Hodenentzündung - Orchitis

Orchitis ist eine Entzündung des Hodens (siehe Zeichnung). Die Krankheit tritt fast nur bei Patienten mit Mumps auf.

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Was ist eine Hodenentzündung?

Orchitis ist eine Entzündung des Hodens. Die Krankheit tritt fast nur bei Patienten mit Mumps auf. Mumps ist eine Virusinfektion, die vor allem eine Entzündung der Ohrspreicheldrüse (Glandula parotis) bewirkt, was zur charakteristischen Schwellung der Wange vor dem Ohr führt. Das Mumpsvirus kann auch in anderen Speicheldrüsen der Kehle sowie in der Bauchspeicheldrüse Infektionen verursachen und darüber hinaus zu einer Hirnhautentzündung führen.

Bei einer Entzündung der Hoden ist meist – in 75–95 % der Fälle – nur ein Hoden betroffen. Die Entzündung führt zu einer Schwellung und teilweise Zerstörung der Drüsenstrukturen im Hoden. In der akuten Phase ist der Hoden deutlich vergrößert, heiß und empfindlich. Die hochakute Phase dauert in der Regel nur einige Tage. Nach der Infektion kann die Drüse jedoch dauerhaft geschädigt sein, häufig ist sie zudem deutlich kleiner als vor der Infektion.

 

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Ursachen

Die Hodenentzündung ist sehr selten, da fast alle Kinder gegen Mumps geimpft werden. Der Impfstoff bietet einen über 90-prozentigen Schutz gegen Mumps und somit auch gegen Orchitis. Bei Jungen oder Männern, die dennoch Mumps bekommen, ist die Infektion nur in fünf Prozent der Fälle mit einer Entzündung des Hodens verbunden.

Sowohl Mumps als auch Orchitis werden vom Mumpsvirus verursacht. Das Virus verursacht eine Entzündung, die dazu führt, dass Speicheldrüsen und Hoden anschwellen, empfindlich und heiß werden. Die Diagnose wird durch Untersuchung der typischen Symptome sowie durch Blutuntersuchungen vorgenommen.

Behandlung

In den letzten Jahren ist es üblich geworden, eine durch Mumps verursachte Orchitis mit einer Virus hemmenden Substanz namens Interferon alpha-2b zu behandeln. Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Behandlung dafür sorgt, dass die Infektion schneller vorübergeht und die Hoden in geringerem Ausmaß schädigt.

Voraussetzung ist, dass der Patient Ruhe hält. Bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden.

Die Impfung im Säuglings- und Kleinkindalter beugt der Krankheit vor.

Prognose

Nach der akuten Phase gehen Schwellung und Schmerzen innerhalb von ein bis drei Wochen zurück. Die Krankheit kann dazu führen, dass die Hoden geschädigt werden (kleiner werden) und die Samenproduktion im geschädigten Hoden eingestellt wird. Wenn einer der Hoden nicht angegriffen wird und gesund bleibt, bleibt die Fruchtbarkeit jedoch erhalten. Die Produktion der männlichen Geschlechtshormone wird in der Regel nicht beeinträchtigt. Bei einer starken Entzündung beider Hoden besteht das Risiko einer lebenslangen Sterilität.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mumps-Orchitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. 1. Terry N. Orchitis. Medscape, last updated Sep 11, 2015. emedicine.medscape.com
  2. Lane TM, Hines J. The management of mumps orchitis. BJU Int 2006; 97: 1-2. PMID: 16336315Ternavasio de la Vega HG, Boronat M, Ojeda A, et al. Mumps orchitis in the post-vaccine era (1967-2009): a single-center series of 67 patients and review of clinical outcome and trends. Medicine (Baltimore) 2010; 89: 96-116. PMID: 20517181 PubMed
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  4. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie, Deutsche Gesellschaft für Urologie. Akutes Skrotum im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 006-023, Stand 2015. www.awmf.org
  5. Artul S, Abu Rahmah Y, Abu Shkara H, Yamini A. Inferno: colour Doppler ultrasound sign of orchitis. BMJ Fall Rep. 2014 Apr 1. doi:10.1136/bcr-2014-203613 DOI
  6. Hviid A, Rubin S, Muhlemann K. Mumps. Lancet 2008; 371: 932-44