Lungenentzündung durch Mykoplasmen

Ein seltene Ursache für Lungenentzündungen ist der Erreger Mycoplasma pneumoniae, ein Bakterium. Die Symptome sind in der Regel leichter ausgeprägt als bei den typischen Lungenentzündungen.

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Fakten

  • Mykoplasmen sind kleine Bakterien, die sich von normalen Bakterien dadurch unterscheiden, dass sie keine Zellwände haben.
  • Mycoplasma pneumoniae ist der Erreger der Mykoplasmen-Pneumonie und die häufigste Ursache für eine sogenannte atypische Pneumonie.
  • Die Symptome für eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie sind langwieriger Reizhusten, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und in der Regel nur leichtes Fieber.
  • Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit können 1–3 Wochen vergehen.
  • Eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie ist oft langwierig und ein Verlauf von 3–4 Wochen ist keine Seltenheit.
  • Penicillin hilft gegen die Krankheit nicht, andere Antibiotika sind aber wirksam, wenn die Krankheit nicht von selbst ausheilt.

Was ist eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie?

Lungen und Bronchien
Lungen und Bronchien

Eine durch das Bakterium Mycoplasma pneumoniae verursachte Lungenentzündung (Pneumonie) zeigt etwas andere Symptome und verlangt eine etwas andere Behandlung als die „normale“, üblicherweise durch Pneumokokken oder andere typische Bakterien oder auch durch Viren ausgelöste Lungenentzündung. Mykoplasmen sind kleine Bakterien, die sich von normalen Bakterien dadurch unterscheiden, dass sie keine Zellwände haben und somit dem Penicillin keinen Angriffspunkt bieten. Sie sind nicht besonders gefährlich, und die Immunabwehr des Körpers kann den Erreger in der Regel gut bekämpfen. Mycoplasma pneumoniae ist die häufigste Ursache für die sogenannte atypische Pneumonie.

Eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie kann in allen Altersgruppen auftreten, ist aber häufiger bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 5 bis 25 Jahren. Diese Bakterien können aber natürlich auch bei älteren Menschen zur Pneumonie führen. Die Krankheit kann sich besonders gut in Gruppen vieler Menschen auf recht engem Raum verbreiten, wie in der Schule, in der Familie oder in Pflegeeinrichtungen. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen meist 1–3 Wochen (Inkubationszeit).

Die Krankheit bricht oft im Herbst und Winter aus. In bestimmten Jahren ist ein epidemisches Auftreten der durch Mykoplasmen verursachten Pneumonie zu beobachten. Eine Ansteckung führt in der Regel zu schmerzhaftem Reizhusten, aber meist nicht zur Lungenentzündung. Es ist davon auszugehen, dass nur 3–5 % der mit Mycoplasma pneumoniae infizierten Personen eine Lungenentzündung bekommen. Insgesamt sind 10–20 % aller Lungenentzündungen, die außerhalb des Krankenhauses entstehen, durch Mycoplasma pneumoniae bedingt. Bei unter 50-Jährigen, ansonsten gesunden Personen, die sich nicht in der Klinik anstecken, ist dieser Erreger am häufigsten die Ursache einer Pneumonie.

Symptome

Eines der häufigsten Symptome für Pneumonie durch Mykoplasmen ist ein anhaltender Husten. Die Krankheit unterscheidet sich von der typischen Lungenentzündung dadurch, dass sie sich in der Regel langsamer entwickelt und langwieriger verläuft. Begleiterscheinungen sind oft Kopfschmerzen, Halsschmerzen und normalerweise nur leichtes Fieber. Manche Patienten bekommen Ohrenschmerzen oder Hautausschlag; diese Beschwerden treten häufiger als bei typischen Pneumonien auf. Das Allgemeinbefinden ist jedoch in Regel weniger deutlich beeinträchtigt.

In schweren Fällen können von der Infektion neben der Lunge mit stark ausgeprägten Veränderungen auch das Nervenystem, das Gehirn, Herz oder andere Organe betroffen sein.

