Schmerzen im Penis

Schmerzen im Penis können ganz verschiedene Ursachen haben; nur selten liegt jedoch eine schwere Krankheit vor.

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Was sind Schmerzen im Penis?

  • Schmerzen im Penis können durch Infektionen, Veränderungen an der Haut mit Juckreiz etc. oder auch eine schmerzhafte Erektion entstehen. Viele Männer suchen trotz der Schmerzen erst einmal keinen Arzt auf.

Beurteilung der Schmerzen im Penis

  • Die Ursache in vielen Fällen harmlos bzw. lässt sich gut behandeln.
  • Oft ist die Diagnose aufgrund der Krankengeschichte und des Aussehens des Penis leicht zu stellen.

Was ist die Ursache für Schmerzen im Penis?

Häufige Ursachen

  • Herpes genitalis bei Männern
    • Diese Geschlechtskrankheit wird vom Herpes simplex-Virus 2 (80–90 %) oder vom Herpes simplex-Virus 1 (10–20 %) verursacht.
    • Der erste Ausbruch (Primärausbruch) äußert sich durch allgemeine Symptome, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, evtl. Muskelschmerzen und Bildung kleiner Blasen auf der Vorhaut oder um die Öffnung der Harnröhre, Brennen. Die Blasen platzen und werden zu flachen Wunden, in denen sich Bakterien absetzen. Der Ausschlag dauert in der Regel 4–6 Wochen.
    • Spätere Ausbrüche sind durch geringere allgemeine Symptome und weniger, aber recht schmerzhaften Blasen/Wunden gekennzeichnet, die nach 1–2 Wochen abheilen.
    • Faktoren, die zu einer Verschlimmerung beitragen, sind Sonnenbäder, Infektionen und psychische Belastungen/Stress.
  • Warzen an den Geschlechtsorganen (Kondylome)
    • Sie werden durch humane Papillomviren (HPV) verursacht, sind aber selten schmerzhaft.
    • Das Aussehen der Warzen kann spitz, flach oder auch blumenkohlartig sein.
    • Möglichweise tritt Juckreiz auf, aber nur wenige andere Symptome.
    • Die Warzen befinden sich meist in der Innenfalte der Vorhaut oder Eichel (Glans penis).
  • Entzündung unter der Vorhaut (Balanitis)
    • Eine Balanitis ist eine Infektion unter der Vorhaut, die im Jungenalter recht häufig vorkommt.
    • Dabei können Schmerzen auftreten. Unter der Vorhaut zeichnen sich feuerrote Schleimhäute mit einem Belag oder Ausfluss ab.
    • Ursache kann eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen sein; auch eine Kontaktallergie ist möglich.
    • Eine Sonderform der Balanitis ist der Lichen sclerosus, eine chronische Hautkrankheit des Penis, die mit Juckreiz, Schmerzen und Problemen beim Wasserlassen einhergeht.
  • Die Vorhaut ist zurückgezogen und lässt sich nicht wieder über die Eichel ziehen (Paraphimose).
    • Dies kommt insbesondere bei älteren Männern und bei Patienten mit Kathetern vor.
    • Wenn sich die enge Vorhaut nicht wieder über die Eichel (Eichelkopf) ziehen lässt, kann diese stark anschwellen und ausgeprägte Schmerzen verursachen.
  • Verletzung des Penis: Durch Druck, Einklemmung, Quetschung können starke Schmerzen ausgelöst werden.
  • Durchblutungsstörungen: Sowohl eine Thrombose in einer Vene als auch eine mangelnde Durchblutung einer Arterie im Bereich des Penis kann zu Störungen der Blutzirkulation und damit zu Schmerzen führen.
  • Folgen einer Operation: Wurde wegen einer Vorhautverengung (Phimose) operiert, können durch Narben, Verwachsungen oder Ähnliches Schmerzen bedingt sein. 

