Erektile Dysfunktion (Potenzstörung)

Unter einer erektilen Dysfunktion versteht man die Unfähigkeit, die für den Geschlechtsverkehr notwendige Erektion aufzubauen oder zu erhalten.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Potenzstörung und erektile Dysfunktion?

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn ein Mann fortwährend kein Steifwerden (Erektion) seines Penis erreichen oder aufrechterhalten kann, das für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht, und wenn dieses Problem über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten anhält.

Folgende Störungen der Sexualität werden nicht als erektile Dysfunktion bezeichnet, sondern – zusammen mit der erektilen Dysfunktion – unter dem Oberbegriff „sexuelle Dysfunktion" zusammengefasst: vermindertes oder fehlendes sexuelles Verlangen (Libido), Unfähigkeit zum Orgasmus und Störungen des Samenergusses (Ejakulation).

Häufigkeit

Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Während um das 30. Lebensjahr etwa 2 % aller Männer eine erektile Dysfunktion haben, ist etwa die Hälfte der über 60-Jährigen betroffen. Bei Menschen mit Diabetes, Alkoholsucht oder Gefäßerkrankungen kommt die erektile Dysfunktion häufiger vor.

Was ist sind die Ursachen einer erektilen Dysfunktion?

Seelische Faktoren und Stress haben oft einen starken Einfluss auf die Erektionsfähigkeit. Beispielsweise können Erlebnisse beim ersten Sex, gescheiterte Beziehungen, Depression, fehlendes Selbstvertrauen, Angst vor dem Versagen und überhöhte Erwartungen zu Erektionsproblemen beitragen.

Geht die Erektionsfähigkeit nach und nach verloren, obwohl das sexuelle Verlangen erhalten bleibt, dann kann das auf eine körperliche Ursache hinweisen. Wenn der Betroffene weiterhin spontane Morgenerektionen hat oder durch Selbstbefriedigung (Masturbation) eine vollständige und anhaltende Erektion erreichen kann, dann spricht das eher für eine seelisch (psychisch) verursachte oder stressbedingte Erektionsstörung.

In den meisten Fällen sind mehrere Faktoren gleichzeitig an der Entstehung des Problems beteiligt.

Häufige Ursachen

  • Seelische und zwischenmenschliche Probleme, Stress
  • Durchblutungsstörungen aufgrund von Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bestimmte Medikamente können sich ungünstig auf die Erektionsfähigkeit auswirken, z. B.:
  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum, Drogenkonsum
  • Erkrankungen im Nervensystem
    • Nervenschäden, die durch Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2) oder übermäßigen Alkoholkonsum verursacht werden.
    • Erkrankungen des Nervensystems wie multiple Sklerose (MS) oder Parkinson-Krankheit
    • Komplikationen durch operative Eingriffe an Prostata, Harnblase oder Mastdarm
  • Penisverkrümmung
    • starke Krümmung des erigierten Penis
    • Die Krümmung führt selten zu Beschwerden, kann aber den Geschlechtsverkehr schmerzhaft und unbequem werden lassen oder aus kosmetischer Sicht unangenehm sein.
  • Vorhautverengung (Phimose)
    • Kommt häufig bei kleinen Jungen vor, wobei die Vorhaut nicht über den Kopf der Eichel gezogen werden kann.
    • Bei den meisten Betroffenen tritt eine Verbesserung im Lauf der Jahre ein. Bleibt die Phimose bestehen, dann kann dies zu einer Entzündung unter der Vorhaut führen und bei erwachsenen Männern den Geschlechtsverkehr behindern.

Seltenere Ursachen

  • Hormonelle Ursachen
  • Chronische Prostataentzündung
    • Dies ist eine häufige Erkrankung mit variierenden Symptomen, die nur in Ausnahmefällen zu Potenzstörungen führt.
    • Typische Symptome sind Schmerzen oder ein Druckgefühl im Bereich zwischen Penisansatz und Damm (Perineum), Beschwerden beim Harnlassen, Ausfluss und mit Blut vermischtes Sperma.
  • Entzündung der Nebenhoden
    • Diese Erkrankung kann vom Kindesalter bis ins hohe Alter auftreten.
    • Sie beginnt mit langsam einsetzenden Schmerzen, die vom Hodensack bis in den Bauch ausstrahlen können, Fieber, Brennen und häufiger Harndrang sowie in kurzer Zeit zunehmende Schwellung und Schmerzempfindlichkeit der Nebenhoden.
  • Penisverletzungen
    • Beispielsweise durch einen Unfall kann der Schwellkörper des Penis oder die Vorhaut verletzt werden. Schmerzen oder Vernarbungen können dann eine Erektion erschweren oder in schweren Fällen unmöglich machen.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Wenn Sie sich hinsichtlich der Ursache unsicher sind, starke Beschwerden haben oder sehr unter dem Problem leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Spezialisten für die Erkennung und Behandlung von Erektionsstörungen sind Andrologen („Männerärzte"). Viele Urologen, aber auch manche Ärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten, haben sich auf Andrologie und/oder Sexualmedizin spezialisiert.