Diagnostik

Der Arzt wird eine sorgfältige körperliche Untersuchung durchführen und Ihre Lungen abhören. Zudem wird er genau nach Ihren Beschwerden fragen. Er kann aber damit in vielen Fällen aber noch keine sichere Diagnose stellen. Im Frühverlauf kann die Diagnose in einigen Fällen anhand der Untersuchung einer Sekretprobe aus dem Rachen erfolgen. Das Ergebnis liegt erst nach einigen Tagen vor. Eine Blutuntersuchung (Antikörpertest) kann den Diagnoseverdacht erhärten, aber ein Ergebnis erhält man ebenfalls meist erst nach einigen Tagen bis 1 Woche. Bei Epidemien kann man oft die Diagnose aufgrund des langwierigen Verlaufs und der relativ geringen Beschwerden stellen. Der Verdacht auf eine Mykoplasmeninfektion bzw. eine entsprechende Lungenentzündung liegt auch näher bei jüngeren und ansonsten gesunden Personen.

Auch eine Röntgenuntersuchung der Lungen kann Hinweise auf eine Infektion liefern. In einigen Fällen ist es jedoch auch hier schwierig, anhand der Auffälligkeiten im Röntgenbild eine durch Mykoplasmen verursachte Pneumonie von einer durch andere Bakterien oder Viren verursachten Pneumonie zu unterscheiden. Es gibt jedoch auch typische Veränderungen, die die Diagnosestellung ermöglichen. Entzündungswerte im Blut sind meist nicht so deutlich erhöht wie bei einer typischen Lungenentzündung.

Behandlung

Wenn sich um eine Pneumonie aufgrund von Mykoplasmen handelt, wird eine Behandlung mit Antibiotika empfohlen. Nach den Nationalen Leitlinien werden in erster Linie Doxycyclin oder Erythromycin bzw. ähnliche Wirkstoffe verordnet (bei Kindern jedoch kein Doxycyclin). Die Behandlung dauert normalerweise 5–7 Tage. Penicillin hilft, wie schon beschrieben, gegen diese Bakterien nicht. Kommen Atembeschwerden aufgrund einer Verengung der Bronchien hinzu, sind bronchienerweiternde Medikamente sinnvoll (Beta-2-Agonisten; auch Betamimetika genannt).

Prognose

Der Krankheitsverlauf ohne Behandlung ist oft langwierig, ca. 3 bis über 4 Wochen. Mit der Behandlung tritt in der Regel innerhalb einer Woche eine spürbare Besserung ein. Die Mykoplasmen-Pneumonie ist in den meisten Fällen weniger ernst als die am häufigsten vorkommende Lungenentzündung, die durch Pneumokokken oder Streptokokken verursacht wird. Die Beschwerden sind meist nur mäßig ausgeprägt (v. a. bei jungen Patienten) und das Fieber ist nicht sehr hoch, aber anhaltend. Die allermeisten Infizierten werden wieder völlig gesund. Es können jedoch Komplikationen auftreten, z. B. Veränderungen an den Lungen, am Gehirn und den Nerven, selten am Herz und an den Gelenken. Wenn die Behandlung nicht anschlägt oder wenn es Ihnen während der Behandlung wieder schlechter geht, sollten Sie den Arzt erneut aufsuchen. Bei älteren Patienten, die an chronischen Grunderkrankungen leiden, kann es jedoch eher zu Komplikationen kommen, daher sind hier Kontrolluntersuchugen beim Arzt besonders zu empfehlen.

Während des Krankheitsverlaufs ist anstrengendes körperliches Training zu vermeiden; nach der Genesung können Sie allmählich Ihre sportlichen Leistungen wieder steigern. Wie bei anderen Infektionen ist auch hier eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme wichtig.

Vorbeugend sollte man sich, gerade bei Kontakt mit vielen Menschen, häufig die Hände waschen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mykoplasmen-Pneumonie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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