnen erlebten eine Besserung der Beschwerden, litten jedoch weiterhin unter einigen Symptomen. Ca. 10% litten an unveränderten Bulimie-Beschwerden.

Laut einer weiteren Verlaufsstudie mit einer durchschnittlichen Dauer von 11,5 Jahren waren 70 % vollständig oder teilweise genesen, während 11 % noch die Kriterien für Bulimie erfüllten.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bulimia nervosa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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