Asthmabehandlung bei Kindern

Es ist das Ziel jeder Asthmatherapie, dass das Kind so normal wie möglich leben kann. Dazu gehören die bestmögliche Lungenfunktion, ein gutes körperliches Leistungsvermögen und ein nur geringes Risiko für eine akute, ernste Verschlechterung der Beschwerden.

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Asthma ist eine Krankheit, bei der eine Entzündung der kleinen Luftwege (Bronchien) der Lungen dazu führt, dass sich die Atemwege verengen. Darüber hinaus verkrampfen sich die Muskeln der Bronchialwände, sodass sich der innere Hohlraum weiter verengt. Außerdem bildet sich vermehrt Schleim, was das Problem noch verstärkt. Der Luftstrom in die Lunge hinein und wieder hinaus wird dadurch behindert.

Die Medikamente, mit denen Asthma behandelt wird, wirken diesen Problemen entgegen, entweder indem sie die Entzündung eindämmen, die Muskeln der Bronchialwände entspannen oder die Schleimbildung vermindern.

Es ist das Ziel jeder Asthmatherapie, dass das Kind so normal wie möglich leben kann. Dazu gehört eine normale oder bestmögliche Lungenfunktion, gutes körperliches Leistungsvermögen und ein geringes Risiko für eine akute und ernsthafte Verschlechterung. Ein weiteres Ziel ist, die Nebenwirkungen der Therapie so gering wie möglich zu halten.

Es gibt viele Arten von Asthmamedikamenten. Durch die Anwendung der richtigen Medikamente – oft auch durch die Kombination mehrerer Medikamente – können die meisten Kinder die Krankheit gut kontrollieren.

Es ist wichtig, dass die Eltern viel über die Krankheit wissen, damit sie verstehen, was passiert, wenn das Kind Beschwerden hat und wie diese Symptome aussehen. Es ist außerdem wichtig, dass die Eltern ihr Kind unterstützen und es dem Alter angemessen informieren. Das Kind sollte mit zunehmendem Alter selbst immer mehr Verantwortung für die Therapie übernehmen, dazu gehört aber ein umfangreiches Wissen über die Krankheit.

Die Therapie von kleinen Kindern kann sich von der Behandlung größerer Kinder und von Erwachsenen unterscheiden. Der Arzt wird die Wahl der Medikamente und deren Dosierung immer wieder neu beurteilen.

Allgemeines über Asthmamedikamente

Wie werden Medikamente gegen Asthma eingenommen?

Zum wichtigsten Bestandteil der Therapie gehören Medikamente, die inhaliert werden. Diese gelangen direkt in die Lunge und wirken genau dort, wo sie benötigt werden, während nur wenig davon den Rest des Körpers erreicht. Manchmal kann es notwendig sein, Medikamente in Tablettenform einzunehmen oder Spritzen zu geben.

Bei größeren Kindern und Erwachsenen sind inhalative Medikamente in Pulverform üblich. Pulverinhalatoren sind leicht anzuwenden und können schon bei Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren eingesetzt werden. Ein Pulverinhalator enthält mehrere Dosen und liefert bei jeder Anwendung automatisch eine Dosis. Er verfügt außerdem über ein Zählwerk, sodass man sehen kann, wie viele Dosen noch übrig sind.

Für kleinere Kinder ist es schwierig einen Pulverinhalator korrekt anzuwenden. Früher war es üblich, dass kleine Kinder ihre Asthmamedizin mithilfe eines Verneblers einnehmen, der das flüssige Medikament in Dampf verwandelt, damit es eingeatmet werden kann. Heute ist es üblicher, sogenannte Spacer (Inhalationshilfen) zu benutzen. Ein Spacer ist ein kleiner Behälter, in den das Medikament gespritzt wird. Das Kind kann das Medikament dann über ein Mundstück oder eine Gesichtsmaske einatmen.

