Atemwegserkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

COVID-19 ist eine mit den Erkrankungen SARS oder MERS verwandte Atemwegserkrankung, die einen schweren Verlauf nehmen kann. Anfang Januar 2020 wurde als Ursache das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 in China nachgewiesen. Die Infektionsraten mit diesem Virus steigen in den ersten Monaten von 2020 zuerst in China und danach vielen weiteren Ländern sprunghaft an.

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Aktuelle Informationen zum Coronavirus von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

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Mit einfachen Maßnahmen können auch Sie helfen, sich selbst und andere vor Ansteckungen zu schützen, Krankheitszeichen zu erkennen und Hilfe zu finden.

Schützen!

Halten Sie beim Husten und Niesen größtmöglichen Abstand – drehen Sie sich am besten weg. Niesen Sie in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch, das Sie danach entsorgen. Vermeiden Sie Berührungen, wenn Sie andere Menschen begrüßen, und waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und gründlich mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife. Halten Sie > 1,5 m Abstand und tragen Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung dort, wo sie lokal empfohlen ist. Bleiben Sie zu Hause und reduzieren Sie direkte Kontakte, besonders zu Risikogruppen.

Erkennen!

Erste Krankheitszeichen sind Husten, erhöhte Temperatur oder Fieber, Kurzatmigkeit, Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns, Schnupfen, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeine Schwäche. Bei einem schweren Verlauf können Atemnot oder eine Lungenentzündung eintreten. Nach einer Ansteckung können Krankheitssymptome bis zu 14 Tage später auftreten.

Handeln!

Sollten die oben beschriebenen Krankheitszeichen auftreten, vermeiden Sie unnötige Kontakte zu weiteren Personen und bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause. Kontaktieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt per Telefon oder wenden Sie sich an die Nummer 116 117 und besprechen Sie das weitere Vorgehen, bevor Sie in die Praxis gehen. Hatten Sie Kontakt zu einer Person mit einer solchen Erkrankung oder haben Sie sich in einer Region mit erhöhten Infektionszahlen aufgehalten? Weisen Sie darauf hin, falls Sie Teil einer Risikogruppe sind. Wenn Sie nicht durchkommen, versuchen Sie es erneut! Bei akuter Atemnot rufen Sie den Notarzt: Tel. 112!

Weiter Informationen finden Sie hier

Was ist SARS-CoV-2?

Im Dezember 2019 kam es gehäuft zu Lungenentzündungen, verursacht durch ein neuartiges Coronavirus in der Metropole Wuhan, China. Das Virus gehört wie das SARS-Virus zu den Beta-Coronaviren und wird seit Februar kurz als SARS-CoV-2 bezeichnet. Die daraus folgende Infektion trägt den Namen COVID-19 (Coronavirus Disease 19). Das Virus wurde wohl zunächst von Wildtieren auf den Menschen übertragen; ist nun aber von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion übertragbar (ähnlich wie die Grippeviren).

Häufigkeit

Weltweit wurden Millionen Infektionen gemeldet. Die ersten Infizierten hatten sich Ende 2019 offenbar in der chinesischen Stadt Wuhan auf einem Markt aufgehalten und dort wahrscheinlich an Wildtieren angesteckt.

Nach neueren Analysen kam es wohl viel schneller als bisher angenommen bereits Ende 2019 zu einer weltweiten Ausbreitung.

Vor allem in Italien und dann auch in Spanien sowie weiteren europäischen Ländern wurden in relativ kurzer Zeit mehrere tausend Fälle bekannt. Mittlerweile sind die gemeldeten Infektionszahlen in Europa, Lateinamerika und in den USA weit höher als in China.

Es wird jedoch vermutet, dass die eigentliche Zahl der Infizierten weltweit und in Deutschland viel höher liegt als über gemeldete Fälle bekannt ist, da viele Erkrankte nur leichte Symptome aufweisen und wahrscheinlich gar nicht getestet werden.

