Lungenfibrose

Bei der Lungenfibrose kommt es zur krankhaften Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge. Dadurch kommt es im Lungengewebe zur Narbenbildung. Dadurch verringert sich der Gasaustausch zwischen Lunge und Blut, sodass es zu Atembeschwerden kommt.

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Was ist Lungenfibrose?

Lungenfibrose
Lungenfibrose

Bei der Lungenfibrose kommt es zur krankhaften Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge. Dadurch kommt es im Lungengewebe zur Narbenbildung. Mit der Narbenbildung repariert der Körper Gewebeschäden nicht nur in der Lunge, sondern im gesamten Körper. Dies ist mit einer Narbe auf der Haut vergleichbar. Bei der Lungenfibrose tritt eine abnormale Narbenbildung in den Lungenbläschen auf. Bildet sich anstelle des normalen Lungengewebes Narbengewebe, verschlechtert sich der Gasaustausch zwischen Lunge und Blut. Die Lunge wird steifer, ist weniger elastisch, und es kann nur noch eine geringe Oberfläche zum Gasaustausch genutzt werden. Leidet eine Person unter einer milden Form der Lungenfibrose, macht sich diese bei der Atmung oftmals gar nicht bemerkbar. Je weiter die Lungenfibrose allerdings fortgeschritten ist, desto schwerer fällt das Atmen.

Ursache

Die Lungenfibrose kann viele verschiedene Ursachen haben, und es ist oft schwierig festzustellen, wodurch die Erkrankung im Einzelfall ausgelöst wurde. Nachfolgend finden Sie einige bekannte Ursachen.

Berufs- und Umwelteinflüsse

Bei vielen Berufen werden große Mengen Staub eingeatmet, was mit der Zeit zu einer Fibrose in der Lunge führen kann. Typischerweise scheidet die Lunge nur einen kleinen Teil der Teilchen aus, die eingeatmet wurden. Die restlichen Teilchen können darum auch noch Jahre, nachdem die Staubexposition aufgehört hat, auf die Lunge einwirken. Die häufigsten dieser Staublungenerkrankungen, die Pneumokoniosen genannt werden, sind:

  • Silikose, verursacht durch das Einatmen von Kieselsäure oder Siliciumdioxid, die in den Mineralien Quarz, Cristobalit und Tridymit vorkommen.

  • Asbestose, verursacht durch das Einatmen von Asbest, einer Sammelbezeichnung für viele faserige Silikate, z. B. Chrysotil, Crocidolit, Amosit oder Tremolit. Asbest wird als Bindemittel bei der Herstellung von Dachplatten (Eternit), Isoliermaterial, Trennwänden und Fußbodenbelag verwendet. Asbestprodukte wurden früher zur Isolierung von Rohren und Dampfkesseln sowie als Bremsbeläge verwendet. Lesen Sie auch die Informationsbroschüre zu den beruflich ausgelösten, asbestbedingten Lungenerkrankungen.
  • Andere Staublungenerkrankungen sind die Kohlenstaublunge, die durch Beryllium verursachte Berylliose, die durch Magnesiumsilikat verursachte Talkstaublunge (Talkose), die durch Zinn und Zinnoxid verursachte Zinnstaublunge (Stannose) und die durch Eisen oder Eisenoxid verursachte Siderose.

Landwirte können großen Mengen Pilzsporen aus dem Heustaub ausgesetzt sein. Dies kann eine allergische Reaktion in der Lunge hervorrufen, welche Farmerlunge genannt wird. Wird die Einatmung dieses krankheitserregenden Staubs gestoppt, kann sich die Erkrankung zurückbilden, bevor sich Narben in der Lunge bilden. Mit der Zeit kann die Erkrankung zur Lungenfibrose führen.

Medikamente

Es gibt leider Medikamente, deren Nebenwirkungen eine Lungenfibrose sein können. Bei Ihrem Arzt erhalten Sie weitere Informationen.

Bestrahlung

Bei der Krebstherapie wird unter anderem radioaktive Strahlung eingesetzt. Neben der Bekämpfung des Krebsgeschwürs kann diese Strahlung auch gesundes Gewebe schädigen. Bei der Bestrahlung der Lunge, wie es bei der Therapie von Brustkrebs der Fall ist, kann die Lunge geschädigt werden, was zu einer Narbenbildung führen kann.

Bindegewebserkrankungen

Rheumatische Erkrankungen können manchmal die Lunge schädigen, sodass es zu einer Lungenfibrose kommt. Andere Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen, z. B. Sklerodermie, können ebenfalls die Lunge schädigen und zu einer Fibrose führen.

Lungenfibrose ohne bekannte Ursache, idiopathische Lungenfibrose

Konnten alle bekannten Ursachen der Lungenfibrose ausgeschlossen werden, handelt es sich um eine idiopathische Lungenfibrose, d. h. eine Lungenfibrose unbekannter Ursache.

Symptome

Die Symptome entwickeln sich meist schleichend. Die Hauptsymptome sind Kurzatmigkeit bei Anstrengung in Verbindung mit chronischem Husten. Bei einem Fortschreiten der Erkrankung leidet der Patient unter zunehmender Kurzatmigkeit; bei einer schweren Lungenfibrose kann es auch zu Atemnot in Ruhe kommen. Aufgrund der ausgeprägten Narbenbildung ist es für das Herz schwerer, Blut durch das Lungengewebe zu pumpen. Der erhöhte Widerstand des Blutes verursacht einen Rückstau im System, sodass sich das Blut vor dem Herz staut bzw. davor stockt. Dies kann mit der Zeit zu einer Herzinsuffizienz führen.

Diagnostik

Die ersten Symptome ähneln vielen Lungen- und Herzerkrankungen, was eine Diagnose in einem frühen Stadium erschwert. Die Anamnese, d. h. die Krankengeschichte, ist für die richtige Diagnose ausschlaggebend. Darum ist es wichtig, dass der Patient möglichst genaue Angaben macht, insbesondere zu seinem Arbeitsumfeld.

Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch und nimmt Blutproben, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Lungenfunktionstests bzw. Atemtests geben Auskunft darüber, um welche Art der Lungenerkrankung es sich handelt. Die Lungenfibrose ist fast immer auf dem Röntgenbild der Lunge sichtbar. Bestehen nach dem Röntgen dennoch Zweifel, kann eine Gewebeprobe der Lunge für eine mikroskopische Untersuchung genommen werden.

Lungenfibrose (HR-CT)
Lungenfibrose (Röntgen)
Silikose
 

Therapie

Für das Narbengewebe in der Lunge gilt wie für andere Narben: Sie sind permanent. Der Patient muss darum damit rechnen, dass die Kurzatmigkeit eventuell nicht geheilt werden kann. Das Hauptziel der Therapie ist die Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Narbenbildung. Die wichtigste Maßnahme ist darum, die Ursache der Erkrankung zu finden und diese zu beseitigen.

Bei einigen der Erkrankungen – Farmerlunge und medikamentenbedingte Fibrose – treten die Symptome auf, bevor sich die Fibrose vollständig entwickelt hat. Wird die krankheitserregende Ursache schnell beseitigt, können die Ausbreitung der Fibrose verhindert und die Symptome gelindert werden. Die meisten Patienten werden medikamentös mit Kortison behandelt, was die Entzündung hemmt und die Narbenbildung meist bremst.

Leider kann die Ausbreitung der Lungenfibrose nicht immer gestoppt werden. Im schlimmsten Fall ist eine Lungentransplantation notwendig.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lungenfibrose, idiopathische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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