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Prostata und Sexualität

Viele Männer bekommen im Laufe der Jahre zunehmende sexuelle Probleme. Das kann durch Krankheiten der Prostata oder eine Prostataoperation, andere Krankheiten, psychische Bedingungen oder durch altersbedingte Veränderungen verursacht werden.

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Sexualität und Prostata

In allen Abschnitten des Lebens ist Sexualität ein wichtiger Teil der Intimität und des Glücks in einer Beziehung. Ein enttäuschendes und unbefriedigendes Sexualleben kann einer Beziehung oft schaden und führt dazu, dass sich einer der Partner einsam und unsicher fühlt. Oft ist er auch verlegen, dem anderen über das Problem zu erzählen oder professionelle Hilfe zu holen.

Eine Erkrankung der Prostata und besonders die Behandlung einer solchen kann mit Sexualproblemen beim Mann verbunden sein oder ist selbst die Ursache.

 

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Früher glaubte man, dass sexuelle Probleme des Mannes und eine Erkrankung der Prostata unbeeinflussbare Folgen des Älterwerdens seien. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Männer ungern intime Probleme ansprechen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sexuelle Probleme zu verbessern: Voraussetzung ist jedoch ein offenes Gespräch mit dem Arzt.

Die Prostata ist ein wichtiger Teil des männlichen Geschlechts- und Harnwegssystems. Das auch Vorsteherdrüse genannte Organ liegt unterhalb der Harnblase und umgibt die Harnröhre, die Urin von der Blase und dann durch den Penis führt. Die Prostata produziert die meiste Flüssigkeit, aus der das Ejakulat (der Samenerguss) besteht. Ein Ausführungsgang von der Drüse mündet in die Harnröhre, sodass sich der Samenerguss aus dem Penis entleert. Krankheiten der Prostata oder auch deren Behandlung führen daher recht häufig zu Harninkontinenz oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder zu Erektionsstörungen.

Nicht alle Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens Sexualstörungen, aber die Wahrscheinlichkeit solcher Beschwerden und auch für Krankheiten der Prostata steigt mit dem Alter.

  • Ungefähr die Hälfte aller Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren räumen ein, einen gewissen Grad an Erektionsproblemen zu haben. Dies erhöht sich mit dem Alter.
  • Fast die Hälfte aller Männer über 65 Jahre hat eine gutartig vergrößerte Prostata.
  • Das Prostatakarzinom ist bei unter 40-Jährigen selten. Mehr als 80 % aller Fälle werden nach dem 65. Lebensjahr diagnostiziert.

Sexuelle Probleme bei Männern

Die sexuelle Dysfunktion bei Männern hat viele Ursachen, die nicht nur physisch, sondern auch psychisch bedingt sein können. Zwischen beiden ist oft schwierig zu unterscheiden – oft sind es Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche. Die häufigsten Sexualprobleme bei Männern sind:

  • Potenzstörungen: Die mangelnde Fähigkeit, eine ausreichende Versteifung des Penis zu erreichen, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen.
  • Ejakulationsprobleme: Vorzeitiger oder verzögerter Erguss oder das Rückfließen der Samenflüssigkeit (etwa nach eine Prostataoperation) in die Harnblase (retrograde Ejakulation) statt nach außen
  • Vermindertes sexuelles Verlangen (Libido): Wird durch verschiedene psychische und physische Probleme verursacht, die vom Alter, von der Sexualanamnese und anderen Faktoren abhängen.

Die erektile Dysfunktion hat viele Ursachen. Die meisten davon sind physischer Natur und umfassen Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, bestimmte Medikamente und Operationen, z. B. bei Prostataerkrankungen. Es gibt auch rein psychisch bedingte Erektionsprobleme; oft spielen jedoch körperliche und psychische Faktoren zusammen.

Die erektile Dysfunktion kann plötzlich auftreten, insbesondere aufgrund eines emotionalen Erlebnisses. Wenn die morgendliche oder nächtliche Erektion ständig abnimmt, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine erektile Dysfunktion physische Ursachen hat.

Von welchen Krankheiten kann die Prostata des Mannes betroffen sein?

