Lungenkrebs, nicht-kleinzelliger

Bei den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen unterscheidet man zwischen den folgenden Unterarten: Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom und großzelliges Karzinom. Als Behandlungsmöglichkeiten kommen Chirurgie, Bestrahlung und oftmals auch Chemotherapie infrage.

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Überblick

Bronchialkarzinome enstehen aus bösartig veränderten Zellen der Bronchien und lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: den nicht-kleinzelligen und den kleinzelligen Krebs. In diesem Artikel geht es um die nicht-kleinzelligen Karzinome.

In Deutschland erkranken jährlich von jeweils 100.000 Personen etwa 65 Männer und 21 Frauen an Lungenkrebs; die meisten in einem Alter zwischen 75 und 80 Jahren. Bei ca. 80 % der Fälle handelt es sich um nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome.

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs – was ist das?

Die drei Unterarten des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms sind das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Sie sind nach dem jeweiligen Zelltyp benannt, aus dem der Tumor besteht. Bei sämtlichen Varianten handelt es sich um Zellarten, die sich unkontrolliert vermehren und in gesundes Gewebe einwachsen können. Ist der Tumor noch klar gegen das umliegende Gewebe abgegrenzt, kann er operativ entfernt werden.

Symptome

Je nach Lage und Größe des Tumors kann sich Lungenkrebs durch vielfältige Symptome äußern. Chronischer Husten, Heiserkeit und Atemnot gehören zu den charakteristischen Krankheitsanzeichen. Auch Schmerzen im Bereich der Brust, Schwellungen im Halsbereich und im Gesicht, Schluckbeschwerden sowie blutiger Auswurf können vorkommen. Wiederkehrende Lungenentzündungen gelten als Warnzeichen und sollten ärztlich abgeklärt werden. Des Weiteren können unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, allgemeine körperliche Schwäche und Appetitlosigkeit auftreten. Hat sich der Krebs bereits auf andere Organe ausgebreitet, sind entsprechend weitere Symptome möglich, z. B.: Knochenschmerzen oder auch neurologische Störungen wie Sehprobleme oder Krampfanfälle bei Befall des Gehirns.

Hauptarten des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms

Plattenepithelkarzinom

Das Plattenepithelkarzinom ist die häufigste Variante des Bronchialkarzinoms. Es geht üblicherweise von den Bronchien (den Hauptästen der Luftröhre, die zur Lunge führen) aus, ist also eher zentral in der Lunge lokalisiert. Im Unterschied zu anderen Krebsarten ist er meist  gekennzeichnet durch eine erst späte Metastasierung.

Adenokarzinom

Das Adenokarzinom besteht aus drüsenartigem Gewebe. Es tritt häufig in den äußeren Regionen der Lunge und greift meist schnell auf Bereiche außerhalb der Lunge über.

Großzelliges Lungenkarzinom

Diese Variante macht den kleinsten Anteil der nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome aus. Meist handelt es sich um recht große Tumoren eher in den äußeren Regionen der Lungen, die oft früh im Verlauf Metastasen bilden.

Diagnose

Der Arzt wird Sie genau zu bestehenden Symptomen, anderen Krankeiten, Rauchgewohnheiten fragen und Sie sorgfältig untersuchen. Zur Diagnose und Bestätigung des Verdachts auf Lungenkrebs benötigt der behandelnde Arzt zudem folgende Informationen:

  • Wo in der Lunge befindet sich der Tumor (Lokalisation)?
  • Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten (Stadien-Einteilung / Staging)?
  • Aus welchen Zellarten besteht der Tumor (Klassifikation und Differenzierung)?
  • Röntgenaufnahmen und eine Biopsie (Gewebeprobe) des Lungengewebes versorgen den Arzt mit weiteren wichtigen Informationen.

