Atemwegserkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

COVID-19 ist eine mit den Erkrankungen SARS oder MERS verwandte Atemwegserkrankung, die einen schweren Verlauf haben kann. Anfang Januar 2020 wurde als Ursache das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 in China nachgewiesen. Die Infektionsraten mit diesem Virus steigen in den ersten Monaten von 2020 zuerst in China und danach vielen weiteren Ländern weltweit sprunghaft an.

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Aktuelle Informationen zum Coronavirus von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

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Mit einfachen Maßnahmen können auch Sie helfen, sich selbst und andere vor Ansteckungen zu schützen, Krankheitszeichen zu erkennen und Hilfe zu finden.

Schützen!

Halten Sie beim Husten und Niesen größtmöglichen Abstand – drehen Sie sich am besten weg. Niesen Sie in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch, das Sie danach entsorgen. Vermeiden Sie Berührungen, wenn Sie andere Menschen begrüßen, und waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und gründlich mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife.

Erkennen!

Erste Krankheitszeichen sind Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber. Einige Betroffene leiden zudem an Durchfall. Bei einem schweren Verlauf können Atemprobleme oder eine Lungenentzündung eintreten. Nach einer Ansteckung können Krankheitssymptome bis zu 14 Tage später auftreten.

Handeln!

Haben Sie sich in einem Gebiet aufgehalten, in dem bereits Erkrankungsfälle mit dem neuartigen Coronavirus aufgetreten sind? Sollten innerhalb von 14 Tagen die oben beschriebenen Krankheitszeichen auftreten, vermeiden Sie unnötige Kontakte zu weiteren Personen und bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause. Kontaktieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt per Telefon oder wenden Sie sich an die Nummer 116117 und besprechen Sie das weitere Vorgehen, bevor Sie in die Praxis gehen. Hatten Sie Kontakt zu einer Person mit einer solchen Erkrankung? Wenden Sie sich an Ihr zuständiges Gesundheitsamt.

Was ist SARS-CoV-2?

Im Dezember 2019 kam es gehäuft zu Lungenentzündungen, verursacht durch ein neuartiges Coronavirus in der Metropole Wuhan, China. Das Virus gehört wie das SARS-Virus zu den Beta-Coronaviren und wird seit Februar kurz als SARS-CoV-2 bezeichnet. Die daraus folgende Infektion trägt den Namen COVID-19 (Coronavirus Disease 19). Das Virus wurde wohl zunächst von Wildtieren auf den Menschen übertragen; ist nun aber von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion übertragbar (ähnlich wie die Grippeviren).

Häufigkeit

Weltweit wurden Hunderttausende Infektionen gemeldet, davon über 80.000 in Wuhan bzw. China. Die ersten Infizierten hatten sich offenbar in Wuhan auf einem Markt aufgehalten und dort wahrscheinlich an Wildtieren angesteckt.

Vor allem in Italien und dann auch in Spanien sowie weiteren europäischen Ländern wurden in relativ kurzer Zeit mehrere tausend Fälle bekannt. Mittlerweile sind die Infektionszahlen in Europa weit höher als in China.

In Deutschland wurde am 27.01.2020 der erste Patient mit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus identifiziert. Inzwischen wurden insgesamt Zehntausende bestätigte Fälle gemeldet. Es wird jedoch vermutet, dass die eigentliche Zahl der Infizierten (besonders auch außerhalb Deutschlands) weltweit viel höher liegt als über gemeldete Fälle bekannt, da viele Erkrankte nur leichte Symptome aufweisen und wahrscheinlich gar nicht getestet werden.

Es gab bisher mehrere zehntausend Todesfälle infolge der Infektion; die meisten davon inzwischen in Europa, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter in Kliniken. An COVID-19 sind bisher vorwiegend ältere Personen oder Patienten mit Vorerkrankungen gestorben. Über die tagesaktuellen internationalen Zahlen der Infektionsfälle, Todesfälle und genesenen Patienten informiert das Dashboard der Johns Hopkins University. Zahlen für Deutschland finden Sie auf dem COVID-19-Dashboard des RKI.

Bisherige Daten zeigen, dass Kinder und junge Menschen sich zwar genauso häufig mit SARS-CoV-2 anstecken, aber seltener oder weniger schwer erkranken als Erwachsene. 