Es gab weltweit bisher Hunderttausende Todesfälle infolge der Infektion, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter in Kliniken und Praxen. An COVID-19 sind bisher vorwiegend ältere Personen oder Patienten mit Vorerkrankungen gestorben. Über die tagesaktuellen internationalen Zahlen der Infektionsfälle, Todesfälle und genesenen Patienten informiert das Dashboard der Johns Hopkins University (hier werden Zahlen sehr schnell veröffentlicht, aber die Datengrundlage ist oft nicht behördlich bestätigt). Zahlen für Deutschland finden Sie auf dem COVID-19-Dashboard des RKI (diese Angaben werden manchmal zeitverzögert veröffentlicht, sind aber behördlich bestätigt).

Nach den bisherigen Daten scheinen Kinder und junge Menschen sich etwas weniger häufig mit SARS-CoV-2 anzustecken, seltener und weniger schwer zu erkranken als Erwachsene und möglicherweise bei der Übertragung eine geringere Rolle zu spielen als Erwachsene. Da die meisten Studien zu COVID-19 bei Kindern in einer Lockdown-Situation durchgeführt wurden, als Schulen bereits geschlossen waren, ist eine endgültige Beurteilung noch nicht möglich.

Das Robert Koch-Institut (RKI) bietet eine Datenspende-App, die pseudonymisiert (ohne Verwendung der Namen der Teilnehmer) und auf freiwilliger Basis erhobene Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches auswertet. Dabei können Vitaldaten, wie z. B. die Herzfrequenz und deren Änderung bei einer Erkrankung, z. B. Fieberanstieg bei COVID-19, erfasst werden. Daten zu bestätigten COVID-19-Fällen werden nicht erfasst. Das RKI möchte aus den so gesammelten Daten Rückschlüsse über die Ausbreitung von COVID-19 ziehen. Weitere Informationen finden Sie unter www.corona-datenspende.de.

Durch die Eindämmungsmaßnahmen sind die bundesweiten Fallzahlen derzeit rückläufig. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Corona-Pandemie in Deutschland überwunden ist. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung ist nicht immun gegen SARS-CoV-2. Deshalb ist nach der Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen mit einem Wiederanstieg der Infektionszahlen zu rechnen (2. Welle).

Ursachen und Übertragung

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 wurde wahrscheinlich erstmalig im Dezember 2019 von einem Wildtier auf Menschen übertragen. Danach kam es zur Übertragung von Mensch zu Mensch, das Virus ist offenbar sehr ansteckend.

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion und wahrscheinlich über sehr kleine Tröpfchenkerne (Aerosole), durch Husten oder Niesen in unmittelbarer Nähe einer anderen Person, Sprechen, Singen in der Gruppe etc.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit (also die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung) bis zu 14 Tage betragen kann, durchschnittlich liegt sie bei 5–6 Tagen.

Studienergebnisse weisen darauf hin, dass infizierte Personen bereits ansteckend sein können, bevor sie Symptome zeigen. Viele infizierte Menschen zeigen nur wenige oder auch gar keine Symptome und können das Virus trotzdem übertragen. Es ist anzunehmen, dass auch Kinder mit leichtem Verlauf oder ohne Symptome die Krankheit übertragen können.

Eine Übertragung über Oberflächen (z. B. Türklinken) ist nicht auszuschließen, aber schwer nachzuweisen. Deswegen ist eine gute Händehygiene so wichtig.

SARS-CoV-2 wurde auch in Stuhlproben nachgewiesen. Eine Übertragung über den Stuhl gilt derzeit als unwahrscheinlich.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung ist im Freien geringer als in geschlossenen Räumen.

Ansteckungsfähigkeit

Dauer

Laut den bisher bekannten Daten sind Infizierte bereits zwei Tage vor dem Auftreten von Beschwerden ansteckend für andere Personen. Am größten ist die Ansteckungsfähigkeit am Tag vor dem Beginn der Beschwerden. Zur Länge der Ansteckungsfähigkeit lassen sich aus der jetzigen Datenlage keine sicheren Aussagen ableiten.

Immunität

Personen, die an COVID-19 erkrankt waren und wieder gesund sind, haben Antikörper gegen das SARS-CoV-2 entwickelt. Man geht davon aus, dass für diese Personen die Gefahr, noch einmal zu erkranken, sehr gering ist. Genauere Daten zur Immunität gegen SARS-CoV-2 gibt es noch nicht.

