Akute Prostatitis

Eine akute Prostatitis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Prostata, die durch Bakterien verursacht wird. Die Infektion verursacht meist recht starke Schmerzen und erfordert eine sorgfältige Therapie mit Antibiotika.

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Was ist eine akute Prostatitis?

Eine akute Prostatitis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Prostata, die durch Bakterien verursacht wird. Die Infektion äußert sich mit oft starken Schmerzen im Bereich zwischen Penis und Anus. Die Schmerzen strahlen oft in den Bauch und den Rücken aus. Zudem können Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Meist kommen schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen mit einem schwachen Harnstrahl hinzu; selten ist die Harnröhre wegen der angeschwollenen Prostata so stark verengt, dass ein Harnverhalt resultiert. Zu den weiteren Symptomen können Schmerzen beim Entleeren des Darms, eine stark gefüllte der Blase und eitriger Ausfluss aus der Harnröhre zählen.

Die akute bakterielle Prostatitis ist eine relativ seltene Erkrankung. Pro Jahr beträgt die Prävalenz 2 Fälle pro 1.000 Männer. Meist sind Männer zwischen 40 und 60 Jahren betroffen.

Ursachen

Eine bakterielle Infektion in der Vorsteherdrüse (Prostata) führt zu einer lokalen Entzündung. In den meisten Fällen gelangen die Bakterien offenbar durch die Harnröhre oder durch das lymphatische System aus dem Darm in die Prostata. Meist sind Bakterienarten die Ursache, die auch Harnwegsinfekte bedingen, also Pseudomonas und Escherichia coli.

In einigen Fällen ist die akute Prostatitis die Folge eines nicht ausreichend behandelten Harnwegsinfekts. Bei einigen Männern kommt es im Verlauf zu einer chronischen Prostatitis (d.h. Beschwerden von >3 Monaten Dauer).

Diagnostik

Untersuchung der Prostata
Untersuchung der Prostata

Die Diagnose wird auf der Grundlage der oben genannten typischen Symptome und der Untersuchung des Patienten gestellt. Der Arzt wird die Prostata untersuchen, in dem er sie mit einem behandschuhten Finger vom Enddarm aus sehr vorsichtig abtastet. Diese Untersuchung kann recht schmerzhaft sein. Eine stark gefüllte Blase ist durch beim Abtasten des Bauchs von außen zu erkennen. Zusätzlich werden Urin- und Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Art der Bakterien zu bestimmen und das Ausmaß der Infektion abschätzen zu können. Im Blut lässt sich auch der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) messen. PSA gilt üblicherweise als Tumormarker, ist aber bei einer Prostatitis ebenfalls in einigen Fällen erhöht; nach erfolgreicher Therapie fällt der Wert aber wieder ab. Möglicherweise führt der Arzt auch eine Ultraschalluntersuchung der Blase und der Nieren durch, um einen Harnaufstau auszuschließen bzw. nachzuweisen.

Behandlung

Da es sich um eine bakterielle Infektion handelt, ist eine Behandlung mit Antibiotika indiziert. Es wird ein geeignetes Antibiotikum über 5–10 Tage verordnet. Ist der Patient ansonsten fit, leidet nicht an wiederholten Infektionen und hat keine allzu starken Beschwerden, ist eine Therapie zu Hause möglich. Hilfreich sind oft auch Schmerztabletten. Bei Patienten mit weiteren Begleiterkrankungen, starken Beschwerden, häufigen Harnwegsinfekten, unklarer Diagnose einer Prostatitis und/oder schlechtem Allgemeinzustand erfolgt die Therapie in der Regel in einer Klinik; die Antibiotika werden möglicherweise mithilfe einer Infusion verabreicht. Ziel ist es in jedem Fall, eine Ausbreitung der Bakterien mit dem Blut im ganzen Körper (Sepsis) zu vermeiden.

Bei einer stark gefüllten Blase, die sich nicht auf normalem Wege entleeren lässt, ist eine Katheterisierung angezeigt, d h. der Urin wird über einen kleinen Schlauch abgelassen.

Verlaufskontrolle

Sollte sich die Behandlung mit Antibiotika nicht als wirkungsvoll erweisen, sind eine Umstellung der Therapie angezeigt und ggf. genauere Untersuchungen der Prostata, z. B. per Ultraschall. Falls ein erhöhter PSA-Wert gemessen wurde, sollte dieser 3–6 Monate nach der Therapie nochmals kontrolliert werden.

Prognose

Die meisten Fälle entwickeln sich unter einer Antibiotika-Therapie rasch positiv. Die Prognose ist gut. Nur selten treten Komplikationen in Form einer Sepsis auf. Eine chronische Prostatitis kann gelegentlich zu rezidivierenden Harnwegsinfekten führen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med. Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Prostatitis, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. European Association of Urology (EAU): EAU Guidelines on Urological Infections. Update 2018. www.uroweb.org uroweb.org
  2. Robert Koch-Institut: Selbsthilfe im Gesundheitsbereich. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 36, Prostataerkrankungen. Berlin, 2007. www.rki.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Brennen beim Wasserlassen – S3-Leitlinie und Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfektion. AWMF-Leitlinie Nr. 053-001, Stand 2018. www.awmf.org
  4. Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinie Nr. 043-044, Stand 2017. www.awmf.org
  5. Coker TJ, Dierfeldt DM. Acute bacterial prostatitis: Diagnosis and management. Am Fam Physician 2016 Jan 15; 93(2): 114-120. pmid: 26926407 PubMed
  6. Wagenlehner, Florian M.E.; Naber, Kurt G. et al. Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom, Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(11): 175-83, DOI: 10.3238/arztebl.2009.0175. DOI