Atelektase

Bei einer Atelektase sind Teile des Lungengewebes kollabiert, wodurch sich das Lungenvolumen verringert und das Atmen schwerer fällt. Ursachen dafür können z. B. Zustand nach einer größeren Operation oder Lungenkrebs bzw. vergrößerte Lymphknoten im Brustraum sein.

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Was ist eine Atelektase?

Bei einer Atelektase ist das betroffene Lungengewebe kollabiert, und es kann sich beim Einatmen nicht mehr mit Luft füllen. Üblicherweise ist davon nur ein kleiner Lungenabschnitt betroffen, also nur einige der zahlreich vorhandenen kleinen Lungenbläschen sind verschlossen. Der Großteil der Lungenbläschen bleibt jedoch weiterhin geöffnet, sodass die Atmung zwar erschwert, aber noch ausreichend möglich ist.

Ursache

Angeborene Atelektase

Eine unvollständige Entwicklung kleinerer oder größerer Lungenabschnitte bei der Geburt tritt insbesondere bei Frühgeborenen auf, deren Lungen noch nicht vollständig entwickelt sind.

Die Inhalation von Schleim oder Fruchtwasser über die Atemwege (sog. Aspiration) kann ebenfalls zu einer Atelektase führen, weil dadurch die kleinen Gänge zu den Lungenbläschen verlegt werden.

Erworbene Atelektase

Diese Form entsteht, wenn das Lungengewebe zusammengedrückt wird oder die Atemwege blockiert werden. Eine häufige Ursache dieser Atelektase ist eine erhöhte Schleimbildung in den Bronchien. Diese tritt vor allem bei chronischen Lungenkrankheiten wie COPD oder bei zystischer Fibrose auf. Der Schleim legt sich vor die Öffnung der kleinen Bronchialverästelungen; wenn die Atemwege blockiert sind, kollabiert dieser Lungenabschnitt.

Die Lunge kann auch kollabieren, wenn Luft zwischen Lungengewebe und Lungenfell eindringt (Pneumothorax) und dadurch auf die Lunge drückt. Dies kann auch Folge einer schweren Verletzung des Brustkorbs sein. Auch Lungenkrebs oder vergrößerte Lymphknoten im Bereich der Lunge können wegen ihres Umfangs auf das Lungengewebe drücken und dadurch eine Atelektase bedingen.

Großen Druck auf die Lungen können auch Tumoren oder Flüssigkeitsansammlungen (Aszites) im Bauchraum ausüben, wenn sich das Zwerchfell nach oben verschiebt und der Lunge den Platz nimmt. Eine Zwerchfelllähmung ist ebenfalls eine mögliche Ursache.

Eine Atelektase ist nach Operationen ebenfalls nicht ungewöhnlich. Während der Narkose ist der Hustenreflex nicht aktiv und die Flimmerhärchen sind gelähmt. So kann sich leicht Schleim in den Bronchien ansammeln. Während der Narkose atmen die Patienten zudem oberflächlicher. Die Kombination dieser Faktoren führt dazu, dass eine Atelektase leicht entstehen kann.

Diagnostik

Kleine Atelektasen gehen oft ohne Beschwerden einher. Typische Symptome größerer Atelektasen sind Atemnot bzw. erschwerte Atmung. Die Ärztin/der Arzt kann meist eine beschleunigte Atmung (Tachypnoe), einen beschleunigten Puls sowie eine bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose) aufgrund der schlechten Sauerstoffversorgung feststellen. Treten diese Symptome im Zusammenhang mit einer Operation auf, könnte es sich um eine Atelektase handeln. Eine zuverlässige Diagnose kann allerdings erst mit einer Röntgenuntersuchung gestellt werden. Auf einem Röntgenbild der Lunge zeigt sich die Atelektase typischerweise als kleiner keilförmiger, gleichmäßiger Schatten. Sind große Bereiche der Lungen betroffen, sind zudem weitere Auffälligkeiten, etwa eine verschobene Herzkontur, zu sehen.

Zudem werden im Blut Entzündungswerte bestimmt, um einen Hinweis auf eine evtl. vorliegende Infektion zu erhalten.

Eine Bronchoskopie (die Untersuchung der Atemwege mit einem Bronchoskop, das in die Luftröhre eingeführt wird) wird in der Regel bei größeren Atelektasen durchgeführt. Damit werden die auslösenden Ursachen aufgezeigt und Schleim oder anderes Material, das die Atemwege blockiert, entfernt. Bei kleineren Atelektasen ist dies nicht notwendig.

Therapie

Kleine Atelektasen bilden sich in der Regel von selbst wieder zurück. Nach einer Operation ist es hilfreich, regelmäßig abzuhusten und möglichst gleichmäßig und tief ein- und auszuatmen (was evtl. eine ausreichende Schmerzmedikation erfordert), damit sich entstandenen Atelektasen schnell zurückbilden.

In manchen Fällen – gerade auch bei chronischen Lungenkrankheiten mit erhöhtem Risiko für Atelektasen – ist es empfehlenswert, mithilfe einer Physiotherapeutin/eines Physiotherapeuten Hustentechniken und Techniken zur Verbesserung des Schleimtransports zu erlernen.

Zeigt diese Therapie keinen Erfolg, ist eine Einweisung ins Krankenhaus nötig. Die dort durchgeführte Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und kann eine Antibiotikagabe (falls zugleich eine Lungenentzündung vorliegt), Bronchoskopie mit Entfernung von Schleim/einem Fremdkörper, Medikamente zur Erweiterung der Atemwege oder auch eine Beatmung mit mäßigem Überdruck beinhalten, um die Lungenbläschen wieder zu öffnen.

Prognose

Ein Großteil der Atelektasen klingt ohne Therapie ab. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb von einigen Wochen.

In seltenen Einzelfällen kann die Atelektase nicht geheilt werden. Auf lange Sicht erholt sich die Lungenfunktion nicht vollständig, da ein kleiner (oder größerer) Abschnitt der Lunge nicht mehr richtig funktioniert. Bei einer chronischen Atelektase können sich in diesem Bereich leichter Lungenentzündungen entwickeln. Daher ist es für Patienten mit bestehenden Atelektasen wichtig, sich ärztlich untersuchen zu lassen, wenn sie Fieber oder Husten bekommen.

Chronische Atelektasen können zudem zur Verhärtung des Lungengewebes (Lungenfibrose) oder dauerhaft erweiterten Lungenbläschen (Bronchiektasen) führen, die jedoch für die Atmung ebenfalls nicht zu nutzen sind.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Atelektase. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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