Darüber hinaus sind in der Regel folgende Untersuchungen angezeigt:

  • Bronchoskopie (Lungenspiegelung): Mit einem sogenannten Bronchoskop schaut ein Spezialist durch die Luftröhre hindurch in die Atemwege hinein. Dabei können zugleich Gewebeproben, selbst aus von der Luftröhre etwas entfernteren Bereichen der Lunge, entnommen werden.
  • Computertomografie (CT): Mit diesem speziellen Röntgenverfahren werden in kurzen Abständen hintereinander zahlreiche Querschnittsaufnahmen von der Lunge gemacht. Bei einigen speziellen Untersuchungen bekommt der Patient zuvor ein Röntgenkontrastmittel verabreicht. Auf diesen Bildern lassen sich im Vergleich zum üblichen Röntgenbild viel mehr Details erkennen und damit auch sehr kleine Tumoren erfassen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie): Auch hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren; mithilfe eines starken Magnetfelds werden Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Zuweilen wird im Vorfeld der Untersuchung ein Kontrastmittel ins Blut gespritzt. Ein MRT kommt bei der Diagnostik des Bronchialkarzinoms meist zum Einsatz, um zu prüfen, ob sich im Gehirn bereits Tochtergeschwülste gebildet haben.
  • Mediastinoskopie: Unter Narkose wird oberhalb des Brustbeins ein kleiner Schnitt gesetzt, um in das Mediastinum (Mittelfellraum im Brustkorb) hineinsehen und Gewebeproben entnehmen zu können.
  • Skelettszintigrafie (Knochenszintigrafie): Bei diesem bildgebenden Verfahren werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz ins Blut gespritzt, dies sich in Tumorzellen im Knochen anreichert und diese dadurch sichtbar machen kann.

Zudem wird der Arzt verschiedene Bluttests anordnen sowie insbesondere vor Planung einer Operation in der Regel mit einem speziellen Gerät die Lungenfunktion überprüfen.

Ausbreitung

Lungenkrebs kann auf viele Körperregionen übergreifen.

  • Regional (innerhalb eines abgegrenzten Areals):
    • auf die Lymphknoten im Bereich der Lungenwurzel (Hilus)
    • auf den anderen Lungenflügel.
  • In Form von Fernmetastasen (Ausbreitung in anderen Körperregionen):
    • auf das Skelett
    • auf das Zentralnervensystem (ZNS), inklusive Gehirn, sowie auf Lymphknoten in anderen Körperregionen
    • auf die Haut
    • auf die Leber und andere Bauchorgane.

Behandlung

Die Behandlung eines nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms richtet sich danach, in welchem Ausbreitungsstadium sich die Krankheit befindet. Im Stadium 1 ist der Tumor örtlich auf einen Lungenflügel oder einen Lungenlappen begrenzt. Es wird erwogen, ob und in welchem Ausmaß eine operative Entfernung möglich ist. Sowohl Teile der Lunge als auch ein gesamter Lungenflügel können chirurgisch entfernt werden. Wenn der Patient nicht operiert werden kann oder nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt wurde, kann alternativ oder ergänzend eine Bestrahlung in Betracht gezogen werden.

Im Stadium 2 hat sich der Tumor in angrenzendes Gewebe ausgebreitet oder es liegt ein Lymphknotenbefall vor. Die gängige Therapie besteht aus einer Bestrahlung der befallenen Regionen.

Im Stadium 3 sind Fernmetastasen vorhanden, der Tumor hat in andere Körperregionen gestreut. Ist dies der Fall, so wird mittels Bestrahlung und zuweilen auch Chemotherapie (Zytostatika) versucht, die weitere Ausbreitung des Tumors zu verhindern und die Symptome zu lindern.

Die Strahlenbehandlung erfolgt in der Regel mithilfe spezieller Bestrahlungsgeräte von außen durch die Haut zielgerichtet auf den Tumor oder die Metastase. Liegt der Tumor sehr tief in der Lunge in der Nähe der Luftröhre, können Ärzte auch eine spezielle Sonde in die Luftröhre einführen und den Tumor darüber von innen bestrahlen. Das zu bestrahlende Areal wird in der Regel möglichst gering gehalten. Entgegen aller Befürchtungen spürt der Patient während der Behandlung weder Wärme noch Schmerz.

