Sexueller Missbrauch an Kindern

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendliche ist eine Form der Kindesmisshandlung und bezeichnet sexuelle Handlungen, die sich gegen den Willen des Kindes richten oder denen sie aufgrund mangelnder Erfahrung nicht wissentlich zustimmen können. Sexueller Missbrauch kann vielfältige körperliche und psychische Schäden verursachen und die Entwicklung des Kindes stark beeinträchtigen.

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Was versteht man unter sexuellem Missbrauch an Kindern?

Sexueller Missbrauch an Kindern ist eine Form der Kindesmisshandlung und bezeichnet Situationen, in denen sexuelle Handlungen an Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen werden oder in denen sie aufgrund mangelnder Erfahrung nicht wissentlich zustimmen können. Der Täter oder die Täterin nutzt dabei häufig eine Machtposition aus, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen. 

Sexueller Missbrauch umfasst Handlungen, die in unterschiedlicher Form und in unterschiedlichem Ausmaß erfolgen können. Unter sexuellen Missbrauch fallen Vergewaltigung, sonstiger Geschlechtsverkehr oder Penetration. Auch andere körperliche Kontakte und Berührungen sind Formen des sexuellen Missbrauchs. Daneben werden flüchtige sexuelle Berührungen, unangemessenes Entblößen, das Zeigen von Pornographie oder verbale sexuelle Annäherungen unter dem Begriff des sexuellen Missbrauchs zusammengefasst.

Unter Inzest versteht man sexuelle Handlungen zwischen Menschen, die biologisch miteinander verwandt sind. Sexueller Missbrauch in der Familie umfasst inzestuöse sexuelle Beziehungen zwischen engen Familienmitgliedern. Zu beachten ist, dass es bis zu einem gewissen Alter normal ist, dass die Kinder ihre Eltern nackt sehen, von ihnen gewaschen werden und im gleichen Bett schlafen. Dabei kann es wiederum große kulturelle Unterschiede geben.

Juristische Definition

Ein Kind ist wegen seines Alters nicht in der Lage, die Bedeutung einer Einwilligung in die Vornahme sexueller Handlungen zu erfassen und danach zu handeln. Als Kinder gelten in Deutschland Personen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. 

Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht gilt in Deutschland für Menschen ab 14 Jahren. Als Jugendliche gelten Personen im Alter von 14 bis 17 Jahren. Unter sexuellen Missbrauch von Jugendlichen fallen sexuelle Handlungen Erwachsener mit Jugendlichen, die die fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzen.

Auch sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen ist in Deutschland unter Strafe gestellt, also z.B. sexuelle Handlungen mit Jugendlichen, zu denen ein Ausbildungs- bzw. Betreuungsverhältnis besteht.

Häufigkeit

Entsprechend den Zahlen des Bundeskriminalamtes gibt es jährlich etwa 12.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. Die Zahlen bilden die wahre Häufigkeit jedoch nicht ab, da man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss. 

In einer Umfrage in Deutschland berichten 2,8 % der befragten Männer und 8,6 % der Frauen zwischen 16 und 69 Jahren, sie seien in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs mit Körperkontakt gewesen. Ein Anstieg der gemeldeten Fälle im Laufe der letzten 30 Jahre ist vermutlich auf höhere Wachsamkeit und eine niedrigere Schwelle zur Anzeige zurückzuführen.

Ursachen

Sexueller Missbrauch betrifft Kinder aller Altersgruppen, am häufigsten sind jedoch Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren betroffen. Die Täter sind meist Männer. Frauen sind an etwa 5 % der Übergriffe auf Kinder beteiligt. Der Täter ist in den meisten Fällen eine Person, die das Kind bereits kennt:

  • Bis zu etwa 30 % der sexuellen Übergriffe gegen Kinder unter 18 Jahren werden von Familienmitgliedern begangen.
  • 30–70 % der Übergriffe geschehen durch Freunde oder Bekannte der Familie.
  • 15–30 % werden von Fremden begangen.

Mädchen werden häufiger Opfer von Missbrauch durch Familienangehörige, Jungen sind dagegen häufiger von Übergriffen durch Fremde betroffen. Missbrauchsfälle durch Personen außerhalb der Familie sind oft einmalige Ereignisse, während Missbrauch innerhalb der Familie häufiger wiederholt vorkommt.

