Gonorrhö

Tripper (medizinisch: Gonorrhö) ist eine verbreitete Geschlechtskrankheit. Ursache sind Bakterien, die beim Sex übertragen werden. Beschwerden wie Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen deuten auf die Infektion hin. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

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Was ist Gonorrhö?

Die Gonorrhoe (GO, auch Gonorrhö, von altgr. γονόρροια gonórrhoia, wörtlich „Samenfluss“), früher und heute noch umgangssprachlich auch als Tripper (entlehnt aus nl. druipert „in Tropfen herabfallen“) bezeichnet, ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Sie wird durch Gonokkoen (Neisseria gonorrhoeae) ausgelöst.Das sind Bakterien die beim ungeschützen Geschlechtsverkehr übertragen werden und die Schleimhäute von Harn- und Geschlechtsorganen befallen.

Krankheitszeichen

Typische Symptome der Gonorrhö sind:

  • Brennender Schmerz beim Wasserlassen und gelbgrüner Ausfluss aus der Harnröhre und bei Frauen aus der Scheide.
  • Fieber und manchmal Schmerzen und Schwellungen in großen Gelenken.
  • Bei Anal- und Oralsex können Bakterien die Schleimhaut des Enddarms bzw. des Halses infizieren.
  • Bei Frauen kann sich eine Entzündung des Gebärmutterhalses auf die Eileiter ausbreiten.
  • In seltenen Fällen kann sich eine Eiteransammlung (ein Abszess) um die Harnröhre bilden. Es können auch Entzündungen der Nebenhoden oder anderer Drüsen in dem Bereich, zum Beispiel der Prostata, auftreten.

Häufigkeit

Seitdem 2001 die Meldepflicht für Gonorrhö abgeschafft wurde, gibt es für Deutschland keine zuverlässigen Daten zur Häufigkeit und Neuansteckungen. Ausschließlich im Bundesland Sachsen besteht eine Labormeldepflicht. Hier wurde eine Verdoppelung der gemeldeten Gonokokken-Infektionen von 6,8 Infektionen/100.000 Einwohner im Jahr 2003 auf 13,7/100.000 im Jahr 2011 beobachtet.

Ursache

Gonokokken sind Bakterien, die sexuell übertragen werden, und führen zu Entzündungen verschiedener Schleimhäute, meist der Schleimhaut der Harnröhre und des Gebärmutterhalses. Die Bakterien können sich auch über das Blut ausbreiten und Gelenkinfektionen und Hautveränderungen verursachen. Das Immunsystem des Körpers kann sogenannte Antikörper gegen Bakterien bilden, und wenn diese in die Gelenke oder die Augen gelangen, kann es zum Reiter-Syndrom kommen, bei dem Entzündungen der Gelenke und Augen sowie Unterleibsinfektionen auftreten.

Die Ansteckung geschieht durch ungeschützten Sexualverkehr. Eine große Häufigkeit von Gonorrhö-Erkrankungen findet sich bei Personen, die ungeschützten Sex im Ausland haben, sowie bei Männern, die Sex mit Männern haben.

Diagnose

Mikroskopie eines Ausflusses.  Zeigt weiße Blutkörperchen mit Gonokokken. Bild von US Centers for Disease Control and Prevention
Mikroskopie eines Ausflusses. Zeigt weiße Blutkörperchen mit Gonokokken. Bild von US Centers for Disease Control and Prevention

Die Symptome treten zwei bis sieben Tagen nach der Ansteckung auf. Typische Beschwerden sind  ein starker, schleimiger Ausfluss aus der Harnröhre, bei Frauen Ausfluss aus Harnröhre und Scheide. 

Der Arzt prüft die Harnröhrenöffnung auf Anzeichen einer Entzündung. Bei Bedarf werden Enddarm und Rachen untersucht. Außerdem werden sowohl bei Männern als auch Frauen Proben von der Harnröhrenöffnung und eventuell von Enddarm und Hals genommen, um eine Bakterienkultur anzulegen und Gonokokken nachzuweisen. Bei Frauen werden auch Proben vom Gebärmutterhals genommen. Üblicherweise entnimmt man gleichzeitig Proben zum Nachweis von Chlamydien, da ca. 15 % aller mit Gonorrhö Infizierten auch eine Chlamydieninfektion haben. Chlamydien, die sexuell übertragen werden, sind eine viel häufigere Ursache von Harnröhrenentzündungen bei Männern und von Unterleibsentzündungen bei Frauen als Gonorrhö.

Es ist wichtig, die Ansteckungsquelle zu ermitteln, um Komplikationen und eine weitere Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Ihr Partner sollte auf alle Fälle untersucht und bei bestehender Infektion mitbehandelt werden.

 

Therapie

Gonorrhö wird mit Antibiotika behandelt. Bei einem unkomplizierten Verlauf wird vom Arzt ein Antibiotikum verordnet, dass über die Venen verabreicht wird und ein weiteres Antibiotikum zum Schlucken. Nach zwei Wochen erfolgt eine Kontrolle beim Arzt, ob die Behandlung erfolgreich war.

Prognose

Nach der Ansteckung dauert es zwei bis sieben Tage, bis die Symptome auftreten. Die Infektion ist bei 15 % der Patienten symptomfrei, bei Frauen häufiger als bei Männern, aber es besteht dennoch die Gefahr, dass es zu Komplikationen kommt und dass sich die Krankheit ausbreitet.

Infolge von Gonorrhö können folgende Komplikationen auftreten:

  • Infektionen und Entzündungen verschiedener Drüsen im Genitalbereich. Dies ist ein vorübergehender Zustand.
  • Eine Epididymitis ist eine Entzündung der Nebenhoden, die auftreten kann, wenn keine Therapie durchgeführt wird, und die zu Unfruchtbarkeit führen kann.
  • Bei Frauen kann sich die Infektion auf die Eileiter ausbreiten, so dass die Gefahr besteht, im späteren Verlauf unfruchtbar zu werden.
  • Das Reiter-Syndrom (rote Augen, Harnröhrenentzündung, Gelenkschmerzen) ist ein vorübergehender Zustand, der bei manchen Infizierten auftreten kann.
  • Infektionen während der Schwangerschaft gefährden das Ungeborene, denn sie können Fehlgeburten auslösen. Während der Geburt besteht ein Infektionsrisiko für das Baby.
  • Gonokokken im Blut können zur lebensbedrohlichen Sepsis führen. Dies ist eine seltene Komplikation.

Bei korrekter Therapie ist die Prognose gut.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärtzin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gonorrhö. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche STI-Gesellschaft: Gonorrhoe bei Erwachsenen und Adoleszenten, AWMF-Leitlinie Nr. 059 – 004, Stand 2013 www.awmf.org
  2. Deutsche STI-Gesellschaft: STI/STD – Beratung, Diagnostik und Therapie, AWMF-Leitlinie Nr. 059 – 006, Stand 2015 www.awmf.org
  3. Robert Koch Institut: Gonorrhö (Tripper), RKI-Ratgeber für Ärzte, Stand 2013 www.rki.de
  4. Donovan B. Sexually transmissible infections other than HIV. Lancet 2004; 363: 545-56. PubMed
  5. Turner CF, Rogers SM, Miller HG, et al. Untreated gonococcal and chlamydial infection in a probability sample of adults. JAMA 2002; 287: 726-33. Journal of the American Medical Association
  6. Buder S, Dudareva S, Jansen K, et al. . Antimicrobial resistance of Neisseria gonorrhoeae in Germany: low levels of cephalosporin resistance but high azithromycin resistance.. BMC Infectious Diseases 2018. pmid:29343220 PubMed