Symptome

Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus können Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit sowie Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen und Schüttelfrost sein. Einzelne Betroffene zeigen auch Übelkeit und Durchfall. Bei zahlreichen Fällen in Deutschland und auch in anderen Ländern wurde auch ein mehrtägiger Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn beobachtet. Manchmal haben Patienten mit COVID-19 nur Bauchschmerzen, Durchfall und/oder Übelkeit mit Erbrechen. Selten kommt es auch zu Hautveränderungen, wie z. B. Nesselsucht.

Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein: Symptomlose Verläufe kommen ebenso vor wie schwere Lungenentzündungen (seltener bis hin zu Lungenversagen). 80 % der Erkrankungen verlaufen mild bis moderat. Neuere Untersuchungen zeigen, dass SARS-CoV-2 nicht nur die Atemwege, sondern auch andere Organe, wie beispielsweise Herz, Leber, Gehirn und besonders häufig die Nieren befallen kann.

Wodurch unterscheiden sich COVID-19-Symptome von „Heuschnupfen"?

Übliche Allergiesymptome sind Tränenfluss, juckende, rote Augen, laufende oder verstopfte Nase und Niesreiz. Diese Symptome sind bei COVID-19 nicht sehr häufig (weniger als 5 % der Erkrankten).

Für Heuschnupfen spricht, dass die üblichen Allergie-Medikamente dagegen helfen. Wenn Ihre Symptome den Allergiesymptomen vergangener Jahre gleichen und sich auch bekannte Atemnot und Husten im Falle von allergischem Asthma nicht anders verhalten, als Sie es gewohnt sind, ist es wenig wahrscheinlich, dass Sie COVID-19 haben.

Neu aufgetretene Symptome, wie Kurzatmigkeit, Husten und Fieber, können ein Hinweis auf COVID-19 sein. In diesem Fall sollten Sie zu Hause bleiben und Ihre Hausarztpraxis kontaktieren.

Risikogruppen

Das Risiko für einen schweren Verlauf ist laut RKI erhöht bei folgenden Personengruppen:

  • ältere Personen (steigendes Risiko ab etwa 50–60 Jahren)
  • Raucher
  • stark adipöse Menschen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen
    • des Herzens (z. B. koronare Herzerkrankung)
    • der Lunge (z. B. COPD)
    • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Kortison).

Kinder

Bei Kindern ist die Erkrankung bisher seltener aufgetreten und milder verlaufen. Aber es können auch, insbesondere bei jüngeren Kindern, schwere Verläufe vorkommen.

Schwangerschaft

Bei Schwangeren besteht aufgrund der bisherigen Daten kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Normalerweise zeigen Kinder von an COVID-19 erkrankten Müttern nach der Geburt keine Krankheitszeichen. Eine Übertragung von der Mutter auf ihr Neugeborenes Kind kann aber nicht ausgeschlossen werden, deswegen sollen Wöchnerinnen bei Kontakt mit ihrem Baby einen Mundschutz tragen und vorher die Hände waschen oder desinfizieren.

Diagnostik

Was tun, wenn ich fürchte, mich angesteckt zu haben?

Wenn Sie fürchten, sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt zu haben, rufen Sie Ihre Hausarztpraxis oder die Nummer 116 117 an. Gehen Sie nicht unangemeldet in eine Praxis oder Notaufnahme. Sollten Sie an Erkältungssymptomen oder anderen Beschwerden leiden, kann Ihnen Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen. Eine AU darf nicht mehr nach nur telefonischem Kontakt ausgestellt werden. Ab 01.06.2020 ist dafür wieder ein direkter Arzt-Patientenkontakt erforderlich.

Das RKI bietet einen Informationsflyer COVID-19: Bin ich betroffen und was ist zu tun?

Wer soll getestet werden?

Ein Abstrich soll nur bei Personen mit Krankheitszeichen durchgeführt werden. Ohne Krankheitszeichen sagt ein Test nichts darüber aus, ob man noch erkranken wird oder nicht. Ausnahmen sind Tests auf Anordnung des Gesundheitsamtes bei der Kontaktpersonennachverfolgung, vor Aufnahme in bestimmte Klinikabteilungen oder eine Pflegeeinrichtung und bei medizinischem Personal. 

