Allergische Alveolitis

Bei der allergischen Alveolitis handelt es sich um eine Gruppe von Lungenerkrankungen, die durch eine Entzündung des Lungengewebes nach Einatmen von organischen Stäuben wie Pilzen, Bakterien, tierischen Proteinen und anderen tierischen Stäuben entsteht.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Fakten

  • Eine Allergie ist eine Art Überempfindlichkeit des Körpers.
  • Unter allergischer Alveolitis versteht man eine Gruppe von Lungenerkrankungen, die durch eine Entzündung des Lungengewebes nach Einatmen von organischen Stäuben wie Pilzen, Bakterien, tierischen Proteinen und anderen tierischen Stäuben entsteht.
  • Am häufigsten entsteht eine allergische Alveolitis infolge von Staubexposition im Beruf.
  • Die Erkrankung kann unterschiedlich intensiv verlaufen und verschiedene Symptome und Beschwerdebilder zeigen.
  • Eine Vorbeugung der Erkrankung ist möglich, indem man weniger organischen Stäuben aussetzt ist.

Was ist die allergische Alveolitis?

Luftröhre, Bronchien, Alveolen

Unter allergischer Alveolitis versteht man eine Gruppe von Lungenerkrankungen, die durch eine Entzündung des Lungengewebes nach Einatmen von organischen Stäuben wie Pilzen, Bakterien, tierischen Proteinen und anderen tierischen Stäuben entsteht. Die Entzündung betrifft die Alveolen, das heißt die Lungenbläschen, die die äußersten Teile der Lunge bilden. Andere umgangsprachliche Bezeichnungen der Erkrankung sind Vogelhalterlunge oder Farmerlunge. Die Erkrankung kann unterschiedlich intensiv auftreten und verschiedene Symptome und Beschwerdebilder zeigen. Von Patient zu Patient kann sie zudem unterschiedlich verlaufen. Es wird zwischen der akuten, subakuten und chronischen Form unterschieden.

Am häufigsten entsteht eine allergische Alveolitis infolge von Staubexposition im Beruf. Die Erkrankung kommt darum am häufigsten in der Landwirtschaft und bei Menschen vor, die mit lebenden Vögeln arbeiten. Ein kleiner Teil der Menschen, die diesen Stäuben ausgesetzt sind, wird krank. Das Vorkommen unter Landwirten liegt zwischen 1 % und 6 %.

Ursache

Die Hauptursache ist das Einatmen von organischen Stäuben, die wärmeliebende Bakterien, Amöben, Pilze und Bakterien oder tierische und pflanzliche Proteine enthalten. Die Erkrankung kann allerdings auch nach der Inhalation von Chemikalien wie Isozyanaten und Säureanhydriden sowie Metallen wie Beryllium und Kobalt auftreten. Am häufigsten tritt die Erkrankung nach dem Einatmen von Pilzsporen oder Vogelproteinen auf, was zu einer Farmerlunge bzw. Vogelhalterlunge führen kann.

Die akute Form der Erkrankung entsteht durch eine allergische Überempfindlichkeitsreaktion, während die subakute Form durch wiederholte Exposition über mehrere Wochen oder Monate hervorgerufen wird. Bei dem chronischen Krankheitsverlauf kommt es zu einer langsameren Überempfindlichkeitsreaktion, bei der Bindegewebe in die Lungen einwächst, das heißt, normales Lungengewebe wird durch „unnützes“ Gewebe ersetzt, es kommt zur Lungenfibrose und nach und nach zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion.

Von der Erkrankung sind meist Nichtraucher betroffen. Es wird angenommen, dass das Rauchen von Zigaretten einen gewissen Schutz vor der Erkrankung bietet.

Symptome

Wie bereits gesagt, wird die allergische Alveolitis in eine akute, subakute und chronische Form unterteilt.

Die akute Form entsteht einige Stunden bis Tage nach einer wiederholten, umfassenden Exposition und äußert sich in grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Husten. Die subakute Form kennzeichnet sich durch Atembeschwerden und Husten, oft mit einer zeitweisen Verschlechterung, die mit der wiederholten Exposition über mehrere Wochen oder Monate zusammenhängt. Bei der chronischen Form kommt es über Monate oder Jahre hinweg zu einer schwachen Exposition. Die Erkrankung äußert sich durch Atembeschwerden, Husten, Müdigkeit und Gewichtsverlust.

Diagnostik

Die Diagnose ist bei Menschen mit Lungenproblemen, die organischen Stäuben ausgesetzt waren, angezeigt. Eine ärztliche Untersuchung kann abklären, ob eine Lungenerkrankung vorliegt, aber nicht, um welche Form es sich handelt. Blutuntersuchungen sind im Allgemeinen nur begrenzt aussagekräftig, können aber zum Beispiel zur Bestimmung von Antikörpern gegen beispielsweise Vögel hilfreich sein. Die Messung der Lungenfunktion mittels Spirometrie kann eine herabgesetzte Lungenfunktion zeigen. In der akuten und frühen Phase zeigen die Röntgenbilder in der Regel keine Veränderungen in der Lunge. Mit einer Computertomografie der Lunge kann die Erkrankung allerdings bereits frühzeitig erkannt werden. Bessert sich der Zustand, wenn eine Staubexposition vermieden wird, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf die Erkrankung.

Therapie

Der Erkrankung kann vorgebeugt werden, indem die Exposition gegenüber organischen Stäuben eingeschränkt wird, beispielsweise durch das Tragen einer Gesichtsmaske. Durch eine rechtzeitige Diagnose und Therapie ist eine vollständige Heilung möglich. Bei der chronischen Form kann der Verlauf der Erkrankung abgeschwächt werden, wenn die Exposition beendet und mit einer medikamentösen Behandlung begonnen wird.

