Kortison, Fragen und Antworten

Kortison hat eine entzündungshemmende Wirkung und ist unter anderem für die Behandlung von Asthma von Bedeutung. Hohe Kortisondosen führen zu Nebenwirkungen mit geringerem Nebenwirkungsrisiko, wenn Kortison inhaliert wird.

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Fakten

  • Kortison gehört zur Medikamentengruppe der Steroide, auch Kortikosteroide genannt. Das Medikament soll die Immunreaktion des Körpers dämpfen.
  • Kortison kommt auf natürliche Weise im Körper vor und nennt sich in diesem Fall Kortisol.
  • Kortison ist synthetisch hergestelltes Kortisol.
  • Bei der Zufuhr von Kortison nimmt die körpereigene Produktion von Kortisol ab.

Das Kortison wurde als Medizin bereits um 1950 verwendet, aber was ist es eigentlich? Wie wirkt es, wer sollte Kortison benutzen und wie sind die Nebenwirkungen?

In dieser Patienteninformation finden Sie Antworten auf einige der häufigsten Fragen in Bezug auf die vorbeugende Behandlung von Asthma mit Kortison.

Was ist Kortison?

Kortison kommt auf natürliche Weise im Körper vor und nennt sich in diesem Fall Kortisol. Kortisol ist ein Hormon, das in den Nebennieren produziert wird. Es ist lebenswichtig für einige Körperfunktionen. Kortisol trägt unter anderem dazu bei, den Wasser-, Salz-, Fett-, Kohlehydrat- und Proteinhaushalt des Körpers zu regeln.

Kortisol bezeichnet man auch als „Stresshormon“, da es den Körper besser gegen Stresssituationen wappnet. Es hat eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen und bei der Wundheilung des Körpergewebes.

Kortison ist synthetisch hergestelltes Kortisol. Die im Körper produzierte Menge Kortisol variiert während des Tagesverlaufs. Eine hohe Produktion am frühen Morgen trägt zum Beispiel dazu bei, dass Sie aufwachen. Der Kortisolspiegel wird durch einen empfindlichen Mechanismus geregelt: Er erhöht sich, wenn der Körper das Hormon benötigt und verringert sich bei sinkendem Bedarf. Wenn Sie hohe Dosen Kortison inhalieren oder Kortisontabletten nehmen, verringert sich die körpereigene Kortisolproduktion. Darum wird bei einer längeren, hochdosierten Behandlung die Einnahme von Kortison nur schrittweise reduziert. Der Körper braucht Zeit, um die natürliche Kortisolproduktion zu regeln.

Warum sollen Asthmatiker Kortison benutzen?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zuerst wissen, was Asthma ist. Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Entzündung führt zur Schleimbildung und zum Zusammenziehen der Muskeln, wodurch die Atmung erschwert wird. Die Atemwege werden gegen äußere Einflüsse wie Pollen, Pelztiere und Temperaturschwankungen überempfindlich.

Ein Eckpfeiler in der Behandlung von Asthma sind antiinflammatorische Medikamente, also Medikamente, die die Entzündung der Atemwege dämpfen und die Empfindlichkeit gegen äußere Einflüsse senken. Mit anderen Worten helfen diese Medikamente gegen die Ursache der Asthmabeschwerden und nicht nur gegen die Symptome. Diese Medikamente sind deshalb täglich einzunehmen.

Kortison ist ein solches Medikament und wird daher für die vorbeugende Behandlung eingesetzt. Durch das Vorbeugen von Asthmabeschwerden oder Anfällen erreicht man eine höhere Lebensqualität und verhindert langfristig auch die Komplikationen des Asthmas. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine vorbeugende Behandlung mit Kortison bereits im Frühstadium der Asthmaerkrankung wichtig ist. Denn eine unbehandelte Entzündung der Atemwege kann langwierige Schäden bedeuten.

Wie wird Kortison bei Asthma verabreicht?

Kortison wird in einer Form verabreicht, die man als Inhalation bezeichnet; das bedeutet, dass Kortison mithilfe einer kleinen Mundpumpe (dem Inhalationsgerät) eingeatmet wird. Kortison zum Inhalieren nennt man auch gern Inhalationssteroide. Durch Inhalation des Medikaments erreicht man den notwendigen Effekt in den Atemwegen. Wenn man eine „lokale“ Behandlung der Atemwege durch Inhalation durchführt, genügt auch eine deutlich geringere Dosis im Vergleich zu einer Behandlung des ganzen Körpers mit Tabletten. Die Lokalbehandlung verringert daher die Gefahr von Nebenwirkungen.

Achtung! Inhalationssteroide haben nichts mit anabolen Steroiden zu tun, die für den Aufbau von Muskelmasse benutzt werden.