Grundsätzlich ist es sehr wichtig, dass die Kinder die Medikamente korrekt inhalieren: Ihre Ärztin wird Ihnen und Ihrem Kind die verschiedenen Geräte genau erklären. Auch für diesen Zweck sind Asthmaschulungen hilfreich. Zudem können die Kinder hier lernen, wie sie auch durch bestimmte Atemtechniken ihre Beschwerden lindern können, bevor ein Medikament nötig wird.

Stufenplan

Die Asthmatherapie folgt dem sogenannten Stufenplanprinzip. Das bedeutet, dass das Kind auf Stufe 1 beginnt. Wenn die Therapie auf Stufe 1 nicht ausreicht, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen, beginnt Stufe 2 und so weiter. Es geht darum, die geringste, wirksame Dosis zu finden, um die Symptome des Kindes mit möglichst geringen Nebenwirkungen gut behandeln zu können.

Eltern (oder ältere Kinder) können den Stufenplan nach Anweisungen des Arztes auch selbst anwenden und beispielsweise bei einer zeitweisen Verschlechterung der Asthmasymptome, etwa bei einer Erkältung, selbst eine Stufe höher gehen.

Welche Medizin auf welcher Stufe im Therapieplan angewendet wird, unterscheidet sich von Kind zu Kind. Die Therapiestufen für Asthma bei Kindern hängen unter anderem vom Alter des Kindes ab und unterscheiden sich von den Therapiestufen der Erwachsenen. Die Therapie wird auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes zugeschnitten.

Verlaufskontrolle

Ältere Kinder können ein sogenanntes Peak-Flow-Meter verwenden, um die Therapie zu überwachen. Dieser misst die Geschwindigkeit, mit der das Kind Luft ausatmen kann. Einen Peak-Flow-Meter kann man zu Hause benutzen und die Ergebnisse aufschreiben. Wenn die Ergebnisse regelmäßig festgehalten werden, erhält man ein objektives Maß dafür, inwieweit sich das Asthma bei auftretenden Beschwerden verschlechtert. Abhängig von Alter, Größe und Gewicht und mithilfe von Tabellen kann ein Richtwert errechnet werden. Das Kind sollte die Peak-Flow-Messung jeden Tag zur gleichen Zeit durchführen, und außerdem immer dann, wenn Asthmasymptome auftreten.

Alle, die regelmäßig Medikamente nehmen müssen, sollten Tagebuch über den Medizinverbrauch und die Peak-Flow-Werte führen. Bei einem Asthmaanfall sollte außerdem aufgeschrieben werden, wo das Kind gewesen ist und was es zu dieser Zeit gemacht hat.

Geduld und immer neue Motivation sind nötig, um die Therapie bei Asthma durchzuführen. Dem Therapieplan genau zu folgen, ist aber sehr wichtig. Der Patient sollte einen regelmäßigen Kontakt zu seinem Arzt haben.

Beta-2-Agonisten

Beta-2-Agonisten sind ein wichtiger Bestandteil der Grundbehandlung von Asthma. Diese Medikamente führen zu einer Entspannung der Bronchialmuskulatur, sodass sich die Atemwege erweitern (bronchodilatatorische Wirkung). In den meisten Fällen wird das Medikament inhaliert. Es kann aber auch in Tablettenform oder als Injektion verabreicht werden. Es gibt kurzwirksame und langwirksame Präparate. Kurzwirksame Beta-2-Agonisten wirken schnell und eignen sich besonders bei starken Symptomen oder einem Asthmaanfall. Die langwirksamen Typen werden vor allen Dingen vorbeugend verwendet, um einen Anfall zu vermeiden.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Zittern, Unruhe und Kopfschmerzen. Auch eine erhöhte oder unregelmäßige Herzfrequenz kann vorkommen. Diese Symptome gehen aber in der Regel von selbst wieder zurück, sobald die Wirkung des Medikaments nachlässt.

