Spontanpneumothorax

Bei einem Spontanpneumothorax handelt es sich um eine plötzliche Ansammlung von Luft zwischen der Lunge und dem Rippenfell, ohne äußere Einwirkungen als Ursache und scheinbar zufällig auftretend. Bei den meisten Betroffenen ist dies ein leichter und vorübergehender Zustand, aber in Ausnahmefällen kann er lebensbedrohlich sein.

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Was ist ein Spontanpneumothorax?

 

Beginnender Pneumothorax
Beginnender Pneumothorax

Bei einem Spontanpneumothorax handelt es sich um eine plötzliche Ansammlung von Luft zwischen der Lunge und dem Rippenfell, ohne äußere Einwirkungen (z. B. Verletzungen) als Ursache und scheinbar zufällig auftretend. Die Luftansammlung ist darauf zurückzuführen, dass kleine Lungenbläschen (Alveolen) am äußeren Rand des Lungengewebes platzen.  Dadurch tritt Luft aus den Bläschen in den schmalen Spalt zwischen Lunge und Rippenfell aus. Dieser Spalt (Pleuraspalt) ist normalerweise sehr schmal und mit einem Flüssigkeitssaum gefüllt, wodurch die Lunge nach außen gezogen wird, sobald sich der Brustkorb weitet (beim Einatmen). Dringt nun Luft in diesen Spalt, verschwindet der im gesunden Zustand bestehende Sog und die Lunge hebt sich vom Rippenfell ab und kollabiert vollständig oder teilweise.

Die Luft kann dabei aus den (geschädigten) Lungenbläschen von innen in den Pleuraspalt strömen, aber auch durch eine offene Verletzung von außen. Große Gefahr droht, wenn bei jedem Atemzug Luft in den Pleuraspalt strömt, aber wie bei einem Ventil nicht wieder ausströmen kann: Durch die zunehmende Luftmenge wird der eine Lungenflügel, schließlich aber auch die Luftröhre und evtl. das Herz zur Seite gedrückt: Ein sogenannter Spannungspneumothorax entsteht; dieser muss sofort behandelt werden.

Vollständiger Pneumothorax
Vollständiger Pneumothorax

Typische Symptome sind plötzlich auftretende Brustschmerzen mit nachfolgenden Atembeschwerden. Die Symptome treten oft in Ruhe oder im Schlaf auf. Der Zustand tritt meist bei jungen, großen und schlanken Männern auf.

Ungefähr 18–25 Männer und 1–6 Frauen von 100.000 Menschen erleiden einen Spontanpneumothorax.

Ursache

Es wird zwischen einem primären und einem sekundären Spontanpneumothorax unterschieden:

  • Ein sogenannter primärer Spontanpneumothorax wird durch eine kleine Verletzung des Lungengewebes verursacht, wobei Luft aus der Lunge durch ein Loch im Lungengewebe entweicht.
  • Ein sekundärer Spontanpneumothorax ist eine Komplikation aufgrund chronischer Erkrankungen wie COPD, Emphysem, Asthma, Mukoviszidose oder schweren Lungeninfektionen. Rauchen erhöht das Risiko dieser Komplikationen. Man vermutet, dass dieser Zustand zu einer Schwächung des Lungengewebes mit dem Risiko eines Luftaustritts führt.

Vermutlich spielt Vererbung bei der Ausbildung der primären Form dieser Erkrankung eine Rolle; auch eine Bindegewebskrankheit (Marfan-Syndrom) sowie eine Stoffwechselstörung erhöhen das Risiko eines Pneumothorax. Rauchen erhöht die Gefahr eines Pneumothorax bei Männern um das 22-Fache, bei Frauen um das 6-Fache.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine ärztliche Untersuchung gestellt und durch ein Röntgenbild der Lunge bestätigt.

Therapie

In leichten Fällen (< 15% der Fälle) muss lediglich der Zustand überwacht werden. Die Lunge nimmt schrittweise wieder ihre normale Form an, und eine Therapie ist nicht notwendig.

Bei einem schwereren Pneumothorax wird ein Schlauch (Drainage) durch die Brustwand in den Pleuraspalt gelegt. Der Schlauch wird an ein Gerät angeschlossen, das die Luft nach außen absaugt, sodass die Lunge wieder ihre ursprüngliche Form annehmen kann.

Prognose

Die Prognose ist gut. In den meisten Fällen tritt die Heilung schnell und von selbst oder mittels einer Therapie ein. Der Großteil der Patienten, bei denen keine Drainage gelegt wurde, kann das Krankenhaus nach zwei bis drei Tagen wieder verlassen. Wurde eine Drainage gelegt, verlängert sich der Aufenthalt um ein paar Tage.

Bei einem relativ großen Teil treten wiederholt Episoden mit Spontanpneumothorax auf. Darum ist es wichtig, dass Sie Situationen vermeiden, die eine neue Episode auslösen können:

  • Hören Sie auf zu rauchen.
  • „Dünne“ Luft kann ein Auslöser für den Zustand sein, darum sollten Sie einen Aufenthalt in großer Höhe und Flugreisen ohne Druckkabine vermeiden.
  • Sie sollten nicht tauchen.

Um einem Rückfall vorzubeugen, gibt es auch die Möglichkeit, den Pleuraspalt z.B. mit einem Medikament zu verkleben (Pleurodeses), sodass sich die Lunge nicht wieder ablösen kann.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spontanpneumothorax. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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