Verengung der Harnröhre

Eine Verengung der Harnröhre wird auch als Urethrastriktur (Urethra = Harnröhre, Striktur = Verengung) bezeichnet.

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Was ist eine Verengung der Harnröhre?

Verengung der Harnröhre (1 – äußerer Teil)
Verengung der Harnröhre (1 – äußerer Teil)

Eine Verengung der Harnröhre wird auch als Urethrastriktur (Urethra = Harnröhre, Striktur = Verengung) bezeichnet. Den Ausgang der Harnblase bildet die Harnröhre. Eine Verengung der Harnröhre kann den äußeren oder inneren Teil der Harnröhre betreffen, also den zur Harnblase gerichteten Teil. Die meisten Verengungen finden sich im äußeren Teil der Harnröhre, der die Passage durch den Penis und die Peniswurzel umfasst. Eine unbehandelte Harnröhrenverengung begünstigt Harnwegsinfektionen, führt zu akutem Harnstau (akute Urinretention) und führt zu einer Wandverdickung der Harnblase sowie einer Reizung, da die Harnblase unter längerer Zeit mehr Urin gegen einen größer werdenden Widerstand auspressen muss. Die Länge und der Grad der Verengung entscheiden über das Risiko von Komplikationen.

Die Harnwegsverengung ist bei Männern eine recht häufige Ursache für Symptome aus den unteren Harnwegen. In den meisten Fällen kennt man die Ursache nicht, jedoch hat sich das Vorkommen inzwischen reduziert. Ein Grund dafür ist die bessere Behandlung einer der Ursachen für die Harnwegsverengung, nämlich der Infektion.

Ursache

Eine Harnwegsverengung kann sich infolge einer Verletzung der Harnröhre, einer lokalen Entzündung oder durch verschlechterte Blutzirkulation bilden. In den meisten Fällen ist keine Erklärung zu finden. Nach Ansicht von Fachärzten sind viele der unerklärlichen Fälle auf Unterleibsverletzungen im Kindesalter zurückzuführen, die niemals untersucht wurden. Ein Beispiel für eine solche Verletzung wäre der Sturz auf eine Fahrradstange. Eine solche Verletzung kann einen Riss in der Harnröhre bewirken, wenn diese zu weit ausgedehnt wird.

Weiterhin mögliche und bekannte Ursachen sind Harnröhrenentzündung (zum Beispiel Gonorrhö), langzeitliches Katheterisieren der Harnröhre, Instrumente, die in Verbindung mit medizinischen Untersuchungen durch die Harnröhre geschoben werden, chronische Entzündungskrankheiten und Beckenschäden.

Eine Verletzung der Harnröhre führt zur Narbenbildung. Die Narben bilden sich um die gesamte Harnröhre herum. Im Laufe der Zeit schrumpft das Narbengewebe und führt zu einer Verengung.

Diagnose

Die Diagnose wird ausgehend von der Krankengeschichte (Anamnese) sowie durch die Befunde des Röntgens oder der Endoskopie gestellt. Patienten berichten häufig von zunehmenden Schwierigkeiten beim Harnlassen, die sich über längere Zeit entwickelt haben. Die Beschwerden beim Harnlassen äußern sich durch geschwächten Urinstrahl, unvollständiges Entleeren der Blase, Nachtropfen und häufigeren Harndrang. Manche Patienten berichten über wiederkehrende Harnwegsinfektionen, Blutungen aus der Harnröhre oder Entzündungen der Nebenhoden.

Zur Diagnose sollte eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden, bei der man Kontrastmittel in die Harnröhre spritzt, oder eine Zystoskopie, bei der ein biegsames Instrument mit Lichtquelle in die Harnröhre eingeführt wird, damit der Arzt (Urologe) die Verengung ausfindig machen kann. Vielen Männern widerstrebt es aus Furcht vor Schmerzen oder sexuellen Reaktionen, eine urologische Untersuchung durchführen zu lassen – diese Furcht ist jedoch unbegründet.

Behandlung

Das Behandlungsziel ist die Verbesserung des Urinflusses und die Vorbeugung von Komplikationen. Traditionell behandelte man die Verengungen der Harnröhre bisher durch Aufweitung oder einen Schnitt in die Schleimhaut (mittels Endoskop). Diese Eingriffe haben jedoch den Nachteil, dass sich nach einer Weile neue Narben bilden, die daraufhin eine weitere Verengung auslösen und den Patienten damit in einen Teufelskreis bringen. Wiederholt eingeführte Instrumente verschlimmern die Narbenbildung zusätzlich. Damit vergrößern sich die Länge und der Grad der Verengung, wodurch die Rekonstruktion immer komplizierter wird.

Ärzte haben bisher auch versucht, ein kleines Rohr – das sogenannte Harnröhren-Stent – an der verengten Stelle einzupflanzen. Dies hat sich jedoch nicht den gewünschten Erfolg gezeigt.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Behandlung der vorderen Harnröhrenverengung durch neue chirurgische Techniken weiterentwickelt und es wurden bessere Behandlungsergebnisse erreicht. Man betrachtet Transplantationstechniken heute als Standard in der Behandlung von schweren Verengungen der Harnröhre. Kurze Verengungen (kürzer als 2,5 cm) im bulbären Teil der Harnröhre können in der Regel als Ganzes entfernt werden. Bei längere Verengungen (länger als 2,5 cm) oder Verengungen im äußeren Teil der Harnröhre muss der verletzte Bereich normal mit einem Transplantat ersetzt werden, damit die verengte Stelle in der Harnröhre erweitert werden kann. Das Gewebe für die Transplantation kann aus der Vorhaut des Penis oder der Mundschleimhaut entnommen werden. Die Rekonstruktion der äußeren Harnröhre ist in den allermeisten Fällen möglich, wobei Penislänge, Gefühl und Erektionsfähigkeit erhalten bleiben.

Prognose

Der Grad der Verengung ist für die Behandlung und den weiteren Verlauf entscheidend. Kleinere Schäden müssen nicht unbedingt behandelt werden.

Die Untersuchung mit Instrumenten in der Harnröhre kann zu weiteren Verletzungen und neuen Verengungen führen. Insbesondere bei komplizierten und großen Verengungen, die eine chirurgische Behandlung erfordern, besteht die Gefahr, dass der Eingriff nur eine temporäre Verbesserung bringt und das Problem eventuell nach einigen Jahren wiederkehrt.

Für diese Patientengruppe wird eine regelmäßige Nachsorge empfohlen. Es ist einfacher, das Problem in einem frühen Stadium zu behandeln, bevor sich der Schaden ausgedehnt hat und größere Eingriffe erfordert.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Harnröhrenstriktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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