Kortikosteroide

Kortikosteroide, häufig auch Kortison genannt, sind  entzündungshemmende Medikamente. Sie können mithilfe eines besonderen Geräts eingeatmet (Inhalationssteroide) oder in Tablettenform eingenommen werden. Inhalationssteriode gehören zu der am häufigsten eingesetzten Asthmamedizin. Sie wirken langfristig und verhindern Verschlechterungen der gesundheitlichen Situation oder Anfälle. Nachdem der Patient angefangen hat Kortison einzunehmen, kann es einige Tage dauern, bis die Wirkung einsetzt.

Häufig werden Kortikosteroide mit einem langwirksamen Beta-2-Agonisten kombiniert. Es gibt verschiedene Präparate, die beide Wirkstoffe in einer festen Kombination enthalten. Sie wirken mindestens zwölf Stunden.

Schwere Nebenwirkungen sind beim Einsatz von Inhalationssteroiden sehr selten. Es können ein trockener Hals, Heiserkeit, Schwellungen im Gesicht sowie Infektionen in der Mundhöhle und im Rachen auftreten. Um Infektionen im Mund zu verhindern, sollte das Kind nach jeder Inhalation von Kortison den Mund gut mit ausreichend Wasser ausspülen. Kleine Kinder können stattdessen auch etwas trinken, wenn sie noch nicht ausspülen können.

Wenn Nebenwirkungen auftreten, sollte der Patient den Arzt aufsuchen. Kinder, die Inhalationskortikosteroide verwenden, können während des ersten Therapiejahres gelegentlich langsamer wachsen als normal. Muss die Therapie über viele Jahre erfolgen, so wird das Wachstum des Kindes auch langfristig etwas gehemmt; die Betroffenen bleiben im Vergleich etwa 1 cm kleiner.

Anticholinergika

Auch Anticholinergika werden in die Atemwege inhaliert. Diese Medizin erweitert die Atemwege, indem es die Muskulatur der Bronchien entspannt. Anticholinergika wirken langsam und eignen sich am besten für den regelmäßigen Gebrauch. Die Wirkung verringert sich auch über einen längeren Zeitraum nicht erheblich und Nebenwirkungen sind relativ ungewöhnlich.

Leukotrienantagonisten

Leukotrienantagonisten dämmen die Entzündung in der Schleimhaut ein und vergrößern so den Durchmesser der Atemwege. Außerdem wird die Schleimproduktion vermindert. Das Medikament wird in Tablettenform eingenommen und kann zusammen mit Kortikosteroiden und Beta-2-Agonisten kombiniert werden, wenn deren Wirkung allein nicht zufriedenstellend ist.

Asthmastufen bei Kindern

Die Asthmastufen werden nach Bedürfnis und Alter des Kindes angepasst. Es wird häufig zwischen Therapien für Kinder unter und über zwei Jahren unterschieden.

Kinder unter zwei Jahre

Auf Stufe 1 werden die Medikamente nicht täglich genommen. Im Mittelpunkt stehen vorbeugende Maßnahmen. Wenn akute Beschwerden auftreten, werden kurzwirksame Beta-2-Agonisten verabreicht. Viele Kinder unter zwei Jahren haben nur in Verbindung mit Atemwegsinfektionen Asthmabeschwerden, zum Beispiel bei einer Erkältung oder Mandelentzündung.

Wenn das Kind häufig Atemwegsinfektionen hat, die Asthma auslösen, ist es Zeit weiterzugehen zu Stufe 2. Neben kurzwirksamen Beta-2-Agonisten werden bei den ersten Anzeichen einer Erkältung auch Inhalationskortikosteroide gegeben. Die Therapie wird fortgesetzt, bis das Kind keine Erkältungssymptome mehr hat.