Seltene Ursachen

  • Dauererektion (Priapismus)
    • Dies ist der Zustand einer dauerhaften Erektion, die keinen Bezug zu sexueller Erregung hat.
    • Dabei sind Schmerzen im Penis und in der Leistengegend (Perineum) häufig.
    • Mögliche Ursache sind Durchblutungsstörungen, die ggf. eine rasche Therapie erfordern.
  • Peniskarzinom
    • Diese Erkrankung kommt fast ausschließlich bei älteren Männern vor.
    • Dabei findet man rote, wunde Bereiche oder kleine Tumoren an der Eichel oder deren Rand.
    • Das Wundwerden kann zu Schmerzen führen. In manchen Fällen kommt übelriechender Ausfluss vor, der mit Blut vermischt sein kann.
  • Harnwegsstein
    • Bei manchen Menschen bilden sich Konkremente im Bereich der Nieren, die sich im Harnleiter, der Blase oder der Harnröhre festsetzen und durch die Dehnung der Gewebe zu Schmerzen führen können.
    • Dabei können einseitige, starke Koliken von der Flanke bis hin zum Hodensack, der Leiste und dem Penis ausstrahlen. Dies wird von Übelkeit und Erbrechen begleitet und der Patient kann wegen der Schmerzen kaum still sitzen.
    • Je nachdem, wo in den Harnwegen sich der Stein befindet, kann er zu Schmerzen im Penis und in der Eichel führen.
  • Phimose
    • Verengte Vorhaut bei Jungen, wird meist im Kindesalter korrigiert.
  • Verkrümmter Penis
    • Ein etwas gebogener Penis kann angeboren sein.
    • Dieses Krankheitsbild kann auch im Rahmen einer Peyronie-Krankheit (Induratio penis plastica) auftreten, bei der das Bindegewebe des Penis schrumpft und sich verhärtet, was zu einer schmerzhaften Krümmung führt.
  • Psychosomatische Schmerzen
    • Bei Männern mit psychisch bedingten Schmerzen kann es häufig auch zu Penischmerzen kommen. 
    • Meist sind diese verbunden mit Schmerzen auch im Damm, in den Hoden, beim Wasserlassen sowie sexuellen Problemen.

Was können Sie selbst tun?

  • Wichtig ist eine gründliche und regelmäßige Hygiene der Vorhaut.
  • Vermeiden Sie Shampoo und Seife und beschränken Sie sich auf lauwarmes Wasser. Bei einer Entzündung kann diese Behandlung ausreichend sein.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Bei Schmerzen im Penis und insbesondere bei Wunden und Auswüchsen an der Eichel sollte man, vor allem bei andauernden Beschwerden, einen Arzt aufsuchen.
  • Eine verengte Vorhaut sollte möglichst rasch behandelt werden.
  • Durchblutungsstörungen können eine Notfalltherapie erforderlich machen.

Wie geht der Arzt vor?

Krankengeschichte (Anamnese)

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie lange dauern diese Beschwerden schon an?
  • Liegen weitere Beschwerden vor?
  • Fühlen Sie sich allgemein krank?
  • Liegen auch Probleme beim Geschlechtsverkehr vor?
  • Haben Sie Probleme in der Partnerschaft?

Ärztliche Untersuchung

  • In den meisten Fällen genügt eine lokale Untersuchung des Penis (Aussehen, Hautbeschaffenheit, evtl. Schwellung, Ausfluss etc.).
  • Eine Untersuchung des Urins kann weitere Informationen liefern.

Weitere Untersuchungen

  • Oft sind keine weiteren Untersuchungen notwendig.
  • Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen ist eine Doppler-Ultraschalluntersuchung oft hilfreich.
  • Bei einer Tumorerkrankung entnimmt man eine Gewebeprobe aus dem Tumor.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Die Erkrankung kann oft vom Hausarzt behandelt werden; je nach Ursache mit Antibiotika, Virostatika, Wirkstoffen gegen Pilze oder z. B. Kortisonsalbe.
  • Im Falle einer Thrombose oder akuten arteriellen Durchblutungsstörungen ist ggf. eine Notfalltherapie/-operation erforderlich.
  • Eine zu enge Vorhaut muss in der Regel operativ geweitet werden. 
  • Im Fall eines Peniskarzinoms ist eine weitere Therapie beim Onkologen nötig.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Penisschmerzen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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