Zusätzlich zu diesen Therapiemöglichkeiten, die direkt das Tumorwachstum bremsen, stehen Maßnahmen und Medikamente zur Verfügung, die begleitende Beschwerden lindern helfen, zum Beispiel gegen Übelkeit, gegen Schmerzen und Kurzatmigkeit oder auch anderen Problemen. 

Neuere Behandlungsmöglichkeiten und Forschung

Weltweit untersuchen Spezialisten weitere Behandlungsmöglichkeiten für an Lungenkrebs erkrankte Patienten, unter anderem neuere Kombinationspräparate. Gerade bei nicht-kleinzelligen Lungenkrebs wurden auf der einen Seite spezielle Tumormerkmale (genetische Auffälligkeiten) entdeckt und auf der anderen Seite bestimmte Wirkstoffe entwickelt, die genau bei diesen Merkmalen wirksam die Krebszellen bekämpfen können. Inzwischen wurden verschiedene dieser sog. zielgerichteten Wirkstoffe zur Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zugelassen. Ob und welches dieser Medikamente für den einzelnen Patienten infrage kommt, wird im Rahmen der Diagnostik genau geprüft. 

Nebenwirkungen der herkömmlichen Behandlungsmethoden

Chirurgische Eingriffe können für einen an Lungenkrebs erkrankten Patienten sowohl während als auch nach der Operation eine enorme Belastung darstellen. Oftmals ist einige Monate nach der Behandlung aber wieder eine überwiegend uneingeschränkte Teilnahme an den Aktivitäten des täglichen Lebens möglich. Allerdings kann sich der Krebs trotz Operation später wieder ausbreiten und erneut Beschwerden verursachen.

Eine Strahlen- und auch Chemotherapie zerstört das Vermögen der Zellen zur Reproduktion. Gesunde Zellen haben die besten Voraussetzungen, sich wieder zu reparieren. Die Nebenwirkungen sind hier von diversen Faktoren abhängig: dem zu bestrahlenden Areal, der Höhe der Strahlendosis (bzw. der Dosis des Zytostatikums) und dem Allgemeinzustand des Patienten. Bei einer Bestrahlung der Lunge kann es zu Übelkeit, Schluckbeschwerden, Hautreaktionen und allgemeiner körperlicher Schwäche kommen. Auch eine Chemotherapie führt oft zu Übelkeit, Erschöpfung oder auch Haarausfall. Diese Nebenwirkungen können oft effektiv behandelt werden. Falls Sie unter entsprechenden Beschwerden leiden, sollten Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen.

Rehabilitation

Lungenkrebspatienten sind nach der Therapie in hohem Maße auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Damit sowohl Sie als Patient als auch die Angehörigen die notwendige Unterstützung erhalten, ist es wichtig, frühzeitig über verschiedene unterstützende Möglichkeiten und und Rehabilitationsangebote informiert zu werden.

Prognose

Ist eine Operation (bei begrenzten Tumoren) grundsätzlich möglich, so ist grundsätzlich eine Heilung möglich; die Prognose hängt aber von verschiedenen Voraussetzungen wie der Tumorgröße und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Bei den meisten Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ist eine operative Entfernung des Tumors jedoch nicht möglich. In dem Fall können eine Strahlenbehandlung und/oder Chemotherapie und ggf. zielgerichtete Therapeutika das Tumorwachstum bremsen, das Überleben verlängern und die Beschwerden lindern. Insgesamt sind Bronchialkarzinome recht aggressive Tumoren; hat sich bei Diagnosestellung der Tumor bereits ausgebreitet, ist eine Heilung meist nicht mehr möglich. 

Weitere Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bronchialkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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