Es gibt einen Test für den Nachweis des Virus. Die Proben hierfür müssen als Abstrich aus Nase und Rachen gewonnen werden.

Patienten sollen auf das neuartige Coronavirus getestet werden, die

  • jegliche mit COVID-19 vereinbare Symptome haben und in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einem nachweislich Infizierten hatten

oder 

  • Zeichen einer durch ein Virus ausgelösten Lungenentzündung haben und ein Zusammenhang mit einem vermehrten Auftreten von Lungenentzündungen in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus besteht.

Diese Personen gelten als meldepflichtige Verdachtsfälle. Sie werden an das Gesundheitsamt gemeldet.

Ein Test auf das neuartige Coronavirus ist auch bei Personen mit folgenden Beschwerden angezeigt:

  • akute Atemwegssymptome jeder Schwere und/oder Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn bei allen Patienten unabhängig von Risikofaktoren.

Diese Personen gelten nicht als meldepflichtiger Verdachtsfall. Sie werden nicht an das Gesundheitsamt gemeldet.

Außerdem kann es sinnvoll sein, dass auch bei allgemeinen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, bestimmten Nervenausfällen sowie Hautveränderungen ein Test gemacht wird. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt.

Selbsttest

Von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) wird, als Alternative, die Selbsttestung vorgeschlagen. Hierzu wurde von der DEGAM eine Anleitung zum Selbsttest herausgegeben. Dieser Selbsttest kann in bestimmten Fällen zur Anwendung kommen. Die Abstrichröhrchen können nach Absprache an der Praxis abgeholt oder anderweitig entgegengenommen werden und nach erfolgtem Abstrich kontaktlos wieder übergeben werden.

Warten auf das Testergebnis

Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollte man sich selbst isolieren, d. h. zuhause bleiben, alle engen Kontakte unter 2 Metern meiden, gute Händehygiene einhalten und bei Kontakt zu anderen (falls vorhanden) einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Nachweis von Antikörpern

Es gibt jetzt auch Tests, mit denen Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden können. Sie sind aber zum Nachweis einer akuten Infektion während der Erkrankung nicht geeignet, da Antikörper erst Tage bis Wochen nach dem Auftreten von Beschwerden gebildet werden. Mit diesen Tests kann eventuell im Nachhinein festgestellt werden, ob jemand COVID-19 hatte. Aber das Ergebnis zeigt nicht verlässlich an, ob jemand bereits immun gegen das Virus ist oder nicht.

Bildgebung

In einer Computertomografie (CT) mit niedrigerer Strahlendosis (Niedrigdosis-CT) kann eine Lungenbeteiligung mit großer Sicherheit festgestellt oder ausgeschlossen werden. Auch eine Lungensonografie kann unter bestimmten Umständen geeignet sein. Eine konventionelle Röntgenuntersuchung der Lunge ist dagegen weniger zuverlässig als eine CT.

Behandlung

Derzeit werden verschiedene Medikamente zur spezifischen antiviralen Behandlung von COVID-19 getestet und im Rahmen klinischer Studien angewendet. Patienten mit schweren Symptomen werden im Krankenhaus ausreichend mit Flüssigkeit versorgt, falls erforderlich, bei der Atmung unterstützt und entsprechend möglicher anderer Symptome bzw. Komplikationen behandelt.

Die Ergebnisse zu dem derzeit viel diskutierten Ebola-Medikament Remdesivir sind nicht eindeutig. Arzneimittelbehörden warnen vor den Nebenwirkungen von Chloroquin und Hydroxychloroquin (Rheuma- und Malaria-Medikamente).

Deutsche Unikliniken planen, schwerkranke COVID-19-Patienten mit den Antikörpern im Blutplasma von Patienten zu behandeln, die nach einer COVID-19-Erkrankung wieder gesund geworden sind. Diese Antikörper sollen SARS-CoV-2 im Körper der Kranken bekämpfen. Die Wirksamkeit dieser Behandlung ist bislang nicht bewiesen.

Wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Blutdruckmedikamente oder der Fiebersenker Ibuprofen für Patienten mit COVID-19 gefährlich sind, gibt es nicht. Blutdruckmedikamente sollen, wie verordnet, weiterhin eingenommen werden. Bei älteren Patienten und Patienten mit vorbekannten Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sollte, falls eine Fiebersenkung notwendig ist, bevorzugt Paracetamol statt Ibuprofen eingenommen werden.