Es gibt einige Faktoren, die einem Fall von sexuellem Missbrauch in einer Familie zugrunde liegen können oder das Risiko erhöhen. So werden Kinder, die anderen Formen von Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung ausgesetzt sind, häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch. Sind die Eltern in ihrer Kindheit selbst Opfer von Misshandlungen geworden oder gibt es andere Fälle von Gewalt in der Familie, kann dies ebenfalls das Risiko erhöhen.

Diagnose

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Ärzte von einem Missbrauch erfahren können. Ein Kind oder Jugendlicher kann direkt mit dem Arzt in Kontakt treten oder aber einer Vertrauensperson wie einem Freund, Familienmitglied oder Lehrer davon erzählen, die dann wiederum den Arzt kontaktiert. Andererseits werden Ärzte auch bei bestimmten körperlichen und psychischen Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten an die Möglichkeit einer Kindsmisshandlung denken und dementsprechend untersuchen.

Die Folgen eines sexuellen Missbrauchs können sehr unterschiedlich sein. Häufig entwickeln Kinder ein Gefühl der Hilflosigkeit und Isolation, Angststörungen oder selbstverletzendes Verhalten. Auch Depressionen sind oft Folge eines sexuellen Missbrauchs und können zu Schlafstörungen, mangelndem Selbstwertgefühl bis hin zu Selbstmordgedanken führen. Ein dem Alter nicht angemessenes sexuelles Verhalten eines Kindes kann ebenfalls Ausdruck eines erlittenen sexuellen Missbrauchs sein. Nicht selten haben Betroffene über lange Zeit Probleme, Vertrauen zu fassen, und leiden bis ins Erwachsenenalter an psychischen Störungen, wie z. B. einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Hausärzte und Kinderärzte versuchen durch Gespräche mit dem Kind und der Familie den Verdacht zu erhärten oder zu entkräften. Dazu werden oft weitere Fachärzte, beispielsweise der Kinder- und Jugendpsychiatrie, zu Rate gezogen. Die Diagnose einer Kindesmisshandlung ist häufig ein schwieriger Prozess und sollte von psychologisch geschulten Fachkräften begleitet werden. Ein sexueller Missbrauch hinterlässt oft wenige oder undeutliche Spuren oder Verletzungen. Die körperliche Untersuchung nach einem möglichen Fall von sexuellem Missbrauch wird daher von einem forensisch spezialisierten Arzt durchgeführt.

Maßnahmen

Das vorrangigste Ziel der Maßnahmen nach einem Fall von sexuellem Missbrauch ist es, das Kind vor weiteren Übergriffen zu schützen. Der Prozess, sexuelle Misshandlung offenzulegen, kann für alle Beteiligten sehr belastend sein. Schon während der Untersuchung sollte das Kind daher durch psychotherapeutisch ausgebildetes Personal unterstützt werden und ggf. in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Das weitere Vorgehen ist hauptsächlich abhängig von der Schwere der Misshandlung und dem weiteren Gefährdungsrisiko für das Kind und wird von Vertretern verschiedener Fachkräfte wie Sozialarbeitern, Psychotherapeuten, Ärzten und ggf. dem Jugendamt gemeinsam entschieden.

Die Behandlung des Kindes richtet sich nach Beschwerden und psychischen Folgen des Ereignisses. Mögliche Therapieformen sind Einzel- oder Gruppentherapie oder Familientherapie mit den Erziehungsberechtigten. Betroffene werden häufig über einen langen Zeitraum psychotherapeutisch begleitet und in ein Netzwerk aus Helfern verschiedener Fachrichtungen eingebunden, um die Folgen der Misshandlung abzumildern und die Sicherheit des Kindes langfristig zu gewährleisten. Eine große Anzahl von Selbsthilfegruppen für Jugendliche und Erwachsene in Deutschland können für viele neben der professionellen Behandlung eine zusätzliche Hilfe darstellen.

Prognose

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist ein traumatisches Ereignis, das zu kurzfristigen und langfristigen Schädigungen führen kann. Die Folgen hängen von mehreren Faktoren ab, darunter das Alter des Kindes, die Art und Häufigkeit des Übergriffes und das emotionale Klima in der Familie. Man geht davon aus, dass bis zu zwei Drittel der Kinder, die sexuell missbraucht wurden, in ihrer Kindheit psychische Probleme entwickeln. Die langfristigen Auswirkungen hängen stark von einer umfassenden Unterstützung nach dem Ereignis ab, jedoch haben Betroffene im Erwachsenenalter ein höheres Risiko für psychische Probleme und Anpassungsschwierigkeiten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.
  • Julia Trifyllis, Dr. med. Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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