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Seit wann leiden Sie an der Erkrankung?
  • Wie oft tritt das Problem auf?
  • Wenn eine Erektion stattfindet, sind dann Dauer und Qualität zufriedenstellend?
  • Kommen nächtliche/morgendliche Erektionen vor und wie ist deren Qualität/Dauer?
  • Können Sie genauer beschreiben, was das Problem verursacht?
    • Kommen Sie nicht bis zur Erektion, oder hat sich das Lustgefühl verändert?
    • Erreichen Sie den Orgasmus nur mit Mühe?
    • Lässt der Samenerguss nach?
    • Vorzeitiger Samenerguss?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Ärztliche Untersuchung

Der Arzt wird Ihre Geschlechtsorgane untersuchen und unter Umständen Blutuntersuchungen durchführen.

Bei Verdacht auf eine Grunderkrankung werden weitere Untersuchungen veranlasst, eventuell werden Sie an einen Spezialisten überwiesen.

Illustrationen

Längsschnitt durch Blase, Prostata und Penis
Längsschnitt durch Blase, Prostata und Penis
Männliche Geschlechtsorgane
Männliche Geschlechtsorgane

Weitere Informationen

Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Erektile Dysfunktion, Symptom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S1-Leitlinie Erektile Dysfunktion: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-112, Klasse S1, Stand 2018. www.awmf.org
  2. Braun M, Wassmer G, Klotz T et al. Epidemiology of erectile dysfunction: results of the "Cologne male Survey". Int J Imp Res 2000; 12: 305–311 PMID: 11416833 PubMed
  3. Prieto D. Physiological regulation of penile arteries and veins. Int J Impot Res 2008; 30: 17-29. PMID: 17637789 PubMed
  4. Carson CC, Dean JD. Management of Erectile Dysfunction in Clinical Practice. Springer, 2007. www.springer.com
  5. Nehra A, Jackson G, Miner M, et al. The Princeton III Consensus recommendations for the management of erectile dysfunction and cardiovascular disease. Mayo Clin Proc 2012; 87: 766-78. PMID: 22862865 PubMed
  6. Corona G, Rastrelli G, Monami M, et al. Hypogonadism as a risk factor for cardiovascular mortality in men: a meta-analytic study. Eur J Endocrinol 2011; 165: 687–701. PMID: 21852391 PubMed
  7. Baumhäkel M, Schlimmer N, Kratz M, et al. Cardiovascular risk, drugs and erectile function–a systematic analysis. Int J Clin Pract 2011; 65: 289-98. PMID: 21314866 PubMed
  8. Rosen RC, Link CL, O'Leary MP, et al. Lower urinary tract symptoms and sexual health: the role of gender, lifestyle and medical comorbidities. BJU Int 2009; 103 Suppl 3: 42-7. PMID: 19302501 PubMed
  9. Dong JY, Zhang YH, Qin LQ. Erectile dysfunction and risk of cardiovascular disease: meta-analysis of prospective cohort studies. J Am Coll Cardiol 2011; 58: 1378-85. PMID: 21920268 PubMed
  10. Chung SD, Chen YK, Lin HC, Lin HC. Increased risk of stroke among men with erectile dysfunction: a nationwide population-based study. J Sex Med 2011; 8: 240-6. PMID: 20722781 PubMed
  11. Esposito K, Ciotola M, Giugliano F, et al. Effects of intensive lifestyle changes on erectile dysfunction in men. J Sex Med 2009; 6: 243-50. PMID: 19170853 PubMed
  12. Esposito K, Giugliano D. Lifestyle/dietary recommendations for erectile dysfunction and female sexual dysfunction. Urol Clin North Am 2011; 38: 293-301. PMID: 21798391 PubMed
  13. Rosen RC, Riley A, Wagner G, et al. The international index of erectile function (IIEF): a multidimensional scale for assessment of erectile dysfunction. Urology 1997; 49: 822-30. PMID: 9187685 PubMed
  14. Ghanem H, Shamloul R. An evidence-based perspective to commonly performed erectile dysfunction investigations. J Sex Med 2008; 5: 1582–9. PMID: 18086162 PubMed
  15. Montorsi F, Adaikan G, Becher E, et al. Summary of the recommendations on sexual dysfunctions in men. J Sex Med 2010; 7: 3572.88. PMID: 21040491 PubMed
  16. Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern): (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 23.10.2015. www.bundesaerztekammer.de
  17. Fink HA, Mac Donald R, Rutks IR et al. Sildenafil for male erectile dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Arch Intern Med 2002; 162: 1349–1360 PMID: 12076233 PubMed