Brustfellentzündung (Pleuritis)

Ein Entzündung des Brustfells (Pleura) kann mit oder ohne Infektion durch Mikroorganismen entstehen. In der Regel ist die Pleuritis Folge einer anderen Erkrankung, z.B. einer Lungenentzündung. Die Behandlung richtet sich v.a. gegen die zugrunde liegende Erkrankung.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine Pleuritis?

Die Lungen sind von einem dünnen Bindegewebesack umgeben, dem Brustfell (Pleura). Die Pleura besteht aus zwei dünnen Häuten: eine davon liegt der Lunge an (Pleura visceralis, auch Lungenfell genannt), die andere bedeckt die Innenseite des Brustkorbs (Pleura parietalis). Zwischen diesen beiden Häuten befindet sich immer eine dünne Flüssigkeitsschicht (ohne Luft). Diese vermindert die Reibung und bewirkt, dass die Lungen einerseits während der Atmung gut an der Brustwand entlanggleiten können, aber sich andererseits auch nicht von der Brustwand ablösen und zusammenfallen. Nur so ist eine effektive, schmerzfreie Atmung möglich.

Eine Pleuritis bezeichnet eine Entzündung der Pleura (die Endung -itis steht bei den medizinischen Begriffen für Entzündung). Eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen kann eine Entzündung (Infektion) bewirken, aber eine Entzündung ist auch ohne Beteiligung von Mikroorganismen möglich. Dies kann beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen geschehen, bei denen das Immunsystem des Körpers das eigene Gewebe angreift, auch bei einer Krebserkrankung als Begleitreaktion oder bei einer Lungenembolie (Verschluss eines Blutgefäßes in der Lunge durch ein Blutgerinnsel).

Man unterscheidet zwischen „trockener" und „feuchter" Pleuritis, d. h. Brustfellentzündung mit und ohne zusätzliche entzündliche Flüssigkeit zwischen den beiden Pleurahäuten. Die trockene Variante ist die schmerzhaftere von beiden, da die Häute nicht frei aneinander vorbeigleiten können.

Ursachen

Eine Pleuritis entsteht oft als Folge einer Infektion mit Bakterien oder Viren in Verbindung mit einer Lungenentzündung. Die Erreger breiten sich dabei von der Lunge aus in die Pleura aus. Eine Entzündungsreaktion der Pleura kann auch bei Tuberkulose, einer Lungenembolie, Krebs oder im Rahmen einer Autoimmunkrankheit wie rheumatoide Arthritis oder Lupus erythematodes entstehen. Auch wenn man sich als Folge einer Verletzung Rippen bricht und/oder die Lunge zusammenfällt (kollabiert), kann eine Pleuritis entstehen.

Symptome

Vor allem bei der trockenen Form der Pleuritis treten meist einseitige Schmerzen im Bereich des Brustkorbs auf, die sich bei tiefem Einatmen und Husten verstärken. Um den Schmerz zu lindern, atmen die Betroffenen oft nur flach (und schnell). Manchmal ziehen die Schmerzen bis in die Schulter. Viele Betroffene ziehen es vor, auf der kranken Seite zu liegen.

Bei der feuchten Form der Pleuritis sind die Schmerzen meist deutlich geringer oder fehlen ganz, die Betroffenen husten aber meist und sind oft kurzatmig. Häufig hebt sich der Brustkorb auf der betroffenen Seite beim Einatmen nicht so gut wie auf der gesunden.

Liegt ein Pleuraempyem vor (eine Entzündung mit Eiterbildung), hat der Betroffene meist auch Fieber.

Je nach zugrunde liegender Krankheit können sich die Beschwerden sehr rasch entwickeln und verstärken (Minuten bis Stunden nach z. B. einer Lungenembolie oder einer Virusinfektion), oder auch erst nach mehreren Tagen oder Wochen entstehen bzw. an Stärke zunehmen (z. B. bei Tuberkulose, Krebs, Autoimmunkrankheiten).

Diagnostik

Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte (Anamnese) und der typischen Krankheitszeichen (Symptome) gestellt. Beim Abhören mit dem Stethoskop kann der Arzt bei der trockenen Form oft ein charakteristisches Reibegeräusch feststellen, das auf eine solche Pleuritis hinweist. Ist im Pleuraspalt viel entzündliche Flüssigkeit vorhanden, sind die normalen Atemgeräusche oft abgedämpft. Oft lässt sich beobachten, dass die erkrankte Lungenseite sich nicht so gut beim Atmen bewegt wie die gesunde.

Typische Zeichen für eine Pleuritis sind oft mittels Ultraschall zu erkennen: Häufig erscheint die Pleura rau oder es lässt sich vermehrt Flüssigkeit darstellen. Ist die entzündliche Flüssigkeit nicht gleichmäßig zwischen den Pleurablättern (im Pleuraspalt) verteilt, sondern sammelt sich nur an bestimmten Stellen massiv an, so spricht man von einem Pleuraerguss oder einem Pleuraempyem (= eitriger Pleuraerguss). Liegt ein Pleuraerguss oder ein Empyem vor, wird die Ultraschalluntersuchung im Verlauf oft wiederholt, um zu kontrollieren, ob die Flüssigkeitsmenge weiter zunimmt oder sich zurückbildet. 

Flüssigkeit im Pleuraspalt kann der Arzt auch anhand eines Röntgenbildes feststellen. Ein erfahrener Arzt kann auf einem geeigneten Röntgenbild bereits Flüssigkeit von < 50 ml im Pleuraspalt erkennen. Um herauszufinden, welche Ursache der Pleuritis zugrunde liegt, kann der Arzt eine sogenannte Pleurapunktion durchführen. Dabei sticht er (unter Kontrolle mit einem Ultraschallgerät) mit einer dünnen Nadel an einer Spritze vorsichtig zwischen den Rippen in den Pleurapalt und entnimmt etwas Flüssigkeit für die weitere Untersuchung im Labor. Besteht der Verdacht auf einen Tumor oder Tuberkulose, wird der Arzt möglicherweise auch eine kleine Gewebeprobe aus der Pleura für die weitere Untersuchung entnehmen.

