Asthma, Ursachen und auslösende Faktoren

Asthma ist eine komplexe Erkrankung der Lunge, die mit einer chronischen Entzündung und sog. Hyperreagibilität einhergeht. Das bedeutet, dass sich die Atemwege auf verschiedene Reize hin stark verengen, was Husten und Atembeschwerden verursacht. Erbliche Faktoren spielen hier eine Rolle. Auslöser können verschiedene Allergene, wie Hausstaubmilben, Pollen, Tierepithelien etc. sein, aber auch körperliche Belastung, kalte Luft oder Ähnliches. Passivrauchen und Luftverschmutzung können die Erkrankung verschlimmern.

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Um zu verstehen, welche Prozesse bei Asthma im Körper ablaufen, ist es hilfreich einige Fakten zum Aufbau und der Funktion der Lungen zu kennen.

Lunge

Die Lunge ist ein badeschwammähnliches Organ im Brustkob, das vom Brustfell umgeben ist, einer dünnen, feuchten Haut, der sogenannten Pleura. Der rechte Lungenflügel besteht aus drei Lungenlappen, der linke aus zwei Lungenlappen. Etwa 90 % der Lunge sind mit Luft gefüllt, der Rest besteht aus Lungengewebe.

Beim Einatmen gelangt Luft durch den Mund und die Luftröhre (Trachea) in die zwei Hauptbronchien. Die Hauptbronchien führen in die beiden Lungenflügel, wo sie sich in Millionen kleinere Röhrchen, die Bronchiolen, verzweigen. Die Bronchiolen enden in sehr kleinen, traubenförmigen Lungenbläschen, die Alveolen genannt werden (siehe Abbildung). In der Lunge befinden sich über 300 Millionen Alveolen. Jede einzelne wird von einer dünnen Haut umschlossen, die sie von den dünnen Blutgefäßen, den Kapillaren, trennt. Die Kapillaren sind die dünnsten Blutgefäße im Körper. In den Alveolen kann Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft durch die Haut ins But gelangen und dieses mit Sauerstoff versorgen. Gleichzeitig kann das „Abgas" Kohlendioxid vom Blut in die Alveolen passieren, von wo es ausgeatmet wird.

Das Blut in der Lunge kommt aus der rechten Herzkammer und fließt, nachdem es in der Lunge Sauerstoff aufgenommen hat, in die linke Herzkammer. Von dort wird das sauerstoffreiche Blut in den Rest des Körpers gepumpt.

Was ist Asthma?

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Schleimhaut der Bronchien reagiert bei den Betroffenen überempfindlich, wenn sie durch die eingeatmete Luft mit bestimmten Stoffen in Kontakt kommt (Reizauslöser oder Triggerfaktoren) und schwillt an. Zugleich ziehen sich die kleinen Muskeln der Bronchien kräftig zusammen. Dies führt zu verengten Atemwegen (siehe Abbildung), was sich in Anfällen von Husten, schwerer Atmung und atemabhängigen Pfeifgeräuschen im Brustraum äußern können. Die Diagnose wird aufgrund typischer Symptome, einer Untersuchung der Lungenfunktion und manchmal Allergietests gestellt.

Die Häufigkeit von Asthma in den westlichen Ländern stieg lange Zeit an, scheint jetzt aber ein stabiles Niveau erreicht zu haben. In Deutschland leiden rund 10 % der Kinder (nehr Jungen als Mädchen) und 5 % der Erwachsenen an Asthma. Etwa 10 % der Bevölkerung entwickelt irgendwann im Leben Asthma. Einige Betroffene mit nicht so starken Symptomen leiden zwar an Asthma, wissen das aber nicht, weil sie nie einen Art aufgesucht haben.
Das Risiko, Asthma zu bekommen, ist größer, wenn nahe Verwandte Asthma oder eine Allergie (etwa Heuschnupfen oder  Neurodermitis) haben oder wenn ein Patient selbst in der Kindheit an Neurodermitis oder Heuschnupfen litt (zu weiteren Ursachen siehe unten).

Was passiert bei Asthma in den Atemwegen?

Die Verengung der Atemwege kann auf vierfache Weise geschehen:

  • durch das Zusammenziehen der Bronchialmuskeln,
  • durch Entzündungen und Schwellung der Schleimhaut,
  • durch Ansammlung von Schleim,
  • durch Strukturveränderungen im Gewebe, Narbenbildung, sogenanntes Remodelling.