Der WHO-Generaldirektor hat am 11.03.2020 die SARS-CoV-2-Epidemie zur Pandemie erklärt. Das ändert für Deutschland nichts, da hierzulande die empfohlenen Maßnahmen bereits umgesetzt werden.

Ursachen und Übertragung

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV wurde wahrscheinlich erstmalig im Dezember 2019 von einem Wildtier auf Menschen übertragen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, das Virus ist offenbar sehr ansteckend.

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion (durch Husten, Niesen in unmittelbarer Nähe zu einer anderen Person, über ein längeres direktes Gespräch etc.). Dies kann auch indirekt über Hände geschehen, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden (deshalb ist regelmäßiges Händewaschen sehr wichtig).

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit (also die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung) bis zu 14 Tage betragen kann, durchschnittlich liegt sie bei 5–6 Tagen.

Studienergebnisse weisen darauf hin, dass infizierte Personen bereits ansteckend sein können, bevor sie Symptome zeigen. Viele infizierte Menschen zeigen nur wenige oder auch gar keine Symptome und können das Virus trotzdem übertragen. Es ist anzunehmen, dass auch Kinder mit leichtem Verlauf oder ohne Symptome die Krankheit übertragen können.

Eine Übertragung über Oberflächen (z. B. Türklinken) ist nicht auszuschließen, aber schwer nachzuweisen. Deswegen ist eine gute Händehygiene so wichtig.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung ist im Freien geringer als in geschlossenen Räumen.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Laut einer Untersuchung konnte bei infizierten Erkrankten Viren im Rachenraum bis zum vierten Tage nach Erkrankungsbeginn nachgewiesen werden. Im Bronchialschleim (Sputum) konnten bis zum achten Tag nach Beginn der Erkrankung Viren nachgewiesen werden. Das heißt, dass davon auszugehen ist, dass danach keine Übertragung mehr möglich ist.

Weder in Blut, Urin noch Stuhl konnten ansteckungsfähige SARS-Co-Viren nachgewiesen werden.

Symptome

Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus können Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit sowie Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen und Schüttelfrost sein. Einzelne Betroffene zeigen auch Übelkeit und Durchfall. Bei einigen Fällen in Deutschland und auch in anderen Ländern wurde auch ein mehrtägiger Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn beobachtet.

Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein: Symptomlose Verläufe kommen ebenso vor wie schwere Lungenentzündungen (seltener bis hin zu Lungenversagen).

Das Risiko für einen schweren Verlauf ist laut RKI erhöht bei folgenden Personengruppen:

  • Ältere Personen (steigendes Risiko ab etwa 50–60 Jahren)
  • Raucher
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen
    • des Herzens (z. B. koronare Herzerkrankung)
    • der Lunge (z. B. Asthma, chronische Bronchitis)
    • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Kortison).

Bei Kindern ist die Erkrankung bisher seltener aufgetreten und milder verlaufen. Aber es können auch, insbesondere bei jüngeren Kindern, schwere Verläufe vorkommen.

Bei Schwangeren besteht kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Normalerweise zeigen Kinder von an COVID-19 erkrankten Müttern nach der Geburt keine Krankheitszeichen. Eine Übertragung von der Mutter auf ihr Neugeborenes Kind kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Risikogebiete

Das Robert Koch-Institut (RKI) weist weiterhin Risikogebiete aus, obwohl sie durch die derzeitigen Reisebeschränkungen und der weiteren Ausbreitung von COVID-19 in Europa zunehmend eine untergeordnete Rolle spielen werden. Auch in den Handlungsempfehlungen für Ärzte des RKI werden die Risikogebiete nicht mehr erwähnt.

Informationen zu Risikogebieten laut Robert Koch-Institut finden Sie hier.

Diagnostik

Wenn Sie fürchten, sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt zu haben, rufen Sie Ihre Hausarztpraxis oder die Nummer 116 117 an. Gehen Sie nicht unangemeldet in eine Praxis oder Notaufnahme. Sollten Sie an Erkältungssymptomen leiden, kann Ihnen Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für maximal 14 Tage auch telefonisch ausstellen.

