Asbestose

Asbestose ist eine Krankheit, die durch das Einatmen von Asbeststaub hervorgerufen wird. Mit der Zeit wandelt sich das Lungengewebe dadurch in Narbengewebe um – es entsteht eine Lungenfibrose.

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Was ist Asbestose?

Asbestose
Asbestose

Asbestose ist eine Krankheit, die durch das Einatmen von Asbeststaub hervorgerufen wird. Mit der Zeit wandelt sich das Lungengewebe dadurch in Narbengewebe um – es entsteht eine Lungenfibrose. Diese Form der Lungenfibrose bildet sich typischerweise zwischen den unterschiedlichen Schichten des Lungengewebes. Bei vielen Patienten zeigt die Krankheit einen leichten und wenig schmerzhaften Verlauf. Von dem Zeitpunkt, ab dem Betroffene Asbeststaub ausgesetzt sind, bis zu der Entdeckung der Krankheit, dauert es für gewöhnlich 20 bis 30 Jahre. Andere asbestbedingte Lungenerkrankungen sind Lungenkrebs, Mesotheliome und pleurale Plaques. Bereits 1890 wurde die Inhalation von Asbestfasern mit dem Auftreten von Lungenerkrankungen in Verbindung gebracht.

Für das Jahr 2013 wurde infolge von Asbest-Exposition in 1.920 Fällen eine Berufskrankheit von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt, und es wurden 889 Todesfälle gemeldet. Asbestbedingte Krankheiten zeigen sich erst 30 bis 40 Jahre, nachdem man Asbest ausgesetzt war. Am langsamsten entwickeln sich dabei Mesotheliome; es wird davon ausgegangen, dass die Häufigkeit dieser Krankheit in Europa bis 2020 steigen wird. In den Entwicklungsländern wird Asbest immer noch in großen Mengen eingesetzt, und die Häufigkeit der Krankheit wird auch in Zukunft hoch sein.

Ursache

Asbest ist die kleinste, natürlich vorkommende Faserart und gelangt beim Einatmen in die Lunge. Asbest ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige Silikat-Minerale. Aufgrund seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften eignet sich Asbest für die Herstellung verschiedenster Produkte, u. a. zur Wärmeisolierung und für feuerfeste Produkte. Aufgrund der krankheitserregenden Eigenschaften ist es heutzutage in Isoliermaterial verboten.

Meist wird ein Unterschied zwischen drei Expositionsarten (= Ausgesetztsein) gegenüber Asbest gemacht:

  • primäre Exposition: Minenarbeiter
  • sekundäre Exposition: berufsbedingter Kontakt mit Asbest, z. B. im Baugewerbe
  • tertiäre Exposition: Aufnahme über die Umwelt, z. B. Einatmen asbestverunreinigter Luft.

Die Asbestfasern werden beim Einatmen aus der asbestverunreinigten Luft aufgenommen. Große Asbestfasern setzen sich an der Schleimhaut der oberen Atemwege fest und werden über die normale Reinigungsfunktion der Schleimhaut ausgeschieden. Asbestfasern mit einem Durchmesser von 0,5–5 µm gelangen allerdings in die kleinsten Teile der Lunge, die Lungenbläschen.

Die kleinen Asbestfasern verursachen direkt Schäden an den Zellen der unteren Atemwege. Die geschädigten Zellen lösen eine Entzündungsreaktion aus – die sogenannte Alveolitis. Bei einer umfangreichen Asbestexposition intensiviert sich die Entzündung und kann zu Gewebeschäden und einer zunehmenden Umwandlung von Lungengewebe in Bindegewebe führen.

Die Krankheit betrifft beide Lungenflügel. Im Krankheitsverlauf kann es zu einer Lungen- und Herzinsuffizienz kommen.

Prädiktoren

Bei der Arbeit mit Asbest besteht das Risiko, dass sich die Fasern verteilen und eingeatmet werden, sofern keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden. Häufige Quellen für eine Asbestexposition sind Eternit, Isoliermaterial, Bremsband, Schiffsmotoren, Öfen, Wartungsarbeiten usw. Neue Produkte enthalten nur noch sehr selten Asbest, aber Produkte, die vor 1980 hergestellt wurden, können beträchtliche Mengen Asbest enthalten.

Die Konzentration von Asbestfasern in Räumen normaler Wohnhäuser ist normalerweise sehr niedrig und stellt keine Gefahr für die Ausbildung von Asbestose oder Krebs dar. Messbare Konzentrationen in der Raumluft sind meist auf Material mit einer beschädigten Versiegelung, beispielsweise durch direkte mechanische Belastung, Feuchtigkeitsschäden oder versäumte Wartung, zurückzuführen.

Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der insgesamt eingeatmeten Menge an Asbestfasern, der Dauer der Exposition und dem Risiko der Ausbildung einer Asbestose. Rauchen erhöht vermutlich das Risiko einer Asbestose bei Personen, die Asbest ausgesetzt sind. Die Kombination aus Rauchen und Asbestexposition führt darüber hinaus zu einem 50- bis 90-mal höheren Lungenkrebsrisiko im Gegensatz zu nur einem Risikofaktor.

Diagnostik

Die Krankheit tritt in der Regel 15 bis 20 Jahre, nachdem eine Person Asbest ausgesetzt war, auf. Die ersten Symptome entwickeln sich langsam und sind unspezifisch: zunehmende Kurzatmigkeit bei Anstrengung und anhaltender, häufiger trockener Husten. Bei einer geringen Anzahl der Betroffenen tritt ein Druckgefühl oder stechender Schmerz in der Brust auf.

Bei einer ärztlichen Untersuchung können abnormale Atemgeräusche hörbar sein, jedoch ist dies nicht immer der Fall. Trommelschlägelfinger treten bei 30 bis 40 % der Patienten auf und sind ein Anzeichen für eine schwere oder fortgeschrittene Erkrankung. Bei einer Untersuchung der Lungenfunktion, einer Spirometrie, zeigt sich eine geschwächte Lungenkapazität.

Röntgenbilder der Lunge können kleinflächige und bandförmige Verdichtungen zeigen, meist im unteren Teil der Lunge. Bei einer Röntgenuntersuchung werden 85 bis 90 % aller Asbestosefälle diagnostiziert und nur 5 bis 10 % der Diagnosen sind falsch, das heißt, die Spezifität liegt bei 90 bis 95 %. Eine noch zuverlässigere Diagnose kann mit einer Computertomografie mit hoher Auflösung gestellt werden.

Therapie

Momentan gibt es keine gute Therapiemöglichkeit, die den natürlichen Verlauf der Asbestose beeinflussen kann. Medikamente haben noch keine Wirkung gezeigt. Eine Sauerstoffbehandlung kann bei fortgeschrittener Erkrankung notwendig sein. Die wichtigste Empfehlung für Raucher ist, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die wichtigste Vorbeugemaßnahme ist die eingeschränkte Verwendung von Asbest. Alle Arbeiten mit Asbest und asbesthaltigen Produkten, darunter Wartungs-, Abriss- und Sanierungsarbeiten, müssen der für Arbeitsschutz zuständigen Behörde gemeldet werden. Ausschließlich ausgebildetes Personal mit einer Genehmigung der für Arbeitsschutz zuständigen Behörde darf solche Arbeiten ausführen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Asbestose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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