Wenn sich die Muskeln in den Bronchien zusammenziehen, verengen sich die Atemwege, also kann Luft nicht mehr so leicht ein- und ausströmen. Die Entzündung der Schleimhaut kann unterschiedlich stark sein; eine entzündlich angeschwollene Schleinhaut verengt die Bronchien zusätzlich. Die Schleimansammlungen können so groß sein, dass einzelne Atemwegszweige völlig durch Schleim verstopft werden. Langwierige Atembeschwerden führen mit der Zeit zu Veränderungen im Lungengewebe; die Anzahl glatter Muskeln erhöht sich, das Bindegewebe vermehrt sich und die Lunge wird weniger dehnbar. Dies kann sowohl zu einer erhöhten Reaktivität als auch zu einer teilweise unumkehrbaren Verengung der Atemwege führen.

Was passiert bei einem Anfall in den Atemwegen?

Bei Patienten mit Asthma besteht aus verschiedenen Gründen eine Überempfindlichkeit des Bronchialgewebes (Hyperreagibilität). Dies führt dazu, dass Schleimhautzellen und Muskelzellen viel stärker auf Reize reagieren als bei Gesunden üblich. Die Zellen können zum Teil durch die eingeatmete Luft, zum Teil durch das Blut in den Atemwegswänden in Kontakt mit Stoffen kommen, die Asthma auslösen. Dies führt dazu, dass Botenstoffe aus diesen Zellen in das umgebende Gewebe abgegeben werden. Die Folge sind Entzündungen in der Schleimhaut und Kontraktion der Muskeln der Atemwege.

Die Botenstoffe, die bei einer allergischen Reaktion freigegeben werden, kommen in erster Linie aus sogenannten Mastzellen. Aber auch andere Zellen tragen zur Freisetzung bei. Diese Stoffe wirken vor allen Dingen lokal in den Atemwegen, aber auch an anderen Stellen im Körper.

Die Blutgefäße in den Atemwegen erweitern sich dadurch und werden durchlässig. Aus den Blutgefäßen dringt Flüssigkeit heraus und sorgt dafür, dass die Schleimhaut anschwillt. Die Muskeln, die die unteren Atemwege (Bronchien) umgeben, werden gereizt und reagieren, indem sie sich zusammenziehen. Ein Teil der Botenstoffe hat die Fähigkeit, Entzündungszellen aus den Blutgefäßen anzulocken. Die Schleimhaut schwillt dann an. In den Wänden der Bronchien gibt es außerdem Nerven, die angeregt werden und zu weiterer Schleimproduktion und Muskelkrämpfen führen.

Wie äußert sich Asthma?

Die Symptome fallen bei verschiedenen Menschen oft unterschiedlich aus. Auch kann bei ein und derselben Person mit der Zeit eine Veränderung der Symptome auftreten. Bestehen gerade keine Beschwerden, lässt sich auch durch Lungentests keine Verengung der Bronchien feststellen, es handelt sich also um eine grundsätzlich umkehrbare Verengung (reversible Atemwegsobstruktion).

Viele Asthmatiker können also immer wieder über längere Zeit ohne Beschwerden sein, mit Unterbrechung durch kurze Episoden mit starken Symptomen (Asthmaanfall). So ein Anfall zeichnet sich durch erschwertes Atmen mit v. a. verlängertem Ausatmen, kräftigen Husten, Druck und Engegefühl in der Brust aus. Wird die Atemnot schlimmer, kann der Betroffene kaum noch sprechen, wird blass und erlebt Angst oder Panik. Hier ist eine Notfalltherapie nötig!

Manche Asthmatiker haben täglich Symptome, andere deutlich seltener. Viele reagieren nur auf bestimmte Auslöser (s. unten: Was löst einen Asthmaanfall aus?) 

Selbst wenn ein Asthmaanfall sehr beängstigend wirken kann, sind die meisten doch eher leicht oder mäßig ausgeprägt und kurz. Der Anfall geht meist nach wenigen Minuten vorüber, vor allem wenn Asthmamedikamente genommen werden, die die Atemwege weiten und dafür sorgen, dass die Luft leichter ein- und auströmen kann. Meist ist ein Anfall ungefährlich, aber in Einzelfällen kann er lang und schwer sein und eine Therapie vom Notarzt mit Einweisung in die Klinik erfordern.

Ursachen für Asthma

Die Ursachen für Asthma sind nicht vollständig geklärt. Es spielen wahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle, die dazu führen, dass die Bronchien überempfindlich (hyperreagibel) auf verschiedene Reize reagieren und sich übermäßig verengen – wie oben beschrieben. Ärzte unterscheiden dabei Asthma aufgrund einer zugrunde liegenden Allergie und Asthma, das ohne Vorliegen einer Allergie besteht. Bei den meisten Kindern mit Asthma liegen allergische Reaktionen zugrunde.

Eine Besonderheit ist eine Verengung der Atemwege aufgrund (gehäufter) Virusinfektionen der Lunge bei kleinen Kindern. Dies kann zu asthmaähnlichen Beschwerden führen, die aber mit zunehmendem Alter wieder verschwinden. 