Sollte es mit zunehmender Ausbreitung der Infektion in der Bevölkerung schwierig werden, einen Test zu bekommen, ist es ratsam, dass Sie nach Rücksprache mit Ihrer Hausarztpraxis zuhause bleiben und sich selbst isolieren, wenn nur leichte Symptome vorhanden sind. Dabei sollten Sie alle engen Kontakte unter zwei Metern meiden sowie eine gute Händehygiene und die Husten- und Niesregeln einhalten. Sie sollten telefonischen Kontakt mit Ihrer Hausarztpraxis halten und sich dort bei zunehmenden Beschwerden melden oder die bundesweite Rufnummer des Kassenärztlichen Notdienstes in Deutschland 116 117 anzurufen. In Notfällen (z. B. Atemnot) wenden Sie sich an den Notruf 112 oder eine Rettungsstelle.

Ein Abstrich soll nur bei Personen mit Krankheitszeichen durchgeführt werden. Ohne Krankheitszeichen sagt ein Test nichts darüber aus, ob man noch erkranken wird oder nicht. Es gibt einen Test für den Nachweis des Virus. Die Proben hierfür müssen als Abstrich aus Nase und Rachen gewonnen werden.

Patienten sollen auf das neuartige Coronavirus getestet werden, wenn sie

  • Atemwegsbeschwerden (jeder Schwere) haben und in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einem nachweislich Infizierten hatten

oder 

  • Zeichen einer durch ein Virus ausgelösten Lungenentzündung haben und ein Zusammenhang mit einem vermehrten Auftreten von Lungenentzündungen in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus besteht.

Diese Personen gelten als begründete Verdachtsfälle. Sie werden an das Gesundheitsamt gemeldet.

Ein Test auf das neuartige Coronavirus ist auch bei Personen mit folgenden Beschwerden und unter folgenden Umständen angezeigt:

  • Zeichen einer durch ein Virus ausgelösten Lungenentzündung ohne Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall

oder

  • Atemwegsbeschwerden (jeder Schwere) ohne Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall
    • dafür Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus
    • oder Zugehörigkeit zu Risikogruppe
    • oder ohne bekannte Risikofaktoren (COVID-19-Diagnostik nur bei hinreichender Testkapazität).

Diese Personen gelten als „Fälle unter Abklärung". Sie werden nicht an das Gesundheitsamt gemeldet.

Bei Erkältungssymptomen sollte auch ein Test erfolgen, wenn die Atemwegserkrankung schlimmer wird.

Neuerdings wird von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), als Alternative, die Selbsttestung empfohlen. Hierzu wurde von der DEGAM eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben. Dieser Selbsttest kann in bestimmten Fällen zur Anwendung kommen. Die Abstrichröhrchen können nach Absprache an der Praxis abgeholt oder anderweitig entgegengenommen werden und nach erfolgtem Abstrich kontaktlos wieder übergeben werden.

Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollte man sich selbst isolieren, d. h. zuhause bleiben, alle engen Kontakte unter 2 Metern meiden, gute Händehygiene einhalten und bei Kontakt zu anderen (falls vorhanden) einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Behandlung

Derzeit werden verschiedene Medikamente zur spezifischen antiviralen Behandlung von COVID-19 getestet und im Rahmen klinischer Studien angewendet. Patienten mit schweren Symptomen werden im Krankenhaus ausreichend mit Flüssigkeit versorgt, falls erforderlich, bei der Atmung unterstützt und entsprechend möglicher anderer Symptome bzw. Komplikationen behandelt.

Wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Blutdruckmedikamente oder der Fiebersenker Ibuprofen für Patienten mit COVID-19 gefährlich sind, gibt es bisher nicht. Auch die WHO rät nicht mehr von einer Einnahme von Ibuprofen bei Verdacht auf COVID-19 ab.

Für derzeit viel beworbene unspezifische „antivirale" Therapien gegen Coronaviren, wie Rotalgenextrakt, Zistrosenextrakt, Grüntee-Komplex und Vitamin C gibt es keinerlei Wirksamkeitsnachweise.

Vorbeugung

Präventionsmaßnahmen spielen bei Infektionen mit Coronaviren (ebenso wie etwa bei Grippeviren) eine entscheidende Rolle (siehe Informationen der BZgA). Bisher gibt es keine Impfung gegen SARS-CoV-2.