Wie viel Medizin ist notwendig?

Der Bedarf an Inhalationssteroiden variiert von Person zu Person. Der Bedarf eines einzelnen Patienten variiert auch im zeitlichen Verlauf. Das Ziel einer Asthmabehandlung ist die Verwendung der geringstmöglichen Arzneimitteldosis, ohne dass dabei Asthmabeschwerden auftreten. Als Grundregel wird die Behandlung mit einer relativ hohen Dosis Inhalationssteroide eingeleitet. Diese Dosis wird dann stufenweise gesenkt, um die geringste Dosis zu finden, durch die Ihre Beschwerden noch verhindert werden können. Bis das vorbeugende Medikament seine richtige Wirkung erreicht, können ein bis vier Wochen vergehen. Wenn Sie mehr als zwei bis dreimal wöchentlich Symptome haben, sollte die Dosis eventuell erhöht werden. Auch in den Zeiträumen, wo sich Ihre Symptome erfahrungsgemäß verstärken, wie zum Beispiel bei Erkältung und in der Pollensaison, sollte die Dosis erhöht werden.

Der Arzt ist Ihr wichtigster Berater, wenn Sie die richtige Dosierung herausfinden wollen. Je besser Sie Ihre Symptome und Ihre Atemkapazität in einem Tagebuch dokumentieren, desto besser kann Ihr Arzt die für Sie bestmögliche Dosis ermitteln.

Wie ist es mit Nebenwirkungen?

Die meisten Inhalationssteroide werden bei Nutzung in vorgeschriebener Dosis als sicher betrachtet. Mögliche Nebenwirkungen sind lokale Reizungen im Rachen und Heiserkeit. Es können auch Pilzinfektionen (kenntlich durch weißen Belag im Mund- und Rachenraum) entstehen.

Um Empfindlichkeit/Heiserkeit/Pilzinfektionen zu vermeiden, sollte man den Mund nach der Inhalation ausspülen und danach ausspucken. Da die Inhalationssteroide oft morgens und abends genommen werden, macht es Sinn, diese neben dem Zahnputzbecher zu platzieren.

Sollte im Rahmen der Asthmainhalationsbehandlung im Mund- und Rachenraum eine Pilzinfektion auftreten, müssen Sie den Arzt aufsuchen. Die Infektion wird in solchen Fällen mit pilztötenden Mitteln behandelt.

Viele verbinden eine Kortisonbehandlung mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, „Mondgesicht“ und dünner, verletzlicher Haut mit Blutergüssen. Diese Nebenwirkungen sind deutlicher nach einer Langzeitbehandlung mit hoher Dosierung in Tablettenform. Das Gleiche gilt für Knochenschwund (Osteoporose).

Wenn die Inhalationstherapie des Asthmas über mehrere Jahre lang angewandt wird, können auch hier die bekannten Nebenwirkungen des Kortisons auftreten, wie zum Beispiel dünne Haut, bei der sich leicht blaue Flecke bilden. Die Nebenwirkungen entstehen dadurch, dass die Kortison-/Kortisolspiegel im Körper zu hoch werden (dies nennt sich auch „Cushing-Syndrom“). Es kann auch das Gegenteil eintreffen, nämlich dass die Kortison-/Kortisolspiegel im Körper zu niedrig werden, was zu der schweren Addison-Krankheit führen kann.

Bei Kindern bemerkt man vor allem die Wachstumshemmung. Man weiß nicht, ob die Wachstumshemmung durch die Kortisonbehandlung oder das Asthma selbst ausgelöst wird. Es gibt Fälle, bei denen sich das Wachstum nach langzeitiger Behandlung mit hoher Kortisondosierung verringert, aber es gibt auch Fälle mit erhöhtem Wachstum (infolge einer besseren Kontrolle über die Krankheit). Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Komplikationen des Asthmas mehr Schaden anrichten können als die eventuellen Nebenwirkungen der Asthmatherapie.

Langzeitbehandlung

Wer lange mit hohen Inhalationsdosen oder Kortison in Tablettenform behandelt wird, riskiert im längeren Verlauf Knochenschwund.

Zusammenfassung

  • Kortison ist die synthetische Kopie eines körpereigenen Hormons.
  • Kortison dämpft die Entzündung der Atemwege, die die Ursache des Asthmas ist, und stellt das wichtigste Medikament in der Behandlung von Asthma dar.
  • Kortison wird bei Asthma vorzugsweise in Form von Inhalationssteroiden verabreicht.
  • Inhalationssteroide werden als vorbeugende Medikamente je nach Bedarf täglich oder periodisch angewandt.
  • Inhalationssteroide können Nebenwirkungen verursachen und sollten daher in so geringer Dosis wie möglich eingesetzt werden.

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Quellen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln