Blutiger Auswurf (Bluthusten)

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Was ist blutiger Auswurf?

  • Blutiger Auswurf (Bluthusten) wird in der Fachsprache Hämoptyse – oder Hämoptoe (bei größeren Mengen) genannt.
  • Unter blutigem Auswurf oder Bluthusten versteht man Blut oder mit Blut vermischtes Sekret, das beim Husten oder Räuspern aus den unteren Atemwegen ausgeworfen wird. Blutbeimengungen beim Erbrechen stammen aus dem Magen-Darm-Trakt und gelten nicht als blutiger Auswurf.
  • Zu den unteren Atemwegen zählen Lunge, Bronchien und Luftröhre. Zu den oberen Atemwegen gehören der Kehlkopfbereich, der Nasen-Rachen-Raum und die Nebenhöhlen.
  • Ob blutiger Auswurf von den oberen oder den unteren Atemwegen herrührt, ist nicht immer leicht zu beurteilen. Auch Magenblutungen lassen sich mitunter nur schwer von Blutungen aus dem Atemtrakt unterscheiden.
  • Abgehustetes Sekret sollte normalerweise kein Blut enthalten. Bei starkem Husten infolge einer Erkältung kann die Schleimhautbelastung jedoch so enorm sein, dass sich kleine Risse in der Schleimhaut bilden und das abgehustete Sekret von blutigen Streifen durchsetzt ist.
  • In den Schleimhäuten der Atemwege befinden sich viele Blutgefäße. Bei Entzündungen kommt es zu einer Rötung und Reizung der Schleimhäute und sie werden empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Dabei bilden sich leicht Risse, die bluten können. Eine Entzündung der Schleimhäute (wie bei einer viralen/bakteriellen Infektion) ist die häufigste Ursache für derartige Blutungen.
  • Gefährlich wird es, wenn große Mengen an Blut ausgehustet werden oder wenn der Patient zu erschöpft ist, um das Blut auszuhusten und dann daran erstickt.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

  • Akute Bronchitis
    • Luftröhrenkatarrh – eine Virusinfektion, die häufig mit sehr schmerzhaftem Husten und Reizungen im Brustbereich einhergeht.
    • Bei starkem Husten, der länger als eine Woche andauert und sich zunächst durch einen trockenen Reizhusten äußert, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um diese Erkrankung handelt; leichtes Fieber und ein nur geringfügig beeinträchtigter Allgemeinzustand kommen hinzu.
  • Erkrankungen der oberen Luftwege:
    • Nasenbluten – das Blut läuft auch Richtung Rachen, sodass es beim Husten oder Räuspern zu blutigem Auswurf kommt.
    • Nebenhöhlenentzündung – auch hier kann es zu Blutungen kommen, die dazu führen, dass beim Räuspern Blut ausgeworfen wird.
    • Entzündungen im Mund oder Rachenraum, wie Mandelentzündung oder Erkältung
  • Lungenentzündung
    • tritt häufig bei älteren Menschen und bei Personen mit geschwächtem Allgemeinzustand auf; in der Regel handelt es sich um eine bakterielle Infektion.
    • Husten mit gelbgrünem oder rostbraunem Schleim, Fieber, geschwächter Allgemeinzustand, häufig Atemnot und unter Umständen Schmerzen beim Atmen.
  • Chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD)
    • tritt häufig bei Rauchern oder ehemaligen Rauchern auf und das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
    • Der Zustand entwickelt sich schleichend und geht mit Episoden von Atembeschwerden und Husten einher.
    • Bei Atemwegsinfektionen kommt es zu einer Verschlimmerung des Zustandes.
  • Blutgerinnsel in der Lunge (Lungenembolie)
    • Eine mögliche Komplikation z. B. nach einer Operation, langer andauernder Bettruhe, als seltene Komplikation bei Anwendung von oralen Kontrazeptiva („Pille“), nach einer Entbindung oder bei einem Blutgerinnsel in der Wade.
    • Der Schweregrad der Symptome hängt von der Größe des Blutgerinnsels ab und reicht von mäßigen Atembeschwerden, Husten und vorübergehenden Brustschmerzen bis hin zu plötzlich einsetzenden heftigen Brustschmerzen, erheblichen Atemschwierigkeiten, blutigem Auswurf, blau gefärbten Lippen und einem sich möglicherweise rasch entwickelnden Schockzustand.
  • Lungenkrebs
    • betrifft ein Drittel aller Krebserkrankungen bei Männern und ein Viertel aller Krebserkrankungen bei Frauen; tritt häufig bei langjährigen Rauchern auf.
    • Zu den Symptomen zählen u.a. Husten, Atemschwierigkeiten, blutiger Auswurf, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.
  • Fremdkörper in den Atemwegen
    • Vor allem Kinder husten manchmal blutig, wenn sie einen Fremdkörper (Erdnuss, kleines Spielzeugteilchen) eingeatmet haben.

Seltenere Ursachen

  • Anomale Erweiterung der Bronchien (Bronchiektasien)
    • Es handelt sich um einen angeborenen oder erworbenen Zustand.
    • Es kommt zu gelegentlichem oder chronischem Husten, großen Mengen an schleimigem Auswurf, vermehrtem Auftreten von Sekret beispielsweise bei Positionsänderung.
  • Lungentuberkulose:
    • überall auf der Welt häufig, in Deutschland jedoch eher ungewöhnlich; wird häufig bei Älteren und im Ausland geborenen Personen beobachtet.
    • Symptome sind eher unspezifisch; der Zustand äußert sich in Form von Kraftlosigkeit, Gewichtsabnahme, nächtlichen Schweißausbrüchen, trockenem Husten und später Husten mit Auswurf.
  • Herzinsuffizienz
    • tritt häufig bei älteren Menschen auf.
    • Akute Herzinsuffizienz:
      • tritt plötzlich und unerwartet auf, häufig im Zusammenhang mit einem akuten Herzinfarkt; es bestehen erhebliche Atembeschwerden, röchelnde Atmung, Husten und schaumiger Auswurf.
    • Chronische Herzinsuffizienz:
      • charakteristisch sind Atembeschwerden bei Belastung, Husten, Kraftlosigkeit, Atembeschwerden im Liegen, anfallsartige nächtliche Atembeschwerden, Gewichtszunahme aufgrund von Flüssigkeitsansammlung im Körper.
  • Anwendung von Arzneimitteln zur Blutverdünnung
  • Schädigungen von Blutgefäßen im Bereich der Lunge
    • Chronische entzündliche Gefäßkrankheiten
    • Abriss/Verletzung von Blutgefäßen z.B. durch einen Unfall

Andere Ursachen

  • Da Atemwege (Luftröhre) und Magen-Darm-Trakt (Speiseröhre) im Rachen aufeinandertreffen, fällt es manchmal schwer, Blut aus den Atemwegen von einer Blutung in Speiseröhre oder Magen zu unterscheiden. Mögliche Ursachen sind:

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Bei blutigem Auswurf sollten Sie stets einen Arzt aufsuchen. Ausnahmen sind einzelne Vorfälle, bei denen infolge einer heftigen Hustenattacke vorübergehend blutiger Schleim aufgetreten ist.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass Sie blutigen Auswurf haben?
  • Haben Sie ständig blutigen Auswurf oder nur gelegentlich?
  • Leiden Sie an einer Erkrankung in der Mundhöhle?
  • Haben Sie Probleme mit den Nasennebenhöhlen oder leiden Sie an Nasenbluten?
  • Kann das Blut aus der Speiseröhre oder den Magen stammen? Mussten Sie erbrechen?
  • Sind Sie erkältet oder bestehen andere begleitende Beschwerden (z. B. Fieber)?
  • Wurde bei Ihnen COPD diagnostiziert?
  • Müssen Sie große Mengen an Schleim abhusten? Geschieht dies besonders häufig morgens nach dem Aufstehen?
  • Leiden Sie unter Atembeschwerden?
  • Bestehen andere bekannte Erkrankungen?

Ärztliche Untersuchung

  • In den meisten Fällen wird eine Ursache oder Erklärung, wie beispielsweise eine akute Infektion oder eine bekannte chronische Lungenerkrankung, gefunden. In diesen Fällen wird der Arzt v.a. Ihre Lunge abhören und Ihre Atmung beurteilen (zu schnell, zu flach oder ruhig und tief).
  • Wenn der Arzt keine zufriedenstellende Erklärung finden oder nachweisen kann, wird er eine umfassendere Untersuchung vornehmen.
  • Der Arzt wird in aller Regel eine Röntgenuntersuchung der Lunge empfehlen, falls er sich nicht sicher ist, dass die Blutung Folge eines akuten Infekts ist. Eine Röntgenaufnahme ist insbesondere für ältere Menschen wichtig, die rauchen und bei denen daher ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs besteht.

Weitere Untersuchungen

  • Häufig werden Blutuntersuchungen durchgeführt; auch der Sauerstoffgehalt im Blut lässt sich messen um zu prüfen, ob die Atemfunktion eingeschränkt ist. 
  • Bei unklarer Diagnose wird die Lunge geröntgt oder auch ein CT durchgeführt.
  • Bei Verdacht auf Herzerkrankungen erfolgen ein EKG, ggf. eine Herzechokardiografie.

Überweisung an einen Spezialisten

  • Rauchern, die älter als 40 Jahre sind und bei denen der Verdacht auf Lungenkrebs besteht, wird eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) empfohlen, auch dann, wenn die Röntgenuntersuchung keinen Befund ergab.
  • Kommt es wiederholt zu Episoden von blutigem Auswurf unklarer Ursache, wird in der Regel allen Betroffenen eine Bronchoskopie empfohlen.
  • Spezielle weitergehende Untersuchungen bei Verdacht auf die genannten selteneren Ursachen.

Therapie

  • In den meisten Fällen stoppt die Blutung von selbst.
  • Zugrunde liegende Krankheiten (Lungenentzündung, COPD etc.) werden entsprechend behandelt.
  • Falls die Ursache in einer zu starken Blutungsneigung (etwa wegen blutverdünnender Medikamente) liegt, wird dies korrigiert.
  • Liegt eine Lungenembolie vor, ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig (Auflösung des Blutgerinnsels).
  • Ist z. B. wegen eines Lungenkrebs ein Blutgefäß in der Lunge gerissen, lässt sich dieses Gefäß in einem Eingriff gezielt veröden (Embolisation).

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hämoptyse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Ittrich H, Bockhorn M, Klose H et al. Diagnostik und Therapie der Hämoptysen. Deutsches Ärzteblatt 2017. www.aerzteblatt.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Akuter und chronischer Husten, Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinie Nr. 020-003. Stand 2010. www.awmf.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Husten. AWMF-Leitlinie Nr. 053-013. Stand 2014. www.awmf.org
  4. Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA). Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 065-002. Stand 2015. www.awmf.org
  5. Franzen D, Schneiter D, Pfammatter T et al. Diagnostik und Behandlungskonzept bei Hämoptoe. Praxis 2013. econtent.hogrefe.com