Prostatakrebs-Früherkennung: Ist ein PSA-Test sinnvoll?

Mehrere große wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ein Screening mit PSA-Messung zur frühzeitigen Prostatakrebserkennung bei Männern die Lebenserwartung leider nicht entscheidend beeinflusst.

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Ist eine Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung durch PSA-Bestimmung sinnvoll?

Grundsätzlich ist bei Krebserkrankungen ist eine frühzeitige Erkennung von Vorteil, wenn dadurch eine bessere Therapie möglich ist. Leider gibt es bei den meisten Krebskrankheiten keine gute Früherkennungsmöglichkeit, bei der der Nutzen den möglichen Schaden überwiegt.
Auch beim Prostatakrebs ist ein Vorteil durch eine Früherkennungsuntersuchung nicht gesichert. Wenn eine Früherkennung vorgenommen werden soll, dann muss der PSA-Wert bestimmt werden (Blutuntersuchung). Diese Maßnahme wird bisher von den Krankenkassen nicht bezahlt. Auch ist das Nutzen/Schaden-Potential nicht abschließend bewertbar.

Was ist die Prostata?

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Bei der Prostata handelt es sich um eine Drüse, die die Harnröhre umgibt. Sie erzeugt ein Sekret, dass für die Fruchtbarkeit wichtig ist. Mit fortschreitendem Alter vergrößert sich die Prostatadrüse bei einigen Männern und es kann zu Problemen beim Wasserlassen (Urinieren) kommen. In den meisten Fällen ist diese Prostatavergrößerung gutartig (benigne). Bei bösartigen (malignen) Zellen in der Prostata liegt ein Prostatakrebs (Prostatakarzinom) vor. Dabei lässt sich jedoch nicht voraussagen, ob der Krebs schnell oder langsam wächst. Bei mindestens 30 % aller 70-jährigen Patienten werden Krebszellen gefunden, ohne dass diese Beschwerden verursachen. Die meisten Männer weisen Zeit ihres Lebens keine Krankheitsprobleme dieser Art auf. Etwa 1 von 8 Männern (12 % aller Männer) erhält im Laufe seines Lebens die Diagnose Prostatakrebs. Dabei ist auch ein großer Teil durch Früherkennungsmaßnahmen aufgespürt. Nur einer von 31 Männern stirbt am Prostatakrebs (3,3 % aller Männer).

Behandlung und Nebenwirkungen

Mehrere große und seriöse wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ein Screening mit PSA-Messung von symptomlosen Männern zur frühzeitigen Prostatakrebserkennung nicht lebensverlängernd ist (d. h. die Gruppe der Männer mit Früherkennung lebt im Durchschnitt nicht länger als die Gruppe der Männer ohne Früherkennung). Bei Patienten, bei denen ein Prostatakrebs mit aggressiven Tumorwachstum nachgewiesen wird, wenn dieser Tumor noch klein und auf die Prostata begrenzt ist, verbessert bei einer frühzeitige Behandlung jedoch die Überlebenschancen. Das heißt, dass im Einzelfall ein Mann sehr wohl einen Vorteil durch die Früherkennung haben kann. Man schätzt, dass etwa 1.000 Männer zehn Jahre lang in der Früherkennung beobachtet und dann ggf. behandelt werden müssen, damit ein Todesfall am Prostatakarzinom weniger auftritt.

Eine solche Behandlung weist allerdings auch Nebenwirkungen auf. Eine Metastudie zeigte, dass etwa 60–70 % der Männer, bei denen die Drüse entfernt wurde, impotent werden und einige an Harninkontinenz (10–20 %) leiden. Dies gilt auch für die Strahlentherapie.

Was ist der PSA-Test?

Bei PSA (prostataspezifisches Antigen) handelt es sich um eine Substanz, die normalerweise in geringen Mengen von der Prostata abgesondert wird und im Blut nachweisbar ist. Das PSA ist kein reiner Tumormarker. Erhöhte PSA-Werte treten auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung auf oder im Falle einer Entzündung der Prostata. Bei der Entnahme von Gewebeproben von Männern mit erhöhtem PSA-Wert konnte festgestellt werden, dass zwei von drei Männern keinen Prostatakrebs aufweisen.

Der heutige Wissensstand besagt Folgendes:

  • Der PSA-Test gilt als unzuverlässig für den Nachweis von Prostatakrebs im Frühstadium (d. h. er kann erhöht sein, obwohl tatsächlich kein Karzinom vorhanden ist) – er ist aber auch ein unzuverlässiges Indiz dafür, ein Prostatakarzinom auszuschließen (d. h. er kann niedrig sein, obwohl tatsächlich ein Karzinom vorhanden ist).
  • Wenn Sie keine Beschwerden haben, besteht nur ein sehr geringer Nutzen bei der Durchführung eines PSA-Tests, mit dem herausgefunden werden soll, ob Sie an Prostatakrebs leiden (nur wenige Männer können durch diese Maßnahme „gerettet" werden). Es besteht aber auch die Möglichkeit, einen unnötigen Schaden zu erleiden (als Folge von Komplikationen oder eigentlich unnötigen therapeutischen Maßnahmen).
  • Die Behandlung von Prostatakrebs kann Nebenwirkungen verursachen, ohne den Krebs zu heilen.
  • Der PSA-Test ist nützlich, um bei einem bereits diagnostizierten Prostatakrebs die Behandlungswirkung und die Krankheitsentwicklung erfasst werden können (Nachsorge).

In Deutschland haben Männer ab 45 Jahren die Möglichkeit jährlich an einer Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs teilzunehmen. Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm sind die Abtastung der Genitalien und der dazu gehörigen Lymphknoten in der Leiste vorgesehen. Der Arzt tastet zudem die Prostata vom Enddarm aus ab. Nicht vorgesehen (und daher nicht von der Krankenkasse bezahlt) ist dagegen der PSA-Test (die Untersuchung auf das prostataspezifische Antigen im Blut)

Ihre Entscheidung

Manche Männer möchten diesen Test auf eigene Kosten durchführen. In diesem Fall müssen die Patienten über alle größeren Einschränkungen dieses Tests sowie die Probleme und Konsequenzen informiert werden, die ein erhöhtes Testergebnis mit sich bringen kann.

In Übereinstimmung mit einer wissensbasierten Medizin wird eine PSA-Untersuchung gesunder Männer derzeit nicht empfohlen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Hannes Blankenfeld, Dr. med., Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, München
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.