Als risikoreich gilt z. B. direktes Anhusten, ein direktes Gespräch über 15 Minuten oder ein Flug in derselben Sitzreihe wie eine infizierte Person. Ein etwas geringeres Risiko besteht beim Aufenthalt im selben Raum (z. B. Klassenzimmer, aber ohne längeres direktes Gespräch.

Einhalten der Husten-Etikette (s. u.), regelmäßiges Händewaschen sowie Abstand zu Erkrankten (ca. 2 Meter) schützen vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Aufs Händeschütteln sollte verzichtet werden. Personen mit Atemwegssymptomen sollten nach Möglichkeit zuhause bleiben.

Regeln der sogenannten Husten-Etikette:

  • Beim Husten Abstand halten und sich abwenden.
  • Nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge oder in ein Papiertaschentuch husten oder niesen.
  • Danach gründlich die Hände waschen.

Weitere Verhaltensempfehlungen sind:

  • Sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, um etwaige Krankheitserreger nicht über die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund aufzunehmen.
  • Die Vorgaben der Behörden befolgen.
  • Kontakte generell reduzieren.
  • Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden.
  • Nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten.
  • Keine privaten Veranstaltungen (Geburtstagsfeiern, Spieleabende o. Ä.) organisieren oder besuchen.

Ein Mund-Nasen-Schutz schützt Gesunde wahrscheinlich nicht wirksam vor einer Ansteckung. Allerdings ist die Gesichtsmaske als Schutz bei engem Kontakt mit einer infizierten Person (z. B. bei der Pflege) zu empfehlen.
Für Infizierte aber gilt: Wenn sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen, verringern sie das Risiko, eine andere Person anzustecken.

Daher wird dem Personal in Hausarztpraxen in Deutschland empfohlen, Patienten einen Mundschutz anzubieten, wenn diese (nur nach Aufforderung und nach telefonischer Anmeldung!) mit entsprechenden Symptomen bzw. dem Verdacht auf COVID-19 in die Praxis kommen (z. B. bei Husten und Kontakt mit einer erkrankten Person).

Maßnahmen in Deutschland und anderen Ländern

In Deutschland haben die Behörden zum Teil drastisch wirkende Maßnahmen ergriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen und besonders gefährdete Personengruppen (z. B. Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen) zu schützen. Es wird also eine Strategie der Eindämmung (Containment) und des Schutzes gefährdeter Personen (Protection) verfolgt. Die Bundesregierung hat eine „Kontaktreduzierung" angeordnet.

Die Schulen und Kindertageseinrichtungen sind geschlossen, das öffentliche Leben wird eingeschränkt (Theater und Kinos sind zu, Großveranstaltungen abgesagt), auch Spielplätze und Sportstätten sowie Geschäfte sind nicht mehr offen. Es wird dazu aufgefordert, soziale Kontakte stark einzuschränken und beispielsweise Besuche in Altenpflegeeinrichtungen zu vermeiden.

Auch der Grenzverkehr zu den Nachbarländern ist stark eingeschränkt, die EU schließt ihre Außengrenzen. Das Auswärtige Amt warnt vor Auslandsreisen (17.03.2020).

Viele Arbeitgeber schließen ihre Arbeitsstätte oder schicken ihre Mitarbeiter nach Hause zum Arbeiten im „Home Office“. In der Regel wird der Lohn weitergezahlt.

Die Situation ändert sich sehr schnell. Bitte verfolgen Sie die aktuellen Meldungen der Tagesmedien, z. B. www.tagesschau.de.

Meldung an das Gesundheitsamt

Hat eine Ärztin oder ein Arzt den Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder wird diese bestätigt, muss dies dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Wer muss in Quarantäne?

Kontaktpersonen von Personen mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 mit erhöhtem Ansteckungsrisiko müssen für die Dauer der Inkubationszeit (max. 14 Tage) in häuslicher Quarantäne beobachtet werden. Kontakte mit anderen Personen sollen soweit möglich reduziert werden. Falls Atemwegssymptome auftreten, wird das Gesundheitsamt informiert und eine Untersuchung auf das Virus durchgeführt. Hierzu gibt es von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) eine praktische Handlungsempfehlung für die häusliche Isolierung von Verdachtsfällen.