Für derzeit viel beworbene unspezifische „antivirale" Therapien gegen Coronaviren, wie Rotalgenextrakt, Zistrosenextrakt, Grüntee-Komplex und Vitamin C gibt es keinerlei Wirksamkeitsnachweise.

Vorbeugung

Durch welche Maßnahmen kann ich mich schützen?

Präventionsmaßnahmen spielen bei Infektionen mit Coronaviren (ebenso wie etwa bei Grippeviren) eine entscheidende Rolle (siehe Informationen der BZgA). Bisher gibt es keine zugelassene Impfung gegen SARS-CoV-2. Es werden aber bereits mehrere Impfstoffe an Freiwilligen erprobt, auch in Deutschland.

Als risikoreich gilt z. B. direktes Anhusten oder ein direktes Gespräch über 15 Minuten mit einer infizierten Person. Ein etwas geringeres Risiko besteht beim Aufenthalt im selben Raum (z. B. Klassenzimmer, aber ohne längeres direktes Gespräch).

Einhalten der Hustenetikette (s. u.), regelmäßiges Händewaschen sowie Abstand zu Erkrankten (ca. 2 Meter) schützen vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Aufs Händeschütteln sollte verzichtet werden. Personen mit Atemwegssymptomen sollten nach Möglichkeit zuhause bleiben. Wo dies geboten ist, soll ein Mundschutz getragen werden, insbesondere dort, wo Abstandsregeln nicht eingehalten werden können (ÖPNV, beim Einkaufen).

Regeln der sogenannten Hustenetikette:

  • Beim Husten Abstand halten und sich abwenden.
  • Nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge oder in ein Papiertaschentuch husten oder niesen.
  • Danach gründlich die Hände waschen.

Weitere Verhaltensempfehlungen sind:

  • Sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, um etwaige Krankheitserreger nicht über die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund aufzunehmen.
  • Die Vorgaben der Behörden befolgen.
  • Kontakte generell reduzieren.
  • Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden.
  • Nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten.
  • Keine privaten Veranstaltungen (Geburtstagsfeiern, Spieleabende o. Ä.) organisieren oder besuchen.

Mundschutz (Mund-Nasen-Schutz) und Mund-Nasen-Bedeckung

Das Robert Koch-Institut empfiehlt jetzt ein generelles Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist in allen Bundesländern Pflicht.

Ein Mund-Nasen-Schutz schützt Gesunde wahrscheinlich nicht wirksam vor einer Ansteckung. Durch das Tragen eines Mundschutzes kann aber das Risiko verringert werden, jemand anderen anzustecken (Fremdschutz). Vermutlich können auch Mund-Nasen-Bedeckung (z. B. selbstgenähte Masken oder Tücher, sog. „Community-Masken") das Risiko verringern, andere anzustecken. Die Geschwindigkeit der Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, kann so reduziert werden.

Manche mit SARS-CoV-2 infizierte Personen bemerken gar nicht, dass sie angesteckt wurden, weil sie keine Beschwerden haben; sie können aber trotzdem andere anstecken. Wenn sie im öffentlichen Raum, in dem kein Sicherheitsabstand möglich ist (in Supermärkten, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsplatz) eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, könnten sie dazu beitragen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen.

Laut Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist das Tragen einer Maske für Kinder ab dem Grundschulalter „zumutbar". Das Tragen einer Maske ist auch bei kleineren Kindern kurzzeitig möglich, beispielsweise beim Besuch in Risikobereichen (z. B. im Ambulanzbereich eines Krankenhauses).

Die Maske (Mund-Nasen-Bedeckung) sollte korrekt sitzen und nach Durchfeuchtung gewechselt werden. Sie darf während des Tragens nicht (auch nicht unbewusst) zurechtgezupft werden und auch nicht um den Hals getragen werden. Trotz Mund-Nasen-Bedeckung müssen die Regeln zum Abstandhalten, zur Husten- und Niesetikette und zur Händehygiene eingehalten werden.