Von der Geburt bis zum jungen Erwachsenenalter wächst die Prostata von einer Erbse bis zur Größe einer Walnuss. Viele Männer erleben ein erneutes Wachsen der Prostata im Alter von 40 Jahren und darüber. Es gibt vor allem drei Krankheiten, von denen die Prostata betroffen ist:

  • Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsform bei Männern. Glücklicherweise haben die meisten Männer mit Prostatakrebs eine weniger aggressive Variante.
  • Die gutartige Vergrößerung der Prostata ist die häufigste Prostataerkrankung. Diese führt zu Beschwerden wie häufiges Wasserlassen, reduzierte Kraft des Harnstrahls, langsamer Beginn des Urinierens und häufiges nächtliches Wasserlassen.
  • Die Prostatitis ist eine entzündliche Erkrankung und weniger häufig als die beiden oben erwähnten. Die Prostatitis kann Schmerzen und Beschwerden im Analbereich bis zum Hodensack verursachen.

Wie verursacht die Prostata sexuelle Probleme?

Die Erkrankung der Prostata selbst kann eine Hauptursache für sexuelle Probleme und auch mit starken Beschwerden beim Urinieren einhergehen. Diese Beschwerden wiederum können durch eine Vergrößerung der Prostata oder durch Prostatakrebs hervorgerufen werden, da die Drüse die Harnröhre umschließt und diese daher bei einer Vergrößerung einengen kann. Weitaus häufiger ist es die Behandlung der Prostataerkrankung selbst, sowohl medizinisch als auch operativ, die Probleme verursacht.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Sexualprobleme, und ganz besonders Erektionsstörungen, auch allen Formen von Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Arterienverengung, Diabetes mellitus oder Nebenwirkungen von Medikamenten geschuldet sein können.

Behandlungen, die Sexualprobleme verursachen können:

  • Alphablocker: Medikamente, die zur Behandlung von Beschwerden beim Wasserlassen und bei Bluthochdruck eingesetzt werden. Können zu einer retrograden Ejakulation führen.
  • 5-alpha-Reduktase-Hemmer: Medikamente zur Reduzierung der Vergrößerung der Prostata. Kann zu Erektionsproblemen, Libidoverlust und vermindertem Ejakulatvolumen führen.
  • TURP (Operation durch die Harnröhre): Kann eine retrograde Ejakulation verursachen, aber seltener Erektionsprobleme.
  • TUIP (Operation mit Inszision der Vorsteherdrüse): geringeres Risiko für retrograde Ejakulation als TURP
  • Offene Prostatektomie (Entfernung der Prostata): Operation durch die Bauchwand. Gleiches Risiko für retrograde Ejakulation wie nach TURP. Hierbei können auch Erektionsprobleme entstehen.
  • Prostatektomie (Entfernung der Prostata) mithilfe eines Lasers: geringeres Risiko für retrograde Ejakulation als TURP

Zusätzlich führen die Behandlung von Prostatakrebs mit Hormonen oder auch die Strahlenbehandlung bie vielen Betroffenen zu Sexualproblemen.

Behandlung

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Zugrunde liegende Erkrankungen (Herz- und Gefäßkrankheiten, Diabetes mellitus usw.) müssen bestmöglich behandelt werden. Medikamente, die Sexualprobleme verursachen, müssen in Absprache mit dem Arzt kritisch beurteilt werden. Benötigen Sie Medikamente? Können diese mit einem anderen Präparat ausgetauscht werden, das die Potenz weniger beeinflusst? Vielleicht sollten Sie Arzneimittel gegen erektile Dysfunktion ausprobieren?

Zusätzlich zu Medikamente stehen auch chirurgische Verfahren zur Therapie von Erektionsstörungen zur Verfügung (s. Wollen Sie mehr erfahren?).

Sollen Sie wegen einer gutartigen Vergrößerung der Prostata oder Prostatakrebs operiert werden, kann die Wahl der Operationsmethode Ihre sexuelle Fähigkeit bis ans Lebensende beeinflussen. Diskutieren Sie die zu wählende Methode mit dem Chirurgen, denn die verschiedenen Therapieverfahren (auch Bestrahlung, Medikamente) gehen mit unterschiedlichen Risiken für verschiedene Nebenwirkungen einher.

Frauen brauchen für einen Orgasmus oft länger als Männer. Ein gutes Vorspiel mit Hauptaugenmerk darauf, die Frau zu stimulieren, kann diesen Unterschied ausgleichen und die Chance erhöhen, dass beide etwa zur gleichen Zeit einen Orgasmus haben. Mit den Jahren wird das Vorspiel auch für den Mann immer wichtiger, damit er eine gute Erektion bekommt und einen Orgasmus erreichen kann.

Einige behaupten, dass häufige Ejakulationen schon im jungen Alter, in Form regelmäßigen Geschlechtsverkehrs oder Masturbation, die Prostata während des Alters gesund hält. Es gibt jedoch keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Beweise dafür.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen