Erektile Dysfunktion (Potenzstörung), Behandlung

Eine erektile Dysfunktion kann den Betroffenen einem hohen Leidensdruck aussetzen. Die richtige Therapie kann dabei Abhilfe verschaffen.

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Was sind Potenzstörungen und erektile Dysfunktion?

Beide Begriffe bedeuten nahezu das gleiche: Die mangelnde Fähigkeit, eine ausreichende Versteifung des Penis zu erreichen, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Wenn das Symptom in mindestens 25 % der Fälle auftritt, in denen eine Erektion erwünscht ist, wird es als ein medizinisches Problem definiert. Es führt bei vielen Betroffenen zu erheblichen negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und die Beziehung zur Partnerin. In dieser Information werden beide Begriffe synonym verwendet.

Die häufigste Ursache der Beschwerden sind psychische Umstände. Beispiele hierfür sind:

  • negative sexuelle Erlebnisse in der Vergangenheit
  • Depressionen
  • Versagensängste.

Wenn die morgendliche Erektion intakt ist und der Patient durch Masturbation (Selbstbefriedigung) in der Regel Erektionen und Orgasmen hat, sind dies wichtige Signale, um psychische Ursachen von krankhaften körperlichen Veränderungen zu unterscheiden.

Erektile Dysfunktion betrifft 2 % der 30-Jährigen und über 50 % der über 60-Jährigen. Einige Studien zeigen weitaus höhere Zahlen. So erleiden 30 bis 50 % der Männer mit Diabetes Erektionsstörungen.

Ursachen

Eine Erektion zu erreichen und aufrecht zu erhalten, ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • psychische Umstände
  • Nervenimpulse
  • Für das sexuelle Verlangen ist Testosteron erforderlich, das männliche Geschlechtshormon.
  • Auch der Blutkreislauf im Penis muss intakt sein, damit die erforderliche Ansammlung von Blut in den Schwellkörpern des Penis erfolgen kann.

Diesbezügliche Mängel schwächen die Potenz. Darüber hinaus können auch verschiedene Medikamente, vor allem Medikamente zur Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen, einen ungünstigen Einfluss auf die Libido und die Fähigkeit zur Erektion haben.

Diagnose

Nach der körperlichen Untersuchung und einem Gespräch wird die Diagnose gestellt. Psychische Faktoren sind wie bereits erwähnt die Hauptursache der erektilen Dysfunktion. Zur Diagnose gehört auch eine Reihe von Blutuntersuchungen, vor allem um Krankheiten auszuschließen, die Erektionsstörungen verursachen können.

Faktoren, die auf psychische Ursachen hindeuten:

  • plötzliches Auftreten des Problems
  • Erektion nur von kurzer Dauer
  • gute Qualität oder besseres Empfinden von spontanen oder selbst stimulierten Erektionen oder der morgendlichen Erektion
  • zu früher oder ausbleibender Samenerguss
  • Probleme oder Veränderungen in der Beziehung zur Partnerin
  • wichtige Ereignisse im Leben oder psychische Probleme

Faktoren, die auf eine körperliche Ursache hinweisen können:

  • allmählicher Beginn des Problems
  • Mangel an nächtlichen Erektionen
  • normaler Samenerguss
  • normaler Sexualtrieb (Libido)
  • körperliche Krankheiten wie Diabetes, neurologische Erkrankungen oder Herzgefäßerkrankungen
  • Operationen, Bestrahlung oder Verletzungen im Unterleib
  • Einsatz von Medikamenten
  • Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Drogen

In Ausnahmefällen ist möglicherweise ein Schwellkörperinjektionstest (SKIT) beim Facharzt sinnvoll. Bei dieser Untersuchung werden gefäßerweiternde Mittel in die Schwellkörper des Penis gespritzt, die die normale Blutmenge in diesem Bereich ansteigen lassen und so eine Erektion auslösen sollen. Ist dies erfolgreich, kann diese sogenannte intrakavernöse Injektion ( Einspritzen eines Medikaments in den Schwellkörper) als Therapie in Erwägung gezogen werden.

Behandlung

Betroffene können einiges tun, um ihre Situation selbst zu verbessern. So kann eine Verringerung des Tabak- und Alkoholkonsums bereits Wirkung zeigen. Auch eine Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht ist ratsam. Der Abbau von Stress kann auch die Problematik lindern. Liegen der erektilen Dysfunktion psychische Umstände zugrunde, kann eine Gesprächstherapie, gegebenenfalls zusammen mit der Partnerin, sinnvoll sein.