Kontaktpersonen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko sind Personen, die in den letzten 14 Tagen einen direkten 15-minütigen Gesprächskontakt mit einem nachweislich Infizierten hatten, Kontakt mit seinen Atemwegssekreten hatten (z. B. direkt angehustet wurden) oder im Flugzeug in derselben Reihe oder ein bis zwei Reihen davor oder dahinter saßen.

Personen, bei denen ein begründeter Verdacht (s. o.) auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, müssen bis zum Eintreffen des Abstrichergebnisses ebenfalls unter Kontaktreduktion im häuslichen Umfeld bleiben. Dabei sollen enge Kontakte gemieden, Händehygiene beachtet und, falls vorhanden, bei Kontakt zu anderen ein Mundschutz getragen werden.

Diese Maßnahmen werden vom Gesundheitsamt auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes angeordnet. Diesen Anordnungen muss Folge geleistet werden. Ausfallender Arbeitsverdienst wird erstattet.

Personen, die sich nur im selben Raum (z. B. Klassenzimmer, Büro) wie eine nachweislich infizierte Person aufgehalten haben (ohne direkten Gesprächskontakt) sind Kontaktpersonen mit geringerem Ansteckungsrisiko. Ihnen wird ebenfalls nahegelegt, zuhause zu bleiben. Dies ist aber keine behördlich angeordnete Quarantäne.

Wer muss isoliert werden?

Erkrankte Personen, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, werden isoliert, damit die Gefahr, andere anzustecken, vermindert wird. Leicht erkrankte Patienten können zuhause isoliert werden. Schwer erkrankte Betroffene werden in eine Klinik eingewiesen und dort isoliert. Die Isolierung wird ebenfalls vom Gesundheitsamt angeordnet. Wie lange die Isolierung dauert, ist je nach Fall unterschiedlich. Wichtig ist, dass keine ansteckungsfähigen Viren mehr ausgeschieden werden.

Ist es notwendig, einen Vorrat an Lebensmitteln anzulegen?

Sollte es an Ihrem Wohnort vermehrt zu Coronafällen kommen und/oder beispielsweise Ihre Arbeitsstätte betroffen sein, kann es sinnvoll sein, sich auf eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einzustellen und einen Vorrat an Lebensmitteln und Toilettenartikeln anzulegen, um ggf. für zwei Wochen ohne Einkaufen auszukommen. Ein generelles „Hamstern“ von Lebensmitteln oder das Anlegen größerer Vorräte ist jedoch nicht sinnvoll.

Falls Verwandte, Freunde, oder Nachbarn, besonders Ältere oder hilfsbedürftige Personen unter häusliche Quarantäne gestellt werden, sollten Sie diese, falls erforderlich, bei Einkäufen oder weiterem Hilfsbedarf unterstützen.

Prognose

Derzeit hört man viel darüber, dass sich möglicherweise in Deutschland bis zu 70 % der Bevölkerung anstecken werden. Diese Zahl basiert auf theoretischen Hochrechnungen der Ansteckungsrate auf die Bevölkerungszahl und sagt nicht viel über den wirklichen Verlauf der Epidemie aus, weil andere Einflussfaktoren nicht mitberechnet wurden.

Für das neuartige Coronavirus sind die Zahlen zur Sterblichkeit noch nicht ganz genau bekannt. Bisher geht man von einer Sterblichkeitsrate von etwa 0,8 % aus, wahrscheinlich liegt diese niedriger. Den derzeitigen Erfahrungen und ersten Daten zufolge sind jedoch v. a. Menschen im Alter über 65 Jahre bzw. insbesondere über 80 Jahre betroffen, oder Personen, die bereits an chronischen Krankheiten leiden. In diesen Gruppen liegt die Sterblichkeit höher. Bei jüngeren Betroffenen liegt die Rate wahrscheinlich eher bei 0,2 %. Allerdings sind bisher an diesem neuen Virus bereits sehr viel mehr Menschen gestorben als insgesamt während der SARS-Epidemie im Jahr 2002.

Weitere Informationen

Deximed

DEGAM

Robert Koch-Institut

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)

Charité Berlin

Nachbarschaftshilfe

Die Zeit

Autoren

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med. Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen