Lungenkrebs, kleinzelliger

Kleinzelliger Lungenkrebs (kleinzelliges Bronchialkarzinom) ist eine aggressive Krebsart, die zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in der Regel so weit fortgeschritten ist, dass eine operative Entfernung nicht möglich ist. Strahlen- und Chemotherapie zeigen allerdings oftmals Wirkung.

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Überblick

Lungen- oder genauer Bronchialkarzinome lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: den kleinzelligen Lungenkrebs und den nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Diese Unterteilung begründet sich darin, dass die Tumorzellen mikroskopisch unterschiedlich erscheinen. Hier geht es ausschließlich um die kleinzelligen Karzinome.

In Deutschland erkranken jährlich rund 50.000 Personen an Lungenkrebs. Bei etwa 15–20 % der Fälle handelt es sich um kleinzellige Bronchialkarzinome.

Kleinzelliger Lungenkrebs – was ist das?

Kleinzelliger Lungenkrebs wird zuweilen auch als Haferzellkarzinom (englisch: oat cell lung cancer) bezeichnet, da die Zellen unter dem Mikroskop betrachtet Haferkörnern ähneln.

Bei den kleinzelligen Bronchialkarzinomen handelt es sich um eine äußerst aggressive Krebsart, die ohne Behandlung eine sehr schlechte Prognose aufweist und auch trotz Therapie in vielen Fällen nicht geheilt werden kann. Verschiedene therapeutische Maßnahmen können jedoch die Überlebenszeit der Betroffenen verlängern und die Beschwerden lindern.

Die Prognose (die Vorhersage des voraussichtlichen Krankheitsverlaufs) hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab, unter anderem vom Stadium der Erkrankung (beschränkt sich der Tumor auf einen abgrenzbaren Bereich oder hat er bereits in andere Körperregionen gestreut?) und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Lungenkrebs kann grundsätzlich jeden Menschen treffen, allerdings gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko stark erhöhen: Rauchen ist der wichtigste bekannte Risikofaktor, auch beruflicher Umgang mit krebserregenden Stoffen (v. a. Asbest) sowie Exposition mit Feinstaub aus Autoabgasen, bestimmte andere Chemikalien sowie radioaktive Strahlung (Radonbelastung in verschiedenen Gesteinen aus der Umwelt) sind hier zu nennen. Menschen mit bestimmten chronischen Lungenkrankheiten entwickeln ebenfalls im Vergleich häufiger Lungenkrebs.

Symptome

Die bei kleinzelligem Lungenkrebs auftretenden Symptome sind oftmals unspezifisch und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Lang andauernde Heiserkeit, Husten, Atembeschwerden, Schmerzen im Bereich der Brust, Schwellungen im Halsbereich und im Gesicht sowie chronische Infektionen der Atemwege können auf ein Lungenkarzinom hindeuten. Einige Patienten leiden zudem an Kopfschmerzen, Schwindel, allgemeiner körperlicher Schwäche und Appetitlosigkeit, oftmals mit Gewichtsverlust als Folge.

Da der Tumor schnell wächst, sind oft schnell andere Organe als die Lunge mitbetroffen. So kann es zur Vergrößerung der Leber oder bei Befall des Gehirns auch zu neurologischen Symptomen (Sehstörungen, Lähmungen, epileptische Anfälle) kommen. Zudem produzieren manche Tumoren, darunter auch das kleinzellige Bronchialkarzinom, bestimmte, manchmal hormonartige Substanzen, die noch weitere ungewöhnliche Beschwerden verursachen können. 

Diagnostik

Der Arzt wird den Patienten genau nach Symptomen befragen (auch nach Rauchgewohnheiten und anderen Risikofaktoren) und sorgfältig untersuchen. Zur Diagnose und Bestätigung des Verdachts auf Lungenkrebs benötigt der behandelnde Arzt folgende Informationen:

  • Wo in der Lunge befindet sich der Tumor (Lokalisation)?
  • Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten (Stadien-Einteilung / Staging)?
  • Aus welchen Zellarten besteht der Tumor (Klassifikation und Differenzierung)?
  • Röntgenaufnahmen und eine Biopsie (Gewebeprobe) des Lungengewebes versorgen den Arzt mit weiteren wichtigen Informationen.

Darüber hinaus sind verschiedene Bluttests sowie folgende Untersuchungen angezeigt:

  • Bronchoskopie (Lungenspiegelung): Mit einem sogenannten Bronchoskop schaut ein Spezialist durch die Luftröhre in die Atemwege hinein. Dabei können zugleich Gewebeproben, selbst aus von der Luftröhre etwas entfernteren Bereichen der Lunge, entnommen werden.
  • Computertomografie (CT): Mit dieser speziellen Art des Röntgens werden in kurzen Abständen hintereinander zahlreiche Querschnittsaufnahmen von der Lunge gemacht. Die Bilder sind viel detailgenauer als übliche Röntgenbilder; es können auch sehr kleine Tumoren erfasst werden. Manchmal wird auch eine mit dem CT kombinierte Positronen-Emissionstomografie durchgeführt (PET-CT).
  • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie): Auch hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren; mithilfe eines starken Magnetfelds werden Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Zuweilen wird im Vorfeld der Untersuchung ein Kontrastmittel ins Blut gespritzt. Bei der Diagnostik eines Bronchialkarzinoms wird das MRT vor allem eingesetzt um zu prüfen, ob der Tumor bereits Absiedlungen im Gehirn verursacht hat.
  • Mediastinoskopie: Unter Narkose wird oberhalb des Brustbeins ein kleiner Schnitt gesetzt, um mithilfe eines optischen Systems in das Mediastinum (Mittelfellraum im Brustkorb) hineinsehen und Gewebeproben entnehmen zu können.
  • Skelettszintigrafie (Knochenszintigrafie): Bei diesem bildgebenden Verfahren werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz ins Blut gespritzt, die sich im Bereich von eventuellen Metastasen im Skelett anreichert und diese so sichtbar macht.

Zudem wird oft die Lungenfunktion in einer speziellen Untersuchung überprüft.

Ausbreitung

Lungenkrebs kann auf viele Körperregionen übergreifen. Wenn der Tumor diagnostiziert wird, hat er sich schon bei etwa zwei Drittel der Patienten auf den zweiten Lungenflügel oder darüber hinaus ausgedehnt.

Regional (innerhalb eines abgegrenzten Areals in der Nähe des Tumors):

  • auf die Lymphknoten im Bereich der Lungenwurzel (Hilus)
  • auf den anderen Lungenflügel

In Form von Fernmetastasen (Ausbreitung in andere Körperregionen):

  • auf das Skelett
  • auf die Leber
  • auf die Nebennieren (kleine hormonproduzierende Drüsen, die am oberen Ende der Nieren liegen)
  • auf das Zentralnervensystem (ZNS), inklusive Gehirn
  • auf Lymphknoten in anderen Körperregionen
  • auf die Haut

Behandlung

Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom ist nur in einem sehr frühen Stadium, also kleinem Tumor, eine Operation möglich und sinnvoll. Meist ist der Krebs aber dafür schon zu weit fortgeschritten, wenn er erkannt wird. Daher kommen Chemotherapie und Bestrahlung zum Einsatz.

Chemotherapie (Behandlung mit Zytostatika)

Bei kleinzelligen Lungenkarzinomen besteht die Behandlung üblicherweise aus einer Chemotherapie. Die Behandlung mit Chemotherapeutika ist eine systemische Therapie (Behandlung des gesamten Körpers), da sie über den Blutkreislauf erfolgt und auf diese Weise auch Krebszellen außerhalb der Lunge abtöten kann. Sie kann stationär oder ambulant erfolgen; es kommen verschiedene Wirkstoffe in Betracht. Bei über 80% zeigt die Chemotherapie eine Wirkung, häufig jedoch kann das Tumorwachstum nur gebremst, aber nicht aufgehalten werden.

Strahlenbehandlung

Die Strahlenbehandlung erfolgt meist mit einem speziellen Bestrahlungsgerät von außen durch die Haut zielgerichtet auf den Tumor oder Tochtergewschülste. Bei der Strahlentherapie wird Strahlung mit speziellen energetischen Eigenschaften verwendet. Bei der Behandlung kleinzelliger Lungenkarzinome kommt üblicherweise hochenergetische Röntgenstrahlung zum Einsatz, da diese Zellart oftmals sehr empfindlich auf eine Bestrahlung reagiert. Falls der Tumor sehr tief in der Lunge in der Nähe der Luftröhre liegt, können Ärzte auch eine Strahlenquelle in Form einer Sonde in die Luftröhre einführen und den Krebs von innen bestrahlen. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel in mehreren Sitzungen, entweder im gleichen Zeitraum wie die Chemotherapie oder anschließend daran.