Medikamentöse Behandlung

Am häufigsten werden Präparate mit den Wirkstoffen Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil verschrieben. Diese Mittel wirken sowohl bei psychischen als auch bei physischen Ursachen. Einige Herz-/Gefäßerkrankungen reagieren negativ auf diese Medikamente, ein Verzicht ist jedoch hauptsächlich für Patienten geboten, die nitrathaltige Medikamente (z.B. Nitroglycerin) einnehmen. Inwieweit die Nutzung derartiger Medikamente für Sie sicher ist, muss Ihr Arzt bewerten, bevor er das entsprechende Rezept ausstellt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Rötungen der Haut, Unwohlsein im Oberbauch, eine verstopfte Nase und Schwindel. Gelegentlich können Sehstörungen auftreten.

Sildenafil ist in unterschiedlicher Stärke erhältlich und wirkt primär durch eine Erhöhung der lokalen Durchblutung des Penis. Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg, die bei Bedarf ca. eine Stunde vor der sexuellen Aktivität eingenommen werden. Sie kann auf 100 mg erhöht oder auf 25 mg verringert werden. Die Wirkung erfordert sexuelle Stimulation und das Mittel wirkt etwa drei Stunden lang. Das Präparat sollte jedoch nicht von Patienten genutzt werden, die Nitrate einnehmen oder unter einer instabilen Koronarerkrankung leiden. Es ist auch zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion geeignet, die durch die Einnahme von Neuroleptika hervorgerufen wurde.

Die empfohlene Dosis von Tadalafil beträgt 10 mg, die Einnahme sollte 30 Minuten bis 12 Stunden vor der geplanten sexuellen Aktivität erfolgen. Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis auf 20 mg erhöht werden, nicht jedoch bei Patienten mit herabgesetzter Leber- oder Nierenfunktion. Die Wirkungsdauer des Präparats beträgt bis zu 24 Stunden. Tadalafil sollte nicht häufiger als einmal täglich eingenommen werden.

Die empfohlene Dosis von Vardenafil beträgt 10 mg, die 25 bis 60 Minuten vor der geplanten sexuellen Aktivität eingenommen werden. Die Dosis kann auf 5 mg verringert oder auf bis zu 20 mg erhöht werden.

Alprostadil ist ein Mittel zur lokalen Behandlung. Das Präparat wird unter Verwendung eines speziellen Applikators in der Harnröhre platziert. Die Wirkung tritt relativ schnell ein und es besteht ein geringeres Risiko von Nebenwirkungen als bei Sildenafil. Nebenwirkungen sind Penisschmerzen bei jedem dritten Patienten, darüber hinaus treten brennende Schmerzen in der Harnröhre bei etwa 10 % der Patienten auf.

Einzelne Patienten spritzen sich selbst gefäßerweiternde Substanzen. Die Injektion erfolgt vor dem Geschlechtsverkehr, die Wirkung hält 30 bis 60 Minuten an. Es können Nebenwirkungen in Form von langen und schmerzhaften Erektion auftreten.

Testosteron ist nur in Fällen angebracht, in denen geringe Mengen an Testosteron im Körper nachgewiesen wurden.

Stoßwellentherapie

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist ein neues Verfahren im Rahmen der Behandlung der erektilen Dysfunktion. Sie fügt dem Penisgewebe Mikrotraumata ( kleinste Verletzungen) zu, die wiederum zur Neubildung von Blutgefäßen im kavernösen Gewebe stimulieren. Studien bestätigen eine deutliche Verbesserung der erektilen Funktion und Durchblutung im Penis ohne ungünstige Nebenwirkungen. Weitere Studien sind jedoch notwendig.

Penisring und Penispumpe

Die Penispumpe ist eine Vakuumpumpe, die Blut in den Penis zieht, so dass er für den Geschlechtsverkehr ausreichend steif wird. Nach erfolgter Erektion kann ein Penisring um den Penisansatz gelegt werden, um die Erektion aufrecht zu erhalten. Diese Maßnahmen können separat oder in Kombination angewendet werden. Problematisch ist, dass sie oft als umständlich und unangenehm empfunden werden.

Operation

In einigen Fällen kann es notwendig sein, eventuelle Krümmungen des Penis operativ zu korrigieren.

Eine Operation mit dem Ziel einer verbesserten Durchblutung des Penis kann effektiv sein, wird jedoch sehr selten durchgeführt. Es ist auch möglich, eine Penisprothese operativ einzusetzen, die mechanisch aufgeblasen werden kann. 70 % der Männer, denen solche Beihilfen implantiert wurden, und 90 % der Partnerinnen sind mit der Lösung zufrieden. Dies ist als letztes Mittel zu betrachten, denn wenn die Prothese einmal eingesetzt ist, ist eine Erektion ohne Nutzung der Pumpe nicht mehr möglich.

Prognose

Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Potenzproblemen. Die meisten Patienten erleben danach eine Verbesserung der Erektion.

Die langfristige Prognose ist davon abhängig, welche Ursache zu den Beschwerden führten.

Weitere Informationen

Illustrationen

Penis Querschnitt
Penis Querschnitt

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Erektile Dysfunktion, Symptom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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