Weil Asthma weltweit sehr unterschiedlich häufig auftritt, haben wahrscheinlich Ernährung und Umweltfaktoren eine Bedeutung. Grundsätzlich spielt die familiäre Veranlagung eine wichtige Rolle: Leiden Vater und/oder Mutter an Asthma, ist das Risiko für den Nachwuchs deutlich erhöht, ebenfalls an dieser chronischen Lungenkrankheit zu leiden. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen Asthma und anderen Allergien. Allergiker (z. B. Heuschnupfen oder Ekzem) tragen ein höheres Risiko, Asthma zu bekommen als andere. Rauchen in der Schwangerschaft und passives Rauchen in der Kindheit erhöht ebenfalls das Risiko. Raumklima (Feuchtigkeit und Schimmelbildung) sowie Luftverschmutzung (Abgase) können ebenfalls dazu beitragen, dass eine Person an Asthma erkrankt und die Beschwerden verstärken. Möglicherweise leiden übergewichtige Kinder häufiger an Asthma als normalgewichtige; bei ihnen wirkt auch eine Asthmatherapie oft nicht so gut.

Einigen Studien zufolge entwickeln Kinder im Vergleich häufiger Asthma, wenn während der Schwangerschaft oder der frühen Kindheit Kontakt zu Paracetamol oder sehr breit wirksamen Antibiotika bestand. Die Studienergebnisse sind hier jedoch nicht ganz eindeutig. Dennoch sollten Schwangere Paracetamol oder Antibiotika nur einnehmen bzw. ihren Säuglingen geben, wenn es nötig ist. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrem Arzt beraten, denn gerade Antibiotika können auch lebensrettend sein.

Schutz vor der Entwicklung eines Asthma bronchiale bietet die Umgebung von Bauernhöfen, wenn das Kind bereits während der Schwangerschaft und der frühen Kindheit viel Kontakt mit verschiedenen Keimen (v. a. aus dem Kuhstall) hatte und frische Kuhmilch getrunken hat. Die Auswirkung von Virusinfektionen ist nicht ganz klar: solche Krankheiten können Asthma mitverursachen oder evtl. auch davor schützen – Studienergebnisse zu dieser Frage sind oft widersprüchlich.

Wer bereits an einer Allergie leidet, sollte keine Katzen und andere Kleintiere im Haus haben. Allerdings scheint der frühe Kontakt mit Haustieren in Familien, in denen noch keine Allergie/kein Asthma bekannt ist, vor der Entwicklung eines Asthma zu schützen. Insgesamt sind jedoch die Studien zur Frage, ob Haustierhaltung eher Asthma auslöst oder davor schützt, oft widersprüchlich, sodass diese Frage noch nicht eindeutig geklärt ist.

Was löst einen Asthmaanfall aus?

Ein Asthmaanfall kann von vielen Stoffen ausgelöst werden. Besteht eine Allergie, so reagieren die Betroffenen z. B. auf Kontakt mit Hausstaubmilben, Tierhaaren von Hund oder Katze oder Pollen mit Atembeschwerden und Husten. Personen, die bei der Arbeit Kontakt zu Tieren, Fischprodukten und Mehl sowie Baumaterial, bestimmten Gasen und Chemikalien haben, können ein berufsbedingtes Asthma entwickeln. Kleine Partikel dieser Substanzen gelangen beim Einatmen oder über das Blut in die Lungen. Diese Stoffe reizen die Schleimhaut in den Atemwegen, sodass diese anschwellen und die Bronchien sich zusammenziehen. Das erschwert v. a. die Ausatmung und führt zu Husten.

Auch Personen, die keine Allergiker sind, können auf bestimmte Reizauslöser (inhalative Irritantien) oder auslösende Faktoren mit asthmatischen Symptomen reagieren (z. B. Tabakrauch, Autoabgase, kalte Luft, starkes Parfum etc.). Einige Asthmatiker haben nach körperlicher Anstrengung Atembeschwerden (Astregungsasthma). Bei einigen Patienten kann ein Anfall durch mehrere Faktoren ausgelöst werden, andere reagieren nur auf eine bestimmte Substanz oder Auslöser. Darüber hinaus können verschiedene Personen unterschiedlich stark auf den gleichen auslösenden Faktor reagieren.

Bestimmte Medikamente, darunter einige blutverdünnende und schmerzstillende Mittel wie Acetylsalicylsäure und NSAR, können bei manchen Menschen schwere Asthmaanfälle auslösen. Auch einige Herzmedikamente können Asthma auslösen oder verschlimmern. Auch starke emotionale Belastungen können bei Betroffenen zu Husten und Atemnot führen.

Die meisten Asthmatiker erkennen mit der Zeit, welche Faktoren bei ihnen Beschwerden auslösen, und können versuchen, diese zu vermeiden.

Weitere Informationen

Asthma bei Kindern

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Asthma. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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