Die Strahlenbehandlung erfolgt nach Möglichkeit lokal, d. h. auf einen bestimmten Bereich wie Teile der Lunge, der Luftröhre oder des Skeletts begrenzt. Eine prophylaktische (vorbeugende) Bestrahlung des Kopfs kann in einigen Fällen die Entstehung von Metastasen im Gehirn verhindern. Der Patient spürt während der Behandlung weder Wärme noch Schmerz.

Begleitende Therapie

Durch den Tumor bedingte Beschwerden, zum Beispiel Schmerzen, können durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten oft wirksam gelindert werden. Gegen das durch die Chemotherapie ausgelöste Erbrechen steht eine Reihe effektiver Maßnahmen zur Verfügung. Bei Tochtergeschwülsten im Gehirn erhalten Patienten oft Kortison gegen die durch den Tumor bedingte Schwellung des Hirngewebes.

Rauchen ist der wichtigste bekannte Risikofaktor für Lungenkrebs. Falls Sie bei Diagnosestellung eines solchen Tumors noch rauchen, lohnt es immer noch aufzuhören, weil Sie dann v. a. die Strahlentherapie besser vertragen werden und diese im Allgemeinen besser wirkt.

Neuere Behandlungsmöglichkeiten und Forschung

Weltweit untersuchen Spezialisten neue Behandlungsmöglichkeiten für an Lungenkrebs erkrankte Patienten, so etwa mehrere neue Zytostatika, u. a. Taxol, Taxotere, Topotecan, Irinotecan und Vinorelbin. Zudem gibt es weitere neue Therapieansätze mit Wirkstoffen, die ganz gezielt bei Tumorzellen mit bestimmten genetischen Merkmalen wirken (zielgerichtete Therapieverfahren, Antikörpertherapie). Diese sind beim kleinzelligen Lungenkarzinom bisher noch nicht zugelassen, kommen aber im Rahmen von großen Studien für Patienten zum Einsatz. 

Nebenwirkungen

Da es sich bei kleinzelligem Lungenkrebs um eine Erkrankung handelt, die sich schnell ausbreitet und lebensbedrohliche Formen annimmt, ist eine ebenso aggressive Therapie vonnöten. Die Wirkung der jeweiligen Therapeutika auf die Krebszellen zu begrenzen, ist schwierig, weshalb ein Teil der gesunden Zellen leider ebenso Schaden nehmen kann. Auch wenn jede Therapie individuell auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet wird, kommt es nicht selten zu unangenehmen Nebenwirkungen.

Eine Behandlung mit Zytostatika greift speziell Zellen mit hoher Teilungsrate an. Es bedarf der genauen Kontrolle der Blutwerte des Patienten, sowohl vor als auch nach der Behandlung, da das Knochenmark, das für die Produktion der Blutkörperchen verantwortlich ist, in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Haarverlust, allgemeine körperliche Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Chemotherapie erfolgt üblicherweise in Zyklen mit mehrwöchiger Pause zwischen den einzelnen Behandlungen. Die Nebenwirkungen lassen oftmals einige Zeit nach Verabreichung der Zytostatika nach oder verschwinden vollständig. Gegen Übelkeit und Erbrechen stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung.

Eine Strahlentherapie zerstört das Vermögen der Zellen zur Reproduktion. Gesunde Zellen haben die besten Voraussetzungen, sich wieder zu reparieren. Die Nebenwirkungen sind hier von diversen Faktoren abhängig: dem zu bestrahlenden Areal, der Höhe der Strahlendosis und dem Allgemeinzustand des Patienten. Bei einer Bestrahlung der Lunge kann es zu Übelkeit, Schluckbeschwerden, Hautreaktionen und allgemeiner körperlicher Schwäche kommen. Eine Bestrahlung des Kopfs kann zu Haarausfall, Kopfschmerzen, Hautreaktionen und Übelkeit führen. Diese Nebenwirkungen können jedoch in vielen Fällen effektiv behandelt werden. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt beraten, wenn Sie unter einer oder mehreren der genannten Nebenwirkungen leiden.

Rehabilitation

Lungenkrebspatienten sind nach der Therapie oft in hohem Maße auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Damit sowohl Sie als Patient als auch die Angehörigen die notwendige Unterstützung erhalten, ist es wichtig, frühzeitig über verschiedene unterstützende Möglichkeiten und Rehabilitationsangebote informiert zu werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bronchialkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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