Bei einem akuten Krankheitsverlauf kann eine Therapie mit Kortikosteroiden die Symptome lindern und den Verlauf verkürzen, aber die Ausbildung einer Fibrose kann damit nicht in allen Fällen ausgeschlossen werden. In den ersten Wochen wird 40 mg Prednisolon täglich und danach 20 mg täglich empfohlen, bis die Lungenbeschwerden verschwunden sind und der Röntgenbefund wieder unauffällig ist. Auch bei einem chronischen Krankheitsverlauf ist eine Therapie mit Kortikosteroiden notwendig und sollte drei bis sechs Monate durchgeführt werden.

Prognose

Die Prognose bei einer akuten Alveolitis ist gut, wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wurde und es nur zu einer geringen Exposition gegenüber Vogelexkrementen gekommen ist. Bei dem chronischen Krankheitsverlauf ist es unwahrscheinlich, dass die bereits entstandene Schädigung der Lunge verbessert werden kann. Die Prognose, dass der weitere Krankheitsverlauf gestoppt werden kann, ist aber gut. Dabei ist es wichtig, dass man keinen organischen Stäuben mehr ausgesetzt ist.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Exogen allergische Alveolitis (EAA). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. King TE. Diagnosis of hypersensitivity pneumonitis (extrinsic allergic alveolitis). UpToDate Aug 20, 2014. www.uptodate.com
  2. Agostini C, Trentin L, Facco M, Semenzato G. New aspects of hypersensitivity pneumonitis. Curr Opin Pulm Med 2004; 10: 378-82. PubMed
  3. Selman M. Hypersensitivity pneumonitis: a multifaceted deceiving disorder. Clin Chest Med 2004; 25: 531-47. PubMed
  4. Rolke M, Rumpf J, Kroidl R et al. . Neue epidemiologische Daten zur exogen-allergischen Alveolitis in Deutschland. Allergologie 2006; 29 (11) : 439–442.
  5. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Anerkannte Berufskrankheiten, Berlin, 2015 www.dguv.de
  6. Hendrick DJ, Faux JA, Marshall R. Budgerigar-fancier's lung: the commonest variety of allergic alveolitis in Britain. BMJ 1978; 2: 8-14. British Medical Journal
  7. Caldwell JR, Pearce DE, Spencer C et al. Immunologic mechanisms in hypersensitivity pneumonitis. J Allergy Clin Immunol 1973; 52: 225-30. PubMed
  8. Elgefors B, Belin L, Hanson LÅ. Pigeon breeder's lung. Clinical and immunological observations. Scand J Resp Dis 1971; 52: 167-76. PubMed
  9. Patel AM, Ryu JH, Reed CE. Hypersensitivity pneumonitis: current concepts and future questions. J Allergy Clin Immunol 2001; 108: 661-70. PubMed
  10. Reed CE, Soman E, Barbee RA. Pigion-breeders lung - a newly observed interstitial pulmonary disease. J Am Med Assoc 1965; 193: 261-6. PubMed
  11. McSharry C, Anderson K, Bourke SJ et al. Takes your breath away - the immunology of allergic alveolitis. Clin Exp Immunol 2002; 128: 3-9. PubMed
  12. Hunninghake GW, Richerson HB. Hypersensitivity pneumonitis and eosinophilic pneumonias. I: Fauci AS, red. Harrisons principles of internal medicine. 14. utg. New York, NY: McGraw-Hill, 1998: 1426-9.
  13. Newman-Taylor AJ. Extrinsic allergic alveolitis. I: Brewis RAL, Corrin B, Geddes DM et al, red. Respiratory medicine. 2. utg. London: W.B. Saunders, 1996: 1395-402.
  14. Baldwin CI, Todd A, Bourke S et al. Pigeon fanciers' lung: effects of smoking on serum and salivary antibody responses to pigeon antigens. Clin Exp Immunol 1998; 113: 166-72. PubMed
  15. Bourke SJ, Carter R, Anderson K et al. Obstructive airways disease in non-smoking subjects with pigeon fanciers' lung. Clin Exp Allergy 1989; 19: 629-32. PubMed
  16. Murin, S, Bilello, KS, Matthay, R. Other smoking-affected pulmonary diseases. Clin Chest Med 2000; 21:121. PubMed
  17. Salvaggio JE. The identification of hypersensitivity pneumonitis. Hosp Pract 1995; 30: 57. PubMed
  18. M. Raulf-Heimsoth. Die exogen allergische Alveolitis - ein aktuelles Thema. BGFA-Info 03/2003. Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Bochum 2003
  19. Robert Koch Institut. Schimmelpilzbelastung in Innenräumen – Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen. . Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2007; 50: 1308–1323. doi:10.1007/s00103-007-0339-y edoc.rki.de
  20. Schuyler M. The diagnosis of hypersensitivity pneumonitis. Chest 1997; 111: 534-6. PubMed
  21. Kokkarinen, JI, Tukiainen, HO, Terho, EO. Effect of corticosteroid treatment on the recovery of pulmonary function in farmer's lung. Am Rev Respir Dis 1992; 145: 3. PubMed
  22. King TE. Treatment and prognosis of hypersensitivity pneumonitis (extrinsic allergic alveolitis). UpToDate Aug 19, 2014. www.uptodate.com
  23. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dortmund. Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22. Dezember 2014. Zugriff 24.1.2017. www.baua.de
  24. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de
  25. Mehrtens, G. Valentin, H. Schönberger, A. Arbeitsunfall und Berufskrankheit : rechtliche und medizinische Grundlagen für Gutachter, Sozialverwaltung S.878ff. Berlin: Erich Schmidt Verlag 9: Auflage, 2017.