Um zugrunde liegende Erkrankungen nachweisen zu können, sind bestimmte Blutuntersuchungen hilfreich. Bleibt die Ursache der Pleuritis trotz der genannten Untersuchungen unklar, kann eine Thorakoskopie infrage kommen. Dies ist eine kleine Operation, bei der Chirurgen die Oberfläche der Lungen mit der Pleura ansehen und beurteilen können.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich gegen die Ursache der Pleuritis, wenn diese geklärt ist. Wenn die Ursache eine bakterielle Lungenentzündung ist, dann können geeignete Antibiotika die Bakterien abtöten. Andere Krankheiten müssen entsprechend mit anderen Maßnahmen behandelt werden, z. B. einer Operation bei einer Lungenembolie oder Krebs. Wenn sich viel Flüssigkeit zwischen den beiden Pleurahäuten gesammelt hat, muss diese Flüssigkeit eventuell durch eine (weitere) Punktion entfernt werden. Hat sich ein Pleuraempyem entwickelt, muss dieses eventuell mithilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs entfernt werden. Anschließend wird für einige Tage ein dünner Schlauch von außen an die Stelle des ehemaligen Empyems gelegt, durch den die restliche eitrige Flüssigkeit abfließen kann-

Prognose

Eine Pleuritis verschwindet im Normalfall, wenn ihre Ursache erfolgreich behandelt wurde (z. B. Lungenentzündung). Die Genesung dauert aber meist etwas länger (meist einige Wochen) als andere Arten einer Pleuritis, wenn sie Folgeerkrankung einer Lungenentzündung war. Eine Pleuritis kann aber auch chronisch werden; daher wird der Arzt die Ausheilung regelmäßig durch körperliche Untersuchung und eventuell eine Röntgenuntersuchung oder Ultraschalluntersuchung überwachen. Manchmal heilt die Entzündung nicht ganz aus und es bleiben Verklebungen oder Gewebeverhärtungen der Pleura zurück, die die Atmung beeinträchtigen können. Säuglinge und ältere Menschen bzw. Personen in schlechtem allgemeinen Gesundheitszustand erkranken oft schwerer an einer Pleuritis und haben grundsätzlich eine schlechtere Prognose, wenn sich ein Pleuraempyem entwickelt hat. Grundsätzlich heilt aber auch ein Pleuraempyem bei rechtzeitiger geeigneter Therapie meist ganz aus.

Liegen der Pleuritis eine Autoimmunkrankheit, Krebs oder ähnlich schwerwiegende Krankheit zugrunde, hängen Verlauf und Heilungschancen von dieser Krankheit ab.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pleuritis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Kass SM, Williams PM, Reamy BV. Pleurisy. Am Fam Physician 2007; 75: 1357-1364. www.aafp.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG). Pneumonie, ambulant erworben, Behandlung und Prävention von erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinie Nr. 020-020. S3. Stand 2015 www.awmf.org
  3. Costabel U, Kroegel C. Klinische Pneumologie, S. 218. Stuttgart: Thieme, 2013. books.google.de
  4. Tasci S, Ewig S, Lüderitz B. Diagnose und Therapie von parapneumonischen Pleuraergüssen und Empyemen. Dtsch Arztebl 2004; 101: A 638–648 [Heft 10] www.aerzteblatt.de
  5. NHS UK. Pleurisy. London, NHS 2017 www.nhs.uk
  6. Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Asbestbedingte Erkrankungen: Diagnostik und Begutachtung. AWMF-Leitlinie Nr. 002 - 038. S2k. Stand 2010. www.awmf.org
  7. Hooper C, Lee YC, Maskell N; BTS Pleural Guideline Group. Investigation of a unilateral pleural effusion in adults: British Thoracic Society Pleural Disease Guideline 2010. Thorax 2010;65(suppl 2):ii4-ii17. thorax.bmj.com
  8. English JC, Leslie KO. Pathology of pleura. Clin Chest Med 2006;27:157-180. PubMed
  9. Huggins JT, Sahn SA. Drug-induced pleural disease. Clinics in Chest Medicine 2004; 25(1): 141-153. doi:10.1016/S0272-5231(03)00125-4 DOI
  10. arzneitelegramm, a-t 1992; Nr.11: 111-3 www.arznei-telegramm.de
  11. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brustschmerz. AWMF-Leitlinie Nr. 053-023. S3. Stand 2011 www.awmf.org
  12. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie e.V. (DGPK). Thoraxschmerzen im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 023-003. S2k. Stand 2014 www.awmf.org
  13. Davies HE, Davies RJO, Davies CWH. Management of pleural infection in adults: British Thoracic Society pleural disease guideline 2010. Thorax 2010; 65 (Suppl 2): ii41-ii53. www.brit-thoracic.org.uk
  14. Mathis G. Bildatlas der Lungen- und Pleurasonographie, S. 22. : Springer-Verlag, 2014. books.google.de
  15. BfArM: Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18. www.bfarm.de
  16. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dortmund. Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22. Dezember 2014. Zugriff 24.1.2017. www.baua.de
  17. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de
  18. Mehrtens, G. Valentin, H. Schönberger, A. Arbeitsunfall und Berufskrankheit : rechtliche und medizinische Grundlagen für Gutachter, Sozialverwaltung S.878ff. Berlin: Erich Schmidt Verlag 9: Auflage, 2017.