Penisruptur

Unfälle sowie gewalttätiger oder akrobatischer Sex können dazu führen, dass der Schwellkörper in einem erigierten Penis abknickt. Das führt zu starken Schmerzen und einem Bluterguss in der Haut. Bei rechtzeitiger chirurgischer Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

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Der Penis ist eine gut durchblutete Struktur, die aus drei zylinderförmigen Schwellkörpern besteht: zwei Corpora cavernosa, die längs des gesamten Penis aneinander liegen sowie der Corpus spongiosum, der die Harnröhre (Urethra) umgibt. Die Corpora cavernosa sind von einer starken Haut namens Tunica albuginea umgeben.

 

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Wie kann eine Penisruptur entstehen?

Bei einer Erektion steigt die arterielle Blutzufuhr im Penis schnell an und das schwammartige Gewebe der Schwellkörper füllt sich mit Blut. Der Druck in den Schwellkörpern erhöht sich, insbesondere in den beiden Corpora cavernosa und der Penis wird dadurch steif und länger. Gleichzeitig bewirkt der erhöhte Druck, dass das venöse Blut nicht aus dem Penis zurückfließen kann, da dessen Blutgefäße zusammengeklemmt werden.

Man mag eine Fraktur in der Corpora cavernosa für unwahrscheinlich halten, aber im erigierten (steifen) Zustand ist dies möglich.

Wenn ein erigierter Penis plötzlich stark gebogen wird, kann die Haut, die die beiden Hauptzylinder im Penis umspannt, aufreißen. Eine solche Verletzung ist möglich aufgrund von Gewalteinwirkung oder akrobatischem Sex, mitunter auch durch Masturbation. Verletzungen der Corpora cavernosa sind auch in Verbindung mit einer nächtlichen Erektion, beim schnellen Umdrehen im Bett, möglich.

Der Krankheitszustand ist selten.

Symptome

In dem Augenblick, in dem der Bruch entsteht, hören Sie oder eventuell Ihr Partner ein deutliches Knacken und die Schmerzen im Penis treten unmittelbar auf. Die Erektion verschwindet, aber der Penis schwillt aufgrund des Blutergusses in den Corpora cavernosa relativ schnell an. Der Bluterguss führt zu einer schnellen und starken Verfärbung des Penis. In manchen Fällen wird gleichzeitig auch die Harnröhre verletzt. Dies erkennt man daran, dass Blut aus der Öffnung der Harnröhre austritt oder im Urin sichtbar wird. Wenn die Harnröhre völlig abgerissen wird (was extrem selten vorkommt), ist ein Harnlassen nicht mehr möglich.

Behandlung

Vor der Operation wird oft eine Magnetresonanztomografie (MR) durchgeführt, die die Diagnose bestätigen kann und angibt, wo sich die Verletzung befindet und wie umfangreich sie ist.

Bei Verdacht auf eine Penisruptur muss der Betroffene sofort in ein Krankenhaus zur Operation gelangen. Bei der Operation wird der Blutstau beseitigt und die zerrissene Haut um die Corpus cavernosum genäht. Wenn die Harnröhre verletzt wurde, wird ein Katheter an die Harnblase gesetzt. In der Regel behält man den Katheter bis zu circa 14 Tagen, damit die Verletzung der Harnröhre heilen kann.

Prognose

Wenn keine Behandlung erfolgt, kann im Bluterguss innerhalb kurzer Zeit eine Infektion entstehen und Erektionen nachhaltig verschlechtern. Eine eventuelle Harnröhrenverletzung kann sich zur Verengung der Harnröhre (Urethrastriktur) entwickeln.

Bei einer rechtzeitigen Operation sind die Ergebnisse oft gut und man bekommt keine permanenten Probleme.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Penisruptur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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