Mehrlagiger medizinischer (chirurgischer) Mund-Nasen-Schutz oder medizinische Atemschutzmasken, z. B. FFP-Masken sind für den Schutz von medizinischem und pflegerischem Personal essenziell und müssen dieser Gruppe vorbehalten bleiben.

Weitere Informationen zum Tragen, Reinigen und Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes und zu sog. „Community-Masken" finden Sie in den Empfehlungen des BfArM.

Die von verschiedenen Herstellern beworbenen Gesichtsvisiere werden vom RKI nicht als gleichwertig zur Mund-Nasen-Bedeckung angesehen.

Maßnahmen in Deutschland und anderen Ländern

In Deutschland haben die Behörden zum Teil drastisch wirkende Maßnahmen ergriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen und besonders gefährdete Personengruppen (z. B. Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen) zu schützen. Es wird also eine Strategie der Eindämmung (Containment) und des Schutzes gefährdeter Personen (Protection) verfolgt.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (Community-Maske) ist beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln in allen Bundesländern Pflicht.

Das öffentliche Leben bleibt eingeschränkt (Theater und Kinos sind zu, Großveranstaltungen abgesagt), aber Spielplätze und manche Sportstätten sowie Restaurants und Biergärten werden geöffnet. Geschäfte, Baumärkte und Frisörsalons dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen. In den nächsten Tagen und Wochen werden Schulen und Kindertagesstätten schrittweise und, wo möglich, unter Einhaltung des Abstandsgebots wieder geöffnet. Es wird weiterhin dazu aufgefordert, soziale Kontakte einzuschränken und beispielsweise Besuche in Altenpflegeeinrichtungen zu vermeiden.

Auch der Grenzverkehr zu den Nachbarländern bleibt eingeschränkt. Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen touristischen Auslandsreisen.

Viele Arbeitgeber lassen ihre Arbeitsstätte weiterhin geschlossen und/oder schicken ihre Mitarbeiter nach Hause zum Arbeiten im „Home Office“. In der Regel wird der Lohn weitergezahlt.

Die Situation ändert sich sehr schnell. Bitte verfolgen Sie die aktuellen Meldungen der Tagesmedien, z. B. www.tagesschau.de.

Meldung an das Gesundheitsamt

Hat eine Ärztin oder ein Arzt den Verdacht auf das Vorliegen einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder wird diese bestätigt, muss dies dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Wer muss in Quarantäne?

Kontaktpersonen von Personen mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 mit erhöhtem Ansteckungsrisiko müssen für die Dauer der Inkubationszeit (max. 14 Tage) in häuslicher Quarantäne beobachtet werden. Kontakte mit anderen Personen sollen, soweit möglich, reduziert werden. Falls Atemwegssymptome auftreten, wird das Gesundheitsamt informiert und eine Untersuchung auf das Virus durchgeführt. Hierzu gibt es von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) eine praktische Handlungsempfehlung für die häusliche Isolierung von Verdachtsfällen.

Kontaktpersonen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko sind Personen, die in den letzten 14 Tagen einen direkten 15-minütigen Gesprächskontakt mit einem nachweislich Infizierten hatten, Kontakt mit seinen Atemwegssekreten hatten (z. B. direkt angehustet wurden). 

Diese Maßnahmen werden vom Gesundheitsamt auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes angeordnet. Diesen Anordnungen muss Folge geleistet werden. Ausfallender Arbeitsverdienst wird erstattet.

Personen, die sich nur im selben Raum (z. B. Klassenzimmer, Büro) wie eine nachweislich infizierte Person aufgehalten haben (ohne direkten Gesprächskontakt) sind Kontaktpersonen mit geringerem Ansteckungsrisiko. Ihnen wird ebenfalls nahegelegt, zuhause zu bleiben. Dies ist aber keine behördlich angeordnete Quarantäne.

Bei der Einreise nach Deutschland aus anderen europäischen Ländern gilt jetzt nicht mehr generell eine verpflichtende zweiwöchige Quarantäne. Eine Empfehlung zur Quarantäne wird ausgesprochen, wenn in dem jeweiligen Staat eine hohe Zahl neu Infizierter (> 50 Fälle pro 100.000 innerhalb einer Woche) vorliegt. Laut Bundesregierung soll eine 14-tägige Quarantäne künftig nur noch bei Einreisen aus Drittstaaten angeordnet werden können.