Auf Stufe 3 erhält das Kind eine dauerhafte Therapie mit Kortikosteroiden, die bei Bedarf mit kurzwirksamen Beta-2-Agonisten ergänzt werden. Stufe 3 kommt zum Einsatz, wenn das Kind zwischen Erkältungsperioden anhaltende Beschwerden hat, wenn die Anfälle häufiger vorkommen als einmal im Monat oder bei schweren Asthmaanfällen. Sobald die Kontrolle erreicht ist, können die Steroide eventuell durch Leukotrienantagonisten ersetzt werden. Kinder, die über längere Zeit auf Stufe 3 behandelt werden müssen, sollten häufig und regelmäßig von einem Facharzt untersucht werden.

Kinder über zwei Jahre

Auf Stufe 1 wird die Medizin nicht täglich genommen. Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig. Auftretende Beschwerden werden mit kurzwirksamen Beta-2-Agonisten behandelt, zum Beispiel um anstrengungsinduzierten Beschwerden vorzubeugen. Wenn das Kind die Medizin häufiger als 2-mal in der Woche benötigt, kann der Übergang zur nächsten Stufen erwogen werden.

Stufe 2 besteht aus einer vorbeugenden Therapie mit niedrig dosierten Inhalationskortikosterioden. Kurzwirksame Beta-2-Agonisten werden bei Bedarf zur Symptomlinderung eingesetzt. Wenn das Kind häufiger als zwei Mal in der Woche kurzwirksame Beta-2-Agonisten benötigt, kann der Übergang zur nächsten Stufe erwogen werden.

Auf Stufe 3 werden etwas höher dosierte Inhalationskortikosteroide gegeben, evtl. zusammen mit langwirksamen Beta-2-Agonisten oder Leukotrienantagonisten. Kurzwirksame Beta-2-Agonisten werden bei Bedarf zur Symptomlinderung eingesetzt. Wenn das Kind häufiger als 2-mal in der Woche kurzwirksame Beta-2-Agonisten benötigt, kann der Übergang zur nächsten Stufe erwogen werden.

Stufe 4 bedeutet eine noch höhere tägliche Dosis Inhalationskortikosteroide in Verbindung mit langwirksamen Beta-2-Agonisten und Leukotrienantagonisten. Bei Kindern, die Inhalationssteroide prophylaktisch verwenden, muss die Dosis bei Atemwegsinfektionen oder bei einer Verschlechterung für eine Woche erhöht werden. Beta-2-Agonisten werden bei Bedarf zur Symptomlinderung eingesetzt.

Stufe 5: Hier können neben den Kortikosteroiden als Tablette zu den zuvor schon eingesetzten Medikamenten noch spezielle andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Die Beschwerden dieses Schweregrades sind dennoch manchmal nicht gut zu kontrollieren.

Sind bei einem Kind mit allergischem Asthma als Auslöser z.B. Graspollen identifiziert worden, ist evtl. eine spezielle langfristige Therapie sinnvoll, die als Hyposensibilisierung bezeichnet wird. Ihre Ärztin wird Sie entsprechend informieren können.

Therapie von anstrengungsinduziertem Asthma bei Kindern

Bei seltenen Anfällen und bei mäßigen Beschwerden kann eine vorbeugende Therapie mit Beta-2-Agonisten angesetzt werden. Das bedeutet, dass das Kind eine Dosis nimmt, kurz bevor es körperlich aktiv ist. Bei häufigen Anfällen kann kontinuierlich mit geringen Dosen Kortikosteroiden behandelt werden. Dadurch erhält man eine gute Kontrolle und einen verminderten Bedarf an Beta-2-Agonisten.

Akuter, schwerer Asthmaanfall bei Kindern

Gelegentlich können Personen mit Asthma schwere Anfälle haben, die sofort behandelt werden müssen. Meist hat der Arzt hierfür einen genauen Plan erstellt, dem Eltern und Kinder genau folgen sollten. Manchmal muss die weitere Therapie im Krankenhaus durchgeführt werden (Asthmaanfall bei Kindern).

Weitere Informationen

Asthma bei Kindern

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Asthma bei Kindern und Jugendlichen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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