Wer muss isoliert werden?

Erkrankte Personen, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, werden isoliert, damit die Gefahr, andere anzustecken, vermindert wird. Leicht erkrankte Patienten können zuhause isoliert werden. Schwer erkrankte Betroffene werden in eine Klinik eingewiesen und dort isoliert. Die Isolierung wird ebenfalls vom Gesundheitsamt angeordnet. Wie lange die Isolierung dauert, ist je nach Fall unterschiedlich. Wichtig ist, dass keine ansteckungsfähigen Viren mehr ausgeschieden werden.

Eine häusliche Isolierung kann frühestens 14 Tage nach Symptombeginn beendet werden; bei Patientinnen und Patienten, die wegen schwerer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus waren, frühestens 14 Tage nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Betroffenen müssen dabei seit 48 Stunden beschwerdefrei sein.

Personen, bei denen ein begründeter Verdacht (s. o.) auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht, müssen bis zum Eintreffen des Abstrichergebnisses ebenfalls unter Kontaktreduktion im häuslichen Umfeld bleiben. Dabei sollen enge Kontakte gemieden, Händehygiene beachtet und, falls vorhanden, bei Kontakt zu anderen ein Mundschutz getragen werden.

Ist es notwendig, einen Vorrat an Lebensmitteln anzulegen?

Sollte es an Ihrem Wohnort vermehrt zu Corona-Fällen kommen und/oder beispielsweise Ihre Arbeitsstätte betroffen sein, kann es sinnvoll sein, sich auf eine zweiwöchige häusliche Quarantäne einzustellen und einen Vorrat an Lebensmitteln und Toilettenartikeln anzulegen, um ggf. für zwei Wochen ohne Einkaufen auszukommen. Ein generelles „Hamstern“ von Lebensmitteln oder das Anlegen größerer Vorräte ist jedoch nicht sinnvoll.

Falls Verwandte, Freunde, oder Nachbarn, besonders Ältere oder hilfsbedürftige Personen unter häusliche Quarantäne gestellt werden, sollten Sie diese, falls erforderlich, bei Einkäufen oder weiterem Hilfsbedarf unterstützen.

Prognose

Derzeit hört man viel darüber, dass sich möglicherweise in Deutschland bis zu 70 % der Bevölkerung anstecken werden. Diese Zahl basiert auf theoretischen Hochrechnungen der Ansteckungsrate auf die Bevölkerungszahl und sagt nicht viel über den wirklichen Verlauf der Epidemie aus, weil andere Einflussfaktoren nicht mitberechnet wurden.

Für das neuartige Coronavirus sind die Zahlen zur Sterblichkeit noch nicht ganz genau bekannt, weil wir nicht wissen, wie viele Personen, auch ohne Krankheitszeichen, infiziert sind. Bisher geht man von einer Sterblichkeitsrate von etwa 0,5–1 % aus, wahrscheinlich liegt diese niedriger. Eine Studie zum Ausbruch in Heinsberg stellte dort eine Sterblichkeit von 0,28 % fest.

Den derzeitigen Erfahrungen und ersten Daten zufolge sind jedoch v. a. Menschen im Alter über 65 Jahre bzw. insbesondere über 80 Jahre betroffen, oder Personen, die bereits an chronischen Krankheiten leiden. In diesen Gruppen liegt die Sterblichkeit höher.

In Deutschland sind 87 % der Todesfälle 70 Jahre und älter. Allerdings beträgt der Anteil der über 70-Jährigen an allen übermittelten COVID-19-Fällen nur 19 %. Das heißt also, bei den über 70-Jährigen ist das Sterberisiko deutlich höher als bei jüngeren COVID-19-Patienten.

Bei jüngeren Betroffenen liegt die Rate wahrscheinlich eher bei 0,2 %. Allerdings sind bisher an diesem neuen Virus bereits sehr viel mehr Menschen gestorben als insgesamt während der SARS-Epidemie im Jahr 2002.

Weitere Informationen

Deximed

DEGAM

Robert Koch-Institut

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)

Charité Berlin

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Nachbarschaftshilfe

Die Zeit

Autoren

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med. Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen